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© Moritz Steegmeier / Erzbistum Paderborn
© Moritz Steegmeier / Erzbistum Paderborn

Ein Leben aus ganzem Herzen Gott weihen – für ihn und für uns

Charlotte Roland feierte in der Pfarrkirche St. Martin Bigge ihre Jungfrauenweihe. Ein alter Ritus, ein starkes Glaubenszeugnis.

Die Entscheidung der 40-Jährigen, der Berufung als geweihte Jungfrau zu folgen, reifte über Jahre. „Die Weihe war nur noch die Konsequenz auf Gottes Liebe Antwort zu geben.“ Charlotte Roland, die in Marsberg geboren wurde und seit 2020 im Pastoralen Raum Olsberg als Gemeindereferentin im Einsatz ist, fühlte sich berufen, aber das Klosterleben war nicht ihr Weg.

Sie möchte im Alltag unter den Menschen leben und für sie als Gemeindereferentin und auch  im Ehrenamt da sein. Dennoch wollte sie ihr Leben Gott weihen, die spirituelle Bindung mit Jesus vor allen offen und überzeugend zeigen. Weil sie weiß, dass die Bezeichnung Jungfrauenweihe für einige „schräg“ klingt, erklärt sie es auch gerne so: „Jesus hat für dieses Leben ein Bild: Er spricht in Gleichnissen vom Hochzeitsfest und Hochzeitsmahl. In diesem Bild sind alle Menschen, die Gott in seine Nachfolge ruft, durch die Taufe und ihre Offenheit zu Gott: Braut Christi.“ Sie wollte diesen Bund nach außen besiegeln.

„Mein Herz ist besetzt“

Es gebe viele mögliche Antworten auf Gottes Liebe: als Ehepartner, in Beruf und Familie, als Priester, Diakon oder Ordensschwester und- bruder. Sie wolle indes die Freundschaft mit Jesus als Virgo Consecrata gestalten, nachdem sie über viele Jahre erlebt habe, dass ihr Herz „besetzt“ sei. „Mit meiner Jungfrauenweihe mache ich öffentlich und verspreche, was ich schon jahrelang lebe. Das schenkt mir tiefen inneren Frieden“, beschreibt Charlotte Roland. Nach der Weihe sah man es ihr an: Jetzt ist alles gut.

„Ich verspreche, das tägliche Gebet, mein ganzes Leben – auch in Freizeit und Ehrenamt – für Gott und die Menschen einzusetzen und wie Jesus ehelos um des Himmelreiches willen zu leben“, so ihre Worte bei der Weihe. Als Gemeindereferentin ebenso wie ehrenamtlich in der Fazenda da Esperanca für Menschen mit Sucht- und Drogenproblematiken lebt sie dies in der Gegenwart und setzt Zeichen. Viele Menschen, denen sie bei- und nahesteht, feierten mit ihr. Im Anschluss an die Messe gab es ein großes Gemeindefest vor der Kirche.

Erste Jungfrauenweihe in der Pfarrkirche St. Martin Bigge

Pfarrer Klaus Engel wies beim Weihegottesdienst auf das Alter der ehrwürdigen Bigger St.-Martin-Kirche hin und auf den noch älteren Turm: „Und dennoch: Eine solche Weihe wie heute hat dieser Bau noch nicht gesehen. Ich freue mich.“ Die Kirche war randvoll, viele Wegbegleiterinnen, Gemeindemitglieder, Freunde und natürlich die Familie von Charlotte Roland waren da. Gemeinsam mit geistlichen Wegbegleitern –drei Priester, ein Dominikaner-Pater, ein ständiger Diakon – und geleitet von Weibischof Matthias König fand diese Weihe statt.

Mehrere Ensembles spielten und Charlotte Roland sang selbst aus ganzem Herzen unterstützt vom Chor „Mein ganzes Leben geb‘ ich Dir, Herr“. Bekannte und Familie sprachen von ihren liebenswerten und freundschaftlichen Beziehungen zu ihr, hielten die Fürbitten, überreichten die Insignien Schleier, Stundengebet, Ring und Weiheurkunde. Eine Freundin der neu geweihten Jungfrau sang die Allerheiligen-Litanei, die zur Weihe dazu gehört und bei der sich Charlotte Roland wie alle zu Weihenden lang vor den Altar legte. Eine Geste, die auch von der Priesterweihe oder beim Ablegen von Ordensgelübden bekannt ist. Zum Bekenntnis sang sie: „Ich bin mit dem vermählt, dem die Engel dienen und dessen Schönheit Sonne und Mond bewundern.“

Darum das alles!

Warum war ihr dies alles so wichtig?  Antworten auf diese Frage versuchte Weihbischof Matthias König in seiner Predigt zu geben. Er werde Charlotte Roland nach dem Ritus, der schon aus dem Alten Testament stamme und über das Zweite Vatikanische Konzil wieder eingerichtet wurde, das Weiheversprechen abnehmen. Ihre Kerze habe sie „als Zeichen ihrer leuchtenden Liebe zu Gott“ auf den Altar gestellt. Das Stundenbuch verpflichte sie zum täglichen Gebet für die Menschen. Niemand würde wohl jemals erfahren, „wer in unserem Leben schon für uns gebetet und uns damit geholfen hat“, sagte Weihbischof König. „Sie, Frau Roland, dürfen das großzügig säen!“ Und weiter: „Es ist tatsächlich etwas Seltenes, das wir heute feiern, aber es kommt vor und es ist schön, dass die Weihe an diesem Tag in einer solchen Öffentlichkeit gefeiert wird.“ Der Entschluss sei nicht „mal eben“ gefällt worden. Charlotte Roland sei gut begleitet gewesen, der Weg hin zur Weihe über Jahre gereift. „Aber warum war es ihr so wichtig, das öffentlich zu bekennen?“ In einer sexualisierten und auf Körperlichkeit fixierten Gesellschaft sei der Jungfrauen-Begriff ein Stolperstein.

„Aber wie verstehen, was das wirklich heißt?“, wandte sich der Paderborner Weihbischof an die Gemeinde und dann wieder direkt zu Charlotte Roland: „Glaube, Hoffnung, Liebe ist auf Ihr Gewand gestickt. Sie treten auf mystische Weise in eine tiefe Beziehung zu Gott und in Verbundenheit mit ihm.“ Vielleicht verstehe das, wer in einer Ehe lebe. „Wenn jemand so authentisch ist wie Charlotte Roland – was ja ihre große Gabe ist – dann hilft das, zu verstehen.“  Der Schleier sei ein Zeichen dieser Bindung. „Er legt sich wie die Liebe Gottes um Sie herum.“

„Eine Frau, die sich in der Kirche berufen und gesendet fühlt“

Akribisch habe Charlotte Roland in ihrem Heft zur Weihe aufgeführt, warum sie diesen Schritt gehe.  „Diese Weihe ist keine Krönung eines Egotrips. Hier ist eine Frau, die sich in der Kirche berufen und gesendet fühlt. 20 geweihte Jungfrauen gibt es im Erzbistum Paderborn“, erklärte Weihbischof König. Gottes Evangelium sei kein Märchenbuch, sondern „Zeugnis des Lebens“. Wie Charlotte Roland den Glauben lebe und ihr Christsein mit Handeln fülle, könne da ein Vorbild fürs heute sein. „Sie tun das, Frau Roland, Sie nehmen weite Wege auf sich, um für Menschen da zu sein.“ Hier bezog er sich auf das Engagement der 40-Jährigen als Gemeindereferentin und für die Facenda in Sundern und die Dachorganisation Familie der Hoffnung, für die sie auch alle Eingeladenen um eine Spende bat.

Weihbischof König wandte sich an alle in Kirche und Gesellschaft Engagierten: „Hier in der Kirche gibt Christus uns immer wieder viel Kraft, für uns selbst und andere da zu sein. Monstranz und ewiges Licht sollen nichts anderes zeigen: Gott ist da und zum ihm dürfen wir kommen.“  Und mit Bezug zum Ereignis des Tages schloss er: „Es hat mit Charlotte Roland zu tun, dass wir andere dafür sensibel machen, dass ja Jesus letztlich an Ihre Tür klopft.“

„Ihr seht, ich bin nicht alleine“

„Alle, die ihr Leben Gott geweiht haben, bitte aufstehen“, bat Charlotte Roland zum Ende des Gottesdienstes. Knapp ein Dutzend Frauen standen auf – teils mit dem Schleier der Ordensschwester, aber die meisten ohne äußerliches Erkennungszeichen. Und sie sagt: „Ihr seht, ich bin nicht allein.“ Und sie verabschiedete sich – sichtlich angekommen dort, wo sie schon lange sein wollte – mit diesen Worten: „Danke, dass ihr hier seid und mit uns Gottes Güte und Liebe feiert. Danke schön!“

Ein Beitrag von:
Sonja Funke
Redakteurin

Sonja Funke

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