Morgens, wenn unsere Kinder in die Schule gehen, ist es jetzt immer noch dunkel und die Bäume draußen im Park verlieren nach und nach ihre Blätter. Das Fallen der Blätter erinnert mich daran, dass alles, was lebt, auch irgendwann sterben wird.
Und schon in zwei Wochen beginnt der Monat, der stark mit dem Tod in Verbindung gebracht wird: der November. Mich berührt das in diesem Jahr besonders, weil ich gerade meine Ausbildung zur Familientrauerbegleiterin abgeschlossen habe. Ich bin Uta Trosien, Gemeindereferentin in der Pfarrei St. Christophorus in Wanne-Eickel. Und die Familientrauerbegleitung ist für mich ein wichtiger Bestandteil meiner Ausbildung. Sie geht zurück auf Mechthild Schroeter-Rupieper, die die Familientrauerarbeit in Deutschland schon 1991 begründet hat.
Davon möchte ich Ihnen erzählen, denn diese Art der Trauerarbeit kann dabei helfen, Worte zu finden, für eigene Gefühle, die sonst unausgesprochen bleiben. Dahinter steht ein Modell, das Mechthild Schroeter-Rupieper „Lavia – das Lebensweg- und Trauermodell“ nennt und 2010 veröffentlicht hat. „La Via“ im italienischen heißt ja schon „der Weg“. Und mich als Religionspädagogin hat das sehr an eine ganz klassische biblische Trauerbegleitungsgeschichte erinnert, die auch auf einem Weg stattfindet: Die Geschichte von Emmaus, wo Jesus unerkannt zwei seiner Jünger erscheint, die den Tod ihres Meisters alleine nicht verarbeiten können. Aber dazu gleich mehr. Jetzt erst einmal zur Einstimmung ein Stück von Herbert Grönemeyer, das sich genau mit dem Thema Weg beschäftigt.
Ich gehe nicht weg, hab meine Frist verlängert
Neue Zeitreise, offene Welt
Habe dich sicher in meiner Seele
Ich trag dich bei mir, bis der Vorhang fällt
Ich trag dich bei mir, bis der Vorhang fällt
(Herbert Grönemeyer, Der Weg)
Herbert Grönemeyer beschreibt seinen persönlichen Trauerweg nach dem Tod seiner ersten Frau. Er verarbeitet hier musikalisch seine Trauer, seinen Verlust und seinen Schmerz.