Bonn/Berlin (KNA) Der Nachlass von Heinz Erhardt (1909-1979) zieht um. 47 Jahre nach dem Tod des Komikers gehen Objekte wie Briefe, Tagebücher, Fotos und seine Schreibmaschine als Dauerleihgabe ans Haus der Geschichte in Bonn. Das berichtete der "Spiegel" am Samstag. Bislang war der Nachlass la ...
Bonn/Berlin (KNA) Der Nachlass von Heinz Erhardt (1909-1979) zieht um. 47 Jahre nach dem Tod des Komikers gehen Objekte wie Briefe, Tagebücher, Fotos und seine Schreibmaschine als Dauerleihgabe ans Haus der Geschichte in Bonn. Das berichtete der "Spiegel" am Samstag.
Bislang war der Nachlass laut dem Magazin in einem Keller in Hamburg eingelagert. In dem Haus lebt bis heute eine Tochter Erhardts. Möglich sei die Übergabe, nachdem Erhardts Erben einen jahrelangen Streit beigelegt hätten.
Das Herzstück der Sammlung sind den Angaben zufolge 19 Tagebücher, die Erhardt seit den Vierzigerjahren füllte. Die meisten Notizen drehen sich um seinen Beruf. So regte es ihn auf, wenn Journalisten sich nicht merken konnten, dass er "Erhardt" hieß und nicht etwa "Ehrhardt": "Warum wird mein Name oft falsch geschrieben oder gedruckt? Bei ausländischen und komplizierten Namen gibt man sich große Mühe - aber mit dem schlichten deutschen nicht!" Die Ankündigung eines Kinofilms mit ihm mit dem Arbeitstitel "Onkel Heinz, die Nervensäge" kommentierte er laut dem Bericht: "Der Titel ist Scheiße!"
Erhardt sei ein Workaholic gewesen, sagte seine Enkelin Nicola Tyzskiewicz dem Magazin. "Er hatte panische Angst, nach seinem Tod vergessen zu werden. Dagegen hat er angearbeitet, ohne Rücksicht auf seine Gesundheit." Heute sehe sie das als ihre Aufgabe.
Manfred Wichmann, Sammlungsdirektor im Haus der Geschichte, sagte dem "Spiegel": "Normalerweise nehmen wir keine Nachlässe an." Doch Erhardt stehe "wie wenige andere Humoristen für einen übergreifenden Zeitraum in der deutschen Geschichte". Der Witz in Erhardts Filmen beruhe auf einer genauen Beobachtung der damaligen Sittenbilder. Erhardt helfe, jene Zeit zu verstehen, aber er sei auch "genuin witzig".
In Bonn werden die Objekte in den nächsten Monaten gelesen, vermessen, fotografiert, digitalisiert und katalogisiert. 2029 könnten sie der Öffentlichkeit präsentiert werden, dann ist Erhardt 50 Jahre tot - und er würde 120 Jahre alt.
Der Humor des vielfach talentierten Literaten, Wortartisten und Musikers basierte unter anderem auf hintersinnigen Wortverdrehungen. Erhardt wurde 1909 als Sohn deutscher Eltern in Riga geboren und wuchs in Petrograd, Barsinghausen, Hannover und Riga auf. Im November 1941 wurde Erhardt als Musiker zum Musikcorps der Marine in Stralsund eingezogen; schon bald aber kommandierte man ihn zur Truppenbetreuung ab und versetzte ihn nach Kiel. Kurz vor Kriegsende geriet er für kurze Zeit in britische Gefangenschaft.
Im Sommer 1945 zog er nach Hamburg, wo er für den NWDR gemeinsam mit Will Meyen die wöchentliche Sendereihe "So was Dummes" gestaltete und die "Glosse der Woche" schrieb. Sein Theaterdebüt gab Heinz Erhardt 1946 in Hamburg. Nach ersten Nebenrollen arbeitete er ab Mitte der 1950er Jahre immer häufiger und erfolgreicher beim Film.
Im Dezember 1971 erlitt er einen Schlaganfall und blieb halbseitig gelähmt. Weil das Sprachzentrum beschädigt wurde, sprach er bis zu seinem Tod kein einziges Wort mehr.