Erfurt (KNA) Der ehemalige Bischof des katholischen Bistums Erfurt, Joachim Wanke, ist am Samstag im Kreuzgang des Erfurter Mariendoms beigesetzt worden. Das Requiem wurde vom Erfurter Bischof Ulrich Neymeyr geleitet, die Predigt hielt der Magdeburger Bischof Gerhard Feige. Wanke war am 12. Mär ...
Erfurt (KNA) Der ehemalige Bischof des katholischen Bistums Erfurt, Joachim Wanke, ist am Samstag im Kreuzgang des Erfurter Mariendoms beigesetzt worden. Das Requiem wurde vom Erfurter Bischof Ulrich Neymeyr geleitet, die Predigt hielt der Magdeburger Bischof Gerhard Feige. Wanke war am 12. März im Alter von 84 Jahren gestorben.
Neymeyr dankte zu Beginn des Requiems Wanke für dessen große Verdienste und sprach zudem seinen selbstkritischen Umgang mit sexuellem Missbrauch durch Kirchenmitarbeiter an.
In seiner Predigt würdigte Feige den Altbischof als "eine der prägendsten Gestalten der katholischen Kirche in Ostdeutschland". Der in Schlesien geborene Wanke habe sich als Thüringer gefühlt, sagte Feige. In dieser Haltung habe sich Wanke heimatverbunden und weltoffen gezeigt, sei einfallsreich, ausdrucksstark und liebenswürdig gewesen. "Er konnte auch schelmisch sein und herzhaft lachen. Und er hatte Humor."
Wanke, der als Bischof neun Jahre in der DDR und 22 Jahre im wiedervereinten Deutschland gewirkt hat, habe in beiden Systemen durch seine Predigten und mutigen Stellungnahmen viele Menschen aufgerüttelt. Programmatisch für sein ganzes Leben sei sein bischöflicher Wahlspruch gewesen: "Den Spuren Christi folgen."
Der Predigt folgten anschließend bewusst keine Grußworte, da dies der Wunsch von Altbischof Wanke gewesen sei, so das Bistum Erfurt. Am Ende des Requiems wurde Wankes Sarg in einem Trauerzug aus dem Dom über die Kavaten in den Kreuzgang gebracht und dort beigesetzt.
An den Trauerfeierlichkeiten im Mariendom und in der benachbarten Severikirche, in die das Requiem übertragen wurde, nahmen laut Bistum Erfurt etwa 1.000 Besucher teil. Darunter befanden sich auch Vertreter aus Politik und Kirche, wie der Präsident des Thüringer Landtags, Thadäus König (CDU), Thüringens Innenminister Georg Maier (SPD) sowie der frühere thüringische Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke).
Unter zahlreichen amtierenden und emeritierten Bischöfen und Erzbischöfen war auch Bischof Michael Gerber, stellvertretender Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, zugegen. Nach der Trauerfeier sprach er von einem berührendem Requiem. Wanke habe als Bischof in der DDR und später in Deutschland "wesentlich zum Zusammenwachsen unseres Landes beigetragen und die Stimme der Kirche im Einigungsprozess zu Gehör gebracht", sagte er.
"Als Bischofskonferenz schauen wir dankbar auf das Wirken von Bischof Wanke. Die vielen Jahre, die er die Pastoralkommission geleitet hat, waren prägend, denn immer ging es ihm um die kluge Verbindung von Seelsorge und Menschen." Gerber nannte Wanke einen "kraftvollen Seelsorger, ausgezeichneten Theologen und wunderbaren Menschen".
Wanke zählte zu den prägendsten katholischen Bischöfen im Osten Deutschlands. Er wurde am 4. Mai 1941 in Breslau (Schlesien) geboren und kam durch die Vertreibung im Zweiten Weltkrieg mit seiner Familie nach Thüringen, wo er in Ilmenau aufwuchs. 1966 empfing er durch Bischof Hugo Aufderbeck im Erfurter Dom die Priesterweihe. 1980 ernannte Papst Johannes Paul II. ihn zum Weihbischof in Erfurt mit dem Recht der Nachfolge.
Nach dem Tod Aufderbecks am 17. Januar 1981 trat er dessen Nachfolge als Apostolischer Administrator in Erfurt und Meiningen an. 1994 ernannte ihn Papst Johannes Paul II. zum Bischof des neu gegründeten Bistums Erfurt. Seit Oktober 2012 war Wanke im Ruhestand, blieb aber weiter ein gefragter Redner, Ratgeber und Beobachter kirchlicher und gesellschaftspolitischer Entwicklungen.
Das Bistum Erfurt hat auf seinem Internetauftritt ein digitales Kondolenzbuch für Wanke eingerichtet. Das Buch biete einen gemeinsamen Ort des Gedenkens und der stillen Verbundenheit. "Alle, die sich verbunden fühlen, sind herzlich eingeladen, dort persönliche Worte zu schreiben", heißt es auf der Homepage.