Essen (KNA) Das katholische Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat zeigt sich erleichtert nach dem für viele überraschenden Wahlausgang in Brasilien: "Gewinnerinnen und Gewinner sind Frauen, Indigene, Arme, Natur und Demokratie", erklärte Hauptgeschäftsführer Martin Maier am Montagmorgen in Essen ...
Essen (KNA) Das katholische Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat zeigt sich erleichtert nach dem für viele überraschenden Wahlausgang in Brasilien: "Gewinnerinnen und Gewinner sind Frauen, Indigene, Arme, Natur und Demokratie", erklärte Hauptgeschäftsführer Martin Maier am Montagmorgen in Essen.
Bei der Stichwahl am Sonntag hat sich der amtierende linke Präsident Luiz Inácio Lula da Silva (80) am Ende doch noch gegen Flávio Bolsonaro (45) durchgesetzt. Der Sohn des früheren rechtsextremen Präsidenten Jair Bolsonaro galt als Favorit, da er bei der ersten Runde mit 47 Prozent vor Lula (45 Prozent) lag und da bisher bei Stichwahlen immer dieses Ergebnis bestätigt wurde. Das Oberste Wahlgericht erklärte nun Lula zum Wahlsieger mit 51,8 zu 48,2 Prozent der Stimmen. Bolsonaro will das Ergebnis aber anfechten.
"Gewonnen hat Lula da Silva im Endspurt sicherlich, weil er deutliche Verbesserungen zugunsten der Armen angekündigt hatte", vermutete Maier. Der Ordensmann und Adveniat-Chef zeigte sich zuversichtlich, dass der alte und neue Präsident seinen Ankündigungen auch Taten folgen lässt: "Denn in den vergangenen vier Jahren hatte Lula da Silva bereits eine mehr an den Bedürfnissen gesellschaftlich benachteiligter Gruppen und dem Schutz der Umwelt ausgerichtete Politik dem Bolsonarismus entgegengesetzt."
Angesichts der Ergebnisse der Parlaments- und Gouverneurswahlen, bei denen überwiegend Kandidatinnen und Kandidaten aus dem Lager Bolsonaros gewonnen haben, seien die Spielräume für Lula da Silva allerdings eng, so Maier weiter. Im Kongress und im Senat haben die konservativen Parteien eine deutliche Mehrheit: "Er wird die gespaltene Gesellschaft nach dem polarisierten Wahlkampf einen müssen."
Das Lateinamerika-Hilfswerk werde mit seinen kirchlichen Partnern in Brasilien weiterhin gezielt Menschen in extremer Armut mit Lebensmitteln, Medikamenten und Hygiene-Artikeln versorgen, kündigte der Ordensmann an. Außerdem wolle man weiter Bildungs- und Gesundheitsprogramme unterstützen sowie Verteidiger von Menschenrechten, Umwelt und Natur.
Für Adveniat, so Maier weiter, stärke der Wahlsieg von Lula da Silva auch die Hoffnung, dass die Abholzung des Amazonas-Regenwaldes weiter zurückgeht. Zwischen August 2025 und Juli 2026 sind in Brasilien weniger als 3.000 Quadratkilometer Wald vernichtet worden - der tiefste Stand seit 1988. Während Bolsonaro erklärte, Umweltschutz dürfe der wirtschaftlichen Entwicklung nicht im Wege stehen, kündigte Lula da Silva an, bis 2030 die Abholzung des Amazonas-Regenwaldes auf null zu senken.
Die internationale Weltgemeinschaft dürfe den brasilianischen Präsidenten dabei nicht allein lassen, forderte der Adveniat-Chef weiter. Dabei sei es höchste Zeit, dass sich die Bundesregierung und die Europäische Union klar positionieren und "die Verteidigerinnen und Verteidiger von Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Minderheiten in Lateinamerika systematisch schützen".