Bonn (KNA) Nach Vorwürfen gegen den katholischen Ordensmann und Bestsellerautor Anselm Grün (81) im Zusammenhang mit einem Missbrauchsfall fordert der Betroffenenbeirat bei der Deutschen Bischofskonferenz eine umfassende Aufklärung. Zudem solle unabhängig untersucht werden, ob auch anderen m ...
Bonn (KNA) Nach Vorwürfen gegen den katholischen Ordensmann und Bestsellerautor Anselm Grün (81) im Zusammenhang mit einem Missbrauchsfall fordert der Betroffenenbeirat bei der Deutschen Bischofskonferenz eine umfassende Aufklärung. Zudem solle unabhängig untersucht werden, ob auch anderen mutmaßlichen oder überführten Missbrauchstätern über das Recollectio-Haus der Abtei Münsterschwarzach der Weg zurück in die Seelsorge ermöglicht worden sei, erklärte das Gremium in einer Mitteilung.
Hintergrund ist der am Freitag erschienene Jahresbericht der Unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs im Erzbistum Paderborn. Darin kritisiert die Kommission Grün wegen seines Umgangs mit einem Priester, der sexuelle Handlungen an einem damals 16-Jährigen eingeräumt und dafür einen Strafbefehl erhalten hatte.
Nach Darstellung der Kommission hielt sich der Geistliche 1992 im Recollectio-Haus in Münsterschwarzach auf, dessen geistlicher Leiter Grün ist. Bei einem Gespräch mit Verantwortlichen aus dem Erzbistum Paderborn habe Grün für die Einschätzung des Priesters eingestanden, dieser sei nicht homosexuell veranlagt.
Zudem habe Grün seine Bereitschaft erklärt, den Geistlichen in das Benediktinerkloster aufzunehmen, und vorgeschlagen, ihn bis dahin in einer Gemeinde im Bistum Würzburg in der Seelsorge einzusetzen. Das Bistum Würzburg stimmte dem Einsatz dem Bericht zufolge im September 1992 zu. Der Priester war später bis 2009 im Bistum Würzburg und anschließend im Bistum Erfurt tätig.
Grün wies die Vorwürfe am Freitag zurück. "Ich kann mich an den Fall nicht erinnern und schließe das auch aus", sagte er der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Bei Menschen, die im Recollectio-Haus Hilfe gesucht hätten, habe er nie Bestätigungen oder Empfehlungen ausgesprochen.
Der Betroffenenbeirat zeigte sich sowohl über die Darstellung in dem Bericht als auch über Grüns Reaktion darauf entsetzt. "Wie passt es zusammen, dass er den Vorwurf einerseits bestreitet, zugleich aber beteuert, sich an den Fall gar nicht erinnern zu können?", fragte das Gremium.
Wegen der öffentlichen Bekanntheit Grüns erwartet der Beirat nach eigenen Angaben eine umfassende Aufklärung. Das Recollectio-Haus in Münsterschwarzach bietet psychotherapeutische und geistliche Begleitung für Priester, Ordensleute und andere Beschäftigte im kirchlichen Dienst an.