Berlin (KNA) Der Entertainer Hape Kerkeling hat in Berlin eine Lanze für Menschenwürde und Demokratie gebrochen. "Artikel 1 unseres Grundgesetzes sagt nicht: 'Die Würde des Menschen ist unantastbar - außer man diskutiert gerade freundlich darüber'", sagte Kerkeling am Donnerstagabend vor de ...
Berlin (KNA) Der Entertainer Hape Kerkeling hat in Berlin eine Lanze für Menschenwürde und Demokratie gebrochen. "Artikel 1 unseres Grundgesetzes sagt nicht: 'Die Würde des Menschen ist unantastbar - außer man diskutiert gerade freundlich darüber'", sagte Kerkeling am Donnerstagabend vor der SPD-Bundestagsfraktion. "Er sagt es ohne Sternchen, ohne Kleingedrucktes, ohne Meinungskorridor."
"Als ein Fraktionsvorsitzender einer bestimmten Partei 2018 offen aussprach, die zwölf Jahre Nationalsozialismus seien nur ein 'Vogelschiss' in über tausend Jahren deutscher Geschichte, da haben viel zu viele erst einmal höflich diskutiert, ob man das nicht auch 'irgendwie verstehen' könne", erläuterte Kerkeling laut Mitteilung der SPD-Fraktion und erwiderte: "Meine Damen und Herren, das ist keine Debattenkultur - das ist die Kapitulation der Fakten vor der Lautstärke."
Kerkeling, der zuletzt mehrfach im politischen Diskurs in Deutschland mitsprach, ergänzte: "Wenn wir jeder noch so kruden Behauptung im Namen der Meinungsfreiheit dieselbe Bühne bauen wie einer geprüften Tatsache, wenn wir jedem Verfassungsfeind im Namen vermeintlicher Fairness denselben Resonanzraum geben wie seinen Gegnern, dann sägen wir nicht am Ast der Intoleranz. Wir sägen am Ast, auf dem wir alle gemeinsam sitzen."
Der Schauspieler und Entertainer sprach am Donnerstagabend bei der Klausurtagung der SPD-Bundestagsfraktion. Titel seines Impulses war: "Alles Ansichtssache? Wo die Toleranz in einer Demokratie ihre Grenzen hat und worauf es jetzt ankommt". Im Anschluss diskutierte er mit dem Fraktionsvorsitzenden Matthias Miersch und den Abgeordneten.
Der Sozialdemokratie schrieb er ins Stammbuch: 163 Jahre SPD-Geschichte seien auch "163 Jahre Erfahrung darin, Anfeindung auszuhalten, ohne dabei die eigene Stimme zu verlieren. Am 23. März 1933 sei der Parteivorsitzende Otto Wels als Einziger im Reichstag aufgestanden und habe dem Ermächtigungsgesetz widersprochen.
Wels' Sätze ließen einem heute noch die Nackenhaare aufstellen, sagte Kerkeling und zitierte: "Freiheit und Leben kann man uns nehmen, die Ehre nicht." Der 61-jährige Komiker weiter: "Er hätte auch schweigen können. Schweigen wäre bequemer gewesen." Aber Wels habe es es trotzdem nicht getan. Und so sei er 93 Jahre später immer noch ein Vorbild.