Berlin (KNA) Die Fraktionsvorsitzende der Grünen, Britta Haßelmann, hat die Aussagen von Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) zu den Jugendprotesten am Wochenende kritisiert. Sie könne nicht verstehen, was der Ausdruck des "migrantischen Milieus" bedeuten solle, sagte Haßelmann. Das ...
Berlin (KNA) Die Fraktionsvorsitzende der Grünen, Britta Haßelmann, hat die Aussagen von Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) zu den Jugendprotesten am Wochenende kritisiert. Sie könne nicht verstehen, was der Ausdruck des "migrantischen Milieus" bedeuten solle, sagte Haßelmann. Das Signal, das von dem Begriff ausgehe, könne nur Spaltung und Zurückweisung sein. Das sei keine angemessene und vertretbare Reaktion. Zugleich betonte sei, dass es dort, wo es notwendig sei, eine Strafverfolgung erfolgen müsse.
Bei bundesweiten Jugendprotesten der Gruppierung "GenZ regelt" waren am Samstag zunächst Zehntausende Menschen nach Behördenangaben weitgehend friedlich auf die Straße gegangen. Anschließend kam es unter anderem in Frankfurt am Main, Köln, Berlin und Hamburg zu schweren Ausschreitungen. Dobrindt hatte am Sonntagabend davon gesprochen, dass friedliche Proteste gegen Abend von gewaltbereiten linken Gruppen und migrantischen Chaoten gekapert worden seien.
Dobrindt selbst äußerte sich beim Bundeskongress der Gewerkschaft der Polizei zu seinen Äußerungen. "Das, was ich gesehen habe an Gewaltbereitschaft auf der Straße. Ich kann es nicht anders beschreiben. Es sind schlichtweg einfach Chaoten, darüber kann man dann weiter diskutieren, wenn man sie weiter beschreibt, sind es Chaoten von links, sind es Chaoten von rechts, sind es islamistische Chaoten, sind es Chaoten aus dem migrantischen Hintergrund." Weiter betonte er, Polizistinnen und Polizisten müssten geschützt werden.
Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) verteidigte die Aussagen Dobrindts. "Unsere Kolleginnen und Kollegen, welche ihren Kopf für unseren Rechtsstaat hingehalten haben und dies absolut professionell geleistet haben, bestätigen genau diese Tätergruppen in ihren Berichten", sagte der Vorsitzende des GdP-Bereichs Bundespolizei, Andreas Roßkopf, der "Bild".
Dagegen äußerte Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) im ZDF erhebliche Zweifel an der Einordnung: "Was sind denn migrantische Gruppen? Sind das Menschen, die in dritter Generation in Deutschland leben und deutsche Staatsangehörige sind? Wo hören wir auf, das zu differenzieren?" Eine solche Zuspitzung führe "in die falsche Richtung".
Unions-Fraktionsvize Norbert Röttgen (CDU) sagte bei ntv, unter den Gewalttätern seien zwar viele gewesen, "die entweder Ausländer sind oder Deutsche ausländischer Abstammung". Dennoch warnte er vor Verallgemeinerungen: "Es gibt in Deutschland nicht das eine Milieu von Migranten."