München (KNA) Jördis Triebel (48), in Ost-Berlin geborene Schauspielerin, empfindet den Dialekt als Teil ihrer Identität. "Leider durfte ich in meinen Filmen bisher nicht so oft berlinern, wie ich gern gewollt hätte", sagte Triebel der "Süddeutschen Zeitung". Zwischendurch sei der Dialekt b ...
München (KNA) Jördis Triebel (48), in Ost-Berlin geborene Schauspielerin, empfindet den Dialekt als Teil ihrer Identität. "Leider durfte ich in meinen Filmen bisher nicht so oft berlinern, wie ich gern gewollt hätte", sagte Triebel der "Süddeutschen Zeitung". Zwischendurch sei der Dialekt bei ihr auch verschwunden, weil sie versucht habe, sich anzupassen. "Als ich kurz nach der Wende ans Theater nach Bremen kam, wollte ich nicht als Ostdeutsche erkannt werden."
Ihr Eindruck sei, dass der Dialekt in Bayern vor der Kamera viel mehr gefeiert werde, als in anderen Bundesländern, erklärte die Schauspielerin. Dabei verwies sie auf den Pumuckl und die Eberhofer-Filme. Doch: "Wenn ich Berliner Schnauze höre, freue ich mich und bin stolz, das an meine Kinder weitergegeben zu haben."
Berlin sei ihre Heimat, aber dennoch empfinde sie zu der Stadt auch eine Hassliebe, bekannte die Künstlerin. Berlin sei sehr offen und könne ein Ort der Zuflucht sein für Menschen, die andernorts nicht akzeptiert würden. "Aber die Stadt kann auch an den Nerven zerren, sie ist laut, dreckig und sie kann sehr einsam machen."
Triebel war zwölf Jahre alt, als im November 1989 die Mauer fiel. Mit Blick auf heute erklärte sie, "man hat immer noch nicht wirklich das Gefühl, dass wir ein Land sind". Der Osten habe sich dem Westen anpassen müssen. "Er wurde ausgeschlachtet. Zudem wusste niemand, wie die Regeln im Westen funktionierten." Demzufolge, glaube sie, habe es an Selbstwertgefühl gemangelt. Die Menschen aus Ostdeutschland seien nicht hinterhergekommen und hätten sich als Menschen zweiter Klasse betrachtet.
Die Schauspielerin verglich die Situation mit einer Beziehung. Wenn nur ein Partner die Regeln vorgebe und alle Entscheidungen treffe, fühle sich der andere nicht ernst genommen und fange irgendwann an zu rebellieren. Das könne dann gefährlich werden. Als empörend bezeichnete es Triebel, dass die ARD für die kommenden drei Jahre den "Polizeiruf" aus Magdeburg und den Dresdner "Tatort" aus Spargründen pausieren lassen wolle. Ein solcher Schritt, insbesondere jetzt, wo sich politisch gerade so viel entwickle, sei einfach fahrlässig.
Der "Polizeiruf" sei ein Aushängeschild und ein Format, das die Menschen liebten, gab die Künstlerin zu bedenken. "Wenn das jetzt wegfällt, hinterlässt das bei den Zuschauern doch das Gefühl: Der Osten ist nicht wichtig." Zudem könnte es der Anfang von weiteren Streichungen sein. Denn Entwicklungen gingen schließlich immer langsam voran. - Am Montagabend ist Triebel um 20.15 Uhr in dem ZDF-Film "Neues Land" zu sehen.