Würzburg (KNA) Kirchen und Zivilgesellschaft in Sachsen-Anhalt werden nach dem Wahlsieg der rechtsextremen AfD einen "langem Atem" brauchen: Dieser Auffassung ist die Magdeburger Regionalbischöfin der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM), Bettina Schlauraff. "Diese Tage gerade in Sa ...
Würzburg (KNA) Kirchen und Zivilgesellschaft in Sachsen-Anhalt werden nach dem Wahlsieg der rechtsextremen AfD einen "langem Atem" brauchen: Dieser Auffassung ist die Magdeburger Regionalbischöfin der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM), Bettina Schlauraff. "Diese Tage gerade in Sachsen-Anhalt sind ein wenig wie Verhaltens-Sepia", sagte Schlauraff vor der in Würzburg tagenden EKD-Synode.
Man erhole sich von einem "Werte-Wrestling und einem verhaltensauffälligem Wahlkampf", vom "Bündnisseschmieden, Redenreden, Tränen- und Frustaushalten"; davon, "rechte Influencer mit Regenschirmen von unseren Jugendlichen abzuwehren." Die Kirche präpariere sich "wie ein Insekt im Kokon". Es werde Netzwerke brauchen, Wachsamkeit und Mut. "Und es wird diesen langen Atmen brauchen; nicht nur einen Wahlkampf lang, sondern eine ganze Legislatur."
Schlauraff beklagte, dass es in Teilen von Sachsen-Anhalt bereits vorauseilenden Gehorsam gebe. "Die Grundschule nutzt die Kirche plötzlich nicht mehr zur Zeugnisübergabe, aus Neutralitätsgründen", so die Bischöfin. "Eine Gemeinde muss entscheiden, ob sie die dicken Windrad-Erträge der Kommune für ihr Kirchengebäude annimmt, angeboten lächelnd aus blauer Hand mit Rechtsextremismus-Hintergrund." Eine Universität in der Landeshauptstadt melde sich von den Tagen "Wissenschaft gegen Rechtsextremismus" ab, aus Angst vor Repressalien der künftigen Regierung.
"Es gibt Rückzug und vorgreifende Maßnahmen, Vorzeigeübungen in Neutralität, um der künftigen Regierung zu gefallen oder zumindest nicht negativ aufzufallen", sagte Schlauraff. "Wie ein böser Wurm sitzt der Geist der Ausgrenzung in der Gemeinschaft, sickert selbst zersetzend in sie hinein."
Vor den Synodalen, die den Vortrag der Regionalbischöfin teils mit stehendem Applaus bedachten, betonte Schlauraff, dass Extremismus eine klare Entgegnung brauche. Die Kirche habe eine große Rolle in krisenhaften Zeiten, selbst wenn sie noch so klein ist.
"Die eingeübte Haltung der Bedeutungslosigkeit, des Relevanzverlustes von Kirche müssen wir dringend ablegen im Tausch für eine Klarheit in der Überzeugung, dass dieser Glaube hilft und bewegt und Maßstäbe setzt." Die Kirche gehöre zum politischen Lager der Menschenwürde; sei nicht für alles offen und sollte auch dann bei der Sache bleiben, wenn ihre Haltung Konsequenzen habe.
Der sächsische Pfarrer Justus Geilhufe verwies darauf, dass man in der Gesellschaft beobachte, dass Unterschiede zwischen den Menschen Begegnungen verhinderten, statt sie zu befördern. "Streit endet mit totalem Sieg oder Niederlage und nicht der besten Lösung für alle", so Geilhufe. "Unser Glaube erzählt das Gegenteil davon."
Der Soziologe Harald Welzer erinnerte daran, dass die Kirche eine Institution sei, die über Räume verfüge, und sie für die zentrale Form der Demokratie vorhalten könne. "Es reicht, gute Orte zur Verfügung zu stellen, die in sich einen Attraktionswert für die Demokratie haben."