Berlin (KNA) Die geplante Gesundheitsreform setzt nach Meinung von Patientenschützern falsche Akzente. "Um das Gesundheitssystem zukunftsfähig zu machen, braucht es den konsequenten Blick auf die Bedürfnisse der Kranken, größtenteils hochbetagten Menschen", sagte der Vorstand der Deutsche S ...
Berlin (KNA) Die geplante Gesundheitsreform setzt nach Meinung von Patientenschützern falsche Akzente. "Um das Gesundheitssystem zukunftsfähig zu machen, braucht es den konsequenten Blick auf die Bedürfnisse der Kranken, größtenteils hochbetagten Menschen", sagte der Vorstand der Deutsche Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) vor den ersten Beratungen des Gesetzentwurfs in Bundestag und Bundesrat am Freitag.
Das deutsche Gesundheitssystem gehöre zu den teuersten weltweit; doch beim Patienten komme zu wenig an. "Absurd ist, dass das ärztliche Einkommen allein von der Anzahl der Patientenkontakte abhängig ist", so Brysch. Ob eine Therapie Erfolg hat, spiele bei der Vergütungshöhe auch künftig keine Rolle. Um das zu ändern, müsse das Patientenwohl zum Maßstab der Honorierung werden. Es brauche eine sprechende, finanziell attraktive Medizin. "Kopflose Kürzungen, wie jetzt in der gesetzlichen Krankenversicherung beabsichtigt, sind dafür kein Ersatz", so Brysch.
Bundestag und Bundesrat befassen sich am Freitag erstmals mit der Gesundheitsreform. Mit dem umstrittenen Reformpaket sollen rund 16 Milliarden Euro eingespart werden. Ziel ist ein stabiler Beitragssatz für die Versicherten. Es gibt jedoch bereits Anzeichen, dass das vorhergesagte Defizit der gesetzlichen Krankenversicherung nicht bei 15 Milliarden Euro für das laufende Jahr bleiben wird.
Geplant ist unter anderem, die beitragsfreie Mitversicherung von Ehe- oder Lebenspartnern in gewissen Fällen zu beenden. Versicherte mit höherem Einkommen sollen durch ein Anheben der Beitragsbemessungsgrenze mehr bezahlen.
Homöopathie soll als Kassenleistung wegfallen, ebenso die Kostenübernahme von Cannabis-Blüten. Hautkrebs-Screening alle zwei Jahre steht ebenso auf dem Prüfstand wie die Kostenübernahme bei Kieferorthopädie Behandlungen. Neu ist eine geplante Einführung einer Limo-Steuer.
Für Medikamente sollen Versicherte in der Apotheke statt aktuell 5 bis 10 Euro künftig 7,50 bis 15 Euro zuzahlen. Geplant ist auch die Option einer Teilkrankschreibung. Für niedergelassene Ärzte sollen Zusatzvergütungen wegfallen, bei Kliniken das Pflegebudget gedeckelt werden. Auch die Pharmabranche soll stärker zur Kasse gebeten werden. Die Kritik am Gesetzentwurf ist groß.