Fulda (KNA) Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Heiner Wilmer, hat sich dafür ausgesprochen, auf AfD-Wähler zuzugehen. "Es braucht unbedingt Formate, in denen wir zuhören, in denen wir keine Ansagen machen", sagte Bischof Wilmer am Montag in Fulda. Die Kirche müsse die Fra ...
Fulda (KNA) Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Heiner Wilmer, hat sich dafür ausgesprochen, auf AfD-Wähler zuzugehen. "Es braucht unbedingt Formate, in denen wir zuhören, in denen wir keine Ansagen machen", sagte Bischof Wilmer am Montag in Fulda. Die Kirche müsse die Fragen und Nöte der Menschen ernst nehmen.
Zum Auftakt der Herbstvollversammlung der Bischöfe bekräftigte Wilmer, dass der völkische Nationalismus der AfD mit dem Christentum unvereinbar sei. Zu einem möglichen AfD-Verbotsverfahren sagte der DBK-Pressesprecher Matthias Kopp: "Es liegt nicht an der Kirche, ein solches Verfahren zu fordern." Die katholischen Bischöfe vertrauten darauf, dass die Verfassungsorgane die richtige Entscheidung treffen, ob es ein Verbotsverfahren geben müsse oder nicht.
Gut eine Woche nach dem Wahlsieg der Linken in Berlin warnte Wilmer auch vor einem Populismus von links: "Es kann natürlich nicht sein, dass wir über eine Reduktion bei den Polizeikräften sprechen." Auch der wachsende Antisemitismus, der die Demokratie untergrabe, sei nicht hinnehmbar.
Bei der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus wurde die Linke mit 25,7 Prozent stärkste Kraft. In ihrem Wahlprogramm hatte die Partei angekündigt, Finanzmittel für die Polizei umverteilen zu wollen - etwa für mehr Straßensozialarbeit. Der Berliner Landesverband der Linken steht auch wegen Antisemitismusvorwürfen in der Kritik.
In einem eindringlichen Appell forderte Bischof Wilmer, das Leid der Menschen in Afrika nicht aus dem Blick zu verlieren. Als besonders drängend empfinde er die "vergessene Katastrophe" im Sudan: "34 Millionen Menschen benötigen humanitäre Hilfe, 4,5 Millionen sind über die Landesgrenzen geflohen. Die UN bezeichnet Sudan als weltweit größte humanitäre und Vertreibungskrise. Es gibt Hunger, sexualisierte Gewalt und Angriffe auf Zivilisten."
Bis Donnerstag beraten die Bischöfe unter anderem über ethische Fragen zu Leihmutterschaft, Organspende und Suizid-Beihilfe. Es geht auch um die Gefahren und Chancen Künstlicher Intelligenz.
Zum Auftakt des Treffens kam der neue Papstbotschafter in Deutschland, Nuntius Hubertus van Megen, nach Fulda. In seinem Grußwort verwies er auch auf Probleme durch kulturelle Vielfalt. "Die Zeit, in der Deutschland als das Land einer weitgehend homogenen Nation wahrgenommen wurde, scheint in vieler Hinsicht vorüber zu sein", so der Erzbischof. Die Vielfalt kultureller Prägungen und Wertvorstellungen werde oft als Buntheit gefeiert. "Sie bringt jedoch zugleich Herausforderungen und Spannungen mit sich."
Am Abend versammelten sich die Teilnehmer zum Eröffnungsgottesdienst im Fuldaer Dom. In seiner Predigt sagte Wilmer: "Ehrfurcht vor Gott ist das höchste Bildungsziel." Es komme darauf an, nicht sich selbst zum Maß aller Dinge zu machen.
Wilmer war bei der letzten Vollversammlung im Februar in Würzburg zum neuen DBK-Vorsitzenden gewählt worden, als Nachfolger des Limburger Bischofs Georg Bätzing. Anders als bisher üblich, will er die Debatten aber nicht selbst moderieren.
Zur Begründung sagte der Münsteraner Bischof, er vertraue bei der Moderation seinen Amtskollegen und hoffe, sich auf diese Weise stärker auf die Inhalte konzentrieren zu können: "Ich will auch stärker fokussiert sein auf die Dynamik, auch auf die Psychologie in so einer Sitzung und auf die Ziele der Konferenz."
Missbrauchsbetroffene fordern von der katholischen Kirche in Deutschland eine Gesamtauswertung der regionalen Aufarbeitungsstudien. "Die Einzelergebnisse der Bistümer sind nicht vergleichbar", sagte der Sprecher der Betroffenen-Initiative Eckiger Tisch, Matthias Katsch. Es fehle ein Gesamtüberblick, aus dem Schlussfolgerungen gezogen werden könnten.
Simeon Breuer vom Eckigen Tisch präsentierte erste Ergebnisse einer Umfrage unter 250 Betroffenen sexualisierter Gewalt in der Kirche. "Die große Mehrheit der Betroffenen fühlt sich nicht ernst genommen", sagte Breuer. Viele würden nicht angemessen entschädigt.