Ludwigshafen (KNA) "Wie, du trinkst keinen Sekt mit uns? Komm, nur ein Gläschen!" So oder ähnlich lauten Sätze, die sich Menschen, die keinen Alkohol trinken, anhören müssen. Für die Mehrheit der Deutschen gehört Alkohol einfach dazu - das geht aus einer aktuellen Studie der Krankenkasse ...
Ludwigshafen (KNA) "Wie, du trinkst keinen Sekt mit uns? Komm, nur ein Gläschen!" So oder ähnlich lauten Sätze, die sich Menschen, die keinen Alkohol trinken, anhören müssen. Für die Mehrheit der Deutschen gehört Alkohol einfach dazu - das geht aus einer aktuellen Studie der Krankenkasse Pronova BKK hervor. Demnach konsumieren 86 Prozent der Befragten grundsätzlich alkoholische Getränke, 14 Prozent leben hingegen abstinent. Von ihnen musste sich fast jeder Zweite (42 Prozent) schon mindestens einmal für seinen Alkoholverzicht rechtfertigen.
"Weil Alkohol in unserer Gesellschaft stark in bestimmte soziale Situationen verankert ist, wird das Thema in vielen Kontexten nicht als bewusste Entscheidung wahrgenommen, sondern normalisiert", erklärt Patrizia Thamm, Referentin der Gesundheitsförderung bei der Betriebskrankenkasse. Und weiter: "Wenn etwas als soziale Norm gilt, entsteht oft die unausgesprochene Erwartung, dass sich alle daran orientieren."
Der repräsentativen Studie zufolge hat rund jeder Zehnte Angst, als Außenseiter zu gelten, wenn er ein alkoholisches Getränk ablehnt. Jede Fünfte erklärte, mitzutrinken, weil es die Freunde auch tun. Fast jeder Dritte gab zudem an, dass er sich schon mehrfach erklären musste, wenn er einen Drink abgelehnt hatte.
Aus Sicht der Wirtschaftspsychologin Thamm sollte dabei Alkoholverzicht nicht begründet werden müssen. "Eigentlich ist nicht der Alkoholverzicht fragwürdig, sondern die gesellschaftliche Erwartung, dass Trinken der Normalfall ist", so Thamm. Tatsächlich kennen viele die Kehrseite des Alkoholkonsums: So gaben 46 Prozent der Befragten an, eine Feier oder Party schon einmal früher verlassen zu haben, weil andere dort zu betrunken waren.
Wie aus der Befragung unter 1.228 Frauen und Männern ab 18 Jahren weiter hervorgeht, greift etwa jeder Vierte zum Alkohol, um lustiger und geselliger zu werden. Mehr als jede fünfte Person ist demnach unter der Wirkung von Bier, Schnaps, Sekt und Co. allerdings schon selbst unangemessen aggressiv geworden. Besonders häufig geben dies Jüngere an.
Die Befragten werden jedoch nicht nur selbst unter Alkoholeinfluss aggressiv, sondern erleben laut Umfrage auch Gewalt durch andere: So wurde jeder Dritte bereits mindestens einmal von alkoholisierten Menschen angegriffen. Mehr als jede dritte Frau gab an, von jemandem Alkoholisierten sexuell belästigt worden zu sein, die Hälfte der Betroffenen hat dies demnach mehrfach erlebt. Auch 19 Prozent der Männer geben das an, wie die BKK mitteilte.