Berlin (KNA) Zum jüdischen Neujahrsfest Rosch Haschana hat die Bundesregierung ein entschlossenes Handeln gegen Antisemitismus zugesichert. "Wir setzen uns dafür ein, dass Jüdinnen und Juden hierzulande sicher und geschützt leben können - damit das nächste Jahr besser wird", so Bundeskanzl ...
Berlin (KNA) Zum jüdischen Neujahrsfest Rosch Haschana hat die Bundesregierung ein entschlossenes Handeln gegen Antisemitismus zugesichert. "Wir setzen uns dafür ein, dass Jüdinnen und Juden hierzulande sicher und geschützt leben können - damit das nächste Jahr besser wird", so Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) in einer Grußbotschaft in der "Jüdischen Allgemeinen" von Donnerstag. Jeder antisemitisch motivierte Vorfall oder Angriff sei einer zu viel.
Am Freitagabend beginnt Rosch Haschana, dann startet das jüdische Jahr 5787 nach Erschaffung der Welt. Das Fest dauert bis Sonntag und leitet die Bußtage bis zum höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur (Versöhnungstag) Ende September ein.
Die freiheitliche Gesellschaft stehe unter Druck, betont Merz. Die Feinde von Demokratie und Toleranz sammelten ihre Kräfte. "Dagegen werden wir mit aller Entschlossenheit angehen. Wir wollen unsere Offenheit bewahren, auch damit sich jüdisches Leben weiter entfalten kann und es viele positive Gelegenheiten für Begegnung, Austausch und Dialog geben wird." Merz rief die gesamte Gesellschaft dazu auf, gemeinsam Lösungen zu suchen und Verantwortung zu übernehmen.
Außenminister Johann Wadephul (CDU) blickte in seinem Gruß in den Nahen und Mittleren Osten, wo die Lage angespannt bleibe. "Viel liegt noch vor uns auf dem Weg zu einem dauerhaften Frieden in der Region, für den sich Deutschland einsetzt." Ihn alarmierte zudem das weltweit zunehmende Ausmaß an Antisemitismus. "Wo jüdisches Leben bedroht, antisemitisch angefeindet oder die Erinnerung an die Shoah verzerrt oder trivialisiert wird, darf Deutschland nicht abseitsstehen."
Das diesjährige Rosch Haschana steht in Deutschland auch unter dem Eindruck der Wahlergebnisse in Sachsen-Anhalt. Nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis kam die AfD, die in dem Bundesland als gesichert rechtsextrem eingestuft wird, auf 43,8 Prozent der Stimmen.
Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, erhofft sich in diesem Zusammenhang einen "Weckruf" weit über die jüdische Gemeinschaft hinaus. "Dass dieser Weckruf den Politikern der demokratischen Mitte unseres Landes Anlass gibt, ihren Kurs und ihr Handeln zu überdenken, um den Menschen Vertrauen in die Institutionen der Bundesrepublik zurückzugeben", schreibt er in der "Jüdischen Allgemeinen".
Die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch, spricht in ihrem Beitrag von einem "zweiten Frühling", den der deutsche Rechtsextremismus erlebe. Es dürfe nicht die "eigene Tatkraft" aufgegeben werden.
Die Vorsitzende der Allgemeinen Rabbinerkonferenz Deutschland, Rabbinerin Elisa Klapheck, sieht die freiheitliche Grundordnung in Bedrängnis. Rabbiner Avichai Apel vom Vorstand der Orthodoxen Rabbinerkonferenz Deutschland ruft in einem Gastbeitrag zu Respekt und gegenseitiger Stärkung auf. Er wünscht sich - auch mit Blick auf Israel - ein kommendes "Jahr des Friedens, der Liebe und der Brüderlichkeit".