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© Besim Mazhiqi / Erzbistum Paderborn
© Besim Mazhiqi / Erzbistum Paderborn

Wie viele Freunde hat ein Erzbischof? Und wie hält er Kontakt zu Gott?

Beim Besuch der katholischen Grundschule in Herne im Rahmen seines Amtssitzwechsels stellte sich Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz den Fragen der Kinder. Mit Eltern und Lehrkräften sprach er über das katholische Profil ihrer Schule.

Die Klasse 3a der katholischen Grundschule an der Bergstraße in Herne erwartete am Mittwochmorgen hohen Besuch. Im Rahmen des Amtssitzwechsels besuchte Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz die einzige Bekenntnisschule in dem Stadtgebiet. Kaum hatte er während der Frühstückspause den Klassenraum betreten, umzingelten ihn die Schülerinnen und Schüler. Alle mit Zettel und Stift bewaffnet, auf der Jagd nach einem Autogramm. Also schrieb der Erzbischof 27-mal „Gottes Segen“ und setzte seine Unterschrift auf das Papier.

Nachdem die wertvollen Schriftstücke im Fach oder Tornister verstaut waren, konnte der Religionsunterricht mit dem üblichen Eingangsritual beginnen: Heute durfte Matilda die elektronische Kerze entzünden. Nach einem gemeinsamen Lied wurde der Stab an den Erzbischof weitergegeben, im buchstäblichen Sinn. Er zeigte den Kindern seinen Hirtenstab und sprach über die anderen Insignien des Bischofs: Mitra, Kreuz und Ring. Mithilfe dieser Symbole überlegten sie gemeinsam, was die Aufgaben eines Bischofs sind: Gottesdienste feiern, als Hirte seine Herde beschützen, beten, segnen und von Jesus erzählen.

Ob der Erzbischof gerne nascht?

In der Schulstunde hatten die Kinder die Gelegenheit, den Erzbischof mit ihren Fragen zu löchern: Ob er gerne lese? „Morgens lese ich Zeitung, ich muss schließlich informiert sein. Bei der Arbeit lese ich viel und abends vor dem Schlafengehen lese ich gerne einen Roman.“ Ob er viele Freunde habe? „Ich habe viele Bekannte und etwa eine Handvoll richtig gute Freunde.“ Und der Erzbischof präzisierte: „Einen guten Freund erkennt man daran, dass sich jedes Treffen so anfühlt, als hätte man sich gestern das letzte Mal gesehen.“

Auf die Frage, ob er gerne nasche, richtete der Erzbischof eine Gegenfrage an die Schülerin: „Schau mich an, was glaubst du?“ Darauf eine andere Schülerin: „Ich glaube, ja“, woraufhin der gesamte Klassenraum in lautes Lachen ausbrach.

Persönlich wurde es auch beim Thema Glaube: Was er als Erzbischof erreichen wolle? „Ich möchte mit vielen Leuten ins Gespräch kommen und von Gott erzählen, damit möglichst viele Menschen sagen: ‚Schön, dass es Gott gibt.‘“ Auf die Frage, ob er eine gute Verbindung zu Gott habe, sagte er: „Ich versuche, jeden Tag regelmäßig an Gott zu denken. Zum Beispiel bedanke ich mich jeden Morgen nach dem Aufstehen für eine gute Nacht und bete für die Begegnungen, die an dem Tag auf mich warten.“

Eine städtische Grunschule mit katholischem Profil

Welche Rolle der Glaube im Schulalltag spielt, stand im Mittelpunkt des anschließenden Gesprächs mit Schulleiterin Meike Blind, einigen Lehrkräften der Schule, den pastoralen Mitarbeitenden Joakim Bull und Franziska Kroh, die in dieser Schule wirken, und einigen Eltern wieder. Im Gespräch betonte Schulleiterin Blind mehrfach, dass ihr das katholische Profil ihrer Schule sehr am Herzen liege.

Hier stünden regelmäßige Gottesdienste ab der dritten Klasse, Seelsorgestunden und Besuche in der Kinderkirche in Herne neben dem regulären katholischen Religionsunterricht auf dem Programm. Von den aktuell 224 Schülerinnen und Schülern seien etwa 40 evangelisch, 25 bekenntnislos und vier muslimisch.

Die Kinder können sich an der Grundschule spirituell weiterentwickeln

Auch die Eltern berichteten davon, dass die katholische Ausrichtung der Bekenntnisgrundschule ein wichtiges Entscheidungskriterium war. Selbst bei einer Mutter, die davon berichtete, dass sie konfessionslos und ihr Mann evangelisch seien und er den Bezug zum Glauben weitestgehend verloren habe. „Unsere Kinder sind bewusst nicht getauft. Sie sollen diese Entscheidung später selber treffen“, erzählt sie. Dennoch sei es ihr ein Anliegen, dass ihre Kinder Gott und den Glauben kennenlernen. Nur so könnten sie sich ein eigenes Bild machen. „Die Grundschule bietet einen Mehrwert, den es an anderen Schulen nicht gibt.“

Auch Schulleiterin Blind unterstützt diese Wahrnehmung: „Ich bin davon überzeugt, dass sich die Kinder in den vier Jahren auch spirituell weiterentwickeln, ganz von den reinen Lerninhalten abgesehen.“

Konfessionalität schließe niemanden aus

Erzbischof Bentz sprach sich für diese Schulform aus, die er erst im Erzbistum Paderborn kennengelernt hat: „Ich bin froh, wenn Spiritualität, Religion und Lebensthemen in den Bekenntnisschulen zum Thema werden“, sagte Erzbischof Bentz. „Hier können die Kinder bei aller Offenheit an den Glauben herangeführt werden.“ Eine solche Konfessionalität schließe niemanden aus. „Gleichzeitig helfe die Glaubensperspektive dabei, Fragen zu klären wie ‚Wer bin ich?‘ und ‚Wer will ich sein?‘.“

Wie eng dabei das eigene Leben und der Glaube zusammengehören, hatten die Kinder an diesem Vormittag selbst gezeigt, mit ihren Fragen an den Erzbischof nach Freundschaft, nach Gott und danach, wie man mit ihm in Verbindung bleibt.

Ein Beitrag von:
Team Redaktion

Jasmin Lobert

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