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© Irmtrud von Plettenberg / Dekanat Siegen
© Irmtrud von Plettenberg / Dekanat Siegen

Das Sterben gehört zum Leben wie die Hoffnung zur Trauer

„Sterbende und Trauernde begleiten, ein Werk der Barmherzigkeit, das ist uns allen ein Herzensanliegen", sagt Irmtrud von Plettenberg. Sie ist Sprecherin des Arbeitskreises für den Hoffnungsort im November: Siegen. Hoffnung prägt den Alltag der Trauerbegleiterin in jeder Sekunde.

Kurze Tage, graue Wolken, entlaubte Bäume. Der November macht es den Menschen nicht leicht. Allerheiligen und Allerseelen, Volkstrauertag. Auf dem Weg in die adventliche Besinnlichkeit gilt der November als Trauermonat, als Zeit der Einkehr und des Gedenkens. Aber nicht der Hoffnungslosigkeit. Ganz im Gegenteil, denn insbesondere das Christkönigsfest, das am Wochenende gefeiert wird, birgt ja die Hoffnung auf Ewigkeit.

Sonne scheint auch im November

Die Sonne scheint auch im November und in der christlichen Trauer steckt immer auch die Hoffnung. Darauf besteht Irmtrud von Plettenberg. Sie ist Gemeindereferentin und Sprecherin des Arbeitskreises, der sich darum kümmert, das Thema des Heiliges-Jahr-Ortes Siegen mit Inhalt zu füllen. Es lautet: „Hoffnung für Sterbende und Trauernde“.

Die Begleitung von Sterbenden, Trauer und Trost bestimmen von Plettenbergs Arbeit, denn sie ist Trauerbegleiterin. Und hier niemals ohne die Hoffnung unterwegs.

So vielfältig wie die Menschen, wie ihre Schicksale, so vielfältig sind die Angebote, die Irmtrud von Plettenberg und ihre Mitstreiterinnen und Mitstreiter des Arbeitskreises initiierten.

„Unser Ziel ist es, die Menschen niederschwellig zu erreichen. Einfache Angebote, ohne Hemmschwelle, ohne Berührungsängste. Die erreichen, die in ihrer Trauer allein sind. Und auch die, die sonst vielleicht keinen Fuß in eine Kirche setzen würden.“

Irmtrud von Plettenberg

Zum Arbeitskreis gehören außerdem Schwester Elisabeth Bäbler vom geistlichen Zentrum Eremitage Franziskus, Hospizseelsorgerin Schwester Lea Wolbring, Juliane Schneider als Leiterin des Marien-Hospizes, Antje Verbücheln von der Caritas-Tagespflege, Pastor Markus Püttmann vom „K3 – Kirche in der Stadt“ sowie Christoph Eich und Katharina Jung vom Beratungszentrum „Hörst Du mich?“.

Ein Inklusiver Martinsabend: „Ich bin traurig, du bist da“

„Ich bin traurig, du bist da.“ Zu einem inklusiven Martinsabend mit Referent Jochen Straub, Bistumsbeauftragter aus Limburg für die inklusive Seelsorge, lud der Arbeitskreis am Dienstag, 11. November, alle ein, „die um Trost betteln“. Für Menschen mit und ohne Behinderungen, Trauernde und Trost Stiftende. Mit Texten, Liedern, Klängen, Gesprächen.

„Wir haben die Menschen aufgerufen, ihre Sorgen mit uns zu teilen.“

Irmrud von Plettenberg

Die Trauerbegleiterin ergänzt: „Wir haben gezeigt, dass Trauer ein Gefühl ist. Genauso wie es andere Gefühle, schöne Gefühle gibt, gibt es auch die Trauer. Trauer kann wehtun, aber Trauer gehört zum Leben dazu.“ Und vor Trauer brauche man sich nicht fürchten: „Jeder darf trauern.“

Intensiv und erfüllend in der Gemeinschaft

Es sei ein intensiver und erfüllender Austausch gewesen. Die Menschen, darunter auch viele mit körperlicher oder geistiger Beeinträchtigung, erzählten von ihren Schicksalen, Gefühlen und Gedanken: „Wir haben unsere Sorgen miteinander geteilt.“

Eine Bustour - vier Stationen

Eine Bustour – vier Stationen

Auch das gehörte zum Angebot im Heiligen Jahr:  An einem Samstag Mitte November ging es per Linienbus von „Hörst du mich“ durch Siegen. „Wir sind zu den einzelnen Trauer- und gleichzeitig Hoffnungsorten gefahren, die so zu Erfahrungsorten werden“, erklärt von Plettenberg. Im Linienbus des Caritas-Beratungszentrums „Hörst du mich?“. gab es unterwegs Gesprächsimpulse, wie Kinder mit Sterben, Tod und Trauer umgehen.

Die erste Station führte zum „K3 – Katholische Kirche in der Stadt“. Pastor Markus Püttmann stellte die Arbeit des „K3“ vor. „Ich bin beeindruckt. Hier mitten in der Stadt findet sich eine Anlaufstelle für Gespräche, Vernetzung und ein berührender Ort der Stille“, beschrieb eine Teilnehmerin.

Trauer ist immer unterschiedlich und jeder hat seinen eigenen Zugang dazu.“

Irmtrud von Plettenberg

Der nächste Halt war die Kolumbariumskirche, wo jeder Trauernde seinen eigenen Zugang zu Trauer und eben auch Hoffnung erfahren konnte. Dies in der der Ausstellung „Tränenschwer und Hoffnungsleicht“ beispielsweise beim Weben eines Hoffnungsteppichs.  Hier gab es einen Imbiss, was ganz bewusst eingebaut wurde, denn vielen Trauernden vergeht  der Appetit. „Oh, auf dem Friedhof etwas essen?“, äußerte sich ein Teilnehmer eher ablehnend. Darauf konterte eine Mitarbeiterin: „Das hat etwas mit dem Himmel und dem Festmahl zu tun.“

Orte der "Bustour der Hoffnung"

Die „K3 – Katholische Kirche in der Stadt“ ist ein offener Ort in der Innenstadt, der für alle Menschen zugänglich ist, die mit Sorgen, Ängsten, Nöten oder auch Hoffnungen unterwegs sind. K3 steht für „Kontakt – Kultur – Kirche“.

Die Kolumbariumskirche am Stockweg ist ein Ort der Hoffnung und des Trostes. Unter dem Motto „Vom Dunkel zum Licht“ erleben Trauernde hier Unterstützung auf ihrem Weg. Die aktuelle Ausstellung „Tränenreich und Hoffnungsvoll“ lädt dazu ein, eigene Zugänge zu Trauer und Hoffnung zu entdecken.

Im Marien-Hospiz Louise von Marillac finden schwerstkranke und sterbende Menschen sowie ihre Angehörigen eine einfühlsame Begleitung in ihrer letzten Lebensphase. Ziel ist es, die Lebensqualität zu verbessern und das Wohlbefinden ganzheitlich zu fördern.

Das Geistliche Zentrum Eremitage Franziskus lädt Besucherinnen und Besucher dazu ein, Raum für Gebet, Begegnung und spirituelle Vertiefung zu finden. Mit gestalteten Gebetszeiten, Einzelgesprächen und spirituellen Angeboten bietet es Trost, Hoffnung und Zuversicht in herausfordernden Zeiten.

Die Auferstehung ist die Hoffnung auf ein "Mehr"

Abschluss war dort, wo die Bus-Tour auch startete: An der Eremitage. Sie bietet eine einzigartige Kombination aus Angeboten, die das Leben in verschiedenen Lebensphasen bereichern und unterstützen. Ein kleiner Gottesdienst, Zeit zum Gebet oder/und geistliches Zentrum sowie Hospiz  und Tagespflege besichtigen: Die Teilnehmenden hatten hier viele Möglichkeiten – und überall gab es schöne Klänge. Die Eremitage war durchdrungen von den Klängen der Generalprobe für das „Roquiem-Requiem“ – einem etwas anderen kirchenmusikalischem Event unter der Leitung von Dekanatskantorin Helga Lange, mit der Gruppe NGL (Neues Geistliches Lied) und der Band von Michael Häuser.  Und in der Tagespflege spielt Musik der Veeh-Harfen und mit dem Klavier eine große Rolle.

„Die liebevolle Einrichtung, das Ernstnehmen der einzelnen Wünsche hat mich sehr berührt,“ war ein Feedback. Eine Dame sagte: „Ich wohne im Nachbardorf und war oft hier in der Eremitage, aber jetzt verstehe ich mehr von dem, was hier passiert.“ Ein anderer Teilnehmer sagte: „Ich dachte das wird ein schwerer Tag, aber ich habe Menschen und Orte erlebt, die von Hoffnung getragen sind.“

Irmtrud von Plettenberg fasst die Erlebnisse der Tour zusammen: „Es war unser Anliegen, etwas gemeinsam zu unternehmen. Aus der Tour, aber gerade auch aus dem christlichen Glauben, ist eine Gemeinschaft und damit Hoffnung gewachsen.“

Es sei ein großer Pfund, dass der Glaube immer eine Perspektive habe. Auch und gerade in der Trauer und im Tod, sagt Irmtrud von Plettenberg. Sie erinnert sich an eine Bekannte, die von einer Trauerfeier und einem Trauerredner berichtete. Ihr habe die Perspektive hinter dem Tod gefehlt. Das, was Halt in der schweren Situation gibt.

„Die Auferstehung ist die Hoffnung auf ein ‚Mehr‘ und auf ein ‚Weiter‘.“ Sie ist überzeugt: Es ist diese Glaubenshoffnung, die durch das ganze christliche Leben und eben auch den manchmal so grauen November trägt.

Weitere Veranstaltungen

Weitere Hoffnungsveranstaltungen in Siegen im November:

  • Am Montag, 24. November, um 19.30 Uhr, wird wieder zum Heilsamen Singen in das Kolumbarium eingeladen.
  • Am Mittwoch, 26. November, um 18.30 Uhr, lädt das „K3“ zu einem Stationen-Gottesdienst in die Marienkirche, Oberstadt. Motto: „Der Hoffnung auf der Spur“

Siegen: Ort der Hoffnung im Monat November

Das Heilige Jahr 2025 steht unter dem Motto „Pilger der Hoffnung“. Und so vielfältig die Menschen sind, so vielfältig sind ihre Hoffnungen. Deshalb gibt es in diesem Jahr zwölf „Orte der Hoffnung“ im Erzbistum Paderborn. Jeder dieser Orte ist einem spezifischen Thema und einer Zielgruppe gewidmet, um die verschiedenen Facetten der Hoffnung unter den Menschen und im christlichen Glauben erlebbar zu machen. Im Monat November ist es der Ort Siegen mit dem Thema „Hoffnung für Sterbende und Trauernde“.

Erfahren Sie auf unserer Themenseite mehr über die Orte sowie die Themen und Zielgruppen, die ihnen zugeordnet sind.

© Foto: Besim Mazhiqi
© Foto: Besim Mazhiqi
Ein Beitrag von:
Freier Journalist

Alexander Lange

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