Hamburg (KNA) Die Juristin Frauke Brosius-Gersdorf plädiert für eine Legalisierung von Leihmutterschaft in Deutschland. Das bestehende Verbot sei mit dem selbstbestimmten Menschenbild, wie es im Grundgesetz formuliert ist, nicht vereinbar, sagte die Rechtswissenschaftlerin im Interview der "Ze ...
Hamburg (KNA) Die Juristin Frauke Brosius-Gersdorf plädiert für eine Legalisierung von Leihmutterschaft in Deutschland. Das bestehende Verbot sei mit dem selbstbestimmten Menschenbild, wie es im Grundgesetz formuliert ist, nicht vereinbar, sagte die Rechtswissenschaftlerin im Interview der "Zeit".
Zwar sei es Aufgabe des Staates sicherzustellen, dass Frauen über die medizinischen und psychosozialen Risiken einer Leihmutterschaft aufgeklärt würden. "Wenn sie sich dann aber trotzdem freiwillig dafür entscheiden, darf der Gesetzgeber ihnen das nicht verbieten", so Brosius-Gersdorf.
Sorgfältig rechtlich zu prüfen sei, ob eine Legalisierung nur für die altruistische Leihmutterschaft gelten dürfe, bei der die austragende Frau aus freiem Willen handelt und keine Vergütung erhält, oder ob sie auch auf die kommerzielle Leihmutterschaft ausgeweitet werden könne.
Dass bei einer Vergütung die Zahl der Frauen steige, die zu einer Leihmutterschaft bereit wären, sei zwar klar, argumentiert die Juristin. "Doch das bedeutet nicht, dass die Entscheidung, sich als Leihmutter bereitzustellen, dann nicht freiwillig und autonom erfolgen kann."
Die Verfassungsrechtlerin äußerte sich zur Debatte um das Kind von Jens Spahn. Der CDU-Politiker war am Wochenende von seinem Amt als Chef der CDU/CSU-Bundestagsfraktion zurückgetreten, nachdem er öffentlich gemacht hatte, mit seinem Partner über eine Leihmutterschaft in den USA einen Sohn bekommen zu haben.
Damit hatte er eine breite Diskussion ausgelöst, auch weil sich Spahn in seiner Zeit als Bundesgesundheitsminister gegen eine Legalisierung von Leihmutterschaft ausgesprochen hatte. Bei ihrem Bundesparteitag im Februar hatte die Union das Verbot zudem erneut bekräftigt.
Brosius-Gersdorf erklärte, sie habe Verständnis für den Rücktritt, empfinde es aber als bedauerlich, dass Spahn die Diskussion um das Verbot von Leihmutterschaft nicht aus eigenem Interesse wieder eröffnet habe. "Damit könnte er vielen Menschen die Möglichkeiten bieten, die er im Ausland hatte."
Gleichzeitig mahnte sie für derartige Themen, etwa auch Schwangerschaftsabbruch, eine sachlichere Debatte an. "Es geht vielen in der Politik, in der katholischen Kirche und in Teilen der Unionsfraktion hier leider gar nicht um Vernunft und Sachargumente, sondern vor allem um die eigene Ideologie. Um ein Menschenbild, das nicht auf die Autonomie des Einzelnen setzt und deshalb unserem Grundgesetz fernliegt."
2025 war Brosius-Gersdorf von der SPD für eine freie Richterposition im Bundesverfassungsgericht nominiert worden. Vor der Wahl kündigten Abgeordnete der Unionsfraktion allerdings an, ihr die Unterstützung verweigern zu wollen. Grund dafür war unter anderem ihre Haltung in der Abtreibungsfrage. Der Rücktritt von ihrer Kandidatur löste eine bundesweite Diskussion aus.