Essen (KNA) Jeder Schluck weniger Alkohol bringt gesundheitlichen Nutzen: Solche Botschaften müssen aus Sicht eines Kommunikationsexperten stärker betont werden. "Gesundheitsfördernde Kommunikation hat Potenzial - auch in Deutschland", sagte Maik Dünnbier beim Fachkongress Sucht in Essen. Di ...
Essen (KNA) Jeder Schluck weniger Alkohol bringt gesundheitlichen Nutzen: Solche Botschaften müssen aus Sicht eines Kommunikationsexperten stärker betont werden. "Gesundheitsfördernde Kommunikation hat Potenzial - auch in Deutschland", sagte Maik Dünnbier beim Fachkongress Sucht in Essen. Die Veranstaltung der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen endet am Nachmittag.
Dünnbier ist Strategiedirektor des Netzwerks Movendi International, das in der Alkoholpolitik eine menschenrechtliche Frage sieht. Derzeit gelingt es Akteuren der Gesundheitsförderung aus seiner Sicht "zwar gut, auf ein bestehendes Thema hinzuweisen: Es gibt Sucht und soziale Probleme durch Alkohol. Doch sie versäumen es, zu erklären, wer dies verursacht - oder warum das Problem überhaupt besteht." Als hauptverantwortlich nennt er die Alkoholindustrie, aber auch Werbung und zu günstige Preise.
Derzeit sei Werbung für alkoholhaltige Produkte in Deutschland allgegenwärtig, kritisierte der Experte. "Die Geschichte dazu lautet: Alle mögen Alkohol, immer." Dabei litten viele Menschen unter den negativen Folgen von Alkoholkonsum und unterstützten etwa die Forderung nach einer höheren Steuer. Dies gelte es, sichtbar zu machen, denn: "Menschen folgen eher anderen Menschen als auf Experten zu hören."
In erfolgreicher Kommunikation komme es auf Emotionen an, sagte Dünnbier: "Vom Gefühl kommen Menschen übers Denken ins Handeln." Oftmals werde der Fehler gemacht, zu sehr von rationalen Überzeugungen auszugehen; dabei spiele das Unterbewusste eine entscheidende Rolle: konkret etwa Werte, Gewohnheiten, Faustregeln, die Menschen verinnerlicht hätten.
Allerdings darf es nach seinen Worten nicht etwa darum gehen, Ängste zu wecken. Eine Fokusgruppen-Untersuchung von Movendi habe gezeigt, dass zwar 58 Prozent der Eltern mithelfen wollen, zu verhindern, dass die Schule ungesundes Essen anbietet - aber 72 unterstützen die Forderung, dass die Schule gesundes Essen anzubieten. "Durch positive Botschaft steigt die Zustimmung", so Dünnbier.