Berlin (KNA) Die Bundesregierung verteidigt die geplanten Kürzungen im Etat des Entwicklungsministeriums im kommenden Jahr. Das seien harte Entscheidungen, die man treffen müsse, sagte Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) am Montag bei der Vorstellung des Haushaltsentwurfs für 2027. Die ...
Berlin (KNA) Die Bundesregierung verteidigt die geplanten Kürzungen im Etat des Entwicklungsministeriums im kommenden Jahr. Das seien harte Entscheidungen, die man treffen müsse, sagte Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) am Montag bei der Vorstellung des Haushaltsentwurfs für 2027. Dieser sieht für das Ministerium wie erwartet nur noch knapp 9,5 Milliarden Euro vor.
"Deutschland ist international ein glaubwürdiger Partner und daran wird sich nichts ändern", so Klingbeil mit Blick auf den Entwicklungsetat und internationale Klimaausgaben. Man sei etwa der größte Geldgeber und wichtigste Unterstützer der Vereinten Nationen. Zugleich räumte der Finanzminister ein, dass in den folgenden Jahren auch im Entwicklungsministerium weiter gespart werden müsse.
Entwicklungsministerin Reem Alabali Radovan (SPD) sieht Deutschland trotz weiterer Kürzungen in ihrem Etat international handlungsfähig. "Wir stellen weiter die Weichen für eine neue deutsche Entwicklungspolitik", sagte sie zum Haushaltsentwurf.
In diesem Jahr liegt der Entwicklungsetat noch bei rund 10 Milliarden Euro. Das entspricht allerdings auch schon einer Kürzung um fast 20 Prozent seit 2021. Zugleich wurden die Mittel für die beim Auswärtigen Amt angesiedelte humanitäre Hilfe im Vergleich zu 2024 auf rund eine Milliarde Euro halbiert. Bei dieser Summe soll es auch im kommenden Jahr bleiben.
"Trotz schwieriger Kürzungen gibt uns der Bundeshaushalt 2027 die notwendige Grundlage, unsere Mittel dort gezielt einzusetzen, wo sie den größten Unterschied machen - für die Menschen im Globalen Süden ebenso wie für Deutschlands Sicherheit und Wohlstand", sagte die Entwicklungsministerin weiter. Deutschland setze gerade in einer Welt voller Krisen und Konflikte auf starke internationale Partnerschaften.
"Wir investieren in Frieden und Sicherheit, bekämpfen Armut und Hunger, schaffen wirtschaftliche Perspektiven und stärken die Widerstandskraft gegen die Folgen des Klimawandels" so Alabali Radovan. Das helfe den Menschen vor Ort und schütze zugleich Deutschlands eigene Interessen.
Entwicklungsorganisationen und Kirchen kritisieren dagegen die weiteren Kürzungen. Wer in diesem Bereich spare, nehme dramatische Folgen für Menschen in armen Ländern in Kauf und zahle später mehr für Krisen und Konflikte, argumentieren die Gegner weiterer Kürzungen.
"In Ländern mit hoher Armutsquote werden Menschen sterben und Hunger und vermeidbare Krankheiten zunehmen, ebenso Konflikte und Kriege, weil Hilfsprogramme und Entwicklungsprojekte enden", sagte etwa der Hauptgeschäftsführer des katholischen Hilfswerks Misereor, Andreas Frick, der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).
Die endgültige Entscheidung über den Bundeshaushalt trifft der Bundestag voraussichtlich im November.