Würzburg (KNA) Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) ist beim Katholikentag in Würzburg auf Protest gestoßen. Klimaaktivisten störten mehrfach sein Gespräch mit jungen Menschen, für das er am Ende aber auch viel Applaus bekam. Jugendvertreter forderten den Kanzler auf, junge Menschen stärker ...
Würzburg (KNA) Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) ist beim Katholikentag in Würzburg auf Protest gestoßen. Klimaaktivisten störten mehrfach sein Gespräch mit jungen Menschen, für das er am Ende aber auch viel Applaus bekam. Jugendvertreter forderten den Kanzler auf, junge Menschen stärker an politischen Entscheidungen zu beteiligen und sie nicht als faul zu bezeichnen.
"In meiner Partei hat noch niemand gesagt, dass die Menschen in Deutschland faul sind", entgegnete Merz. Er räumte aber ein: "Ich weiß, dass ich in meiner Kommunikation etwas verbessern muss." Die Bundesregierung gebe nicht das beste Bild ab: "Vielleicht streiten wir im Augenblick zu viel und bringen zu wenig Ergebnisse."
Der CDU-Vorsitzende warb vor rund 1.000 Zuhörenden dafür, dass mehr junge Menschen in Parteien der politischen Mitte eintreten und sich in der Kommunalpolitik engagieren sollten.
Großen Applaus im Saal gab es vor allem für Forderungen nach mehr Klimaschutz. Auf die Frage, ob Merz den Mut habe, Deutschland zum Vorreiter beim Klimaschutz zu machen, antwortete er: "Ja, mit Technologie und nicht mit Verboten."
Vor dem Veranstaltungssaal kamen nach Polizeiangaben rund 600 Demonstrierende zu einer Kundgebung zusammen. Die Organisatoren warfen Merz vor, die Anliegen junger Menschen zu ignorieren.
Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Heiner Wilmer, verteidigte im ZDF-Morgenmagazin die Nicht-Einladung von AfD-Vertretern zum Katholikentag. Die Kirche stehe für Schwächere, Bedrängte und Menschen in Not ein, sagte er. Öffentlich geäußerte Parolen könnten nicht geduldet werden: "Das erinnert uns an die dunkelste Vergangenheit."
Die Botschaft des Katholikentags - der Bibelvers "Hab Mut, steh auf!" - richte sich an alle Menschen, fügte Wilmer hinzu. In Deutschland gehe es derzeit darum, nicht in Jammern oder Hysterie zu verfallen, sondern zusammenzustehen und "den Rücken gerade zu machen, vor allem, wenn Menschen bedrängt werden, wenn Minderheiten in die Ecke gedrängt werden". Dazu gehöre auch, sich von Ängsten nicht lähmen zu lassen.
Der Limburger katholische Bischof Georg Bätzing erwartet tiefgreifende Veränderungen der religiösen Praxis durch Künstliche Intelligenz. "Wir sind uns der Dimensionen, die KI auf Glaubensweisen und Glaubensformen haben wird, noch überhaupt nicht bewusst", sagte der frühere Vorsitzende der Bischofskonferenz. Er sprach sich auch für mehr Frauen in Führungspositionen der Kirche aus. Allerdings werde damit die Diskussion um Priesterinnen nicht zu Ende sein, fügte er hinzu.
Der Bischof von Speyer, Karl-Heinz Wiesemann (65), beeindruckte viele Teilnehmer des Katholikentags, als er in einer Veranstaltung mit Harald Schmidt offen über seine Depressionen sprach. Auslöser waren, wie er schilderte, auch ein hohes Ideal als Priester und Bischof und eine ständige Überforderung. Schon länger habe er gemerkt, dass ihm der Missbrauchsskandal, die Krise der Kirche und das Verschwinden der traditionellen Kirchlichkeit zusetzten.
Wiesemann kritisierte, in Kirche und Gesellschaft herrsche ein Drang zu Perfektionierung und Selbstoptimierung. Kirche könne mit ihrem Gottesbild dazu beitragen, dass die Menschen Begrenztheiten und Endlichkeit annehmen könnten. "Ich habe gelernt, mit Ohnmachtserfahrungen umzugehen, Hilfe anzunehmen und mich auf das Positive, auf das Schöne in der Welt zu konzentrieren."
Um sehr persönliche Erfahrungen ging es auch bei einem "Mut-Mach-Gottesdienst" für Familien: Der Fuldaer Bischof Michael Gerber erzählte, wie ihm ein kleiner Kauz während seiner Krebserkrankung Mut gemacht habe. Und Bundestagspräsidentin Julia Klöckner sprach über Gott und die Menschenwürde als Gegengewicht zu problematischen Entwicklungen in den Sozialen Medien.
Der Missbrauchsbeauftragte der Bischofskonferenz, Bischof Helmut Dieser, rief dazu auf, sich gegen unangemessene Fragen von Priestern bei der Beichte zu wehren. Er nannte es "erschütternd", wenn Erwachsene und sogar Kinder dort nach intimen Themen rund um die Sexualität befragt würden.
Militärexperte Carlo Masala lobte die Rolle der Kirchen bei den Bemühungen um Frieden in der Welt. Gerade Papst Leo XIV. spiele mit seinen Friedensappellen eine wichtige Rolle. Militärbischof Franz-Josef Overbeck plädierte für eine Wehrpflicht für Männer und Frauen, verbunden mit der Möglichkeit, einen zivilen Alternativdienst zu wählen.
Der Münchner Kardinal Reinhard Marx wandte sich gegen Tendenzen, das Thema Abtreibung zum Brennpunkt eines innerkirchlichen Lagerkampfes zu machen. Der Schutz menschlichen Lebens von Anfang bis Ende sei "für uns als Kirche essenziell", betonte er: "Wir wissen aber als Kirche, dass wir das ungeborene Leben nur mit den Frauen und nicht gegen sie schützen können."
Bei anderen Diskussionsrunden ging es unter anderem um Kirchenreformen und um das Miteinander der Religionen. Zum Programm gehörten auch ein Mitmachzirkus, eine spirituelle Weinwanderung, Gespräche mit einem Astronauten sowie ein "Headbanger-Gottesdienst" für Heavy-Metal-Fans. Völlig überfüllt war eine Bibelarbeit mit dem Ordensmann und Bestsellerautor Anselm Grün im Dom.
Das Christentreffen mit zehntausenden Teilnehmern und rund 900 Veranstaltungen endet am Sonntag.