Berlin (KNA) Immer mehr Eltern haben offenbar finanzielle Sorgen und sind der Meinung, die Bundesregierung tue nicht genug gegen Kinderarmut. Zu diesem Ergebnis kommt eine am Dienstag veröffentlichte Umfrage des Hilfswerks Save the Children. Seit der letzten Umfrage vor einem Jahr ist der Antei ...
Berlin (KNA) Immer mehr Eltern haben offenbar finanzielle Sorgen und sind der Meinung, die Bundesregierung tue nicht genug gegen Kinderarmut. Zu diesem Ergebnis kommt eine am Dienstag veröffentlichte Umfrage des Hilfswerks Save the Children. Seit der letzten Umfrage vor einem Jahr ist der Anteil der Familien, die mit Sorgen in die Zukunft blicken, demnach von 25 auf 27 Prozent leicht gewachsen.
Die Zahl derer, die befürchten, die Grundbedürfnisse ihrer Familie in den kommenden zwölf Monaten nicht decken zu können, bleibt laut Umfrageergebnis auf hohem Niveau: Jeder Vierte hat Sorge, Heizkosten, Kleidung oder Nahrung nicht mehr zahlen zu können. Dinge, die über das Notwendigste hinausgehen – wie neue Möbel, Ausflüge, Urlaube oder Hobbys der Kinder –, kann sich demnach bereits jetzt mehr als jedes fünfte Elternteil nicht leisten.
Betroffen sind laut Umfrage insbesondere Eltern mit geringem Einkommen und Alleinerziehende. Für ein Drittel der Eltern mit geringem Einkommen stellen gesunde Ernährung und Kleidung für Kinder demnach finanzielle Herausforderungen dar.
Während vor einem Jahr mit 48 Prozent noch knapp die Hälfte der Befragten angab, keine finanziellen Zukunftssorgen zu haben, seien es nun nur noch 40 Prozent. Vier von fünf befragten Eltern bewerten die Maßnahmen der Bundesregierung gegen Kinderarmut derweil als nicht ausreichend. 83 Prozent der Befragten bezweifeln auch, dass die Pläne der Bundesregierung ausreichen, um Kinderarmut wirksam zu bekämpfen.
Save the Children forderte von der Bundesregierung eine Gesamtstrategie, die Kindern ungeachtet ihrer Herkunft ein gutes Aufwachsen ermöglicht.
Der evangelische Pastor Bernd Siggelkow fordert die Bundesregierung auf, gemeinsam mit den Sozialverbänden ein Kinderarmutspapier zu entwerfen. Der Gründer und Leiter des christlichen Kinder- und Jugendhilfswerks "Die Arche" sieht die vorgestellten Zahlen durch seine eigenen Erfahrungen bestätigt. "Wir merken bei unseren eigenen Besuchern, dass manche Eltern auf eine Mahlzeit verzichten, damit ihre Kinder überhaupt richtig satt werden können", sagte er der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).
Siggelkow betonte, man müsse verschiedene Entwicklungen parallel sehen: "Was den Menschen fehlt, ist nicht nur Geld, sondern Perspektive und Würde", sagte er. Die Gewaltstatistik in Deutschland dokumentiere, dass es immer mehr Kinder unter 14 Jahren gebe, die gewaltbereit seien. Das liege nicht in erster Linie an Migration, sondern an Perspektivlosigkeit. Auch steige mit der Perspektivlosigkeit der Eltern häufig die häusliche Gewalt an.
"Wenn wir nicht Maßnahmen für mehr Hoffnung und mehr Perspektiven ergreifen, gerade im Bildungssystem, dann sehe ich schwarz für die Zukunft", sagte Siggelkow. Bildung sei auch vom Einkommen der Eltern und vom Förderverein der Schule abhängig. "Wir wissen, dass viele arme Familien in Brennpunktgebieten leben und in Brennpunktschulen gehen, in denen eine individuelle Bildung nicht stattfindet", erklärte Siggelkow.
Im 1995 gegründeten Kinder- und Jugendhilfswerk die "Arche" in Berlin erhalten Kinder eine warme Mahlzeit, Hilfe bei den Hausaufgaben, Kleidung und Freizeitangebote. Inzwischen ist es bundesweit tätig.