Frankfurt (KNA) Die Schriftstellerin Shida Bazyar erhält in diesem Jahr den Deutschen Buchpreis. Die Autorin wurde am Montagabend in Frankfurt für ihren Roman "Die Lücken" ausgezeichnet. Er setzt sich mit der verdrängten Geschichte von Verfolgung in einer westdeutschen Kleinstadt auseinander ...
Frankfurt (KNA) Die Schriftstellerin Shida Bazyar erhält in diesem Jahr den Deutschen Buchpreis. Die Autorin wurde am Montagabend in Frankfurt für ihren Roman "Die Lücken" ausgezeichnet. Er setzt sich mit der verdrängten Geschichte von Verfolgung in einer westdeutschen Kleinstadt auseinander.
Das Buch reflektiere anhand einzelner Schicksale fast 100 Jahre ambivalenten deutschen Lebens, begründete die Jury die Entscheidung. "Es waren Nachbarn, die zusahen, wie jüdische Menschen aus den Straßen verschwanden. Es sind Nachbarn, die Entscheidungen treffen, ob Menschen mit Migrationsgeschichte sich zu Hause fühlen."
Die 1988 geborene Autorin wähle überzeugende literarische Strategien, so die Jury weiter: "Der Blick einer toten Erzählerin und die kaleidoskopische Struktur des Textes ermöglichen es, zwischen den Zeiten zu springen sowie Nähe und Distanz zu erzeugen."
Bazyar sagte in ihrer Dankesrede: "Es fällt mir nicht so richtig leicht, so richtig Freude zu empfinden, muss ich sagen, weil das schon ein sehr merkwürdiges Gefühl ist, wenn man einen Roman schreibt über Menschen, die verfolgt wurden und terrorisiert wurden und ermordet wurden. Sich dann einfach richtig zu freuen, das kommt mir nicht ganz richtig vor." Deswegen solle die Wertschätzung den Menschen gehören, um die es in dem Buch geht, so Bazyar.
Die Schriftstellerin mit iranischen Wurzeln betonte: "Ich möchte darauf hinweisen, dass die antisemitischen Straftaten auf einem Höchststand sind - und die rassistischen auch. Und dass es im Moment keine Minderheit in Deutschland gibt, die keinen Grund zur Sorge hat."
Bazyar wuchs in Hermeskeil (Rheinland-Pfalz) auf und lebt heute in Berlin. Der Hauptpreis für den besten deutschsprachigen Roman ist mit 25.000 Euro dotiert. Im Finale waren auch Franziska Gänsler mit "Orca", Valeria Gordeev mit "Die Zikade entschlüpft ihrer goldglänzenden Hülle", Elias Hirschl mit "Schleifen", Peggy Mädler mit "Selbstregulierung des Herzens" und Dana Vowinckel mit "Anton und Alma".