Gedenkort in der Brigidenkapelle zur Mahnung und Erinnerung an die sexuelle Gewalt und den geistlichen Missbrauch im Erzbistum Paderborn
Die im 11. Jahrhundert von Bischof Meinwerk (+1036) errichtete Brigidenkapelle ist Brigida von Kildare (+523) geweiht. Die frühchristliche Heilige ist unter anderem Schutzpatronin des Lernens und des Heilens.
Für diesen Ort hat der Künstler Christoph Brech in enger Abstimmung mit dem Erzbistum Paderborn, dem Metropolitankapitel des Paderborner Doms und der Unabhängigen Betroffenenvertretung im Erzbistum Paderborn ein Mahnmal geschaffen. Mit den Mitteln der Kunst soll es den von sexuellem Missbrauch Betroffenen eine Stimme geben, die menschenverachtende Schuld der Täter aufzeigen, das Versagen der Institution Kirche im Umgang mit dem Missbrauch, den Tätern und insbesondere den Betroffenen bekennen und die öffentliche Auseinandersetzung mit dem Thema befördern.
Individuelles Leid ans Licht bringen
Zentrum des Gedenkortes ist ein Tisch mit 25 Feldern, die um ihre eigene Achse drehbar sind. Unter den identischen Oberseiten kann man 12 Paare von Texten, Bildern und Fotografien entdecken, die jeweils von einem Betroffenen eingebracht wurden. Wer die auch farbig zusammengehörigen Felder aufdeckt, bringt ihre individuellen Geschichten bzw. Gedanken ans Licht. Die Felder kippen automatisch zurück – ein Hinweis auf die Verletzlichkeit der Erinnerung, aber auch auf all das, was noch verborgen ist. Das mittlere Feld kann nicht umgedreht werden – es steht für diejenigen Fälle, die noch im Dunkeln sind.
Die Oberseiten der Felder tragen die Inschrift “Et gallus cantavit – Und der Hahn krähte“.
Transformation von Schuldbekenntnis, Heilung und Versöhnung
In der Passionsgeschichte der Bibel bewahrheitet sich mit diesem Satz das Wort Jesu, der Apostel Petrus werde ihn – den Hilflosen, gefangen Genommenen und zum Verhör Abgeführten – dreimal verleugnen, noch ehe der Hahn krähe.
An der Wand über dem Altar findet sich der Hymnus „O ew’ger Schöpfer aller Welt“ des Ambrosius von Mailand aus dem 4. Jahrhundert. Hier ist der Verrat Petrus‘, von dem der Hahn kündet, Aufforderung zu einem Transformationsprozess von Schuldbekenntnis, Heilung und Versöhnung.
Überfangen ist die Inschrift von Glasfenstern, denen Christoph Brech die Struktur schützender, farbig schimmernder Hahnenfedern gegeben hat, die das rettende Licht ins Dunkle hineinlassen.
An der Außenseite im Osten des Doms ist das Mahnmal durch die Leuchtschrift „memory“ sichtbar. Von dort führt eine Lichtlinie zur Brigidenkapelle hinab.