Lampedusa (KNA) Mit einem Besuch auf der italienischen Mittelmeerinsel Lampedusa hat Papst Leo XIV. an das Leid von Bootsmigranten erinnert und damit das Vermächtnis seines Vorgängers Franziskus fortgesetzt. Eindringlich rief er Europa zu einer humanen Flüchtlingspolitik auf. Er kritisierte a ...
Lampedusa (KNA) Mit einem Besuch auf der italienischen Mittelmeerinsel Lampedusa hat Papst Leo XIV. an das Leid von Bootsmigranten erinnert und damit das Vermächtnis seines Vorgängers Franziskus fortgesetzt. Eindringlich rief er Europa zu einer humanen Flüchtlingspolitik auf. Er kritisierte aber auch Korruption in den Herkunftsländern und ein ungerechtes globales Wirtschaftssystem.
Zum Auftakt am Samstagmorgen legte Leo auf dem Friedhof der Insel Blumen an den Gräbern verstorbener Migranten nieder und verharrte im stillen Gebet. Dort werden neben Inselbewohnern auch ertrunkene Flüchtlinge beigesetzt, viele von ihnen anonym. Nach Angaben des Projekts "Missing Migrants" der Internationalen Organisation für Migration starben oder verschwanden seit 2014 insgesamt 35.070 Menschen im Mittelmeer.
Am Denkmal "Porta d'Europa", das an die vielen Migranten erinnert, die Europa nie erreichten, traf Leo XIV. eine Migrantenfamilie und ein Flüchtlingskind. Der Junge erzählte dem Papst: "Vor zehn Jahren hat meine Geschichte hier in Lampedusa begonnen. Ich war allein und hatte alles verloren - besonders meine Mama." Nach seiner Ankunft habe er geweint und erst aufgehört, als man ihm einen Ball aus Papier schenkte. Diesen überreichte er nun dem Papst mit den Worten: "Ich hoffe so sehr, dass dieser Ball, den ich dir jetzt schenke, ein anderes Kind erreicht und es genauso glücklich macht wie mich." Der bewegende Moment zählte zu den eindrücklichsten dieser Papstreise.
Anschließend besuchte Leo XIV. den Landungssteg "Molo Favaloro", über den Bootsflüchtlinge auf die Insel gelangen. Dort segnete er die Gedenkstele "Pier Papst Franziskus: Ort der Ankunft, der Hoffnung und der Menschlichkeit". Franziskus hatte Lampedusa 2013 zum Ziel seiner ersten Reise als Papst gemacht und dort das Wort von einer "Globalisierung der Gleichgültigkeit" geprägt, das zu einem zentralen Begriff seines Pontifikats wurde.
Zum Abschluss des halbtägigen Besuchs feierte der Papst mit rund 4.000 Teilnehmenden eine Freiluftmesse auf dem Sportplatz der Insel. Dabei rief Leo XIV. Europa zu einem vorausschauenden und menschenwürdigen Umgang mit Migration auf. "Aufgrund seiner geografischen Lage und seiner institutionellen Struktur ist Europa in der Lage, die Krise in diesem Bereich ganzheitlich anzugehen", sagte er. Die Soforthilfe müsse in einen langfristigen strategischen Plan eingebunden werden, "der Migranten aufnimmt, schützt, fördert und integriert und gleichzeitig auf Entwicklung hinarbeitet, damit niemand zur Auswanderung gezwungen wird". Dies alles müsse unter Wahrung der Würde jedes Einzelnen geschehen.
In seiner Predigt erklärte der Papst: "Die Toten in diesem Meer sind Opfer sowohl getroffener als auch versäumter Entscheidungen." Er prangerte Gleichgültigkeit, Korruption in den Herkunftsländern, ein ausgrenzendes und Armut schaffendes globales Wirtschaftssystem sowie jene an, die aus dem Leid anderer Profit schlagen.
Mit Blick auf Lampedusa als Touristeninsel und Zufluchtsort warnte Leo XIV. davor, eine unsichtbare Mauer zwischen dem "Meer der Schiffbrüchigen und jenem der Urlauber" zu errichten. Migrationsströme könnten "leider" als Bedrohung erscheinen; auf ihre dramatischen Seiten werde dann mit Gleichgültigkeit oder Ablehnung reagiert. Den Inselbewohnern rief er zu, kreativ mitzuwirken, damit "jeder, der eine Zeit - auch zur Erholung - auf dieser Insel verbringt, menschlicher wird". Wahre Erholung gebe es dort, wo der Sinn des Lebens wiedergefunden werde, und wahres Wohlergehen dort, wo die Wirtschaft gerecht und geschwisterlich sei.
Abschließend traf der Papst Verantwortliche von Behörden sowie freiwillige Helfer und eine Gruppe kranker Kinder, bevor er mit dem Flugzeug zurück nach Rom flog.