Für viele Menschen ist ihr Glaube eng mit festen Orten verbunden: dem Kloster, das zugleich Schule war, der Dorfkapelle in der Nachbarschaft oder der Pfarrei, in der schon die Großeltern getauft wurden. Es sind vertraute Räume, in denen Glaube gewachsen ist und Heimat fand, wo Menschen sich geborgen wissen – und Gott nah. Doch was geschieht mit unserem Glauben, wenn diese Orte verschwinden? In einer Zeit, in der Gemeinden fusionieren und Kirchen schließen, Biografien internationaler werden und das Leben sich ins Digitale verlagert. Anders gefragt: Braucht unser Glaube eine Heimat? Oder ist es wichtiger, dass wir glauben als wo?
Br. Chi Thien Vu, der in Vietnam geboren wurde und heute als Seelsorger im Franziskanerkloster in Dortmund lebt, kennt die Notwendigkeit der Bewegung von klein auf und ist kulturell wie spirituell immer unterwegs. Sr. Johanna Buschmann, Priorin der Benediktinerinnen-Abtei Varensell, ist seit über 40 Jahren fester Teil ihrer Klostergemeinschaft und weiß, wie wichtig Beständigkeit für ein erfülltes Leben als Christin ist. Was Gläubige von den Ordensleuten lernen können? Dass beides nötig – ja nur zugleich langfristig möglich ist: spirituelle Verwurzelung und geistige Beweglichkeit, Heimatverbundenheit und Offenheit für das Neue. Eine Standortbestimmung unserer Glaubensheimat entlang der Achsen zweier Biografien.