Bonn/Schwarzach am Main (KNA) Der Betroffenenbeirat bei der Deutschen Bischofskonferenz wirft den Verantwortlichen des Recollectio-Hauses der Abtei Münsterschwarzach mangelnde Kooperationsbereitschaft vor. Konkret sei ein Gespräch zur Abklärung von Vorwürfen der Vertuschung sexuellen Missbra ...
Bonn/Schwarzach am Main (KNA) Der Betroffenenbeirat bei der Deutschen Bischofskonferenz wirft den Verantwortlichen des Recollectio-Hauses der Abtei Münsterschwarzach mangelnde Kooperationsbereitschaft vor. Konkret sei ein Gespräch zur Abklärung von Vorwürfen der Vertuschung sexuellen Missbrauchs verweigert worden, heißt es in einer Mitteilung des Beirats von Mittwoch. Die Abtei teilte auf Anfrage mit, man habe sich für einen Austausch mit dem Beirat offen gezeigt.
Hintergrund ist der aktuelle Jahresbericht der Unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs im Erzbistum Paderborn. Darin wird Anselm Grün, langjähriger geistlicher Leiter der Einrichtung, wegen seines Umgangs mit einem Paderborner Priester kritisiert, der sexuelle Handlungen an einem damals 16-Jährigen eingeräumt hatte und gegen den später ein Strafbefehl erging.
Nach Darstellung der Kommission hielt sich der Geistliche 1992 im Recollectio-Haus auf. Bei einem Gespräch mit dem Priester und dem Paderborner Personalchef habe Grün für die Einschätzung des Priesters eingestanden, dieser sei nicht homosexuell veranlagt. Zudem habe er seine Bereitschaft erklärt, den Geistlichen in das Benediktinerkloster aufzunehmen, und vorgeschlagen, ihn bis dahin in einer Gemeinde im Bistum Würzburg in der Seelsorge einzusetzen.
Der Priester war später bis 2009 im Bistum Würzburg und anschließend im Bistum Erfurt tätig. Die Abtei hatte mitgeteilt, der Einsatz des Priesters in der Seelsorge und sein Wechsel ins Bistum Würzburg seien nicht zuerst Grüns Idee gewesen.
Von Seiten des Beirats heißt es, nach der Berichterstattung über den Fall seien Hinweise eingegangen, dass es sich nicht um einen Einzelfall gehandelt habe. Daher habe man sich mit den Verantwortlichen des Hauses zu einem Gespräch treffen wollen. Diese hätten gefordert, die Vorwürfe schriftlich vorzulegen, um sie zunächst intern prüfen zu können, bevor es zu einem Gespräch kommen könne.
Der Betroffenenbeirat sei über die Ablehnung seines Gesprächsangebots enttäuscht und besorgt, heißt es. Institutionen könnten erfahrungsgemäß derartige Vorwürfe nicht intern aufklären. Daher wolle der Beirat den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Heiner Wilmer, informieren und ihn um Aufklärung durch unabhängige Fachleute bitten. Bis dahin halte der Beirat es nicht für sinnvoll, die Einrichtung mit Kirchensteuermitteln zu fördern oder kirchlichen Mitarbeitern einen Aufenthalt dort zu empfehlen.
Die Abtei Münsterschwarzach sagte der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA), der Betroffenenbeirat habe auf die Bitte, die zu klärenden Fragen und Themenfelder schriftlich zu benennen, nicht reagiert. Die Bereitschaft, persönliche Gespräche zu führen, habe bestanden. Informationen über Missbrauchsfälle von Minderjährigen lägen nicht vor. Wenn sich dies ändere, werde man den entsprechenden Sachverhalt prüfen.