Berlin (KNA) In der Debatte um die Organspenden weicht der katholische Theologe Peter Schallenberg von der Haltung der katholischen Kirche ab. Er halte die Widerspruchslösung für stimmig, um die Zahl der Organspenden zu erhöhen, sagte Schallenberg im Podcast von Table.Media am Mittwoch. "Ich ...
Berlin (KNA) In der Debatte um die Organspenden weicht der katholische Theologe Peter Schallenberg von der Haltung der katholischen Kirche ab. Er halte die Widerspruchslösung für stimmig, um die Zahl der Organspenden zu erhöhen, sagte Schallenberg im Podcast von Table.Media am Mittwoch. "Ich halte es nicht für eine Nötigung, dass der Gesetzgeber die Widerspruchslösung einführt, sondern ich halte es für ein Nudging, ein sanftes Schupsen. Das halte ich ethisch für legitim", so Schallenberg.
Die katholische Kirche lehnt die sogenannte Widerspruchslösung ab. Aus seiner Sicht sei der Unterschied zwischen der bestehenden Zustimmungsregelung und der Widerspruchslösung nicht so groß, wie er oft dargestellt werde, so Schallenberg. Am Ende gehe es beiden Gruppen darum, die Zahl der Spender zu erhöhen.
Denkbar sei auch eine Vorstufe, bei der alle Bürger angeschrieben würden. Letztlich gehe es darum, mit Nachdruck den Bürger um Solidarität zu bitten. Natürlich müsse die Freiwilligkeit gewahrt bleiben, da jeder auch einfach "Nein" sagen könne. "Aber man darf voraussetzen vom mündigen Bürger, dass man sich mit dieser Frage beschäftigt", so Schallenberg.
Im Bundestag befasst sich am Mittwoch der Gesundheitsausschuss mit der Regelung der Organspenden. Bislang schreibt das Transplantationsgesetz vor, dass nur derjenige ein potenzieller Organspender ist, der zuvor einer Spende ausdrücklich zugestimmt hat.
Eine überfraktionelle Gruppe von Parlamentariern will dieses Prinzip der Zustimmungsregelung umkehren und eine Widerspruchsregelung einführen. Das würde bedeuten, dass jeder Bürger ein potenzieller Organspender wäre - außer, er hat ausdrücklich widersprochen. 2020 hatte der Bundestag eine Widerspruchsregelung abgelehnt.
Die Befürworter der geltenden Zustimmungsregelung wollen indes die Bürger zu einer konkreten Entscheidung ermuntern. Sie wollen, dass jeder Bundesbürger zeitnah nach dem 18. Geburtstag aufgefordert wird, sich zur Organspendebereitschaft zu äußern und dies zu dokumentieren. Der Spenderwille müsse barrierefrei und niedrigschwellig im Organspenderegister eintragbar sein. Der Zugang zum Register müsse erleichtert werden und auch analog bei Behörden möglich sein, die Ausweise ausstellen. Darüber hinaus soll es eine weitere Aufklärungskampagne geben.
Seit Jahren gibt es zu wenige Organspender in Deutschland, auch wenn es zuletzt einen Aufwärtstrend gab. In Ländern wie Spanien, Belgien und Portugal liegen die Zahlen deutlich höher.