Paderborn (KNA) Caritas-Präsidentin Eva Welskop-Deffaa hat vor einer Schwächung der freien Wohlfahrtspflege in Deutschland gewarnt. Das subsidiäre Miteinander von Staat und Wohlfahrtsverbänden dürfe nicht aus Spargründen infrage gestellt werden, sagte sie am Freitag bei der Verleihung der ...
Paderborn (KNA) Caritas-Präsidentin Eva Welskop-Deffaa hat vor einer Schwächung der freien Wohlfahrtspflege in Deutschland gewarnt. Das subsidiäre Miteinander von Staat und Wohlfahrtsverbänden dürfe nicht aus Spargründen infrage gestellt werden, sagte sie am Freitag bei der Verleihung der Ehrendoktorwürde der Theologischen Fakultät Paderborn.
Welskop-Deffaa kritisierte Überlegungen, Aufgaben etwa in der Kinder- und Jugendhilfe verstärkt durch staatliche Träger wahrnehmen zu lassen. Wer das Zusammenspiel von Staat und Zivilgesellschaft bei enger werdenden Finanzspielräumen leichtfertig infrage stelle, gehe in die völlig falsche Richtung. Der Staat werde nicht handlungsfähiger, indem er immer mehr Aufgaben selbst übernehme. Seine "geheime Superkraft" sei vielmehr die subsidiäre Aufteilung der Aufgaben.
In ihrer Promotionsvorlesung plädierte die Präsidentin des Deutschen Caritasverbandes dafür, Subsidiarität stärker als Prinzip gemeinsamer Verantwortung zu verstehen. "Mitverantwortung ist die Idee der Subsidiarität, nicht Eigenverantwortung", sagte sie. Das Prinzip solle Menschen ermutigen, Verantwortung für sich, andere und das Gemeinwohl zu übernehmen. Damit sei es auch eine Brandmauer gegen Rechts.
Der Kölner Staatsrechtler Stephan Rixen würdigte Welskop-Deffaa in seiner Laudatio als Grenzgängerin zwischen Kirche, Wissenschaft und Politik. Sie verbinde wissenschaftliche Erkenntnisse mit praktischer Wirksamkeit und erkenne wichtige Zukunftsthemen früh, sagte Rixen. Dabei hob er unter anderem ihr Engagement in Sozialpolitik, Digitalisierung und medizinethischen Fragen hervor.
Welskop-Deffaa ist seit 2021 Präsidentin des Deutschen Caritasverbandes. Zuvor war die 67-jährige Volkswirtin unter anderem im Bundesfamilienministerium, bei der Gewerkschaft Verdi sowie in katholischen Verbänden tätig. Mit der Ehrenpromotion zeichnet die Theologische Fakultät Paderborn erstmals eine Frau mit einem Ehrendoktorgrad aus.