Laden...

logocontainer-upper
logocontainer-lower
© Johannes Duwe
© Johannes Duwe

„Mein Herz schlägt weiter für das Heilige Land“

Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz spricht nach seiner Nahost-Reise über gewachsene Beziehungen, gelebte Solidarität und die gesellschaftliche Verantwortung der katholischen Kirche

Die persönliche Begegnung mit Menschen, die unter Krieg, Gewalt und Unsicherheit leiden, bleibt für Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz ein wesentlicher Bestandteil weltkirchlicher Verantwortung. Nach seiner jüngsten Reise nach Israel und in die palästinensischen Gebiete betont der Paderborner Erzbischof, wie wichtig es sei, die Menschen vor Ort nicht aus dem Blick zu verlieren und die über viele Jahre gewachsenen Beziehungen weiter zu pflegen. „Es geht bei der weltkirchlichen Arbeit und auch im Nahen Osten nicht nur darum, Projekte zu finanzieren, sondern Beziehungen zu leben“, sagt Bentz. Daran wolle er auch über seine bisherigen Aufgaben in der Deutschen Bischofskonferenz hinaus festhalten.

Die Reise führte den Erzbischof erneut zu kirchlichen Einrichtungen und langjährigen Gesprächspartnern in Israel und den palästinensischen Gebieten. Dabei begegnete er Menschen, deren Alltag von den Folgen des Krieges, politischen Spannungen und der Sorge um ihre Zukunft geprägt ist. Besonders die Situation der christlichen Gemeinden beschäftigt ihn. Viele von ihnen sehen sich zunehmend unter Druck. Gerade junge Menschen stehen vor der Frage, ob sie in ihrer Heimat noch eine Perspektive für sich und ihre Familien finden können.

Gewachsene Beziehungen als Grundlage kirchlicher Solidarität

Für Bentz war die jüngste Reise ausdrücklich keine Abschiedsreise, auch wenn er seine bisherigen Aufgaben in der Deutschen Bischofskonferenz neu ausrichtet. Über die Jahre sei durch zahlreiche Begegnungen und wiederkehrende Gespräche ein tragfähiges Beziehungsnetz entstanden. „Ich habe wieder gespürt, wie dankbar ich bin, solche Möglichkeiten zu haben, in diesem Beziehungsnetz immer wieder neue Aspekte und neue Gesprächspartner zu bekommen und an den Themen dranzubleiben.“

Auch künftig wolle er sich für die Menschen im Heiligen Land einsetzen. „Mein Herz schlägt nach wie vor für den Nahen Osten und für das Heilige Land und die Situation dort.“ Er verstehe sich weiterhin als Multiplikator und Anwalt für die Situation der Christinnen und Christen im Nahen Osten.

Dass diese Verbundenheit weit über persönliche Begegnungen hinausgeht, zeigen auch die Projekte des Erzbistums Paderborn. Bei seinem Besuch der Schmidt-Schule in Jerusalem nahm Bentz am Fest zum 140-jährigen Bestehen der Einrichtung teil. Besonders in Erinnerung geblieben seien ihm die Schülerinnen, die ihm stolz die neuen, vom Erzbistum mitfinanzierten digitalen Tafeln in ihren Klassenräumen zeigten. Auch die Ausstattung der neu fertiggestellten Kapelle wurde vom Erzbistum unterstützt. Hinzu kommt unter anderem die Unterstützung eines Solarprojekts für ein Altenheim im Westjordanland. Für den Erzbischof machen diese Beispiele deutlich, dass kirchliche Zusammenarbeit nicht allein in finanzieller Unterstützung besteht. Sie lebt von gegenseitigem Interesse, persönlicher Verbundenheit und langfristiger Verlässlichkeit.

Präsenz zeigen und Zukunftsperspektiven eröffnen

Die christlichen Gemeinden im Heiligen Land stehen nach den Eindrücken des Erzbischofs vor großen Herausforderungen. Die anhaltende Gewalt im Westjordanland und die schwierigen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Bedingungen verstärken die Sorge, dass insbesondere junge Menschen ihre Heimat verlassen.

In seinen Gesprächen sei immer wieder deutlich geworden, dass Bildung und berufliche Qualifikation allein nicht ausreichten, um Menschen eine Zukunft zu eröffnen. Junge Menschen bräuchten auch wirtschaftliche Perspektiven und gesellschaftliche Rahmenbedingungen, die ein Leben in Sicherheit und Freiheit ermöglichen.

Der Kirche in Deutschland komme deshalb eine besondere Verantwortung zu. Dabei beginne Solidarität bereits mit persönlicher Präsenz: „Dass man hinfährt, dass man das Gespräch sucht, dass man sich interessiert – das allein ist bereits ein starkes Zeichen.“ Dies gelte nicht nur für Begegnungen mit kirchlichen Verantwortungsträgern, sondern ebenso für Besuche in Pfarreien und bei örtlichen Gemeinschaften.

Erzbischof Bentz wirbt außerdem dafür, Pilgerreisen zu den heiligen Stätten wieder stärker in den Blick zu nehmen, sobald und soweit die Situation dies zulässt. Pilgern sei nicht bloß Tourismus, sondern gehöre als Begegnung mit den Ursprungsstätten des christlichen Glaubens zum Glaubensleben selbst. Zugleich könne es den christlichen Gemeinden in Bethlehem, Nazareth und Jerusalem eine konkrete wirtschaftliche Unterstützung bieten.

Christen können Brücken der Verständigung bauen

Eine besondere Rolle sieht der Paderborner Erzbischof bei den christlichen Gemeinden selbst. In den politischen, religiösen und gesellschaftlichen Spannungen des Nahen Ostens erlebten sich viele palästinensische Christen zwischen den Konfliktparteien. Gerade daraus könne aber auch eine verbindende Kraft erwachsen.

„Genau deswegen können sie auch noch einmal ein verbindendes und versöhnendes Moment sein“, sagt Erzbischof Bentz. Das Lateinische Patriarchat von Jerusalem verbinde christliche Gemeinden über politische Grenzen hinweg. Auch die Gemeinschaft der Christen über Konfessions- und Kirchengrenzen hinaus könne dazu beitragen, das Verbindende zu betonen.

Dabei seien die Stimmen der Christen vor Ort nicht ohne Gewicht. Durch ihre Zugehörigkeit zur weltweiten Kirche und die Verbundenheit mit dem Papst und dem Vatikan verfügten sie über Möglichkeiten, Entwicklungen mitzugestalten.

Glaube und gesellschaftliche Verantwortung gehören zusammen

Gerade in den bedrängten Gemeinden des Heiligen Landes habe er besonders eindrücklich erlebt, wie eng geistliches Leben und gesellschaftliche Verantwortung miteinander verbunden seien, berichtet Erzbischof Bentz. Gottesdienst, Gebet und gelebter Glaube hätten für die Menschen einen enormen Stellenwert. Gleichzeitig verstünden sich die Gemeinden als Teil ihrer Gesellschaft, die sie trotz aller Schwierigkeiten aktiv mitgestalten wollten.

„Wir sind Teil dieser gesellschaftlichen Dynamik und wir müssen etwas mitgestalten, sei es diakonisch-karitativ oder auch politisch. Wir können uns nicht außen vor lassen“, beschreibt der Erzbischof diese Haltung.

Der Glaube gebe den Menschen einen inneren Kompass und die Kraft, auch unter schwierigen Bedingungen an ihrer Verantwortung festzuhalten. Diese innere Verankerung schließe gesellschaftliches Engagement nicht aus, sondern treibe dazu an, Hoffnung zu leben. Im Heiligen Land lasse sich dieser Zusammenhang „wie in einem Brennglas“ beobachten.

Erfahrungen aus dem Nahen Osten für neue Aufgaben nutzen

Diese Erfahrungen will Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz auch in seine neuen Aufgaben innerhalb der Deutschen Bischofskonferenz einbringen. Ende September wurde er zum Vorsitzenden der neu zugeschnittenen Kommission V für gesellschaftliche und caritative Fragen gewählt. Seine bisherige Verantwortung für die Nahost-Arbeit und als Vorsitzender der Deutschen Kommission Justitia et Pax bildet dafür einen wichtigen Erfahrungshintergrund.

Aus seiner weltkirchlichen Perspektive ergeben sich für Erzbischof Bentz insbesondere Fragen nach der Verantwortung Europas in internationalen Konflikten. „Welche Rolle spielt Europa an den Brennpunkten der globalen Dynamik? Und welche spielt es nicht? Was kann die EU da wahrnehmen?“, formuliert Bentz.

Fragen gesellschaftlicher Gerechtigkeit, der Versöhnung und friedensethischer Prinzipien stellten sich in jedem politischen Kontext. Sie müssten sowohl mit Blick auf sozialpolitische Entwicklungen als auch auf den Zusammenhalt Europas betrachtet werden. Dazu gehöre insbesondere der Umgang mit der Radikalisierung politischer Strömungen und den Gefahren, die davon ausgingen.

Für Bentz bestehen damit zahlreiche inhaltliche Verbindungen zwischen seinen bisherigen Erfahrungen und der neuen Verantwortung. Die Begegnungen im Nahen Osten würden verdeutlichen, dass die Kirche ihre geistlichen Grundlagen und ihren gesellschaftlichen Auftrag nicht voneinander trennen könne. Beides gehöre zusammen, wenn sie Menschen begleiten, Verständigung fördern und Hoffnung konkret erfahrbar machen wolle.

Hintergrund

Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz engagiert sich seit vielen Jahren in der weltkirchlichen Arbeit und für die Menschen im Nahen Osten. Er steht derzeit an der Spitze der Deutschen Kommission Justitia et Pax und war für die Nahost-Arbeit innerhalb der Deutschen Bischofskonferenz verantwortlich. Im September 2026 wurde er zum Vorsitzenden der neu strukturierten Kommission V – Gesellschaftliche und caritative Fragen – für die Amtsperiode 2026 bis 2031 gewählt.

Weitere Einträge

© Archiv-Foto: Thomas Throenle / Erzbistum Paderborn

Pressemeldung Einführung von Ehrendomherr Bischof Heinz Josef Algermissen

Treue gegenüber Dom und Erzbistum / Dompropst Joachim Göbel führt am 24. Oktober emeritierten Bischof des Bistums Fulda in Vespergottesdienst als Ehrendomherren ein
© Besim Mazhiqi / Erzbistum Paderborn

Pressemeldung Weltmissionssonntag: Erzbistum Paderborn und Hilfswerk missio Aachen rufen zu Kollekte auf

Ein politisches Zeichen gegen Nationalismus und Egoismus: Bei der größte katholischen Spendenaktion weltweit wurden 2025 fast 135.500 Euro im Erzbistum Paderborn gesammelt
© markus-spiske-unsplash

Pressemeldung Statement des Vorsitzenden der Deutschen Kommission Justitia et Pax zur öffentlichen Hinrichtung von Nidal Hasan

Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz verurteilt die Ankündigung vonseiten der US-Regierung, die Hinrichtung des Amokläufers Nidal Hasan per Livestream zu übertragen deutlich, und ruft zu einem verstärkten Einsatz für die Abschaffung der Todesstrafe weltweit auf.
Kontakt
| |
generalvikariat@erzbistum-paderborn.de
+49 (0)5251 125-0