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© Deutsche Bischofskonferenz / Daniela Elpers
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Vor Wahl in Israel: Erzbischof Bentz wirbt für kleine Schritte zum Frieden

Nach seiner Reise ins Heilige Land hat Erzbischof Bentz in Osnabrück vor der „Schwerkraft der Gewalt“ gewarnt. Mit der bevorstehenden Wahl in Israel verbindet er vorsichtige Hoffnung.

Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz hat dazu aufgerufen, trotz Krieg und Gewalt im Nahen Osten am Dialog festzuhalten. „Kleine Schritte sind mühselig, aber doch so bedeutend“, sagte er beim fünften Ökumenischen Friedensdialog am 23. Oktober 2026 in Osnabrück. Der Paderborner Erzbischof ist Vorsitzender der Deutschen Kommission Justitia et Pax, die zu den Veranstaltern des Dialogs gehört.

Auch wenn Dialoge schwer geworden seien, müsse behutsam versucht werden, wieder ins Gespräch zu kommen. „Mitten im Krieg, mitten in der Gewalt kann man anfangen, Friedensschritte zu gehen, die nicht wirkungslos sind. Es sind kleine Pflänzchen, die gepflegt werden müssen“, erklärte Bentz.

Begegnungen im Heiligen Land

Bentz war erst kürzlich von einer Reise nach Israel und in die palästinensischen Gebiete zurückgekehrt. Dort sprach er unter anderem mit Gadi Moses, der die Geiselhaft der Hamas überlebt hatte, und besuchte kirchliche Einrichtungen. Besonders beschäftigten ihn die Lage der christlichen Gemeinden und die Sorge, dass junge Menschen ihre Heimat verlassen. Nach der Reise betonte Bentz, wie wichtig persönliche Begegnungen und dauerhaft gepflegte Beziehungen als Ausdruck kirchlicher Solidarität seien.

Die „Schwerkraft der Gewalt“

Beim Friedensdialog machte der Erzbischof auf die „Schwerkraft der Gewalt“ aufmerksam. „Gewalt zieht nach unten, und es kostet immer mehr Kraft, sich dieser Schwere der Gewalt zu entziehen und sich dagegen zu stemmen. Selbst kleine Schritte werden schwer“, sagte er.

Maßstäbe von Gewalt könnten sich verschieben und Dialogversuche verächtlich gemacht werden. Dadurch werde es schwieriger, auf israelischer wie palästinensischer Seite Menschen zu finden, die zum Dialog bereit seien. Einen Ansatzpunkt sah Bentz im alltäglichen Sprachgebrauch: „Auch in der alltäglichen Sprache wird schon Gewalt ausgeübt. Damit anzufangen, das zu ändern, wäre ein erster Schritt.“

Livestream der Reden und Podiumsdiskussion vom Ökumenischen Friedensdialog

Selbstbestimmung für beide Seiten

Mit Blick auf eine Zweistaatenlösung betonte Bentz die Rechte von Israelis und Palästinensern. „Es geht um ein Existenz-, ein Selbstbestimmungs- und ein Selbstgestaltungsrecht für beide Seiten“, erklärte er. Auch die Politikwissenschaftlerin Dr. Muriel Asseburg von der Stiftung Wissenschaft und Politik unterstrich die Notwendigkeit eines Selbstbestimmungsrechts für beide Völker in Würde. Der politische Wille dazu sei derzeit allerdings nicht erkennbar.

In der kommenden Woche, am Dienstag, 27. Oktober, wird in Israel die Knesset neu gewählt. Mit der Parlamentswahl verband Bentz vorsichtige Hoffnung: „Vielleicht kann es nach dieser Wahl kleine Schritte geben“, sagte er. Asseburg hoffte auf neue Anstöße durch eine Regierung, die stärker auf Diplomatie setze.

Kirchen können Orientierung geben

Landesbischof Friedrich Kramer, Friedensbeauftragter des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), unterstützte den Einsatz für kleine Friedensschritte. Zugleich brauche es eine große Friedensperspektive. Zu einem gerechten Frieden gehörten weniger Gewalt, gleiche Freiheit für alle, die Linderung von Not und eine friedensfördernde Pluralität. „Wir müssen wegkommen von einem rein militärischen Denken“, betonte Kramer.

Asseburg von der Stiftung Wissenschaft und Politik sah auch die Kirchen in der Verantwortung. Sie begrüßte deren Position, dass rein militärische Ansätze keine nachhaltige Sicherheit schaffen könnten. Klare Worte bei Kriegsverbrechen und Menschenrechtsverletzungen seien wichtig und könnten Menschen Orientierung geben.

Der fünfte Ökumenische Friedensdialog stand unter dem Thema „Sicherheit um jeden Preis? Der Nahost-Konflikt als friedensethische Herausforderung“. Die Deutsche Kommission Justitia et Pax und die Evangelische Friedensarbeit laden zu dem Format abwechselnd nach Münster und Osnabrück ein.

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