Hamm (KNA) Künstliche Intelligenz (KI) könnte internetbezogene Nutzungsstörungen noch einmal verschärfen: "Es ist heute schon ein großes Thema und wird noch größer werden", sagte die Geschäftsführerin der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen, Christina Rummel, in einem am Freitag ver ...
Hamm (KNA) Künstliche Intelligenz (KI) könnte internetbezogene Nutzungsstörungen noch einmal verschärfen: "Es ist heute schon ein großes Thema und wird noch größer werden", sagte die Geschäftsführerin der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen, Christina Rummel, in einem am Freitag veröffentlichten Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).
Im Frühjahr hatte eine Umfrage des Digitalverbands Bitkom ergeben, dass in Stresssituationen zunehmend auch KI-Chatbots zu Rate gezogen werden: Für über ein Viertel (26 Prozent) fühlt sich KI demnach "manchmal wie eine digitale Bezugsperson an"; bei den unter 30-Jährigen fühlt sich die Hälfte (50 Prozent) dort "gut verstanden".
Es sei schwer abzuschätzen, wie diese Entwicklung weitergehen werde, sagte Rummel. Deutlich sei aber schon heute, welchen Sog die Anwendungen ausüben. "Insofern müssen wir am Ball bleiben, gerade angesichts dessen, dass Kinder und Jugendliche damit selbstverständlich aufwachsen, die sich nicht an eine Zeit ohne diese Technologie erinnern können."
Im Bezug auf Jugendschutz kritisierte die Expertin, dass junge Menschen zwar oft im Blick seien, etwa in der Debatte um Social-Media-Verbote. Allerdings werde vergessen, "dass wir selbst Vorbild sind. Generalisierungen über 'die Jugend von heute' helfen nicht weiter."
Zudem warnt Rummel davor, dass andere Gruppen bei der Suchtprävention unterzugehen drohen. "Wenig im Fokus sind bislang ältere Menschen: Erst jetzt werden beispielsweise Daten zum Medikamentenkonsum bei Personen zwischen 65 und 85 Jahren erhoben. Bislang war bei 64 Jahren Schluss, dabei ist Sucht auch im Alter ein Thema. Da fehlt es noch an Sensibilität, auch bei Ärztinnen und Ärzten."
Zu anhaltenden Problemen etwa durch Alkohol kommen nach ihren Worten neue, illegale Drogen hinzu "und eine Suchthilfe, die vor immer komplexeren Problemlagen steht". Zugleich seien die Angebote unterfinanziert: "Drei Viertel der Beratungsstellen berichten, dass ihre Mittel nicht ausreichen", so Rummel. "Vor diesem Hintergrund wird es immer schwieriger, gute Angebote zu machen, genug Zeit und Ressourcen aufzubringen."