Berlin (KNA) In Berlin ist der Opfer des Hamas-Terrorangriffs vom 7. Oktober 2023 mit einem interreligiösen Gottesdienst gedacht worden. Der katholische Erzbischof Heiner Koch sprach am Mittwochabend in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche von einem Tag, der ins kollektive Gedächtnis eingegang ...
Berlin (KNA) In Berlin ist der Opfer des Hamas-Terrorangriffs vom 7. Oktober 2023 mit einem interreligiösen Gottesdienst gedacht worden. Der katholische Erzbischof Heiner Koch sprach am Mittwochabend in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche von einem Tag, der ins kollektive Gedächtnis eingegangen sei. "Indem wir uns gemeinsam erinnern, schaffen wir einen Raum, in dem Vergangenheit in die Gegenwart hineinwirkt", so Koch. "Gegen alle Hoffnungslosigkeit beten wir um den Frieden und um die Kraft zu Schritten der Hoffnung."
Rabbiner Andreas Nachama erinnerte an die tiefen Wunden nach dem Hamas-Überfall. "Wir alle tragen den Schmerz des Massakers vom 7. Oktober noch immer in unseren Herzen." Er betonte die Solidarität der anderen Religionen: "Wir Juden und Christen, auch Muslime, haben für den Frieden gebetet." Nachama erklärte, dass die Täter nicht bestimmten, wie die Zukunft aussehe. "Die größte Antwort auf Zerstören ist der Wiederaufbau."
Am Gottesdienst nahmen auch zahlreiche weitere Rabbiner, der Berliner Imam Kadir Sanci, Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) sowie weitere politische Spitzenvertreter teil.
Der evangelische Bischof Christian Stäblein erklärte, man erinnere selbstverständlich auch an die Folgen des Leids: "Die unzähligen Toten, das Leid der Menschen in Gaza, Opfer der Folgen dieses Terrors der Hamas. Wir sehen sie. Wir hören sie. Wir rechnen nicht auf; dieser Raum ist kein Ort des Aufrechnens von Leid gegen Leid."
Zudem ging er auf den Judenhass ein, der auch in Deutschland nach dem 7. Oktober deutlich zugenommen hat: "Es ist fatal, dass Antisemitismus salonfähig - ja mehr als das längst - und gewaltvoll durch unsere Straßen zieht. Wir sagen: Das ist nicht hinnehmbar."
Stäblein betonte: "Wir stehen zusammen gegen Antisemitismus. Egal, wie er sich gebärdet, von wo er kommt, links oder rechts, säkular oder religiös." Er rief alle Anwesenden zum Versprechen auf, "dass wir in dieser Stadt und in diesem Land gegen Antisemitismus kämpfen, zusammen."
In einem Gastbeitrag im "Handelsblatt" hatten beide Bischöfe zusammen mit Rabbiner Nachama alle Parteien aufgefordert, den Kampf gegen Antisemitismus in der Berliner Landesverfassung zu verankern. Es brauche "ein unbedingtes Bekenntnis zum Schutz jüdischen Lebens".
Hintergrund dürften auch Antisemitismus-Vorwürfe gegen die Links-Partei in Berlin sein, die als Wahlsieger der Abgeordnetenhauswahl derzeit Gespräche zur Bildung einer Regierungskoalition mit Grünen und SPD führt. Die Spitzenkandidatin der Linken, Elif Eralp, nahm auch am Gedenkgottesdienst teil.