Brüssel (KNA) Deutschland muss möglicherweise auch im kommenden Jahr keine zusätzlichen Flüchtlinge aus anderen EU-Staaten aufnehmen. Das sieht ein Vorschlag der EU-Kommission für den kommenden europäischen Solidaritätspool vor. Demnach kann Deutschland Schutzsuchende anrechnen lassen, um ...
Brüssel (KNA) Deutschland muss möglicherweise auch im kommenden Jahr keine zusätzlichen Flüchtlinge aus anderen EU-Staaten aufnehmen. Das sieht ein Vorschlag der EU-Kommission für den kommenden europäischen Solidaritätspool vor. Demnach kann Deutschland Schutzsuchende anrechnen lassen, um die es sich in den vergangenen Jahren gekümmert hat, obwohl eigentlich andere Staaten für ihre Asylverfahren zuständig gewesen wären. EU-Migrationskommissar Magnus Brunner stellte den Vorschlag am Freitag in Brüssel vor.
Der Solidaritätspool ist Teil des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems (Geas), das seit Juni gilt. Er soll dafür sorgen, dass die Verantwortung für Schutzsuchende in der EU gerechter verteilt wird. Die EU-Kommission bewertet dazu jährlich, welche Mitgliedstaaten besonders stark durch Migration belastet sind und Unterstützung brauchen. Andere Mitgliedstaaten können helfen, indem sie Asylbewerber aufnehmen, Geld zahlen oder praktische Hilfe leisten.
Deutschland zählt nach Einschätzung der Kommission zu den Staaten, die künftig unter Migrationsdruck geraten könnten. Die Einstufung bedeutet keinen automatischen Anspruch auf Geld oder konkrete Hilfe. Diese Risiko-Länder erhalten aber vorrangigen Zugang zu Unterstützung durch EU-Agenturen, finanziellen Hilfen oder Hilfe bei Abschiebungen.
Als Gründe für Deutschlands Einstufung nennt die Kommission die weiterhin höchste Zahl von Asylanträgen innerhalb der EU, auch wenn sie im Berichtszeitraum um fast 20 Prozent sank. Zudem leben in Deutschland die meisten Menschen mit vorübergehendem Schutzstatus, vor allem aus der Ukraine. Die Kommission verweist außerdem auf weiterhin viele Fälle, in denen Deutschland Verantwortung für Schutzsuchende übernimmt, obwohl ein anderes EU-Land zuständig wäre.
Als besonders stark durch Migration belastet stuft die Kommission Griechenland, Italien, Spanien und Zypern ein. Diese Länder sollen deshalb Unterstützung aus dem Solidaritätspool erhalten können.
Insgesamt ging die Zahl der irregulären Grenzübertritte an den EU-Außengrenzen im Zeitraum von Juli 2025 bis Juni 2026 um 32 Prozent zurück. Auch die Zahl der Asylanträge sank um 16 Prozent, die der unerlaubten Weiterreisen innerhalb der EU um rund 13 Prozent.
Die EU-Staaten müssen nun im Rat über die Vorschläge der Kommission verhandeln und festlegen, welche Beiträge jedes Land leistet. Die Entscheidung wird bis zum Jahresende erwartet.