Tübingen (KNA) Nach den Ausschreitungen in Frankreich sieht der Tübinger Kriminologe Jörg Kinzig gegenwärtig keine Indizien für eine ähnliche Entwicklung in Deutschland. "Momentan sehe ich keine Anzeichen dafür, dass die Situation ähnlich wie in Frankreich eskalieren könnte", sagte Kinz ...
Tübingen (KNA) Nach den Ausschreitungen in Frankreich sieht der Tübinger Kriminologe Jörg Kinzig gegenwärtig keine Indizien für eine ähnliche Entwicklung in Deutschland. "Momentan sehe ich keine Anzeichen dafür, dass die Situation ähnlich wie in Frankreich eskalieren könnte", sagte Kinzig am Montag der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Generell gebe es aber "sowohl in Frankreich wie auch in Deutschland ein gewisses Personenpotenzial, das zu Gewalthandlungen neigt und bei sozusagen passender Gelegenheit dafür mobilisiert werden kann."
Mit Blick auf Frankreich sei es derzeit noch zu früh zu beurteilen, ob die friedlichen Proteste Hunderttausender zunehmend von gewaltbereiten Linksextremisten "gekapert" würden und ob auch migrantische oder islamistische Gewalt für die Eskalation verantwortlich seien, so der Fachmann.
Unvermeidbar seien derartige Gewaltausbrüche nicht. "Aber wir wissen schon, dass Frustration zu Aggression führen kann", sagte der Direktor des Instituts für Kriminologie der Universität Tübingen. Kriminalitätsfördernd könne auch wirken, wenn sich immer mehr Personenkreise abgehängt fühlten. "Dazu kommt, dass wir bekanntlich derzeit national wie international vor besonderen Herausforderungen stehen."
Solche "Aufstände" wie am Wochenende in Frankreich habe es in der Geschichte in unterschiedlichem Ausmaß immer wieder gegeben. "Denken Sie etwa an die Silvesterkrawalle in Frankreich oder auch an die Mai-Auseinandersetzungen in Berlin", sagte Kinzig.
Wichtig sei, bei Demonstrationen genau zu trennen, mahnte Kinzig. "Wo handelt es sich um berechtigte Anliegen, auf die in einer Demokratie auch durch Proteste aufmerksam gemacht werden kann und denen die Politik nachkommen sollte", so Kinzig. "Und wo beginnen strafbare Handlungen, auf die jeder Staat mit rechtlichen Mitteln, selbstverständlich auch des Strafrechts, zu reagieren hat."
Bei den Ausschreitungen am Wochenende waren Medienberichten zufolge über 1.000 Menschen festgenommen worden; es gab zahlreiche Verletzte. Bilder in Sozialen Medien zeigten, wie Gruppen von Vermummten Fensterscheiben von Geschäften zerschlugen und Läden plünderten. In Limoges brannte das aus dem 19. Jahrhundert stammende Rathaus.