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Mahnen und Gedenken

Sexueller Missbrauch in der Kirche hat tiefes Leid verursacht. Ein Mahnmal am Paderborner Dom soll das Leid der Betroffenen sichtbar machen und die öffentliche Auseinandersetzung mit dem Thema sexuellen Missbrauchs fördern und wachhalten. Damit das Unrecht nicht vergessen wird.

Denk- und Mahnmal zum sexuellen Missbrauch

Im Paderborner Dom ist ein Denk- und Mahnmal zum sexuellen Missbrauch im Erzbistum Paderborn entstanden – auf Initiative des Erzbistums, des Metropolitankapitels und der Betroffenenvertretung im Erzbistum.

Eine Jury kürte im April 2025 das Konzept von Christoph Brech aus München zum Siegerentwurf in einem begrenzten Wettbewerb mit acht Künstlerinnen und Künstlern.

memory AUFDECKEN + ERINNERN

Gedenkort in der Brigidenkapelle zur Mahnung und Erinnerung an die sexuelle Gewalt und den geistlichen Missbrauch im Erzbistum Paderborn

Die im 11. Jahrhundert von Bischof Meinwerk (+1036) errichtete Brigidenkapelle ist Brigida von Kildare (+523) geweiht. Die frühchristliche Heilige ist unter anderem Schutzpatronin des Lernens und des Heilens.

Für diesen Ort hat der Künstler Christoph Brech in enger Abstimmung mit dem Erzbistum Paderborn, dem Metropolitankapitel des Paderborner Doms und der Unabhängigen Betroffenenvertretung im Erzbistum Paderborn ein Mahnmal geschaffen. Mit den Mitteln der Kunst soll es den von sexuellem Missbrauch Betroffenen eine Stimme geben, die menschenverachtende Schuld der Täter aufzeigen, das Versagen der Institution Kirche im Umgang mit dem Missbrauch, den Tätern und insbesondere den Betroffenen bekennen und die öffentliche Auseinandersetzung mit dem Thema befördern.

Individuelles Leid ans Licht bringen

Zentrum des Gedenkortes ist ein Tisch mit 25 Feldern, die um ihre eigene Achse drehbar sind. Unter den identischen Oberseiten kann man 12 Paare von Texten, Bildern und Fotografien entdecken, die jeweils von einem Betroffenen eingebracht wurden. Wer die auch farbig zusammengehörigen Felder aufdeckt, bringt ihre individuellen Geschichten bzw. Gedanken ans Licht. Die Felder kippen automatisch zurück – ein Hinweis auf die Verletzlichkeit der Erinnerung, aber auch auf all das, was noch verborgen ist. Das mittlere Feld kann nicht umgedreht werden – es steht für diejenigen Fälle, die noch im Dunkeln sind.

Die Oberseiten der Felder tragen die Inschrift “Et gallus cantavit – Und der Hahn krähte“.

Transformation von Schuldbekenntnis, Heilung und Versöhnung

In der Passionsgeschichte der Bibel bewahrheitet sich mit diesem Satz das Wort Jesu, der Apostel Petrus werde ihn – den Hilflosen, gefangen Genommenen und zum Verhör Abgeführten – dreimal verleugnen, noch ehe der Hahn krähe.

An der Wand über dem Altar findet sich der Hymnus „O ew’ger Schöpfer aller Welt“ des Ambrosius von Mailand aus dem 4. Jahrhundert. Hier ist der Verrat Petrus‘, von dem der Hahn kündet, Aufforderung zu einem Transformationsprozess von Schuldbekenntnis, Heilung und Versöhnung.

Überfangen ist die Inschrift von Glasfenstern, denen Christoph Brech die Struktur schützender, farbig schimmernder Hahnenfedern gegeben hat, die das rettende Licht ins Dunkle hineinlassen.

An der Außenseite im Osten des Doms ist das Mahnmal durch die Leuchtschrift „memory“ sichtbar. Von dort führt eine Lichtlinie zur Brigidenkapelle hinab.

Videoimpressionen zur Gedenkstunde und Mahnmal-Eröffnung

Mahnmal als "bleibendes Zeichen der Verantwortung" präsentiert

Mit einer Gedenkstunde im Hohen Dom und einer Pressekonferenz wurde das Mahnmal für die Betroffenen sexuellen Missbrauchs am 2. März 2026 der Öffentlichkeit präsentiert. Lesen Sie hier die dazugehörige Pressemitteilung des Erzbistums Paderborn.

Zudem finden Sie hier dokumentiert die Redebeiträge anlässlich der Präsentation des Mahnmals:

Gedenktafel in der Krypta des Paderborner Doms

Im Juli 2023 wurde an den Grablegen der beiden Paderborner Erzbischöfe Lorenz Kardinal Jaeger und Johannes Joachim Kardinal Degenhardt in der Krypta des Hohen Domes in Kooperation mit der Betroffenenvertretung eine Tafel mit Hinweisen zu Verfehlungen im Umgang mit Missbrauchsfällen aufgestellt. Diese wurde im Januar 2024 um einen QR-Code ergänzt, über den Interessierte sich auf einer Internetseite über die Erzbischöfe informieren können. Dort wird „ein massives Versagen der Kirche und ihrer Vertreter“ im Umgang mit dem sexuellen Missbrauch Minderjähriger deutlich ausgesprochen. Zugleich finden sich dort die Lebensdaten der beigesetzten Erzbischöfe inklusive ihrer spezifischen Lebensleistung.

Kontakt
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generalvikariat@erzbistum-paderborn.de
+49 (0)5251 125-0