Bonn (KNA) Christen in aller Welt haben an Karfreitag an das Leiden und Sterben Jesu Christi am Kreuz erinnert. Bei Gottesdiensten und Prozessionen verurteilten sie Kriege und Unrecht und riefen zum Frieden auf. In Deutschland starteten die traditionellen Ostermärsche gegen Militarismus und Gew ...
Bonn (KNA) Christen in aller Welt haben an Karfreitag an das Leiden und Sterben Jesu Christi am Kreuz erinnert. Bei Gottesdiensten und Prozessionen verurteilten sie Kriege und Unrecht und riefen zum Frieden auf. In Deutschland starteten die traditionellen Ostermärsche gegen Militarismus und Gewalt.
In Rom wollte Papst Leo XIV. am Abend den traditionellen Kreuzweg am Kolosseum begehen und dabei selbst das hölzerne Kreuz über die 14 Stationen tragen. Laut den vorab vom Vatikan veröffentlichten Meditationstexten sollte dabei das vielfältige Leid im Mittelpunkt stehen, dem Menschen weltweit ausgesetzt sind: Mord, Folter, Vertreibung, Menschenhandel und Armut. Der am 8. Mai 2025 gewählte Leo XIV. leitet in diesem Jahr erstmals die Feierlichkeiten an den Kar- und Ostertagen.
In Deutschland warnte der Limburger Bischof Georg Bätzing vor einer zunehmenden "Mitgefühlsmüdigkeit". Viele Menschen seien mit der anhaltenden Gewalt in verschiedenen Regionen der Welt überfordert, sagte der ehemalige Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz laut Manuskript im Limburger Dom. "Es ist einfach zu viel, um innerlich Anteil zu nehmen." Dem stellte der Bischof das Beispiel Jesu gegenüber, der selbst in den bittersten Stunden seines Leidens das Mitleiden nie aufgegeben habe.
Das Kreuz ist nach Worten des Münchner Kardinals Reinhard Marx provozierend und heilsam zugleich. Dabei zeige es die Grenzen politischer Macht auf, sagt Marx laut Redetext im Münchner Liebfrauendom: "Totalitäre Machtfantasien - und seien sie noch so religiös verbrämt - sind mit dem Kreuz Christi unvereinbar." Diese führten in die schlimmsten menschlichen Abgründe, wie die Geschichte lehre. Sie seien Quelle von Fanatismus und Diktatur. Christen stünden dagegen für die universale Menschheitsfamilie, die zusammengehöre und gemeinsam einen Weg gehen müsse.
Der Bamberger Erzbischof Herwig Gössl nannte Kriege eine "Schande für die Menschheit" und kritisierte die Todesstrafe. "Heute werden munter Kriege vom Zaun gebrochen, Menschen werden massenhaft, oft von der eigenen Regierung, verfolgt und gezielt umgebracht, um die eigene Macht, das eigene Überleben zu sichern", sagte Gössl laut Mitteilung des Erzbistums im Bamberger Dom. Probleme ließen sich nicht mit Gewalt lösen.
Der Fuldaer Bischof Michael Gerber erklärte im Predigtmanuskript, aktuell gehe vieles zu Bruch, was über Jahrzehnte selbstverständlich gewesen sei: der Frieden in Europa, die Stabilität von Bündnissen und die Einheit der EU. Zugleich nähmen Gewalt und Polarisierung in der Gesellschaft zu.
Die traditionellen Ostermärsche für den Frieden begannen unterdessen mit mehreren hundert Teilnehmenden. Erste Aktionen habe es an Gründonnerstag in Erfurt, Jena, Königs Wusterhausen und Regensburg gegeben, wie das in Bonn ansässige Netzwerk Friedenskooperative am Freitag mitteilte. Für Karfreitag waren den Angaben zufolge Ostermärsche in Biberach, Bruchköbel, Chemnitz, Gütersloh, Gronau und Jagel geplant. Insgesamt sollen über die Feiertage rund 100 Termine stattfinden.
In Jerusalem zog Franziskanerkustos Francesco Ielpo entlang der Via Dolorosa durch die Jerusalemer Altstadt, um die 14 Stationen des Leidenswegs Jesu von seiner Verurteilung bis zur Kreuzigung und zum Grab nachzugehen. Kriegsbedingt war die Teilnehmerzahl an der traditionellen Kreuzwegprozession auf einige wenige Franziskanerbrüder beschränkt. Die israelische Polizei hatte wie schon in den vergangenen Tagen mit einem Großaufgebot die Zugänge zur Altstadt eingeschränkt.
Auch den Prozessionsweg riegelten Beamte weitestgehend ab. Im Laufe des Tages gingen vereinzelt auch kleine Gruppen von in der Altstadt lebenden Christen den Kreuzweg. Auf Anordnung der israelischen Behörden sind die heiligen Stätten in der Jerusalemer Altstadt seit 28. Februar geschlossen, darunter auch die Grabeskirche. Gottesdienste der Kar- und Osterwoche werden von den in der Kirche lebenden Ordensleuten unter Ausschluss der Öffentlichkeit gefeiert.
Die Angst vor Gewalt überschattet die Feiern zum Gedächtnis an die Kreuzigung und Auferstehung Jesu an verschiedenen Orten der Welt. Aus Sorge vor bewaffneten Angriffen auf Kirchgänger haben mehrere katholische Diözesen in Nigeria die Osternachtgottesdienste vorverlegt. Das berichtete der vatikanische Pressedienst Fides.
Kirchen in Syrien kündigten in dieser Woche aus Angst vor christenfeindlichen Übergriffen an, ausschließlich in Kirchenbauten und Innenräumen kirchlicher Einrichtungen zu feiern.