In Kooperation mit den fünf nordrhein-westfälischen (Erz-)Bistümern werden Qualifizierungskurse für Schulungsreferentinnen und -referenten angeboten. Zielgruppenorientiert sowohl für die Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und schutz- oder hilfebedürftigen Erwachsenen, haben diese Ausbildungsangebote einen Umfang von etwa 32 Stunden. Um die haupt- und nebenberuflichen sowie ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den unterschiedlichen kirchlichen Handlungsfeldern zu dem Thema sexualisierte Gewalt zu sensibilisieren, vermitteln die Schulungsreferentinnen und -referenten in unterschiedlichen Schulungsformaten Basiswissen, um den Umfang der sexualisierten Gewalt und ihre unterschiedlichsten Ausprägungen wahrnehmen zu können und Handlungssicherheit zu schaffen.
Derzeit unterstützen etwa 300 Schulungsreferentinnen und -referenten im Erzbistum Paderborn die Schulungsarbeit. Das berufliche Spektrum dieser Gruppe reicht von Pädagoginnen und Pädagogen über Psychologinnen und Psychologen bis hin zu Mitarbeitenden aus Pflegeberufen oder Personalmanagementbereichen. Für sie bietet das Team der Koordinationsstelle im Jahresverlauf regelmäßig Fachtagungen sowie Fach- und Austauschtreffen zur stetigen Weiterqualifizierung und Begleitung an. Dazu haben von 2014 bis 2020 57 Veranstaltungen mit 924 Teilnehmenden stattgefunden.
Die Präventionsordnung des Erzbistums Paderborn ist verpflichtend für alle kirchlichen Rechtsträger, die Kinder, Jugendliche und schutz- oder hilfebedürftige Erwachsene betreuen. Dazu gehören neben den Kirchengemeinden unter anderem Einrichtungen und Dienste der Kinder- und Jugendarbeit, Kindertagesstätten, Schulen, Krankenhäuser und Pflegeheime. Gemäß Präventionsordnung ermittelt der jeweilige Träger anhand einer Schutz- und Risikoanalyse die Art, die Dauer und die Intensität des Kontaktes seiner Mitarbeitenden zu den anvertrauten Menschen. Auf dieser Grundlage legt der Träger fest, wer in welchem Umfang geschult und informiert werden muss. Im Erzbistum Paderborn haben von 2011 bis 2026 mehr als 100.000 ehrenamtlich und hauptamtlich tätige Personen die Erstschulungen absolviert.
Zu den Schulungen gehören folgende Inhalte:
- angemessene Nähe und Distanz,
- Kommunikations- und Konfliktfähigkeit,
- eigene emotionale und soziale Kompetenz,
- Psychodynamiken Betroffener,
- Strategien von Täterinnen und Tätern,
- (digitale) Medien als Schutz- und Gefahrenraum/ Medienkompetenz,
- Dynamiken in Institutionen mit asymmetrischen Machtbeziehungen sowie begünstigenden institutionellen Strukturen,
- Straftatbestände und kriminologische Ansätze sowie weitere einschlägige rechtliche Bestimmungen,
- notwendige und angemessene Hilfen für Betroffene, ihr Umfeld und die betroffenen Institutionen,
- sexualisierte Gewalt von Kindern, Jugendlichen (Peer Gewalt) und schutz- oder hilfebedürftigen Erwachsenen an anderen Minderjährigen oder schutz- oder hilfebedürftigen Erwachsenen,
- Schnittstellenthemen wie zum Beispiel sexuelle sowie geschlechter- und kultursensible Bildung,
- regionale fachliche Vernetzungsmöglichkeiten mit dem Ziel eigener Vernetzung.
In den vergangenen Jahren hat die Koordinierungsstelle in Kooperation mit der Katholischen Hochschule eine neue Form der Basis- und Intensivschulung entwickelt. Mitarbeitenden in der Kinder- und Jugendbetreuung steht ein sogenanntes Blended Learning offen, dass die Möglichkeit bietet, terminunabhängig zu lernen. Dabei findet das einführende Schulungspensum mit einem Online-Tool im Selbstlernprogramm, das abschließende Modul als Präsenzveranstaltung statt.
Weiterführende und vertiefende Schulungen
Alle Mitarbeitenden sind dazu verpflichtet, nach spätestens fünf Jahren an einer Vertiefungsschulung teilzunehmen. Neben einer Auffrischung und Vertiefung der Grundlagen können die Träger aus einer Vielfalt an Themen, die auf verschiedenste Bedarfe ausgerichtet sind, zielgruppenspezifische Angebote für ihre Mitarbeitenden auswählen. Beispielsweise hat der Verein „Innocence in Danger“ das gesamte lehrende und nichtlehrende Personal der erzbischöflichen Schulen zum Thema „Sexualisierte Gewalt in digitalen Medien“ geschult.
Mittlerweile ist Prävention von sexualisierter Gewalt fester Bestandteil vieler Ausbildungsgänge im kirchlichen Bereich des Erzbistums Paderborn. Neben der Ausbildung des pastoralen Personals und der Priesterausbildung gehört das Thema zum Curriculum verschiedener Berufsfachschulen, unter anderem im Studiengang Angewandte Theologie für Gemeindereferentinnen und -referenten und in anderen Studiengängen der Katholischen Hochschule Paderborn, sowie einiger Pflegeschulen und Berufskollegs für Sozial- und Gesundheitswesen. Diese Schulungsangebote werden stetig im Hinblick auf den Bedarf der Zielgruppen weiterentwickelt. Dabei arbeitet die Koordinierungsstelle eng mit verschiedenen Kooperationspartnern zusammen.