Heidelberg (KNA) Alpträume und der Umgang mit ihnen können sich massiv auf die Gesundheit auswirken: Die derzeitige Versorgungssituation betrachtet der Psychologe Erhan Elik in dieser Hinsicht als unzureichend. Einerseits suchten 85 der Betroffenen niemals Hilfe, sagte er beim "Nightmare Sympo ...
Heidelberg (KNA) Alpträume und der Umgang mit ihnen können sich massiv auf die Gesundheit auswirken: Die derzeitige Versorgungssituation betrachtet der Psychologe Erhan Elik in dieser Hinsicht als unzureichend. Einerseits suchten 85 der Betroffenen niemals Hilfe, sagte er beim "Nightmare Symposium" der SRH University in Heidelberg. Zudem fehle etwa 70 Prozent des Gesundheitspersonals die Expertise, um Alpträume adäquat zu behandeln. Strategien zur Bewältigung müssten daher noch bekannter werden.
Die psychologische Beraterin Kristi Pruiksma rät Betroffenen, unterschiedliche Techniken zu prüfen: Manche kommen demnach mit Psychoedukation weiter, also einer fundierten Aufklärung, andere mit Entspannungstechniken oder veränderten Schlafgewohnheiten. Auch Visualisierungsübungen oder das Niederschreiben von alternativen Traumverläufen reduzierten die Problematik in vielen Fällen.
Die Psychologin Ida Poschmann betonte, dass Alpträume stark mit persönlicher und soziokultureller Prägung zusammenhängen: "Zwei Menschen in einer ähnlichen Umgebung können ganz unterschiedlich mit einem Alptraum umgehen". Wenn Menschen stark darunter litten, sei diese Sensibilität entscheidend für die Behandlung.
An der Universität Kopenhagen hat ein Team um Poschmann 21 Studien zu Alpträumen untersucht, die zwischen 1981 und 2020 veröffentlicht wurden. Demnach tauchen besonders häufig verstorbene Personen in Alpträumen auf (62 Prozent), ebenso traumatisierende Erfahrungen (52 Prozent) oder Geister und Symbole (jeweils 48 Prozent). Das alltägliche Leben spiele weniger eine Rolle, sagte die Expertin. "Doch der Inhalt ist nur ein Teil der Geschichte: Die Frage ist, wie die Menschen diese Träume interpretieren."
Manche Betroffene reagierten mit Vermeidung, andere befassten sich intensiv mit ihren Träumen. Auch gebe es Fälle, in denen Träume als "Quelle versteckten Wissens" betrachtet würden, beispielsweise als Warnung für tatsächliche künftige Ereignisse. Wer einen Alptraum so betrachte, leide oft stark darunter, sagte Poschmann. Ebenso glaubten manche Menschen, dass das Erzählen eines Traums ihn wahr werden lassen könne. Es sei entscheidend, wie eine Person ihre Träume verstehe und wie sie damit umgehe.
Der französische Psychiater Pierre Alexis Geoffroy sieht in standardisierten Abfragen zu Alpträumen sogar eine Chance für die Suizidprävention. "Behandelnde Personen müssen Träume berücksichtigen, um Warnzeichen zu erkennen und handeln zu können": Eine Untersuchung, die er in Paris durchgeführt hat, zeigte einen Zusammenhang zwischen Depressionen, die sehr häufig mit Schlafstörungen einhergehen, und Suizidversuchen.
Relevant seien neben der Häufigkeit auch emotionale Auswirkungen, also die Intensität von Gefühlen wie Panik oder Druck, aber auch, wie oft die eigene Sicherheit oder gesundheitliche Themen in den Träumen auftauchen. Ebenso sollte abgefragt werden, wie stark Alpträume die Betroffenen im Wachzustand beeinflussen, riet Geoffroy.