Oranienburg (KNA) Mit einer Kranzniederlegung und einem Festakt haben Vertreter der Stadt, des Landes und des Bundes am Montag einen neu gestalteten Gedenkort für das ehemalige Konzentrationslager Oranienburg eingeweiht. Auf dem Gelände einer ehemaligen Brauerei hatten die Nationalsozialisten ...
Oranienburg (KNA) Mit einer Kranzniederlegung und einem Festakt haben Vertreter der Stadt, des Landes und des Bundes am Montag einen neu gestalteten Gedenkort für das ehemalige Konzentrationslager Oranienburg eingeweiht. Auf dem Gelände einer ehemaligen Brauerei hatten die Nationalsozialisten dort in den Jahren 1933 und 1934 rund 3.000 Kommunisten, Sozialdemokraten und Regimegegner unter menschenunwürdigen Bedingungen eingesperrt. Mindestens 16 von ihnen, darunter der Schriftsteller Erich Mühsam, wurden in Oranienburg ermordet.
Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) nannte die Errichtung der Konzentrationslager den "Beginn der systematischen Ausgrenzung, Verfolgung und Entrechtung Andersdenkender." Der rasche Weg des Nationalsozialismus zur Macht führe vor Augen, wie verletzlich eine Demokratie sein könne.
"2026 ist nicht 1925", sagte Woidke. Es gebe keinen Automatismus eines Abstiegs in die Barbarei. "Aber auch wir sollten unsere Zeit als eine entscheidende Zeit sehen, in der es wichtig ist, für eine demokratische Zukunft zu kämpfen", sagte Woidke. "Denn wir alle haben es in der Hand, eine offene und tolerante Gesellschaft zu bleiben."
Der Leiter der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten, Axel Drecoll, betonte, dass alles, was 1933 und 1934 in Oranienburg geschah, unter den Augen der Stadtbevölkerung stattfand und für jeden sichtbar war. Die Wachleute des KZs seien fast alle aus Oranienburg und Umgebung gekommen. Zwangsarbeit mussten die Häftlinge etwa im Straßenbau verrichten.
"Hier haben Nachbarn Nachbarn terrorisiert", sagte Drecoll. "Was diesen Ort so wichtig macht, ist die Erkenntnis, dass innerhalb von wenigen Wochen alle Mechanismen von Rechtsstaatlichkeit und Menschenwürde über Bord geworfen und ins Gegenteil verkehrt wurden."
Heute erinnert nur noch ein Mauerrest an das Konzentrationslager, das als Gedenkort stets im Schatten der benachbarten Gedenkstätte Sachsenhausen stand. "Diese Mauer hat gesehen, wie aus politischen Gegnern Gefangene wurden, entrechtet, misshandelt und der Willkür eines Regimes ausgeliefert", sagte die Oranienburger Bürgermeisterin Jennifer Collin-Feeder (SPD). "Wir geben diesem Ort den Raum, den seine Geschichte verlangt."