Würzburg (KNA) Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) fordert einen weltweiten Frauen-Gipfel im Vatikan. Die Zeit sei reif dafür, dass die katholische Kirche die Stimmen von Frauen stärker höre, heißt es in einem am Mittwoch beschlossenen Antrag der Frühjahrsvollversammlung in W ...
Würzburg (KNA) Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) fordert einen weltweiten Frauen-Gipfel im Vatikan. Die Zeit sei reif dafür, dass die katholische Kirche die Stimmen von Frauen stärker höre, heißt es in einem am Mittwoch beschlossenen Antrag der Frühjahrsvollversammlung in Würzburg.
Ein weiterer Schwerpunkt der Versammlung lag zudem auf dem Sozialstaat. So forderte die Präsidentin des Zentralkomitees, Irme Stetter-Karp, die Bundesregierung auf, das Vertrauen in die geplante Rentenreform zu fördern: "Ich appelliere an das Bundeskabinett, jetzt weniger Krisenrhetorik und mehr Zukunftsvision zu bieten."
Die Präsidentin des Deutschen Caritasverbandes, Eva Welskop-Deffaa, sagte, die Rentenreform müsse die gesetzliche Rente fit machen für die demografischen Herausforderungen der nächsten Jahrzehnte. "Die politische Aufgabe, das Vertrauen in die gesetzliche Rente zu erhalten, ist durch kein Reformvorhaben in der betrieblichen oder privaten Alterssicherung zu ersetzen."
Da das Sicherungsniveau in Deutschland schon heute nicht besonders üppig ausfalle, seien andere Stellschrauben zu wählen als die Absenkung der Rentenhöhe, fügte sie hinzu. Sie halte die Flexibilisierung des Renteneintrittsalters mit dem Ziel, mehr Menschen eine längere Erwerbsarbeit zu ermöglichen, für einen guten Ansatz. "Eine mechanische Anhebung der Altersgrenze für alle würde dagegen das Vertrauen in die Verlässlichkeit der Rente beschädigen."
Der Sozialethiker Andreas Lob-Hüdepohl erklärte, Vertrauen gehöre "zum Grundkapital jeder Form sozialer Sicherung". Es brauche jetzt "eine ehrliche und vor allem öffentliche Diskussion über das Ziel einer gesetzlichen Rente".
Grundsätzlich sprach sich die ZdK-Vollversammlung für eine Überprüfung des Sozialstaats aus. Sozialpolitik müsse sich immer wieder die Frage stellen, ob sie die Menschen, die von Armut betroffen sind, wirklich erreicht und ob sie die Menschen von Anfang an zu einem selbstbestimmten Leben befähigt, heißt es in einem am Mittwoch beschlossenen Antrag. Gleichwohl sei klar, dass gesellschaftlicher Zusammenhalt und eine prosperierende Volkswirtschaft einen starken Sozialstaat brauchten.
"Investitionen in Bildung, Prävention, Pflege und kommunale Infrastruktur sind deshalb keine bloßen Ausgaben und erst recht keine überhöhten Belastungen, sondern Voraussetzungen für Zusammenhalt, Teilhabe und wirtschaftliche Zukunftsfähigkeit", betonte das oberste katholische Laiengremium.
Das Katholikenkomitee warnte vor einer Umkehrung der sozialpolitischen Debatte. Aus der berechtigten Frage nach Effizienz und fairer Finanzierung dürfe nicht die Botschaft werden: "Das Soziale ist zu teuer." Der Sozialstaat werde nur dann zu teuer, wenn er "zu spät hilft, zu bürokratisch organisiert ist, Kommunen überfordert und Prävention vernachlässigt".
Grundlegendes Ziel von Reformen müsse es sein, Menschen in die Lage zu versetzen, ihr Leben selbst zu gestalten. Deshalb brauche es Prävention sowie ein breites Angebot in der Kinder- und Jugendhilfe, der Eingliederungshilfe und der Pflege. Wichtig sind aus Sicht des Katholikenkomitees unbürokratische Hilfen aus einer Hand: Es brauche "einen Antrag, eine Ansprechperson, einen Hilfeplan und eine Entscheidung". Mit digitaler Antragstellung, verbindlichen Fristen und automatischer vorläufiger Hilfe bei Zuständigkeitsstreitigkeiten könne Menschen am schnellsten geholfen werden.