Bonn (KNA) In der zunehmend unsicheren weltpolitischen Lage plädieren Deutschlands katholische Bischöfe für eine Neuausrichtung der europäischen Sicherheits- und Verteidigungspolitik. "Europa muss seinen Beitrag für die eigene Sicherheit schneller und entschiedener stärken", heißt es in e ...
Bonn (KNA) In der zunehmend unsicheren weltpolitischen Lage plädieren Deutschlands katholische Bischöfe für eine Neuausrichtung der europäischen Sicherheits- und Verteidigungspolitik. "Europa muss seinen Beitrag für die eigene Sicherheit schneller und entschiedener stärken", heißt es in einem am Freitag von der Deutschen Bischofskonferenz veröffentlichten Zwischenruf für Europa. Dazu zählten ein selbstbewussteres Auftreten sowie eine glaubwürdige Wahrnehmung von Europas Rolle in der Nato.
Die Bischöfe sehen aktuell die Herausbildung einer neuen "Welt-Un-Ordnung", in der das Völkerrecht zunehmend durch das Recht des Stärkeren verdrängt werde. Gefahren drohten durch Russland, das mit militärischer Gewalt Europa zu erschüttern versuche; durch China, das seine wirtschaftliche Stärke mit geopolitischem Einfluss verbinde, aber auch durch die neue Sicherheits- und Verteidigungsstrategie der USA, die transatlantische Bündnisse wie die Nato fragiler mache.
Zudem warnen die Bischöfe vor populistischen und antidemokratischen Kräften, die multilaterale Organisationen wie die EU verächtlich machen und sie mehr als Rivalen denn als Partner sähen. "Das Umfeld, in dem EU und Europarat über Jahrzehnte wachsen konnten, hat sich in kurzer Zeit grundlegend verändert."
Europas Einheit stehe auf dem Spiel, mahnen die Bischöfe und betonen deshalb: "Es braucht eine gemeinsame Anwaltschaft für das vereinte Europa - als ein sichtbares und erneuertes Bekenntnis: für Frieden, Kooperation, die Stärke des Rechts und die gleiche Würde aller Menschen."
Die Welt brauche ein selbstbewusstes und handlungsfähiges Europa zudem dringend zur Verteidigung von Frieden, Menschenrechten und Zusammenhalt. Vor diesem Hintergrund verweisen die Bischöfe auf die christlichen Wurzeln Europas und der EU.
Wörtlich heißt es: "In Europas Werten spiegelt sich die biblische Botschaft von Solidarität und Nächstenliebe. Der christliche Glaube und seine sozialethischen Prinzipien waren für viele Gründerväter und -mütter ein Antrieb, der gemeinsam mit der Aufklärung das geistige Fundament Europas prägt." Daraus leite sich auch eine Verantwortung der Kirche für den Kontinent ab. "Sie kann und darf nicht schweigen, wenn das Projekt der europäischen Einigung in Gefahr gerät."
Die Rede von einem "christlichen Abendland" greife dabei aber historisch wie theologisch zu kurz. "Der christliche Glaube ist seinem Selbstverständnis nach universal und nicht an eine bestimmte kulturelle oder politische Ordnung gebunden." Wer von einem religiös und kulturell homogen geprägten "Einheitseuropa" spricht, verkenne daher "sowohl die Mehrdimensionalität europäischer Geschichte als auch das christliche Verständnis von Freiheit, Würde und Verantwortung".
Der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Bischof Heiner Wilmer, sieht den Zwischenruf in der Linie der jüngsten Friedensappelle von Papst Leo XIV. Er selbst, so der künftige Bischof von Münster, sehe Europa in diesem Sinne "in der besonderen Verantwortung, aus seinem Selbstverständnis heraus die Gültigkeit des Völkerrechts einzufordern und mutig für verlässliche, multilateral koordinierte Regeln einzustehen".