Bonn (KNA) Vor den geplanten bundesweiten Protesten Zehntausender junger Menschen am Samstag mahnen Forschende, deren Anliegen ernst zu nehmen. Auch sehen sie Versäumnisse in der Politik. "Etwas Besseres kann den Regierungsparteien eigentlich kaum passieren: Junge Leute machen sichtbar, dass si ...
Bonn (KNA) Vor den geplanten bundesweiten Protesten Zehntausender junger Menschen am Samstag mahnen Forschende, deren Anliegen ernst zu nehmen. Auch sehen sie Versäumnisse in der Politik. "Etwas Besseres kann den Regierungsparteien eigentlich kaum passieren: Junge Leute machen sichtbar, dass sie unzufrieden sind", sagte der Jugendforscher Klaus Hurrelmann im Interview der "Neuen Osnabrücker Zeitung".
"Wir haben lange beklagt, dass junge Menschen sich zu wenig beteiligen und sich von den Parteien entfremden." Wenn sie jetzt auf die Straße gehen wollten, dürfe die erste Reaktion der Politik nicht Abwehr sein. Die Politik müsse verstehen wollen, was die jungen Menschen antreibe, betonte Hurrelmann.
Ernst nehmen bedeute nicht, jeden Wunsch zu erfüllen, sondern zuzuhören und sich auseinanderzusetzen. "So könnten die Parteien der Mitte einen Zugang zu einer Generation zurückgewinnen, den sie erkennbar verloren haben", erklärte der Jugendforscher.
Menschen unter 30 Jahren seien verunsichert und irritiert, aber sie seien in Deutschland bisher sehr konstruktiv geblieben. "Ich sehe keine grundsätzlich antidemokratische Generation", sagte Hurrelmann. "Sie ist auch nicht ideologisch festgelegt. Viele sind hochinteressiert und sensibel dafür, ob man sie ernst nimmt".
Allerdings zweifelten sie daran, dass die Regierenden die Probleme lösen könnten. "Darauf müssen die Parteien antworten. CDU, CSU und SPD verlieren bei jungen Menschen an Boden und stützen sich stark auf ältere Wähler. Das kann auf Dauer nicht genügen." Die Jungen warteten darauf, dass jemand auf sie zugehe, der etwas zu sagen habe und offen mit ihnen spreche, so der Jugendforscher.
Für Samstag sind der Internetseite der Initiative "Gen Z regelt" zufolge in über 30 Städten in Deutschland Demonstrationen "für Bildung, Gesundheit, Klimaschutz und ein bezahlbares Leben" geplant. Die Initiative schreibt selbst: "Unser Protest ist friedlich, ohne Ausnahme." In den vergangenen Tagen wurden Bedenken laut, die Proteste könnten ähnlich wie in Frankreich und Italien ausarten.
Aus solchen Spekulationen könne eine sich selbst erfüllende Prophezeiung werden, kritisierte am Freitag Sabrina Zajak, Protestforscherin an der Katholische Hochschule für Sozialwesen Berlin, im ZDF-Morgenmagazin. Hinzu komme, dass sich Schülerinnen und Schüler möglicherweise eingeschüchtert fühlten, für ihre Anliegen auf die Straße zu gehen und ein demokratisches Grundrecht wahrzunehmen.