Münster (KNA) In Münster ist am Donnerstagabend die erste islamisch-theologische Fakultät Deutschlands eröffnet worden. Damit erhält islamische Theologie den gleichen Status wie die katholischen und evangelischen Fakultäten der Hochschule. An dem Festakt im Schloss mit gut 300 internationa ...
Münster (KNA) In Münster ist am Donnerstagabend die erste islamisch-theologische Fakultät Deutschlands eröffnet worden. Damit erhält islamische Theologie den gleichen Status wie die katholischen und evangelischen Fakultäten der Hochschule. An dem Festakt im Schloss mit gut 300 internationalen Gästen nahmen Vertreter aus Politik, Kirchen und Hochschulen teil.
Die neue Fakultät solle eine "islamische Theologie mit und für Europa" betreiben, versprach Gründungsdekan Mouhanad Khorchide. Dabei stellte er klar: "Eine Fakultät ist keine Kanzel, gepredigt wird in der Moschee, und Gott wird durch unsere Fragen nicht kleiner." An der Fakultät müsse und werde Wissenschaft frei sein - "von wem auch immer".
Der Islam, so Khorchide, müsse seine Opferrolle ablegen und vielmehr sagen können, was er zu den großen Herausforderungen der Gesellschaft beitragen kann. "Es schmerzt mich", so Khorchide, "dass sich islamische Verbände bisher nicht an uns wenden für die Ausbildung ihrer Imame". Noch sei der Islam in Deutschland vor allem national aufgespalten: arabisch, türkisch, albanisch, pakistanisch. Es gehe aber darum, als Muslime zu einem "deutschen und europäischen Wir" beizutragen.
Sahiron Syamsuddin vom indonesischen Religionsministerium sprach von einer wegweisenden Entwicklung für die islamische Theologie in Westeuropa, die weltweit ausstrahlen könne. Gonca Türkeli-Dehnert, Staatssekretärin für Kultur und Wissenschaft in Nordrhein-Westfalen, bekräftigte: "Islamische Theologie soll einen festen Platz an staatlichen deutschen Universitäten haben."
Anders als das bisherige Zentrum für Islamische Theologie kann eine Fakultät sich eine Ordnung geben, Studiengänge einrichten, Prüfungen abnehmen und Promotionen und Habilitationen durchführen. Gemeinsam mit den katholischen und evangelischen Fakultäten und anderen Religionswissenschaften soll in Münster nun ein "Campus der Theologie" entstehen; Universitätsrektor Johannes Wessels sprach von einem "Hotspot des interreligiösen Diskurses".
Der Hamburger Rabbiner Gábor Lengyel wandte sich "als Holocaust-Überlebender und ehemaliger israelischer Soldat" in sehr persönlichen Worten an "den Bruder Mouhanad". Er wünsche ihm viel Kraft und sei bereit, mit ihm dazu beizutragen, beide "Religionen zum globalen Sprecher für Versöhnung und Frieden zu machen, ohne Unterschiede einzuebnen". Dazu biete er sich schon jetzt den Studierenden als Gesprächspartner an.
Münsters Bischof Heiner Wilmer mahnte, jede Theologie, ob christlich, islamisch oder jüdisch, müsse "wach, leidensempfindlich und ethisch orientiert sein". Gerade in Zeiten von Polarisierung, gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit habe Theologie eine besondere Verantwortung, "Schulter an Schulter" an den Herausforderungen der Gesellschaft zu arbeiten.
Die Vorsitzende der Evangelischen Kirche von Westfalen, Adelheid Ruck-Schröder, erinnerte an die Gründung der evangelischen Fakultät in Münster 1919. Diese sollte damals im katholischen Münster den Evangelischen eine Stimme geben. Gleiches wünsche sie nun den Muslimen und ihrer Islamischen Fakultät.