Das ist ein Problem, das im Leben aller Menschen begegnet: Nicht nur Täter, auch Seelsorgende, Priester und Bischöfe sind davon nicht ausgeschlossen, auch sie erleben Situationen des Scheiterns, des Versagens. Wenn wir um einen menschenwürdigen Vollzug gegen staatliche Sicherheitsmaßnahmen kämpfen, ringen gegen zerstörende Triebe im Menschen, können wir unsere christlichen Werte dabei nur selten eins zu ein umsetzen – dann brauchen wir selber umso mehr unsere Verwurzelung im lebendigen Gott. Wenn wir sehen, dass einzelne Gefangene trotz großer Sorge um sie nicht aus Teufelskreisen wie Süchten oder Minderwertigkeitsängsten herausfinden, oder wenn wir angesichts manch grausamer Straftat am Liebesgebot gegenüber dem Nächsten verzweifeln – dann muss der Seelsorger selber umso mehr mit Dem verbunden sein, in dem wir alle leben, uns bewegen und sind. Dabei müssen wir unsere eigenen Grenzen akzeptieren und eingestehen, dass es Probleme gibt, die wir mit irdischen Mitteln nicht lösen können.
Seelsorgende laufen Gefahr, durch Erfolglosigkeit in ihrem Bemühen selber in Depression zu verfallen. Auch die zunehmende Bedeutungslosigkeit unserer Kirche in der Mitte der Bevölkerung macht vielen von uns zu schaffen. Wir erleben diesen Bedeutungsverlust nicht nur in der politischen, sondern eben auch in der kirchlichen Gesellschaft. Die Extreme an den Rändern werden stärker. Aber hier erst recht sollten wir uns auf den Messias Jesus fokussieren, der das Gefühl des Versagens durchaus selber kannte. So zog er sich etwa, nachdem er vom Tod seines Freundes, Johannes des Täufers, erfuhr, zurück, um allein zu sein. Ganz allein. Aber er verzweifelte nicht und versank nicht in der Tiefe des Abgrunds. Er tat das, was für alle Menschen in solch einer Situation ganz wichtig ist: Er stieg hinauf auf einen Berg, begab sich also in die Nähe Gottes – und der schickte ihn, getragen von Seiner Liebe, wieder zurück zu den Menschen.
Gott ist mitten unter uns. Er allein kann alle Not und Dunkelheit erhellen, auch für Straftäter und Seelsorgende, durch seine Gegenwart, die jeden hält.