logocontainer-upper
Erzbistum Paderborn
logocontainer-lower

Beispielhaft vorangehen

Neue Serie mit persönlichen Aussagen von Mitarbeitenden der Kirche im Erzbistum Paderborn zu den 17 Nachhaltigen Entwicklungszielen der Vereinten Nationen

Von der UN-Klimakonferenz in Glasgow 2021 (COP 26) bleibt ein durchwachsenes Fazit. COP-Präsident Alok Sharma rang sichtlich mit seiner Fassung, als er in seinem Schlussstatement den Minimalkonsens verkündete. Große Fragen bleiben offen. Hat die Weltgemeinschaft den Weckruf, den Papst Franziskus mit seiner Enzyklika Laudato si’ schon im Jahr 2015 ausstieß, endlich gehört und verstanden? Und: Ist die Welt nun endlich bereit, auch danach zu handeln?

Daran schließen sich weitere Fragen an: Wenn sich die Weltgemeinschaft so schwer tut, zu handeln – was können kleinere Einheiten wie das Erzbistum Paderborn, was kann jede und jeder einzelne von uns tun, um den Klimawandel zu begrenzen? Und, über den Klimawandel hinaus: Wie können wir als Christinnen und Christen und das Erzbistum Paderborn als Institution einen Beitrag leisten, um den 17 Nachhaltigen Entwicklungszielen (Sustainable Development Goals, SDG) der Vereinten Nationen bis zum Zieljahr 2030 wenigstens ein großes Stück näher zu rücken?

Diese Fragen haben wir Mitarbeitenden des Erzbistums Paderborn gestellt und sie gebeten, zu jeweils einem Nachhaltigkeitsziel Stellung zu beziehen. So wollen wir in den kommenden Tagen und Wochen ein Bild davon zeichnen, wie die Ziele Schritt für Schritt erreicht werden können. Das Ergebnis der sehr persönlichen Einschätzungen ist ein Stimmungsbild, das die Herausforderungen klar benennt, das aber auch Grund für Optimismus bietet: Vieles ist auf einem guten Weg.

Jeden Tag stellen wir Ihnen ein weiteres Ziel vor und aktualisieren die Seite laufend.

Frieden, Gerechtigkeit und starke Institutionen

Friedliche und inklusive Gesellschaften für eine nachhaltige Entwicklung fördern

Ein Statement von Stephan Schröder, Diözesanjugendpfarrer und verantwortlich für die Weltjugendtage

Wo der Friede wohnt, da hat Gott ein zuhause!

In wenigen Tagen hören wir wieder die alt bekannte Botschaft von der Geburt Jesu. Mit dem Gesang der Engel wird sie über dem Stall von Bethlehem mit folgenden Worten angekündigt:

„Ehre sei Gott in der Höhe und Friede den Menschen auf Erden.“ Was für eine starke Botschaft. Der Friede bekommt mit Jesus Hand und Fuß. Der Friede ist gottgewollt. Man könnte auch behaupten, da wo der Friede wohnt, da ist Gott zuhause.

Doch viel zu häufig drängt sich einem der Eindruck auf, dass der Friede in unserer Welt obdachlos geworden ist. Denn Krieg, Terror und soziale Ungerechtigkeit schreien in vielen Gegenden dieser Welt zum Himmel. Umso wichtiger ist es, dass wir als Christinnen und Christen in dieser von Krieg und Ungerechtigkeit geprägten Welt dem Frieden und der Gerechtigkeit wieder Obdach geben. Nicht ohne Grund hat der Kirchenlehrer Angelus Silesius gesagt: „Und wäre Jesus tausendmal geboren aber nicht in dir, du wärest ewiglich verloren.“ Gott kann in mir geboren werden, wenn der Friede in mir wohnt.

In Psalm 34,15 heißt es: „Suche Frieden und jage ihm nach.“ Damit lässt sich die Frage verbinden, wie wir auf die Welt und unsere Nächsten schauen. Wie sehe ich die Menschen? Wie sehe ich die Welt? Bei allem Unfrieden in dieser Welt, den kriegerischen Auseinandersetzungen ist es auch mindestens genauso wichtig, den Frieden in dieser Welt zu suchen, Menschen „nachzujagen“, die den Frieden für sich gefunden haben. Denn in ihnen ist Gott zuhause! Das ist die nachhaltigste Möglichkeit dem Frieden Raum zu geben.

Ich denke in diesem Zusammenhang gerne an den Weltjugendtag in Brasilien zurück. Dort haben wir über die Hilfsorganisation „Avicres“ Straßenkinderprojekte kennengelernt. Die Kinder leben unter erbärmlichsten Umständen auf der Straße, zum Teil von ihren Familien verstoßen oder von Drogen abhängig. „Avicres“ hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Kindern ihre Würde zurückzugeben, sie von der Straße im wahrsten Sinne des Wortes aufzulesen, ihnen ein Zuhause zu geben, ihnen medizinische und schulische Hilfe zu geben. Die Kinder sind nach einer Zeit der Betreuung wie neu geboren, denn ihnen ist Gerechtigkeit wiederfahren. Mir hat ein Verantwortlicher der Hilfsorganisation ein Sprichwort mit auf den Weg gegeben, welches unter den Straßenkindern kursiert: „Es gibt immer noch einen Weg!“ Mich begleitet dieser Satz schon seit vielen Jahren. Denn für mich gibt es immer noch einen Weg, solange ich auf Menschen stoße, in denen der Friede wohnt und Gott ein zuhause hat.

Sie sind sozusagen wie Engel, die heute Menschen den Frieden bringen, die ihn verloren haben, die ihn suchen. Unsere Kirche ist voll von Engeln, die leider allzu häufig übersehen und überhört werden. Ich denke an die vielen Hilfsorganisationen wie Misereor, Missio, die Caritas, die Sternsingeraktion von Kindern für Kinder, ich denke die vielen Patenschaften mit Gemeinden in Entwicklungsländern und vieles mehr.

In Puncto Nachhaltigkeit ist uns Gott da wohl einen gewaltigen Schritt voraus. Denn die Botschaft der Engel klingt bis zum heutigen Tag nach. Geben wir dem Frieden Obdach, dann wird Gott heute und in Zukunft ein Zuhause in dieser Welt und in unseren Herzen haben.

Leben an Land

Landökosysteme schützen, wiederherstellen und ihre nachhaltige Nutzung fördern

Ein Statement von Klaus Danne, Pastor im Pastoralverbund Schmallenberg-Eslohe

Die Pflicht, Flagge zu zeigen

1. Warum ist es wichtig, sich als Christin oder Christ in diesem Bereich zu engagieren?

Über Millionen Jahre hinweg haben sich Pflanzen- und Tierwelt gemeinsam entwickelt. So sind 90 Prozent aller Blühpflanzen auf die Bestäubung durch Insekten angewiesen. Durch diese intime Beziehung ist für die Pflanzen die Fortpflanzung gesichert. Im Gegenzug dafür erhalten die Insekten Nahrung und der Mensch profitiert vom Ertrag der Nutzpflanzen – wenn  denn das Gleichgewicht gewahrt bliebe …

Eine wissenschaftliche Studie aus Krefeld belegt allerdings, dass die Zahl der bestäubenden Insekten in den vergangenen Jahren drastisch zurückgegangen ist. Wagt man einen Blick in die Zukunft, so warnt der Weltbiodiversitätsrat davor, dass schon in den nächsten zehn Jahren (!) etwa eine Million Arten auszusterben drohen. Unwiederbringlich. Wir wissen, man kann beim Thema Erderwärmung vielleicht noch darüber debattieren, ob wir uns einen Temperaturanstieg von 1,5 °C oder 1,7 °C erlauben wollen. Aber das Thema Artensterben ist nicht mehr verhandelbar!

Als Christinnen und Christen haben wir Verantwortung für die Schöpfung und damit auch füreinander, besonders für die Generation unserer Kinder. Wollen wir, dass die Versorgung mit natürlichen Nahrungsmitteln gesichert ist, müssen wir handeln. Heute. Wir haben in ökologischen Fragen nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht, Flagge zu zeigen. Gemeinsam finden sich Lösungen.

2. Mit welchen Projekten verfolgen wir als katholische Kirche im Erzbistum Paderborn dieses Ziel?

Wir versuchen zu sensibilisieren. Im Sommer entstanden zwei sehenswerte Videos, „Look at the world“ und „Schöpfungsverantwortung im Pastoralverbund Schmallenberg-Eslohe“. Des Weiteren verfolgen wir dieses Ziel, indem wir seit Jahren im Rahmen der Firmvorbereitung Projekte zum Thema Bewahrung der Schöpfung durchführen. Die aktuellen waren in diesem Jahr ein Projekt Naturfotografie (Sehen, Staunen, Abdrücken), ein sehr interessantes Nature-Caching-Projekt mit einem Mitarbeiter der Biologischen Station und ein Projekt „Gedankenbank“, das Wandernde auf dem Sauerland-Höhenflug mit Zitaten zum Thema Bewahrung der Schöpfung zum Nachdenken anregt. Ich gehe davon aus, dass auch in anderen Teilen des Erzbistums noch viele weitere zukunftsweisende Projekte durchgeführt wurden und werden. Würd‘ mich freuen, wenn sich aus dieser Veröffentlichung hier ein Dialog ergeben könnte!

3. Nachhaltiges Handeln betrifft uns alle, weil …

… weil die Generation 2030+ , die Generation unserer Kinder, ein Recht darauf hat, in einer halbwegs intakten Umwelt aufzuwachsen. Wir haben keinen Planeten B. Dennoch gebe ich die Hoffnung nicht auf, dass viele Menschen guten Willens das tun, was möglich ist. Denn: Was ich faszinierend finde, was ich wertschätze, was ich liebe, das trete ich nicht mit Füßen. Es gibt so einen schönen Spruch: „Wenn viele kleine Leute an vielen kleinen Orten viele kleine Dinge tun, dann kann sich das Antlitz der Erde verändern.“

Leben unter Wasser

Ozeane, Meere und Meeres­res­sourcen im Sinne nachhaltiger Entwicklung erhalten und nachhaltig nutzen

Ein Statement von Maximilian Schultes, Referent für dialogische Pastoral in Kirche und Gesellschaft

Wir Katholikinnen und Katholiken schützen Lebensräume – zuhause und weltweit

Die Erde, das gemeinsame Haus, ist uns Menschen Schwester und Mutter zugleich; sie ist uns sowohl Mitgeschöpf als auch Erhaltungsgrundlage. „Diese Schwester schreit auf wegen des Schadens, den wir ihr aufgrund des unverantwortlichen Gebrauchs und des Missbrauchs der Güter zufügen, die Gott in sie hineingelegt hat.“ Das stellt Papst Franziskus in seiner aus Sorge für dieses gemeinsame Haus verfassten Schrift „Laudato Si“ klar. Ein „Weiter so!“ ist für ihn nicht denkbar.

Diese Perspektive teilen Katholikinnen und Katholiken weltweitund engagieren sich daher kraftvoll für den bedrohten Planeten. In ihrem Einsatz für Nachhaltigkeit realisiert sich zudem die Solidarität mit den Ärmsten der Welt, die schon heute besonders unter den Folgen der Klimakrise leiden. So haben sich in der katholischen Kirche in den vergangenen Jahren vielfältige Initiativen, wie das global ausgerichtete Laudato-Si-Movement, zusammengeschlossen, die Nachhaltigkeit mit Globaler Gerechtigkeit verbinden.

Aber auch im Erzbistum Paderborn setzen sich viele Akteure für diese Themen ein. Einer davon ist die Faire Gemeinde. Dabei handelt es sich um ein Nachhaltigkeitsnetzwerk, das kirchliche Gruppen zu einer Weiterentwicklung ihres Engagements im Kontext der Schöpfungsverantwortung mittels eines Zertifizierungssystems auffordert. Auf dem Weg zu einer solchen Auszeichnung ist dabei mindestens ein „Fair-Besserungsprojekt“ umzusetzen, das aus fünf Kategorien auszuwählen ist. Neben den Bereichen „Energie“, „Mobilität“, „Finanzen“ und „Beschaffung“ steht dabei auch die Kategorie „Lebensräume schaffen“ zur Wahl, womit das SDG #14 ins Spiel kommt.

Der Kategorie „Lebensräume schaffen“ geht es genau um den dort formulierten Hinweis, die natürlichen Ressourcen unseres Planeten „im Sinne nachhaltiger Entwicklung [zu] erhalten und nachhaltig [zu] nutzen“. Nur ist uns der regionale Bezug unseres Handelns wichtig und – Sie als Leserin oder Leser dieses Statements werden das bestätigen – das Erzbistum liegt nicht an Küste und Meer. Deshalb wird das erst kürzlich zertifizierte Kolpingwerk – Diözesanverband Paderborn im Rahmen einer Aktion aus diesem Sommer beispielsweise 2112 Bäume im Stadtwald von Bad Driburg pflanzen lassen. Daneben gibt es in vielen Kirchengemeinden Überlegungen dazu, wie mit kircheneigenem Land nachhaltig umgegangen werden kann. Wer Lebensräume schützen oder schaffen will, braucht nicht zwangsläufig eine Küste.

Was ist aber nun mit der Unterwasserwelt? Tatsächlich ist der Zustand der Meere laut Vereinten Nationen besorgniserregend. Die jahrzehntelange Ausbeutung der maritimen Ökosysteme hat zu einem alarmierenden Level ihrer Degradierung geführt. Stichworte in diesem Zusammenhang sind Überfischung, Umweltrisiken der Erdöl- und Erdgasförderung sowie die Ansammlung von Plastikmüll. Der Tiefseebergbau, also der industrielle Abbau mineralischer Bodenschätze auf dem Meeresgrund, könnte die Problemlage der Weltmeere weiter verschärfen.. Er wird gegenwärtig in unterschiedlichen Weltgegenden, unter anderem im Südpazifik, auf seine Durchführbarkeit und Rentabilität geprüft. Eine Abschätzung der daraus resultierenden Umweltfolgen ist derzeit so gut wie unmöglich. Alarmierend ist allerdings, dass Regenerationsprozesse in der Tiefsee etwa 25 Mal langsamer ablaufen als in Ökosystemen an Land. Darauf weist das Bischöfliche Hilfswerk Misereor in einem Positionspapier hin.

Zudem zeigt die Erfahrung aus dem Bergbau zu Lande, dass die daraus resultierenden Erträge der Bevölkerung vor Ort nur in den seltensten Fällen zugutekommen. Im Gegenteil: Der Reichtum an Rohstoffen ist häufig Anlass für regionale Konflikte. Auch bei Tiefseebergbau-Projekten steht zu befürchten, dass die Menschen in den Anrainerstaaten von den Schätzen wenig bleibt. Mit Ausnahme der Umweltschäden.

In Summe ergeben sich viele gute Gründe, gegenüber Tiefseebergbau-Projekten skeptisch zu sein. Daher stellt sich die Katholische Kirche über das Hilfswerk Misereor an die Seite der Betroffenen im Südpazifik. So fördert das katholische Hilfswerk zivilgesellschaftliche Initiativen wie die Deep Sea Mining Campaign in Papua-Neuguinea und den in Hamburg ansässigen Ozeanien-Dialog. Auch beziehen kirchlich Verantwortliche wie John Kardinal Ribat, Erzbischof von Port Moresby und Mitglied im vatikanischen „Dikasterium für die ganzheitliche Entwicklung des Menschen“, eindeutig Position.

Gläubige Menschen setzen sich also weltweit für den Schutz bedrohter Ökosysteme ein und verbinden in diesem Engagement ökologische und soziale Aspekte. Damit bilden sie ein globales Netzwerk, das Impulse für eine zukunftsfähige Lebensweise in den jeweiligen Kontexten setzt und so einen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung der Menschheit leistet. Themen, die nicht unmittelbar vor Ort angepackt werden können, finden sich an anderer Stelle mitgedacht und werden oftmals solidarisch mitfinanziert. So werden selbst küstenferne Katholikinnen und Katholiken in die durch das SDG 14 formulierte Anwaltschaft für submarine Lebensräume miteinbezogen. Natürliche Ressourcen im Sinne nachhaltiger Entwicklung erhalten und nachhaltig nutzen – dazu sind wir in Bad Driburg genauso wie vor den Küsten Papua-Neuguineas gerufen.

Maßnahmen zum Klimaschutz

Umgehend Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels und seiner Auswirkungen ergreifen

Ein Statement von Christian Machold, Klimaschutzmanager in der Abteilung Entwicklung des Erzbischöflichen Generalvikariats

Klimaschutz ist ein Akt der Nächstenliebe

1. Warum ist es wichtig, sich als Christin oder Christ in diesem Bereich zu engagieren?

Als Christin oder Christ ist es unsere Aufgabe, die Schöpfung zu bewahren und damit ihren Fortbestand zu sichern (Gen 2,15). Der Schöpfungsbegriff umfasst alles von Gott Geschaffene, also Menschen, Tiere, Natur, unsere gesamte Umwelt. Sich als Christin oder Christ in diesem Bereich zu engagieren, heißt also nicht nur das Klima zu schützen, sondern die gesamte Schöpfung zu bewahren. Besonders wichtig ist dabei der Aspekt der Nächstenliebe: Der Klimawandel trifft vor allem Menschen, die diesen nicht zu verantworten oder herbeigeführt haben.

2. Mit welchen Projekten verfolgen wir als katholische Kirche im Erzbistum Paderborn dieses Ziel?

Im Erzbistum Paderborn gibt es bereits eine Vielzahl kleinerer und größerer Projekte, welche ihren jeweiligen Beitrag zur Bewahrung der Schöpfung leisten. Von Seiten des Erzbistums gilt es, das Klimaschutzkonzept umzusetzen. Die ersten Ladesäulen für Elektroautos sind installiert, die ersten Elektrofahrzeuge sind unterwegs. Auch die Sanierung von Bestandsgebäuden kommt voran. Im Bereich der Kirchengemeinden und pastoralen Räume gibt es sehr viele verschiedene Beispiele, wie dem Klimawandel begegnet wird. Dazu gehören die klimafreundliche Gestaltung von Pfarrgärten, das Anpflanzen von Bäumen zu verschiedenen Anlässen, Initiativen für den Umstieg aufs Fahrrad oder die Anschaffung fairer und nachhaltiger Produkte.

3. Nachhaltiges Handeln betrifft uns alle, weil …

… weil es in unseren Händen liegt, dem Klimawandel in unserem Alltag zu begegnen und die Welt besser und lebenswerter für die gesamte Schöpfung zu machen. Wir alle können unseren Beitrag dazu leisten, durch unser Handeln und durch unser Vorbild. Ziel sollte es sein, dass wir unsere Mitmenschen auf dem Weg zu mehr Klimaschutz nicht nur mitnehmen. Wir sollten vielmehr unser gesamtes Umfeld dafür begeistern, die Schöpfung zu bewahren.

Weniger Ungleichheiten

Ungleichheit in und zwischen Ländern verringern

Ein Statement von Matthias Micheel, persönlicher Referent des Erzbischofs

Für einen schonenden Umgang miteinander

1. Warum ist es wichtig, sich als Christin oder Christ in diesem Bereich zu engagieren?

Vor Gott gibt es keine Rangunterschiede. Vor Gott kann sich ja auch niemand seiner Verdienste rühmen. Deswegen hat mich die Geschichte vom Rangstreit der Jünger schon als Jugendlicher fasziniert. Weil sie aufdeckt, was tief in uns steckt: sich zu vergleichen, besser sein zu wollen als die Anderen, größer, tüchtiger, gescheiter: „Sie schwiegen, denn sie hatten auf dem Weg miteinander darüber gesprochen, wer der Größte sei“ (Markus 9,33). Der Größte – was ist das schon vor Gott? Wir alle sind bedürftige Wesen. Deshalb ist es für uns Christen so wichtig, immer wieder neu auf den Kern hinzuweisen: Du als Einzelner bist ein „Jemand“. Egal, wie reich oder arm oder wie gebildet du bist. Deine Würde kommt von Gott und ist unantastbar. Und: Wir werden dir helfen, dass du nicht arm und ungebildet bleibst. Wir werden dich nicht allein lassen. Und das gilt für jeden einzelnen Menschen und für jede Gemeinschaft, jedes Land, alle. Das ist für mich ein großes Erbe des Christentums. Wenn es keinen gerechten Ausgleich und keine Solidarität untereinander gibt, führt das unweigerlich zu Gewalt und Krieg.

2. Mit welchen Projekten verfolgen wir als katholische Kirche im Erzbistum Paderborn dieses Ziel?

Ich möchte in dem Zusammenhang gerne einmal von den Projekten des Bonifatiuswerkes in Nordeuropa und auf dem Baltikum sprechen. Das Bonifatiuswerk hat seine Zentrale hier bei uns in Paderborn und leistet tolle Arbeit. Dieses Ziel, Ungleichheiten zu beseitigen, das wird in Nordeuropa gut deutlich. Die katholische Kirche dort ist eine Einwandererkirche. Menschen aus über 150 Nationen kommen nach Schweden, Norwegen oder Finnland, weil sie vor dem Krieg oder vor der Hitze und der Armut fliehen. Sie kommen dann in die reichsten Länder! Und die kleine Diasporakirche schafft dort eine enorme Integrationsleistung und wird von Paderborn aus unterstützt. In Nordeuropa ist es mir besonders deutlich geworden, wie wichtig es ist, dass die Kirche auf der Seite der Armen und Schwachen steht und gerechten Ausgleich schafft. Und das gelingt auch. Das ist dann gerade in diesen ansonsten superreichen Ländern eine „Kirche an den Rändern“, von der Papst Franziskus immer spricht.

3. Nachhaltiges Handeln betrifft uns alle, weil …

… weil Menschen immer auch Naturwesen sind. Vor allem die Neuzeit hat das in ihrem Mainstream gerne geleugnet und Gier und Größenwahn auf die Spitze getrieben. Das Wort Nachhaltigkeit ist mir etwas technisch und vielleicht zu wenig emotional. Ich würde eher von „schonen“ sprechen, von einem schonenden Umgang mit allem, was lebt. „Schonen“ heißt: etwas schön behandeln, mit etwas freundlich und vorsichtig umgehen. Da klingt viel mehr Respekt und Rücksichtnahme gegenüber allen Geschöpfen durch. Wenn wir die Erde und die Lebewesen auf ihr schonen, dann erkennen wir an, dass die Schöpfung einen Eigenwert hat, dass man sie bewahren und pflegen muss und dass wir ein Teil von ihr sind.

Nachhaltige Städte und Gemeinden

Städte und Siedlungen inklusiv, sicher, widerstandsfähig und nachhaltig gestalten.

Ein Statement von Diözesanbaumeisterin Carmen Matery-Meding

Wir sind viele!

1. Warum ist es wichtig, sich als Christin oder Christ in diesem Bereich zu engagieren?

Engagement für nachhaltige Städte und Gemeinden geht uns alle an. Alle Bevölkerungsgruppen sind angesprochen. Unsere Art zu wohnen und uns zu bewegen hat unmittelbare Auswirkungen auf den CO2-Ausstoß und da kann jede und jeder bei sich selbst anfangen. Natürlich müssen die Rahmenbedingungen gesetzt sein, aber die Umsetzung der Vorgaben obliegt uns allen. Da Schöpfungsverantwortung für alle Christinnen und Christen eine Kernaufgabe ist, müssen wir mitwirken. Wir sind viele!

2. Mit welchen Projekten verfolgen wir als katholische Kirche im Erzbistum Paderborn dieses Ziel?

Die Bandbreite der Möglichkeiten ist groß und wir decken bestimmt noch nicht alle Felder ab: Wir bieten als Arbeitgeber Job-Tickets an, um die Mobilität der Mitarbeitenden auf den ÖPNV zu lenken. E-Parkplätze an Bildungs- und Verwaltungseinrichtungen werden ausgebaut, um CO2-freies Ankommen zu ermöglichen. Aber auch in den Gemeinden tut sich viel: Pfarrheime werden zu multifunktionalen Begegnungszentren, die mehr und mehr verschiedene Aufgaben erfüllen. Mehrfachnutzungen zur besseren Auslastung bedeuten einen geringeren Verbrauch von Ressourcen. Wenn beispielsweise eine Einrichtung der Caritas in kirchengemeindlichen Räumen untergebracht wird, haben wir weniger Leerstand und an anderer Stelle entstehen keine Neubauten. Zudem müssen der Rückbau und die Umgestaltung von kirchengemeindlichen Immobilien auch mit der jeweiligen Stadt- oder Gemeindeentwicklung einhergehen. Die Konzentration von Räumlichkeiten, wie sie aktuell in den Kirchengemeinden vorangetrieben werden muss, ermöglicht es uns aber auch, die verbleibenden Gebäude mit zukunftsfähigen Heizsystemen auszustatten und den Einsatz erneuerbarer Energien auszuweiten.

3. Nachhaltiges Handeln betrifft uns alle, weil …

… weil unser Handeln Auswirkungen hat. Manchmal sofort, manchmal erst nach einigen Jahren. Und wir die Pflicht haben, auch die Ressourcen für nächste Generationen im Blick zu behalten.

Industrie, Innovation und Infrastruktur

Widerstandsfähige Infrastruktur aufbauen, breitenwirksame und nachhaltige Industrialisierung fördern und Innovationen unterstützen

Ein Statement von Dr. Andreas Fisch, Referent für Wirtschaftsethik sowie Kirchliche Dienstgeber/-innen der Dortmunder Kommende

Wasser für alle!

1. Warum ist es wichtig, sich als Christin oder Christ in diesem Bereich zu engagieren?

Eine ganz ähnliche Frage habe ich einmal einer Frau in Brasilien gestellt. Es war auf einer sehr politischen Demonstration für Menschenrechte. Im Kern ging es um Brunnen für diese abgelegene Region im Nordosten. Die Demonstration wurde sehr getragen von der Katholischen Gemeinde, in der ich damals mitarbeiten durfte. An Haltepunkten wurde der Rosenkranz gebetet und mir erschloss sich nicht gleich, warum die ziemlich schwere Marienstatue den ganzen Demonstrationszug mitgeschleppt wurde. Bei dieser Verwirbelung von Religion und Politik fragte ich also ganz ähnlich: „Wie hängt diese Demonstration für Brunnen mit Gott zusammen?“ Und diese brasilianische Frau sagte mit einem ganz selbstverständlichen Ton in ihrer Stimme: „Ja, glaubst du denn, Gott möchte, dass wir schmutziges Wasser trinken und daran krank werden?“

Diese Grundintention habe ich bis heute verinnerlicht. Wenn es mir egal ist, wie menschenunwürdig Produkte hergestellt werden, wie unwürdige Löhne gezahlt werden, wie Gewinne einseitig üppig verteilt werden, was ist die Konsequenz? Dann lege ich wirksam ein Zeugnis von einem Gott ab, dem die Menschen egal sind – welchen Namen ein solcher Gott auch immer trägt. Wen ich als Gott akzeptiere, prägt mein Leben, mein Handeln, Sprechen, mein Einkaufen. So verstehe ich auch die Ursünde: Wir werden in sündige Strukturen hineingeboren, die schon von Ungerechtigkeit geprägt sind. Wir sind unentrinnbar in diese Strukturen verstrickt als Profiteur, als Konsumentin und so weiter.

Und ganz ehrlich: Ich möchte gerne in einer Welt leben, wo Rücksichten auf die Mitmenschen genommen werden. Besonders dann, wenn ich mir vorstelle, ich wäre in ein anderes Land, eine andere Familie geboren worden. Wer sich für gutes Wirtschaften einsetzt, achtet tatkräftig die Menschenwürde auch der ersetzbaren Arbeitnehmer, auch die Menschenwürde der Frauen in Bangladesch, auch die Menschenwürde der Kinder und Wanderarbeitnehmer, die ausgenutzt werden. Sich für gutes Wirtschaften einzusetzen, bezeugt den Glauben an die Würde all dieser Menschen, auch an die eigene Würde. Ich nehme meinen Teil der Verantwortung wahr und habe zugleich eine positive Vorstellung einer sozial-ökologischen Marktwirtschaft, die den Menschen dient. Und wie die Frau in Brasilien glaube ich fest, dass Gott nichts anderes möchte, als dass alle fair behandelt werden. Es soll gerecht zugehen, auch wenn die konkreten Wege dorthin ausprobiert und gesucht werden müssen.

2. Mit welchen Projekten verfolgen wir als katholische Kirche im Erzbistum Paderborn dieses Ziel?

Mit dem Unternehmertag „erfolgreich nachhaltig“ und dem dazugehörigen „Preis für Unternehmerinnen und Unternehmer“ greift die Kommende Dortmund positive Beispiele bei den Unternehmen auf. Als Sozialinstitut des Erzbistums Paderborn machen wir positive Ansätze bekannt und empfehlen sie zur Nachahmung. Darüber möchten wir an den guten Beispielen lernen, wie mit verantwortungsvollem Wirtschaften Gewinn gemacht werden kann. Das Erzbistum Paderborn schubst dadurch die Politikerinnen und Politiker auf Pioniere, deren Unternehmensmodelle durch politische Vorgaben für ganze Branchen verbindlich gemacht werden könnten.

Mit ähnlicher Intention hat sich das Erzbistum Paderborn mit vielen Institutionen dafür eingesetzt, dass das Lieferkettengesetz politisch umgesetzt wird. Dieses Gesetz sorgt dafür, dass Unternehmen ihrer Verantwortung für die Arbeitsbedingungen bei Zulieferern stärker nachkommen. Oder im Klartext: Es geht darum, dass nicht immer wieder Näherinnen in brennenden und einstürzenden Fabrikhäusern zu Schaden und zu Tode kommen. Bei dem 9. SDG „Industrie, Innovation und Infrastruktur“ ist es wichtig für die Umsetzung, den Ordnungsrahmen, in dem gewirtschaftet wird, aktiv und mit einem Gespür für Ungerechtigkeiten mitzugestalten.

Ein weiteres Beispiel aus meiner direkten Praxis: Momentan setze ich mich dafür ein, dass in einer Fachpublikation alle diejenigen Steuerreformmaßnahmen präsentiert werden, die die sozialen Ungleichheiten in Deutschland tatsächlich verringern könnten. Ziel ist, dass Geringverdienenden mehr von ihrem Lohn bleibt. An der Beantwortung der sozialen Frage kann das Erzbistum Paderborn auf mehrfache Weise einen Beitrag leisten. Wir können dafür sorgen, dass die wesentlichen Probleme aufgegriffen werden. Wir können unsere Expertise einbringen, damit in die richtige Richtung für Lösungen gedacht und geforscht wird. Und wir können die vorhandenen guten Reformansätze breiter bekannt machen. Durch gesellschaftliche Akzeptanz wird der politischen Umsetzung der Weg bereitet.

Natürlich steht das Erzbistum Paderborn und – noch breiter gedacht – die ganze Kirche mit den vielen sozialen und caritativen Einrichtungen als Arbeitgeber in besonderem Maße in der Pflicht. In unseren eigenen Verantwortungsbereich fällt es, für effektive Umwelt- und Klimaschutzmaßnahmen zu sorgen, faire Arbeitsbedingungen zu schaffen (etwa Familienfreundlichkeit – das Erzbistum ist hierin zertifiziert) und in unseren Schulen Chancengerechtigkeit für die Benachteiligten umzusetzen. Wünschen würde ich mir, dass das Erzbistum Paderborn hier voranschreitet. Doch die Bilanz ist ehrlich gesagt, bestenfalls gemischt und noch „voranschreitungsfähig“.

3. Nachhaltiges Handeln betrifft uns alle, weil …

… weil unser Handeln, ob es nun auf Umwelt und Klima oder auf Wirtschaftsordnung und Gesellschaft bezogen ist, den Rahmen bildet, in dem wir leben und wirken und uns alle entfalten können – oder eben nicht!

Bezahlbare + saubere Energie

Zugang zu bezahlbarer, verlässlicher, nachhaltiger und moderner Energie für alle sichern

Ein Statement von Dirk Wummel, Leitung Bereich Finanzen im Erzbischöflichen Generalvikariat

Sauberer Strom, sauberes Erdgas

1. Warum ist es wichtig, sich als Christin oder Christ in diesem Bereich zu engagieren?

Saubere Energie ist für das Überleben der Menschheit wichtig. Aber sie muss bezahlbar sein, damit es nicht zu sozialen Spannungen kommt. Dies gilt nicht nur für das Sozialsystem Bundesrepublik, sondern auch für die ärmeren Länder. Wir als Katholiken haben hier eine weltweite Verantwortung.

2. Mit welchen Projekten verfolgen wir als katholische Kirche im Erzbistum Paderborn dieses Ziel?

Neben der Errichtung eines Klimafonds in Höhe von 1,5 Millionen Euro, der diverse Projekte in unserem Erzbistum fördern wird und neben dem Aufstellen von e-Ladestationen mit Ökostrom an wichtigen Einrichtungen des Erzbistums möchte ich auch unseren Stromvertrag erwähnen. Schon seit 2010 versorgen wir darüber die Einrichtungen des Erzbistums mit sauberem Strom. Ab dem 1. Januar 2022 werden wir zusätzlich CO2-Neutralität bei Erdgasbeschaffung haben. Dies sind nur einige wenige Beispiele!

3. Nachhaltiges Handeln betrifft uns alle, weil …

… weil wir nur so das gute Überleben der nächsten Generation sichern können.

Ein Statement von Michael Peine, Team Klimaschutz im Bereich Bauen des Erzbischöflichen Generalvikariats

Mit heutiger Technik lässt sich viel erreichen

1. Warum ist es wichtig, sich als Christin oder Christ in diesem Bereich zu engagieren?

Wir alle sind permanent auf Energie angewiesen. Ohne Energie würde der Computer nicht laufen, auf dem Sie diesen Text gerade lesen. Auch der Raum, in dem Sie sitzen, wäre ohne Heizenergie kalt. Es ist zu einer Selbstverständlichkeit geworden, dass Energie immer und überall zur Verfügung steht. Die fossilen Energieträger, aus denen noch der Großteil dieser Energie gewonnen wird, sind aber endlich. Und: Die CO2-Emissionen, die mit der Energiegewinnung einhergehen, schaden dem Klima und somit dem Planeten. Daher sind wir alle auf Alternativen zur Energiegewinnung angewiesen. Dabei brauchen wir nicht zwingend auf neue Lösungen zu warten. Viele Energiebedarfe lassen sich schon heute durch den Einsatz von Solarthermie, Wärmepumpe, Pelletheizung und Photovoltaik lösen. Als Christinnen und Christen ist es unser Auftrag, zur Bewahrung der Schöpfung den Einsatz von regenerativer Energie bei allen Möglichkeiten zu prüfen. Noch vor der Wahl eines regenerativen Energieträgers sollten die Optionen der Energieeinsparung analysiert und passende Maßnahmen umgesetzt werden. Denn noch besser als der Einsatz regenerativer Energie ist es, den Energiebedarf auf ein Minimum zu reduzieren.

2. Mit welchen Projekten verfolgen wir als katholische Kirche im Erzbistum Paderborn dieses Ziel?

Das Erzbistum Paderborn setzt an verschieden Standorten bereits Projekte um. So werden Neubauprojekte mindestens im Effizienzhausstandard 55 gebaut, was den Energiebedarf deutlich reduziert. Beim Neubau eines Verwaltungsgebäudes haben wir eine Wasser-Wasser-Wärmepumpe installiert, mit der wir die Immobilie beheizen. Die gesamte Dachfläche ist mit einer 30 kWp PV-Anlage ausgestattet. Was wir unten im Gebäude verbrauchen, erzeugen wir oben auf dem Dach selbst. Ein anderes Beispiel: In Hardehausen entsteht ein Nahwärmenetz, das die dezentralen Ölheizungen ersetzt. Das Nahwärmenetz wird aus zwei Holzhackschnitzelheizanlagen und einem Pyrolyse-Blockheizkraftwerk gespeist. Zusätzlich wird das Dach der neuen Heizzentrale, in der sich die Technik befindet, mit einer knapp 100 kWp PV-Anlage ausgerüstet, welche den Standort zusätzlich mit Strom aus Sonnenenergie beliefert. Im Bereich Mobilität errichtet das Erzbistum an sieben Standorten, die sich über das Bistum verteilen, Ladepunkte für Elektromobilität. Weiterhin werden alle bistumseigenen Gebäude mit zertifizierter Grüner Energie versorgt.

3. Nachhaltiges Handeln betrifft uns alle, weil …

… weil wir nur diesen einen Planeten haben. Gottes Schöpfung gilt es zu bewahren. Nichtstun ist keine Option, wenn wir den nachfolgenden Generationen einen lebenswürdigen Planeten überlassen wollen. Und schon mit der Wahl eines nachhaltigen Energielieferanten kann jeder ein kleines Stück dazu beitragen.

Menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum

Dauerhaftes, breitenwirksames und nachhaltiges Wirtschaftswachstum, produktive Vollbeschäftigung und menschenwürdige Arbeit für alle fördern

Ein Statement von Prälat Dr. Peter Klasvogt, Direktor des Sozialinstituts Kommende Dortmund

Ein selbstbestimmtes Leben führen können

1. Warum ist es wichtig, sich als Christin oder Christ in diesem Bereich zu engagieren?

Für das Christsein, gerade im alltäglichen Leben, ist das Engagement in der und für die Arbeitswelt zentral. Im benediktinischen Motto „ora et labora“, bete und arbeite, klingt dies als Grundhaltung an. Das bekannte biblische Gleichnis von den „Arbeitern im Weinberg“ verdeutlicht ja nicht zufällig am Beispiel der Arbeitswelt die Güte Gottes. Das Gleichnis umfasst den engen Bezug beider Pole: der Pol der arbeitgebenden Wirtschaft in der Person des Weinbergbesitzers und der Pol der arbeitsuchenden Menschen in ihrer Abhängigkeit von einer existenzsichernden Arbeit. Heute sprechen wir von der Bedeutung der Arbeit, den Lebensunterhalt selbst verdienen und selbstbestimmt sein Leben gestalten zu können.

Das Wort von der menschenwürdigen Arbeit zielt auf das Herzstück der kirchlichen Sozialverkündigung (vgl. die Enzyklika Laborem exzercens von Papst Johannes Paul II.). Die Integration in den Arbeitsmarkt ist zentral für die Integration in die Gesellschaft wie für den sozialen Zusammenhalt. Dass dies ist nicht selbstverständlich, zeigt ein Blick auf die Länder des globalen Südens mit hoher Arbeitslosigkeit, Zwangs- und Kinderarbeit, Ausbeutung von Menschen und Natur.

Das Ziel 8 der SDGs bindet zu Recht Arbeit und Wirtschaftswachstum aneinander. Eine gut bezahlte Arbeit ist abhängig von der Produktivität der Wirtschaft und dem Wirtschaftswachstum. Angesichts der Klimakrise liegt die dringende Herausforderung im Sinne des SDG-Ziels 8 darin, auf ein schöpfungsfreundliches Wachstum umzustellen. Hier sind wir als kirchliche Gemeinschaft wie im persönlichen Handeln gefordert, aktiv zu werden.

2. Mit welchen Projekten verfolgen wir als katholische Kirche im Erzbistum Paderborn dieses Ziel?

Das Engagement unserer Kirche ist in diesem Handlungsfeld vielfältig, und nicht erst seit heute. Das gesamte Programm der Kommende Dortmund ließe sich unter dem SDG-Ziel 8 darstellen. Man denke auch an die Aktivitäten der Sozialverbände wie KAB und Kolping, die Arbeitsprojekte und sozialen Beratungen der Caritas, die Werkstätten für behinderte Menschen oder die Berufsbildungswerke von Kolping. Wichtig zu nennen sind auch die kirchlichen Initiativen zum fairen Handel oder zum Lieferkettengesetz. Dabei geht es ja genau darum, menschenwürdige Arbeit in den Ländern des globalen Südens zu fördern. Und nicht zuletzt: Kirche und Caritas gehören zu den größten Arbeitgebern in Deutschland. Wir sollten dieses vielfältige Engagement bewusster darstellen und wahrnehmen – als Zeugnis unseres Glaubens.

3. Nachhaltiges Handeln betrifft uns alle, weil …

… weil die eindringlichen Mahnungen, zuletzt auf dem Glasgower Umweltgipfel COP 26, uns vor Augen führen, dass in den Umweltkrisen die Zukunft der Menschheit auf dem Spiel steht. Die Klimakrise, der Verlust der Biodiversität und die Begrenztheit natürlicher Ressourcen gefährden unsre Zukunft. Unsere eigene Zukunft, die der nachwachsenden Generationen, die unserer Mitmenschen in den Ländern des globalen Südens. Christsein weiß sich der sozialen wie der ökologischen Solidarität verpflichtet, worauf Papst Franziskus immer wieder hinweist: Die Früchte der Erde und der menschlichen Arbeit miteinander zu teilen.

Literatur- und Lesetipps

Im Juni 2021 hat die Deutsche Kommission Justitia et Pax mit dem Deutschen Gewerkschaftsbund eine Orientierungshilfe zum SDG-Ziel 8 veröffentlicht. Das Papier „Arbeit in einer nachhaltigen Wirtschaft. Die sozial-ökologische Transformation aus arbeitspolitischer Perspektive“ steht auf der Internetseite von Justitia et Pax zum kostenlosen Download bereit.

Die Sachverständigengruppe „Weltwirtschaft und Sozialethik“ der Deutschen Bischofskonferenz hat 2018 zum Thema eine lesenswerte und informative Studie „Raus aus der Wachstumsgesellschaft. Eine sozialethische Analyse und Bewertung von Postwachstumsstrategien“ herausgegeben. Die Studie kann im DBK-Shop kostenlos als Broschur angefordert oder als PDF-Datei heruntergeladen werden.

Sauberes Wasser + Sanitäreinrichtungen

Verfügbarkeit und nachhaltige Bewirtschaftung von Wasser und Sanitärversorgung für alle gewährleisten

Ein Statement von Susanne Föller, Leiterin Team Mission-Entwicklung-Frieden

Wasser für alle!

1. Warum ist es wichtig, sich als Christin oder Christ in diesem Bereich zu engagieren?

Der Verfügbarkeit und nachhaltigen Bewirtschaftung von Wasser und einer allen Menschen zugänglichen Sanitärversorgung kommt eine zentrale Bedeutung für die Gesundheit zu. Für ein Leben in Würde braucht es für alle Menschen einen Zugang zu Wasser. Es muss in ausreichender Menge zur Verfügung stehen, leicht zugänglich sein, es darf nicht viel kosten und muss qualitativ unbedenklich sein, damit es sich als Trinkwasser eignet. Einen solchen Zugang fordert auch das Menschenrecht auf Wasser, das 2002 festgeschrieben wurde.

Die Menschenrechte verfolgen einen Ansatz, den wir als Christinnen und Christen gut mittragen können: Diese Menschenrechte reagieren auf konkrete Unrechtserfahrungen und auf Situationen, in denen ein menschliches Leben in Würde nicht möglich ist. Auf diese Weise richten die Grundrechte den Blick auf die Ärmsten der Armen – genau wie die biblisch fundierte „Option für die Armen“. Sie ruft dazu auf, die Perspektive der Armen als kritisches Korrektiv in den Fokus politischen und sozialen Handelns zu rücken und damit dem Beispiel Jesu zu folgen, der sich in Zeichen und Worten auf die Seite der Armen gestellt hat.

2. Mit welchen Projekten verfolgen wir als katholische Kirche im Erzbistum Paderborn dieses Ziel?

Das Erzbistum Paderborn bietet finanzielle Unterstützung für zahlreiche Projekte in der ganzen Welt, die Armut konkret bekämpfen. Dazu gehören auch Projekte im Kontext der Wasser- und Sanitärversorgung. Eines möchte ich hier beispielhaft benennen:

Mit dem Erlös der Charity-Boxen zu Libori 2021 wurde ein Brunnenbau-Projekt der Schwestern-Kongregation Notre Dame de La Salette in Madagaskar unterstützt. Der Inselstaat vor der Ostküste Afrikas zählt zu den ärmsten Ländern der Welt und leidet unter einer dramatischen Wasserknappheit. In Afrika südlich der Sahara sind meist Mädchen und Frauen für die Beschaffung von Wasser für den Hausgebrauch zuständig. Sie sind zu Fuß im Durchschnitt über eine halbe Stunde lang unterwegs, um zu einer Wasserquelle zu gelangen. Den Mädchen und Frauen fehlt so wichtige Zeit für Bildung und Erwerbsarbeit. Auf den Wegen sind sie überdies zahlreichen Gefahren ausgesetzt. Im Westen Madagaskars, also dort, wo sich unser gefördertes Brunnenbauprojekt befindet, holten sich die Frauen bisher überwiegend Trinkwasser aus Flüssen oder Teichen. Nicht selten kam es zu einer Ansteckung mit Cholera oder Ruhr. Mit der Bereitstellung der finanziellen Mittel für den Brunnenbau konnte das Erzbistum einen wichtigen Beitrag zur Wasserversorgung im Westen Madagaskars leisten.

3. Nachhaltiges Handeln betrifft uns alle, weil …

… weil wir im Kleinen anfangen müssen, um große Veränderungen zu bewirken – oder wie ein afrikanisches Sprichwort besagt: „Viele kleine Leute an vielen kleinen Orten, die viele kleine Schritte tun, können das Gesicht der Welt verändern.“ Das gilt auch für unseren Umgang mit Wasser.

In Deutschland verbraucht jeder Mensch im Durchschnitt 127 Liter Wasser pro Tag, das sind 46.500 Liter pro Jahr. Bei dieser Zahl wird nur der direkte Wasserverbrauch berücksichtigt. Darunter fällt das Wasser zur Körperpflege, für die Toilettenspülung, zum Wäschewaschen und Geschirrspülen, zum Putzen, bei der Gartenpflege, zur Essenszubereitung und zuletzt zum Trinken. Einen deutlich größeren Anteil macht das sogenannte virtuelle Wasser aus. Das ist Wasser, das durch die Herstellung von Produkten, die wir beziehen, verdunstet, verbraucht oder verschmutzt wird. Beziehen wir dieses Wasser in den Verbrauch mit ein, kommen wir in Deutschland auf einen durchschnittlichen Wasserverbrauch pro Kopf von über 5.000 Litern pro Tag. Zur Herstellung einer Tasse Kaffee werden etwa 140 Liter, für einen Liter Milch etwa 1.000 Liter und für ein Kilo Rindfleisch 15.500 Liter Wasser benötigt. Zum Teil kommen diese Produkte aus Gegenden mit akuter Wasserknappheit. Durch die Einschränkung unseres Wasserverbrauchs, auch durch einen bewussteren Konsum kann jede und jeder einen kleinen Beitrag zu einer gerechteren Welt leisten.

Geschlechtergerechtigkeit

Geschlechtergleichstellung erreichen und alle Frauen und Mädchen zur Selbstbestimmung befähigen

Ein Statement von Marie-Simone Scholz, Frauenpastoral Paderborn

Eine Glaubensgemeinschaft, die auf Weiterentwicklung angelegt ist, braucht die Vielfalt unterschiedlicher geschlechtlicher Perspektiven

1. Warum ist es wichtig, sich als Christin oder Christ in diesem Bereich zu engagieren?

Durch Taufe und Firmung sind Christinnen und Christen dazu aufgerufen, die Frohe Botschaft Jesu Christi zu verbreiten und sie lebendig werden zu lassen. Dabei spielt es keine Rolle, wer oder was sie sind, wo sie herkommen oder wie sie aussehen. „Da ist nicht jüdisch noch griechisch, da ist nicht versklavt noch frei, da ist nicht männlich noch weiblich: denn alle sind einzig-einig im Messias Jesus.“ (Gal 3, 28). Der Glaube und das Bekenntnis zählen mehr als Herkunft, Aussehen und Geschlecht. Über Jahrtausende hinweg haben sich in Gesellschaft und Kirche männlich dominierende Strukturen entwickelt und verfestigt. Teilhabe und Mitwirkung sind für Frauen nach wie vor schwieriger als für Männer und in der katholischen Kirche an vielen Stellen nahezu unmöglich.

Eine Glaubensgemeinschaft, die auf Fortbestand und Weiterentwicklung angelegt ist, braucht aber eben genau diese Vielfalt der unterschiedlichen geschlechtlichen Perspektiven. Alle Menschen und ihre Potenziale müssen sichtbar gemacht, gefördert und gestärkt werden, damit sie sich frei entfalten können und so der Gemeinschaft zugutekommen. Eine Kirche, die auf Fähigkeiten und Kompetenzen von Frauen nur aufgrund ihres Geschlechtes verzichtet, wird keine Zukunft haben. Wenn wir Nachhaltigkeit genau in diesem Sinne verstehen, dann ist es von größter Wichtigkeit, dass sich Christinnen und Christen in diesem Bereich engagieren, damit auch in der katholischen Kirche Geschlechtergerechtigkeit erreicht wird und alle Frauen und Mädchen zur Selbstbestimmung befähigt werden.

2. Mit welchen Projekten verfolgen wir als katholische Kirche im Erzbistum Paderborn dieses Ziel?

Im Erzbistum Paderborn gibt es eine Vielzahl an Projekten und Gruppen, die sich mit dem Thema Frauenförderung und Geschlechtergerechtigkeit auseinandersetzen.

Die Kompetenzeinheit Frauen des Erzbischöflichen Generalvikariats hat die Aufgabe, Frauenperspektiven auf verschiedenen Ebenen des Generalvikariats, der Caritas sowie der Verbände einzubringen und weiterzuentwickeln. Hier geht es besonders darum, den Einfluss und die Sichtbarkeit von Frauen zu fördern und sicherzustellen.

Durch die Beteiligung des Erzbistums am Mentoring-Programm „Kirche im Mentoring – Frauen steigen auf“ des Hildegardis-Vereins sollen mehr Frauen in Führungspositionen gebracht werden.

Im neuen Netzwerk „Wir Frauen“ sind Frauen aus den verschiedensten Bereichen des Erzbistums miteinander verbunden. Hier wollen sich Frauen zu unterschiedlichen Themen austauschen, sich gegenseitig inspirieren und ihre Stimme in der Kirche laut werden lassen. Dieses Netzwerk darf gerne noch wachsen. Herzliche Einladung an alle Frauen und Interessierte, dort mitzumachen! Im „wir.desk“ des Erzbistums ist eine Gruppe zum Austausch und für Informationen eingerichtet.

Weitere Infos zu Projekten und Themen im Bereich Geschlechtergerechtigkeit und Frauenförderung sind auf den folgenden Internetseiten zu finden:

3. Nachhaltiges Handeln betrifft uns alle, weil …

… weil jede und jeder Einzelne von uns Teil eines großen Ganzen ist, sei es in Kirche oder Gesellschaft, in unserem Wohnort, in unserem Land oder auf der ganzen Welt. Jedes Handeln hat Konsequenzen, für uns selbst und für andere, in nah und fern. Dieses Handeln müssen wir so ausrichten, dass es zu mehr Gerechtigkeit und Zusammenhalt führt, dass es die Lebensqualität aller Menschen steigert und uns alle in die Verantwortung nimmt.

Kein Hunger

Den Hunger beenden, Ernährungssicherheit und eine bessere Ernährung erreichen und eine nachhaltige Landwirtschaft fördern

Ein Statement von Weihbischof Matthias König

Jesus hat die Hungernden gespeist

1. Warum ist es wichtig, sich als Christin oder Christ in diesem Bereich zu engagieren?

Christen finden sich nie damit ab, dass es in der Welt Not und Ungerechtigkeit gibt. Das Beispiel Jesu ist der immer neue Antrieb, sich um die Ausgegrenzten, Notleidenden und Hungernden zu sorgen: Er hat Hungernde gespeist, zum Teilen und zur Gerechtigkeit aufgerufen und selbst ein Beispiel gegeben, wie seine Jünger handeln sollen. Darum haben die Christen von Anfang an die Armen im Blick gehabt. Die Christen der Jerusalemer Urkirche haben ihren Besitz geteilt (Apg 2,44 ; 4,32) und sieben Diakone für den Dienst an den Bedürftigen bestellt. Der Apostel Paulus hat auf seinen Missionsreisen immer wieder Sammlungen für die Armen in Jerusalem gehalten. Mit der christlichen Mission hat sich von Anfang an diese Sorge eng verbunden, weil es klar war: Man kann das Reich Gottes nicht predigen, ohne im Hier und Jetzt etwas für jene zu tun, die Hunger oder Not leiden.

2. Mit welchen Projekten verfolgen wir als katholische Kirche im Erzbistum Paderborn dieses Ziel?

Das Erzbistum Paderborn hat seit Jahrzehnten viele Partner in aller Welt. Solche Verbindungen sind durch die Missionarinnen und Missionare gewachsen, die auf den verschiedenen Kontinenten wirkten und wirken. Auch über die Bischöfe sind solche Kontakte entstanden. Manche Priester aus den jungen Kirchen, die hier studiert oder eine Zeit lang gewirkt haben, haben ebenfalls Verbindungen entstehen lassen.

Konkret fördert das Erzbistum aus bereitgestellten weltkirchlichen Mitteln Hilfsprojekte aus aller Welt, die sich mit der Bekämpfung von Armut und Hunger befassen. Dabei wird geschaut, dass nicht nur akute Not gelindert wird, sondern dass auch nachhaltig Projekte in Gang kommen, die aus dem Teufelskreis des Hungers befreien können. Dazu gehören Schulen, die verbesserte landwirtschaftliche Methoden vermitteln oder Projekte, bei denen die Menschen Setzlinge zum Wiederaufforsten von gerodeten Flächen erhalten. Ein wesentlicher Punkt ist die Bewusstseinsbildung dafür, die Schöpfung zu bewahren. Darüber hinaus leistet das Erzbistum akute Nothilfe: In der Corona-Zeit gab es aus dem Südsudan und aus Äthiopien wiederholt die verzweifelte Bitte, Hilfsgüter für die Hungernden mitzufinanzieren. Das konnte rasch und großzügig geschehen. In Einzelfällen hat der Erzbischof aus dem Katastrophenfonds des Erzbistums namhafte Summen freigegeben. Missionare in anderen Ländern wurden mit ähnlicher Not oder mit einer Flüchtlingswelle in Bürgerkriegskämpfen konfrontiert. Auch da ist immer wieder Hilfe gewährt worden – und sie wird weiterhin gewährt werden.

3. Nachhaltiges Handeln betrifft uns alle, weil …

… weil wir in der einen Welt leben und uns das Schicksal der Notleidenden nicht gleichgültig sein kann. Die Flüchtlingsströme auch in unsere Richtung zeigen deutlich, welche Verantwortung wir in den reichen Ländern haben, damit Menschen nicht aus Verzweiflung ihre Heimat verlassen und sich auf unsichere Fluchtrouten begeben, auf denen schon so viele umgekommen sind.

Gesundheit + Wohlergehen

Ein gesundes Leben für alle Menschen jeden Alters gewährleisten und ihr Wohlergehen fördern

Ein Statement von Esther van Bebber, Diözesan-Caritasdirektorin

Unverzichtbarer Teil der Daseinsvorsorge

1. Warum ist es wichtig, sich als Christin oder Christ in diesem Bereich zu engagieren?

Die immense Bedeutung von Gesundheit und Gesundheitsrisiken führt uns die aktuelle Pandemiesituation vor Augen. Dabei ist der weltweite Zugang zu essenzieller Gesundheitsversorgung, wie zu den dringend notwendigen Impfungen, bei weitem nicht für alle Menschen gleichsam gegeben.

In Deutschland gibt es aufgrund unseres umfassenden Sozialversicherungssystems und insbesondere der verankerten Krankenversicherungspflicht vergleichsweise wenige bis gar keine Hürden im Zugang zur allgemeinen Gesundheitsversorgung. Also formal gesehen. Faktisch gibt es sehr wohl Unterschiede. Der Zugang zu Gesundheitsversorgung und Vorsorge ist stark abhängig von Faktoren wie Bildungsgrad, Einkommen oder sozialer Herkunft. Unsere Verantwortung als Christinnen und Christen liegt darin, immer wieder auf Chancenunterschiede in der gesundheitlichen Versorgung hinzuweisen, sich für Chancengerechtigkeit einzusetzen und sich dabei auch in ethischen Diskussionen für das Wohlergehen aller Menschen einzusetzen – unabhängig von Alter, sozialem Status oder auch individuellem Gesundheitszustand oder Behinderung. In aktuellen Diskussionen rund um die Sterbehilfe, um Altersrationierung oder auch um Triage ist unsere christliche Stimme gefragt, gerade im Einsatz für die Schwächsten.

2. Mit welchen Projekten verfolgen wir als katholische Kirche im Erzbistum Paderborn dieses Ziel?

Die Träger der Caritas sind mit ihren vielfältigen Einrichtungen und Diensten tagtäglich im Gesundheitswesen unterwegs und ein unverzichtbarer Teil der Daseinsvorsorge. Allein im katholischen Krankenhauskontext engagieren sich in unserem Erzbistum fast 30.000 Mitarbeitende. Daneben gibt es flächendeckend stationäre, teilstationäre und ambulante Pflege- und Gesundheitseinrichtungen, die Menschen von Klein bis Groß begleiten – von der Kinderintensivpflege bis zum Hospiz. Im tagtäglichen Tun prägen unsere Mitarbeitenden das Profil der katholischen Kirche und sind zugleich Sprachrohr. Mit vielen kleinen Leuchttürmen wird so besagte Chancengerechtigkeit befeuert. Beispielhaft möchte ich die Initiativen zur Babyklappe nennen, aber auch unsere aktuellen Unterstützungsprojekte für die vielen pflegenden Angehörigen. Hier setzen wir Zeichen und machen einen Unterschied.

Immer wieder bringt sich auch unser Diözesaner Ethikrat zu gesundheitsethischen Fragestellungen kritisch und hilfreich ein. Der christliche Einsatz für Gesundheit und Wohlergehen findet sich aber auch außerhalb von klassischen Gesundheitssettings. Ein Beispiel dafür ist die Christliche Patientenverfügung, die in Beratungsstrukturen eingesetzt wird.

Als Caritasverband für das Erzbistum Paderborn liegen unsere Kernaufgaben hier in der Region. Wir engagieren uns aber auch über unsere Bistums- und Landesgrenzen hinaus. So unterstützen wir seit 25 Jahren das Kinderferiendorf Jablunitsa in den ukrainischen Karpaten. Hier erholen sich Kinder und Jugendliche vorrangig aus der belasteten Region rund um Tschernobyl, damit sich ihr angeschlagenes Immunsystem regenerieren kann. Das ist für die Kinder lebenswichtig.

3. Nachhaltiges Handeln betrifft uns alle, weil …

… weil ohne Gesundheit alles nichts ist. Dieser Satz des Philosophen Arthur Schopenhauer bringt die Bedeutung einer nachhaltigen Gesundheitsfürsorge auf den Punkt. Wenngleich er in seiner Absolutheit auch zu Diskussionen anregen mag, Fakt ist: Ohne eine gesunde Lebensgrundlage, ohne eine gesunde (Um-)Welt wird die Gesundheit eines jeden Einzelnen gefährdet bis konterkariert. Die Bedeutung des nachhaltigen Handelns wird insofern gerade im SDG-Ziel 3 überdeutlich sichtbar.

Hochwertige Bildung

Inklusive, gleichberechtigte und hochwertige Bildung gewähr­leisten und Möglichkeiten lebens­langen Lernens für alle fördern

 

Ein Statement von Msgr. Joachim Göbel, Dompropst

„Die Schöpfung grundsätzlich positiv zu sehen, sich an allem freuen zu können, was sie uns  schenkt, gehört sozusagen zur „DNA“ des Katholischseins. Die Schöpfung ist ein kostbares Geschenk Gottes an uns Menschen, das mit dem Auftrag und der Verpflichtung versehen ist, zu bewahren und zu pflegen. Daher gibt es in dem im Jahr 2010 von Erzbischof Hans-Josef Becker für alle Erzbischöflichen Schulen inkraft gesetzten Leitbild ein eigenes Kapitel „Die Welt als Schöpfung – Zur Verantwortung bereit sein.“

Mensch und Natur sind in allen Unterrichtsfächern nie einfach Objekte, die untersucht werden. Vielmehr sollen sie als Gottes Schöpfung gesehen und entsprechend soll unterrichtet werden, so dass in ihnen Gottes Schönheit und Größe sichtbar werden kann. Ganz praktisch geht es im  gesamten Schulalltag der ganzen Schulgemeinde immer darum, mit allen Ressourcen verantwortungsbewusst, sparsam und mit wachem Blick für Nachhaltigkeit umzugehen. Die  Schulen legen ein eigenes Konzept für den Umgang mit Müll und den Verbrauch von Energie vor, in dem auch die Kosten transparent gemacht werden. Ebenso wird im gesamten Bereich der Versorgung der Schulgemeinde, also in der Cafeteria bzw. Mensa, auf Herkunft und Produktionsbedingungen der Lebensmittel geschaut und diese Informationen so weit möglich auch für alle zugänglich und verständlich dargestellt.

Kirchliche und kirchennahe Gruppen und Initiativen, die sich für die Bewahrung der Schöpfung engagieren, erhalten im Raum der Schule, in Unterricht und an Projekt- und Aktionstagen die  Möglichkeit, sich vorzustellen und um Mitarbeit zu werben. Auch in der Arbeit der vier  Hochschulgemeinden im Erzbistum haben diese und viele andere Aspekte unseres Anspruchs, als kluge und bewahrende Sachwalter Gottes mit der Schöpfung zu leben und umzugehen, einen  festen Platz.“

 
| |
generalvikariat@erzbistum-paderborn.de
+49 (0)5251 125-0
Barrierefreiheit