Mich tröstet...
… dass Menschen mir jetzt nicht ausweichen, sondern auf mich zukommen.
(Alle nachfolgenden Originalaussagen aus Trauergesprächen stammen aus AUFFENBERG, ULRICH: „Aufatmen – Trösten und getröstet werden“)
Zunächst: es gibt nichts, was uns die Abwesenheit eines uns lieben Menschen ersetzen kann, und man soll das auch gar nicht versuchen; man muß es einfach aushalten und durchhalten; das klingt zunächst sehr hart, aber es ist zugleich ein großer Trost; denn indem die Lücke wirklich unausgefüllt bleibt, bleibt man durch sie miteinander verbunden. Es ist verkehrt, wenn man sagt, Gott füllt die Lücke aus; er füllt sie gar nicht aus, sondern er hält sie vielmehr gerade unausgefüllt und hilft uns dadurch, unsere alte Gemeinschaft miteinander – wenn auch unter Schmerzen – zu bewahren.
Wenn jemand in Ihrem Umfeld trauert:
Trauer braucht keine schnellen Antworten. Oft hilft schon ehrliche Nähe, ein stilles Dasein, eine kleine Geste.
Grundsätzlich
Es gibt keine perfekten Worte. Entscheidend ist, dass Mitgefühl ehrlich ist. Wer kondoliert, muss nicht „das Richtige“ sagen, sondern aufmerksam und menschlich sein, einfach Trost spenden. Oft steht Angst im Raum oder auch Scham. Versuchen Sie, wenn es Ihnen mental gut genug geht, dies beiseite zu schieben und einfach Mensch zu sein.
Wir sind nicht nur Trost-Bedürftig, sondern Trost-Fähig.
Quelle: Monsignore Ulrich Auffenberg, „Aufatmen – Trösten und getröstet werden“
Generell ist es ratsam, überhaupt zu reagieren. Wann und wie, das hängt auch vom Verhältnis zum verstorbenen Menschen bzw. zu seinen Angehörigen ab. Das gilt auch für die Form, ob Besuch, Anruf, Text-/Sprachnachricht oder Karte. „Eine Sprachnachricht hat den Vorteil, dass die Trauernden sich diese noch einmal anhören können, wenn sie zur Ruhe gekommen sind“, sagt ein erfahrener Priester aus dem Erzbistum.
Besuche sind jederzeit wertvoll, zumal die eigentliche Trauerphase häufig erst nach der Beerdigung überhaupt beginnt.
Je nachdem, wie nah man demjenigen ist, der einen Angehörigen oder anderen lieben Menschen verloren hat, kann ein Anruf eine erste Möglichkeit sein, Trost zu spenden. Ob dafür direkt der Todestag geeignet ist – auch das ist Ermessenssache. Meist erfährt man ja erst später, dass entferntere Familienmitglieder, Freundinnen und Freunde oder Nachbarn einen Todesfall in ihrem nahen Umfeld haben. An einigen Orten läutet dann sogar die Totenglocke.
Durch die sozialen Medien hat sich allerdings auch die Nachricht über den Tod immens beschleunigt. Nicht wenige schreiben schon am Abend des Verlustes in Freundes-Gruppen auf Social Media. Wie dann reagieren?
Ein kurzes, persönliches „Ich wünsche Dir /Euch ganz viel Kraft“ passt immer.
Manchmal reicht es auch, kurz sein Beileid auszusprechen und dann zu schweigen und zu warten, ob das Gegenüber noch etwas sagen möchte.
Eine Sprachnachricht sollte eher kürzer sein und möglichst persönlich.
Wenn ich bei WhatsApp über einen Todesfall informiert werde, habe ich das Gefühl, schnell antworten zu müssen. Doch ist das immer empfehlenswert?
Letztlich geht es darum, einen möglichst persönlichen, vertraulichen und sensiblen Rahmen zu schaffen – und das kann auch über WhatsApp und Co. gelingen.
Wer mit der trauernden Person ohnehin viel per Messenger kommuniziert und gerade auch, wenn die Person selbst digital sehr aktiv ist, kann eine persönliche WhatsApp-Nachricht ein guter erster Schritt sein. Auch, um schnell – und kurz – zu reagieren.
Es empfiehlt sich sicher auch, diese Nachricht am besten persönlich an die Person zu schicken. Und es spricht nichts dagegen, im nächsten Schritt einen Anruf oder eine Karte oder einen Brief folgen zu lassen.
Auch die Frage: „Möchtest Du bald mal telefonieren oder soll ich vorbeikommen?“ ist immer erlaubt.
Hier ist zumeist schon auf der Karte ein ritualisierter Spruch wie „In stillem Gedenken“, „Herzliches Beileid“ oder „In tiefem Mitgefühl“ gedruckt, den man bewusst aussuchen kann. Folgendes kann beim anschließenden Formulieren mit bedacht werden, um mehr Trost spenden zu können:
Das womöglich Wichtigste vorab: Wer einen Trauerbesuch abhält, sollte sich selbst in der Verfassung dazu fühlen. Es ist völlig in Ordnung, eine Karte zu schreiben oder zu telefonieren, wenn Sie merken, dass Ihnen selbst – aus welchem Grund auch immer – die Kraft dafür fehlt. Der Trauerbesuch ist in der Regel auch noch Wochen bis Monate nach dem Todesfall ein tröstendes Moment für die Betroffenen. Das bedeutet nicht, dass Sie nicht mit Ihren Freunden, Nachbarn, Familienmitgliedern weinen dürfen. Im Gegenteil. Ausdrücklich ist es gut, authentisch zu sein – bei jeder Form der Beileidsbekundung.
Immer häufiger ist in Todesanzeigen zu lesen „Von Beileidsbekundungen am offenen Grab bitten wir Abstand zu nehmen“. Diesen Wunsch gilt es unbedingt zu respektieren.
Dennoch kann es Trauernden durchaus helfen, diesen Beistand zu bekommen. Es kann – zumal auf dem Land – schön sein, wenn viele Dorfbewohner mittrauern und zur Beisetzung kommen. Gemeinschaft kann trösten.
Etwas anderes ist es, am offenen Grab zu kondolieren. Hier ist sehr viel Feingefühl gefragt.
Eine gute Möglichkeit ist es, zunächst aufmerksam wahrzunehmen, wie die Angehörigen auf die ersten Menschen reagieren, die vorbeikommen. So lässt sich behutsam einschätzen, ob direkter Trost, Nähe oder ein Gespräch in diesem Moment vielleicht zu viel für die Trauernden ist. Umgekehrt kann sich aber auch zeigen: Gerade diese Begegnung tut ihnen gut.
Monsignore Ulrich Auffenberg zitiert in seinem Buch „Aufatmen – Trösten und getröstet werden“ einen Mann der Frau und Kind verloren hat: „Ich rate allen Angehörigen, nicht von Trostbekundungen am Grab abzusehen. (…) Vorher hatte ich mich davor gefürchtet, weil ich dachte, dass ich das nicht aushalte. Das Gegenteil war der Fall. Im Nachhinein waren es insbesondere diese zumeist herzlichen Begegnungen, die mich getragen haben und bis heute noch Wirkung in meiner Erinnerung haben. Die Verbindung mit anderen Menschen ist wie ein Netz, das dich auffängt. Was denn sonst?“
Kinder gehen oft sehr unmittelbar und unbefangen mit dem Tod um. Sie möchten verstorbenen Menschen manchmal noch etwas mitgeben: ein gemaltes Bild, einen Brief, eine Blume oder ein kleines Zeichen der Liebe. Darin zeigt sich etwas zutiefst Menschliches und auch etwas, das unserem christlichen Glauben nahe ist: Die Beziehung zu einem Menschen endet nicht einfach mit dem Tod. In der Hoffnung auf die Auferstehung vertrauen wir darauf, dass die Verstorbenen bei Gott geborgen sind. Ein persönliches Erinnerungsstück kann deshalb Ausdruck von Liebe, Dankbarkeit und bleibender Verbundenheit sein.
Oft trauern Kinder anders als Erwachsene. Sie stellen oft sehr direkte Fragen, wechseln scheinbar plötzlich zwischen Traurigkeit, Spiel und Alltag und brauchen ehrliche, einfache Antworten. Gerade aus christlicher Sicht ist es wichtig, Kinder in ihrer Trauer ernst zu nehmen und sie nicht auszuschließen. Tod, Abschied und Hoffnung dürfen behutsam benannt werden. Denn Kinder brauchen Räume, in denen sie fragen, weinen, schweigen, beten oder auch einfach wieder spielen dürfen.
Hilfreich können außerdem gute Kinderbücher sein, die altersgerecht auf Verlust, Sterben und Trauer vorbereiten oder im Todesfall eines nahen Angehörigen begleiten. Sie können helfen, Worte zu finden – für das, was schwer zu sagen ist – und zugleich deutlich machen: Niemand muss mit seiner Trauer allein bleiben.
Die Malteser bieten eine Trauerbegleitung für Kinder an und auch vor Ort sind Seelsorgerinnen und Seelsorger ansprechbar.
Wenn etwas Krasses passiert, ist es völlig normal, dass man selbst anders drauf ist. Ihr könnt zum Beispiel auch sehr müde sein. Wichtig ist, dass ihr wisst: Das geht fast immer wieder weg und dann geht es euch wieder gut.
Pfarrer und Notfallseelsorger Klaus Engel zu Kindern in einem Workshop für Messdiener
Die Telefonseelsorge ist unter 0800 111 0 111 / 0800 111 0 222 und per Chat rund um die Uhr erreichbar.
Explizit für Familien und Kinder
Zuallererst: Zögern Sie nicht, sich zu melden, wenn dringend geistlicher und seelischer Beistand notwendig ist!
Kirche ist da, wo Menschen einander tragen. Gerade in Zeiten der Trauer.
Allererste Ansprechperson für alle, die einen nahestehenden Menschen verloren haben, sind Seelsorgerinnen und Seelsorger vor Ort in Ihrer Gemeinde, in Ihrem pastoralen Raum. Schauen Sie auf der passenden Internetseite und suchen Sie nach den Telefonnummern oder – am späten Abend bzw. Wochenende – nach dem Bereitschaftsdienst.
Scheuen Sie sich nicht, rufen Sie an und holen Sie sich Hilfe!
Über unseren Erzbistumsfinder gelangen Sie schnell auf die Homepages der zuständigen Dekanate.
Orientierungshilfe bei vielen wichtigen Fragen
Besteht der Wunsch nach einem seelsorglichem Gespräch oder einer Krankensalbung? Wie plane ich eine Trauerfeier?
„Ich wünsche mir, dass sich viele Leute finden, sich an dieser Form der Seelsorge und Hilfe zu beteiligen. Ich selbst bin eigentlich eher zufällig zur Hospizseelsorge gekommen und bereue das keinesfalls. Im Gegenteil: Ich bin glücklich und dankbar, Menschen auf diese Weise begleiten zu dürfen“, sagt Pfarrer Thomas Siepe. Er ist Ansprechpartner, wenn es um Hospizseelsorge geht. Er begleitet Sterbende, Angehörige und das Personal in stationären Einrichtungen und im ambulanten Dienst.
Auch hier ist es wichtig, falls möglich, das Menschsein über Gefühle von Scham und Verlegenheit zu stellen. Wer dies schafft, bekommt in der (ehrenamtlichen) Hospizarbeit wie beim Besuch von todkranken Menschen ganz viel zurück. Wie viel mehr es im Hospiz um das Leben geht, als um den Tod, zeigt ein Blick nach Lennestadt.
Am meisten lernen wir von Mensch zu Mensch.
Hier möchten wir Erfahrungen von Menschen aus dem Erzbistum mit ihrer Trauer und ihrer Kondolenz teilen und hoffen, dass diese Rubrik wächst.
Ein Windstreif oder wenn die Sonne bei Beerdigungen durch blinzelt, all das gibt mir Hoffnung, erinnert mich an das, was ich glaube: dass es weitergeht nach dem Tod hier auf der Erde.
Sonja Funke
Einmal habe ich zu früh angerufen. Es passte nicht, traf die Betroffene in tiefster Verzweiflung. Ich kann es nicht zurückholen, in einer nächsten Situation aber sensibler sein. Ein anderes Mal war ich am Tag nach dem Tod der Mutter einer engen Freundin bei ihr. Sie hatte mir am Telefon signalisiert, dass ich sie besuchen darf. Wir waren mehrere. Wir waren einfach da, haben geplaudert. In unseren Herzen saß die Verstorbene mit am Tisch. Es tat gut. Auch mir.
Ja, auch das darf sein. Und sehr oft schon habe ich das Gefühl gehabt, dass Gott uns Zeichen der Hoffnung gibt. Bei der verstorbenen Mutter meiner Freundin war es eine Blume in deren Wohnung, die Jahre nicht geblüht hatte, wohl aber im Jahr nach ihrem Tod. Meine Freundin und auch ich waren zu Tränen gerührt.
Sonja Funke, Redakteurin Erzbistum Paderborn