Wie du mir, so ich dir. Wenn ich das höre, fallen mir auch Menschen ein, die sich schwer damit tun, kleine Gesten oder Hilfestellungen anzunehmen, ohne sich verpflichtet zu fühlen, selbst etwas dafür zurückgeben zu müssen. „Ich will dir nichts schuldig bleiben“ – dieser Gedanke dürfte sicher oft dahinterstecken. Aber steht unser Gegenüber durch eine freigiebige Geste von uns in unserer Schuld? Nein! Wenn wir etwas schenken – Zeit, Zuwendung, Hilfe – sollte nie die Erwartung damit verbunden sein, etwas zurückzubekommen. Das sollten wir uns selbst auch zu Herzen nehmen, wenn uns etwas geschenkt wird. Da sind Hintergedanken wie „Eine Hand wäscht die andere“ oder „Auge um Auge“ fehl am Platz.
Grenzenlose Liebe und Barmherzigkeit
Wie du mir, so ich dir. Wie würde Gott wohl solch „ausgleichende Gerechtigkeit“ finden? Ich bin überzeugt: Gott ist bestimmt kein Freund von Ungerechtigkeit. Aber wenn „Auge um Auge“ sein Maßstab wäre, wie könnten wir alle mit unseren menschlichen Fehlern vor ihm bestehen? Gottes Maßstäbe sind grenzenlose Liebe und Barmherzigkeit. Gott nimmt uns an, auch wenn wir dem Mitmenschen und der Schöpfung immer wieder so vieles schuldig bleiben – im Kleinen wie im Großen. Gott gibt uns unendlich viel mehr, als wir je zurückgeben können. Aber: Schenken wir von der Liebe, die wir von Gott empfangen, freigiebig nach unseren Möglichkeiten weiter. Wir dürfen uns sicher sein: Die Liebe, die wir von Gott als Geschenk erhalten und weitergeben, kehrt zu uns zurück. Wie Gott mir, so ich dir!