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© ESB Professional / Shutterstock.com
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Ein Stück Erzbistum Paderborn im Heiligen Land

Seit 140 Jahren fördert die Schmidt-Schule in Ostjerusalem palästinensische Mädchen. Dass sie heute den Titel „Exzellente deutsche Auslandschule“ trägt, hat sie nicht zuletzt den Borromäerinnen vom Kloster Grafschaft in Schmallenberg zu verdanken.

„Unsere Hauskapelle ist die einzige Kirche im Heiligen Land, die das Gotteslob vom Erzbistum Paderborn hat“, sagt Schwester Gabriela Zinkl und lacht. Sie ist Generalsekretärin der Barmherzigen Schwestern vom heiligen Karl Borromäus, kurz: Borromäerinnen. Das Generalmutterhaus der schlesischen Kongregation des Ordens liegt im Kloster Grafschaft in Schmallenberg und damit im Erzbistum Paderborn.

Wie kamen die Schwestern ins Heilige Land? 1886 wurden die ersten Borromäerinnen von Alexandrien in Ägypten nach Jerusalem entsandt, um an einer Schule zu helfen, die später den Namen „Schmidt-Schule“ erhielt. Gleichzeitig übernahm der Deutsche Verein vom Heiligen Lande die Schulträgerschaft. Zwar habe es schon zuvor schulische Strukturen gegeben, doch erst mit der Ankunft der Schwestern sei die Schule aus der Taufe gehoben worden, erzählt Schwester Gabriela.

Der Namensgeber der Schule stammt aus dem Erzbistum Paderborn

Als eigentliche Gründerinnen der Schule sieht sie die Borromäerinnen nicht. Weil die Schwestern aber lange als Lehrkräfte und von 1913 bis 1989 in der Schulleitung wirkten, hätten sie die Einrichtung wie eine ihrer eigenen Schulen behandelt.

Der Name der Schule geht auf Pater Friedrich Wilhelm Schmidt zurück. Der Priester und Ordensmann übernahm 1890 die administrative Leitung und prägte den weiteren Aufbau maßgeblich. Er stammte aus Fürstenberg im Kreis Paderborn.

Damals wie heute ist es der Auftrag der Schule, palästinensische Mädchen zu fördern. „Ende des 19. Jahrhunderts haben die wenigsten Mädchen lesen und schreiben gelernt. Meistens mussten sie früh arbeiten oder wurden verheiratet“, sagt Schwester Gabriela.

 

Das Ziel der Schule war es, Mädchen eine gute Bildung zu ermöglichen, damit sie einen Beruf erlernen und dadurch ein Stück Unabhängigkeit erlangen können.

Schwester Gabriela

Barmherzige Schwestern vom heiligen Karl Borromäus

Die Borromäerinnen sind eine katholische Ordensgemeinschaft, die 1652 im französischen Nancy entstand. Die Schwestern widmen sich vor allem der Kranken- und Altenpflege, der Bildung und Betreuung von Kindern und Jugendlichen sowie der Hilfe für Menschen in Not. Namensgeber und Schutzpatron ist der heilige Karl Borromäus.

Das Kloster Grafschaft in Schmallenberg im Sauerland ist das Mutterhaus der schlesischen Kongregation. Im Nahen Osten betreiben die Schwestern verschiedene Einrichtungen, darunter Krankenstationen, Altenheime, Kindergärten und Schulen, wie zum Beispiel zwei Deutsche Auslandsschulen in Alexandrien und Kairo.

Vom Klassenzimmer in den Kindergarten

Wegen rückläufiger Eintrittszahlen und der politischen Lage im Heiligen Land zogen sich die Borromäerinnen 1989 aus der direkten Mitarbeit an der Schmidt-Schule zurück. Seitdem betreiben sie neben dem Deutschen Hospiz St. Charles, einem Pilger- und Gästehaus, einen Kindergarten und eine Vorschule. Heute kooperieren die Erziehungseinrichtungen mit der Schmidt-Schule. Im Kindergarten lernen die Kinder erste Lieder und Wörter auf Deutsch. Das erleichtert ihnen den Einstieg in die Schule.

Schwester Maria Daniela Gabor, Oberin des Jerusalemer Konvents und Leiterin des Kindergartens, berichtet von gemeinsamen Projekten: „In der zehnten Klasse machen die Mädchen der Schmidt-Schule ein Praktikum bei uns im Kindergarten.“ Hinzu kommen eine Vorlesestunde, ein Sporttag sowie Bastel- und Musikprojekte. Schwester Gabriela freut sich, dass die Borromäerinnen durch den Kindergarten wieder Teil der Schmidt-Schule sind – wenn auch auf andere Weise.

Die Schmidt-Schule und Alumni bilden eine große Familie

Die dritte Verbindung zwischen der Schmidt-Schule und dem Erzbistum Paderborn ist der aktuelle Schulleiter Dr. Dietrich Bäumerr: Als gebürtiger Bielefelder fühlt er sich seinem Heimatbistum besonders verbunden und sieht Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz weiterhin als seinen Oberhirten an.

„Hier in Jerusalem sprechen wir von der ‚Schmidt-School-Family‘“, berichtet Bäumer. Wenn er in der Altstadt von seinem Beruf erzählt, hört er oft, dass schon die Mütter, Großmütter oder Urgroßmütter seiner Gesprächspartner die Schule besucht hätten. Die Schule sei in der Stadt für ihr hohes Bildungsniveau bekannt, sagt Bäumer. Auch die Borromäerinnen werden an ihrer Ordenskleidung als die „German Sisters“ von der Schmidt-Schule erkannt, erzählt Schwester Daniela. Heute trägt die Schule das Gütesiegel „Exzellente Deutsche Auslandsschule“.

Vier Sprachen und zwei Schulabschlüsse

An der Schmidt-Schule lernen nach Angaben Bäumers etwa 500 Schülerinnen. Ab der ersten Klasse stehen Deutsch, Englisch und Arabisch auf dem Stundenplan, ab der sechsten kommt Hebräisch hinzu. Nach zwölf Jahren können sie das Deutsche Abitur oder das Tawjihi ablegen, den landesüblichen Schulabschluss in Jordanien und Palästina. Wer sich für das Deutsche Abitur entscheidet, wird ab der sechsten Klasse mit Ausnahme der Fremdsprachen auf Deutsch unterrichtet. Auch im Tawjihi-Zweig bleibt Deutsch bis zum Abschluss verpflichtend.

Viele Absolventinnen des Deutschen Abiturs gehen zum Studium nach Deutschland, manche bleiben dort. Andere kehren nach ihrem Studium nach Jerusalem zurück, um Lehrerin an ihrer früheren Schule zu werden. Darauf ist Bäumer besonders stolz.

Deutsche Auslandsschulen weltweit

Weltweit gibt es nach Angaben der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA) 134 Deutsche Auslandsschulen. Die ZfA im Bundesamt für Auswärtige Angelegenheiten betreut und fördert sie.

Die Schulen arbeiten nach deutschen Bildungsstandards und bieten je nach Angebot deutsche, internationale oder landeseigene Abschlüsse an. Oft lernen dort Kinder und Jugendliche verschiedener Herkunft gemeinsam, erwerben Sprachkenntnisse und lernen andere Kulturen kennen.

Christlich geprägt, offen für andere Religionen

Muslimische und christliche Kinder lernen sowohl im Kindergarten als auch in der Schule selbstverständlich zusammen, berichten Schwester Daniela und Schulleiter Bäumer. Wobei die christlichen Kinder unterschiedlichen Kirchen angehören. Sie sind griechisch-katholisch, römisch-katholisch, orthodox, melkitisch und maronitisch. „Wir feiern Weihnachten genauso wie das Fest des Fastenbrechens“, sagt Bäumer. Auch die unterschiedlichen Ostertermine der verschiedenen Kirchenfließen in die Ferienplanung ein.

„Wer seine Kinder auf unsere Schule schickt, weiß, dass wir ein christlich-katholisches Profil haben“, erklärt der Schulleiter. Träger ist nach wie vor der Deutsche Verein vom Heiligen Lande mit Sitz in Köln. Entsprechend werden in der Schule regelmäßig katholische Gottesdienste gefeiert.

Doch der Träger ist nicht die einzige Institution, die Einfluss auf das Schulleben hat.

Durch die Fördergelder der ZfA ist die Schule auch dem deutschen Staat verpflichtet. Demokratische Werteerziehung gehöre untrennbar zur Schule, betont Bäumer. Zudem liegt sie im Zuständigkeitsbereich des israelischen Bildungsministeriums, das regelmäßig Inspektionen durchführt und ebenfalls finanzielle Mittel bereitstellt. Die unterschiedlichen Interessen könnten gelegentlich zu einem Tauziehen führen, sagt Bäumer. Bisher habe sich aber immer eine Lösung gefunden.

Lernen zwischen Krieg und Friedenshoffnung

Der Krieg und die politischen Spannungen im Nahen Osten prägen den Alltag beider Einrichtungen. Nach den Angriffen vom 7. Oktober 2023 und während des Zwölftagekriegs mit dem Iran 2025 mussten Schule und Kindergarten vorübergehend schließen. Der Schulunterricht fand zunächst nur noch online statt.

Bei Raketenangriffen müssen die Kinder innerhalb weniger Minuten in nahe gelegene Luftschutzkeller gebracht werden. „Gott sei Dank ist bei uns bisher noch niemand zu Schaden gekommen“, sagt Bäumer. „Wir hoffen und beten, dass es irgendwann wieder einen nachhaltigen Frieden gibt. Aber wir versuchen uns als Schule aus den politischen Verwerfungen rauszuhalten.“

Für den Schulleiter besteht die Aufgabe der Schule darin, eine ideologiefreie und gute Bildung zu vermitteln. Schwester Gabriela, die dem Schulvorstand angehört, sagt:

Ich hoffe, dass unsere Absolventinnen weiterhin demokratisch geprägt sind und in ihrem Land in ihrer Gesellschaft wichtige Funktionen übernehmen können. Sie können wegweisende Frauen für ihr Land werden.

Schwester Gabriela

Jubiläum mit Gästen aus dem Erzbistum Paderborn

Den 140. Geburtstag feiert die Schule derzeit mit einer Jubiläumswoche. Zu den eingeladenen Ehrengästen gehört Erzbischof Bentz, der regelmäßig im Heiligen Land zu Besuch ist. Dabei schaut er auch bei den Borromäerinnen und der Schmidt-Schule vorbei.

Auch Gäste aus dem Kirchenvorstand von Fürstenberg sind zum Jubiläum nach Jerusalem eingeladen. Den Kontakt knüpfte Bäumer beim diesjährigen Liborifest. Anschließend wurde er nach Fürstenberg eingeladen, um das Geburtshaus von Pater Wilhelm Schmidt und den Pater-Wilhelm-Schmidt-Weg zu besuchen. In einem Gottesdienst erzählte er von der Schule und lud nach Jerusalem ein. Für ihn ist der Besuch eine Gelegenheit, den Namensgeber der Schule zu ehren und die Freundschaft mit dem Erzbistum Paderborn sichtbar zu machen.

Für die Zukunft wünscht sich Bäumer vor allem Frieden. Seit dem 7. Oktober sei das Misstrauen zwischen Palästinensern und Israelis gewachsen. Die Schule wolle helfen, eine Brücke zwischen beiden Seiten zu bauen. Schwester Daniela sagt: „Ich wünsche mir, dass die Kooperation zwischen unseren Einrichtungen noch stärker wird, weil wir gemeinsam daran arbeiten, den Mädchen die christlichen Werte und ein respektvolles Miteinander zu vermitteln.“ In einer Sache sind sich alle einig: Hoffentlich wird es die Schule auch in 140 Jahren noch geben.

Ein Beitrag von:
Team Redaktion

Jasmin Lobert

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