Stuttgart (KNA) Evangelische und katholische Bischöfe in Baden-Württemberg sehen den Ausgang der Landtagswahl mit zwiespältigen Gefühlen. Die evangelische Landesbischöfin in Baden, Heike Springhart, zeigte sich erleichtert, dass der Südwesten auch in den kommenden Jahren von einer Regierun ...
Stuttgart (KNA) Evangelische und katholische Bischöfe in Baden-Württemberg sehen den Ausgang der Landtagswahl mit zwiespältigen Gefühlen. Die evangelische Landesbischöfin in Baden, Heike Springhart, zeigte sich erleichtert, dass der Südwesten auch in den kommenden Jahren von einer Regierung der demokratischen Mitte regiert werde. Im Blick auf das AfD-Ergebnis sagte die Landesbischöfin der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA): "Dass Menschen auch auf Demokratie zersetzende Kräfte setzen, ist bitter."
Die AfD wurde laut dem vorläufigen Endergebnis hinter Grünen (30,2 Prozent) und CDU (29,7 Prozent) drittstärkste Kraft. Mit 18,8 Prozent verdoppelte die AfD ihr Ergebnis der Landtagswahl 2021.
Der Freiburger Erzbischof Stephan Burger sagte: "Mit Sorge beobachte ich gesellschaftliche und politische Strömungen, die an Einfluss gewinnen, indem sie das christliche Menschenbild und das fundamentale Gebot der Nächstenliebe offen oder unterschwellig infrage stellen." Der Rottenburger Bischof Klaus Krämer betonte, es bereite ihm Sorgen, dass die AfD als drittstärkste Kraft in den Landtag einziehe.
Der württembergische evangelische Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl sagte, ihm mache der noch immer hohe Zuspruch für radikale Kräfte Sorge.
Im Februar 2024 hatte die katholische Deutsche Bischofskonferenz eine Erklärung mit dem Titel "Völkischer Nationalismus und Christentum sind unvereinbar" veröffentlicht. Darin hatten die Bischöfe ausdrücklich die AfD genannt und somit erstmals eine im Bundestag vertretene Partei als nicht wählbar für Christen bezeichnet.
Christen müssten widersprechen, so Erzbischof Burger weiter, wenn Parteien versuchten, die Menschenwürde zu relativieren: "Wo Egoismus über die Solidarität mit den Schwächsten gestellt wird, da ist unser Widerspruch als Christen gefordert." Aufgabe der Kirchen sei es auch, an die gemeinsame Verantwortung für die Bewahrung der Schöpfung und ein friedliches Miteinander zu erinnern.
Positiv hoben die Kirchen die hohe Wahlbeteiligung hervor. Gohl sprach von einem starken Zeichen für die Demokratie. Burger sagte: "Die deutlich gestiegene Wahlbeteiligung auf über 70 Prozent zeigt, dass die Menschen die Zukunft unseres Landes aktiv mitgestalten wollen. Das ist ein ermutigendes Signal für die Lebendigkeit unserer demokratischen Kultur."
Der Freiburger Erzbischof sagte, die künftige Landesregierung stehe jetzt vor der großen Aufgabe, den gesellschaftlichen Zusammenhalt in herausfordernden Zeiten zu sichern. Die Kirche wolle diesen Weg im Sinne der christlichen Werte konstruktiv begleiten. "Unser Maßstab bleibt dabei das Wohl aller Menschen, insbesondere derer am Rande der Gesellschaft."
Bischof Krämer gratulierte Grünen-Spitzenkandidat Cem Özdemir zum Wahlsieg. Krämer sagte zudem, die hohe Wahlbeteiligung sei ein starkes Signal für die Vitalität der Demokratie im Südwesten. "Dass so viele Menschen ihre Verantwortung wahrgenommen haben und wählen gegangen sind, um die Zukunft unseres Landes mitzugestalten, erfüllt mich mit großer Freude", sagte Krämer der KNA.
Die Koalitionsverhandlungen stünden jetzt vor der Aufgabe, unterschiedliche politische Positionen zusammenzuführen, "damit unser Land auch in den kommenden Jahren von einer stabilen und verlässlichen Regierung geführt wird, für die die unveräußerliche Würde jedes Menschen Maßstab politischen Handelns bleibt", so der Bischof. "Viele Menschen erleben derzeit eine Zeit der Verunsicherung. Umso wichtiger ist eine Politik, die Vertrauen stärkt und unsere demokratische Ordnung festigt."
Der Bischof unterstrich zudem die gemeinsame Verantwortung für den gesellschaftlichen Zusammenhalt: "Räume für Dialog, Solidarität und Verantwortung zu öffnen, ist eine gemeinsame Aufgabe von Politik, Zivilgesellschaft und Kirchen." Die aus seiner Sicht gute und verlässliche Zusammenarbeit zwischen Land und Kirchen habe sich dabei über Jahre hinweg als tragfähige Grundlage erwiesen.