Berlin (KNA) Mareike Lotte Wulf (46), Deutschlands Kinderchancenkoordinatorin, wünscht sich eine kinderfreundlichere Justiz in Deutschland. "Unsere Strukturen in Justiz und der Gerichtsbarkeit sind nicht auf die Belange von Kindern eingestellt", erklärte Wulf der Katholischen Nachrichten-Agent ...
Berlin (KNA) Mareike Lotte Wulf (46), Deutschlands Kinderchancenkoordinatorin, wünscht sich eine kinderfreundlichere Justiz in Deutschland. "Unsere Strukturen in Justiz und der Gerichtsbarkeit sind nicht auf die Belange von Kindern eingestellt", erklärte Wulf der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). "Gewalt gegen Kinder steigt bedauerlicherweise an. Und die Verurteilungsquoten sind sehr gering."
Sie sei deshalb eine große Unterstützerin der sogenannten Childhood-Häuser. "Opfer von sexualisierter Gewalt müssen eine Vielzahl von Instanzen durchlaufen. Das kann über Monate dauern und es kann auch sein, dass sie sieben bis acht Mal ihre Aussagen wiederholen müssen", erklärte Wulf. "Gerade bei Kindern verfälscht das die Beweise oftmals. Die Childhood-Häuser führen diese Prozesse zusammen. Polizei, Justiz, Psychologen und Ärzte arbeiten unter einem Dach, sodass das Kind nur einmal befragt werden muss."
Auch die Gewalt von Kindern untereinander steigt laut Statistik an. "Ich glaube, Kindheit hat sich fundamental verändert", so Wulf. "Mentale Gesundheit zum Beispiel oder Einsamkeit - beide Themen spielen heute bei Kindern und Jugendlichen eine große Rolle." Darüber hinaus sei Gewalt ein zunehmendes Problem in der Gesellschaft, ob gegen Einsatzkräfte, Frauen oder Kinder. "Und da, glaube ich, ist es wahrscheinlich für einige Kinder naheliegend, selbst gewalttätig zu werden", erklärte Wulf. "Zudem sind Kinder über digitale Medien, die rund um die Uhr verfügbar sind, Gewalt ausgesetzt."
Die Politikerin ist seit knapp einem Jahr Kinderchancenkoordinatorin. Sie wurde von Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU) benannt. Ihr Ziel sei grundsätzlich, dass Deutschland "das kinderfreundlichste Land Europas" werde, erklärte Wulf. Wichtig sei, nahe an den Kindern und ihren Bedürfnissen dran zu bleiben.
"Das würde ich ohnehin jedem Politiker empfehlen: einmal im Jahr in eine Grundschule oder auch eine Oberschule in einem sozial benachteiligten Einzugsgebiet zu gehen", so Wulf. "Für mich ist zum Beispiel eine eindringliche Frage, die eigentlich jede Schule den Kindern mal stellen sollte: Gibt es an der Schule einen Erwachsenen, dem du vertraust? Aber auch: Fühlst du dich sicher? Schmeckt dir das Mittagessen?"
Eine glückliche Kindheit sei für sie, wenn "man behütet und liebevoll aufwächst. Mit Bezugspersonen, die großzügig sind, aber auch an den richtigen Stellen Grenzen setzen", so Wulf.