Da ist die ältere Dame, die dabei hilft, die Schafe großzuziehen, sie mistet und versorgt. Da sind die beiden älteren Herren: Der eine, der jeden Morgen die Eier im Hühnerstall sammelt und an die Gemeinschaft verteilt. Und der andere, der eine intensive Schachpartnerschaft mit dem jungen Mann pflegt … „Das ist alles Hoffnung“, sagt Andrea Müller, Ideengeberin, Initiatorin und – zusammen mit ihrem Mann Theo – Inhaberin eines Mehrgenerationenhofes im kleinen Ort Radlinghausen unweit von Brilon im Sauerland.
Andrea Müller ist in Gelsenkirchen geboren. Schon als kleines Mädchen hatte sie den Wunsch, auf dem Land zu leben, auf einem Bauernhof, in einer Großfamilie. In einem Urlaub in Brilon lernte sie ihren Mann, einen Landwirt, kennen – und blieb. „Manche Dinge passen einfach im Leben. Oder werden gesteuert. Ich weiß es nicht“, sagt die heute 61-Jährige.
Einsamkeit kann im Alter eine Belastung sein
Der Anlass, einen Mehrgenerationenhof aufzubauen, war ein Krankenhausaufenthalt vor mehr als 20 Jahren. Andrea Müller lernte eine Seniorin kennen. Die beiden Frauen kamen ins Gespräch. Über Gott und die Welt und über die Einsamkeit im Alter. „Wir hatten in unserem Haus eine Wohnung frei und der Gedanke, darin eine Senioren-WG zu gründen, ließ mich nicht mehr los“, erzählt Andrea Müller. Aus dem Gedanken wurde ein Plan und schließlich gaben die Müllers eine Zeitungsanzeige auf. Schlicht gehalten, nur ein paar Sätze. Mehr als 40 Anfragen kamen zurück.