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© Caritasverband Minden
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Minden: Wo Wärme viel mehr bedeutet als ein warmes Essen

„Tat.Ort.Nikolaus“ lautet eine Aktion des Bonifatiuswerkes, mit der Botschaft, dass jeder Gutes tun kann. Auch die Wärmestube St. Nikolai Minden macht mit – in eigener Sache. Der Hoffnungsort im Monat Dezember kann jeden Euro Spende gebrauchen, um Wärme zu spenden. Körperlich wie seelisch.

Die Mindener Aktiven verteilten Nikoläuse des Bonifatiuswerkes in der Stadt und sammelten dabei Spenden für die Wärmestube. Wofür sie sind? Die Antwort ist schlicht und kommt prompt: „Damit die Türen der Wärmestube weiterhin geöffnet bleiben“, sagt Susanne Leimbach, Vorständin beim Caritasverband Minden, und gleichzeitig Geschäftsführerin beim Sozialdienst katholischer Frauen (SkF). „Jede Spende, ob groß oder klein, hilft uns, den Betrieb der Wärmestube St. Nikolai auch weiterhin sicherzustellen. Dass die Wärmestube im Heiligen Jahr zum Ort der Hoffnung für Menschen auf der Straße erklärt wurde, ist für uns zugleich Anerkennung und Auftrag“, pflichtet Yvonne Johann, Leiterin der Wärmestube, bei. Ebenso wie Susanne Leimbach verteilte und sammelte sie am ersten Advent fleißig mit.

Lebensmittel, Lohnkosten, Heizung, Gebäudereinigung – an so vielen Stellen sind für die Wärmestube St. Nikolai Gelder über die Betriebskosten hinaus nötig und schnell ausgegeben. Dompropst Roland Falkenhahn: „Die Wärmestube St. Nikolai ist im Heiligen Jahr 2025 unser Ort der Hoffnung. Mit jeder Spende geben wir Menschen auf der Straße ein Licht in der Adventszeit, denn ein Nikolaus kann mehr sein als Schokolade.“ Für die Verteil-Aktion in der Stadt gab es 400 hochwertige „Boni“-Schokoladennikoläuse vom Bonifatiuswerk. Das Erzbistum steuerte weitere 500 Nikoläuse dazu, die Mitarbeitenden aus der Gemeinde und von der Caritas verteilten. “So haben wir auf die Wärmestube aufmerksam gemacht“, sagt Susanne Leimbach. Sie hofft, dass die Aktion nachwirkt.

Nähe, Schicksale und Verluste

Die Mitarbeitenden der Wärmestube erleben tagtäglich, wie große Not auch in Minden vorhanden ist. Ihr Einsatz, dies zu lindern, ist immens. An sechs Tagen in der Woche, donnerstags bis dienstags, ist geöffnet, am 2. Weihnachtsfeiertag und am 1. Januar 2025 nicht, sonst immer. Um 13 Uhr wird warmes Essen ausgegeben, für den symbolischen Wert von einem Euro. „Außerdem können die Menschen hier duschen und ihre Wäsche wird gewaschen. Extrem wichtig sind aber die Zeiten vor und nach der Essensausgabe. Vor allem aber gibt es hier Herzenswärme“, betont Yvonne Johann, die als Leiterin der Wärmestube im September 2024 die stadtweit bekannte und als letzte Ordensschwester am Ort verbliebene Schwester Annette Stuff von den Schwestern der Christlichen Liebe ablöste. „Die meisten, die hierhin kommen, haben eine Wohnung“, sagt sie. Entscheidend sei aber das soziale Umfeld: „Mir hat mal jemand gesagt, es ist am Wochenende das einzige zugesprochene Wort, was er hier erhält.“

Viele Besucherinnen und Besucher suchen Austausch, nicht wenige auch einen warmen Raum, weil Strom oder Heizung in der eigenen Wohnung abgestellt sind. Und: Nicht alle Wohungslosen sind auch obdachlos. Manche – vor allem Frauen – betreiben „Sofa-Hopping“ und zahlen mitunter bei so genannten Freunden mit ihrem Körper für eine Übernachtung. Auch diese Frauen kommen in die Wärmestube.

Wir führen keine Bedürftigkeitsprüfung durch, sondern wer kommt, der ist bedürftig.

Susanne Leimbach

Wärmestube St. Nikolai: Darum braucht es Spenden

Finanzierung

„Wir haben einen Großspender verloren und darum 6000 Euro im Jahr weniger“, sagt Susanne Leimbach. Ein Blick auf die Förderung der Wärmestube zeigt, was das bedeutet und warum Spenden insgesamt wichtig sind: 5000 Euro gibt’s jährlich für Betriebskosten von der Stadt, rund 10.000 Euro über den Diözesancaritasverband vom Erzbistum Paderborn. Alles Weitere muss über Spenden finanziert werden.

Kontaktdaten

Caritasverband Minden e.V.
Wärmestube St. Nikolai
Königstr. 13
32423 Minden
Tel.: 0571828999
info@caritas-minden.de
www.caritas-minden.de

 

Spendenkonto

Caritasverband Minden e.V.
IBAN: DE59 3706 0193 1050 6660 06
Stichwort „Wärmestube“

25 Ehrenamtliche gehören mit zum Team der Wärmestube

Auch Erwerbstätige nutzen das Angebot. Es gilt eine einfache Regel, die je nach Situation am jeweiligen Tag variiert: „Die einen geben mehr, die anderen weniger.“ Bei ständig wachsenden Schulden auf der Strichliste gibt es statt eines warmen Essens auch mal nur ein Butterbrot. „Das muss sein! Aber hungrig und kalt lassen wir niemanden hier heraus gehen.“ Das Team, das aus einer Haupt- und ca. 25 Ehrenamtlichen besteht, verteilt Schlafsäcke, die gespendet oder aus Landesmitteln, der so genannten „Winterhilfe“, gekauft werden. „Die sind nie lange bei uns.“ Der Bedarf ist hoch. Auch wenn sich zwei weitere Organisationen in Minden kümmern und Übernachtungsmöglichkeiten organisieren wie z.B. der SkF Minden, der den alten Schwestern-Konvent für Frauen ohne Wohnung nutzen darf: Es schlafen immer noch Menschen auf der Straße. „Kürzlich erst hat ein Obdachloser direkt hier vor der Caritas-Geschäftsstelle übernachtet“, sagt Susanne Leimbach. Sofort wurde geholfen.

Die Arbeit in der Wärmestube berührt sehr – die Helfenden wie die Bedürftigen.  „Viele Menschen, die kommen, fühlen sich aufgehoben und sagen, wenn es euch nicht gäbe, gäbe es uns nicht mehr.“ Und immer wieder ist dann tatsächlich jemand nicht mehr da. „In diesem Jahr ist ein 30 Jahre alter Mann gestorben. Er ist draußen tot aufgefunden worden. Wahrscheinlich war es seine Drogensucht, an der er gestorben ist“, sagt Yvonne Johann. So etwas passiert immer wieder. „Das geht uns schon nah, das stecken wir nicht so weg. Und auch unsere Besucherinnen und Besucher  fragen nach. Denn so ein Dutzend von ihnen sind ganz regelmäßig hier. Wir sehen sie mal in gutem, mal in schwächer werdendem Zustand. Man merkt schon, dass dieses Leben nicht gesund ist.“ Es gibt aber auch Hoffnungszeichen. Ein junger Naturwissenschaftler, der nach einem Schicksalsschlag abstürzte, hat wieder eine Wohnung und gibt Nachhilfe. Viele hätten traumatische Erfahrungen. „Manche haben schon in der Elterngeneration Pech gehabt.“

Das Geben möglichst nicht mit einer Bedingung verknüpfen

Frage an Expertin Susanne Leimbach:

Momentan bummeln zu den Weihnachtsmärkten besonders viele Menschen durch die Innenstädte. Wenn jemand in der Fußgängerzone bettelt, kann es falsch sein, etwas zu geben?

Antwort Susanne Leimbach:
„Ich finde, nein! Wichtig ist für mich nur, dass man bedingungslos etwas einwerfen sollte und nicht verbunden mit einem Spruch wie zum Beispiel: „Aber bitte nicht für Alkohol ausgeben“. Das ist eine Art Bevormundung.  Wer das tut, muss damit rechnen, dass er die Antwort bekommt, er bekäme bei seiner Arbeit ja auch nicht gesagt, wofür er das Geld ausgeben solle. Für viele ist das ihre Arbeit. Ich selbst gebe mir manchmal Regeln, weil ich auch nicht einfach vorbeigeben kann, zum Beispiel, dass ich bei jedem Dritten etwas gebe, weil ich es einfach eingrenzen muss. Ja, und es kann auch sein, dass sie jemandem etwas geben, die oder der organisiert bettelt. Aber auch diejenigen sind bedürftig, das Geld kommt ja nicht bei ihnen an. Auch sie, die ich in Minden wie in den umherliegenden Städten schon bettelnd getroffen habe, kommen übrigens immer mal wieder in unsere Wärmestube.“

Patronatsfest St. Nikolaus am 6. Dezember: Tag für Begegnung und Unterstützung

Am kommenden Samstag feiert die Wärmestube St. Nikolai ihr Patronatsfest. Unternehmer und der italienische Feinkosthändler Stuppiello haben dafür persönlich Pizzateig geknetet und gespendet. Alles beginnt um 12.30 Uhr mit einem Wortgottesdienst in der St. Mauritiuskirche.

Gefeiert wird draußen wie drinnen. „Wir freuen uns schon sehr!“, sagt Susanne Leimbach. „Jeder kann gern vorbeikommen!“

Insgesamt ist jede Form von Unterstützung immer willkommen. Es sind schon Abgeordnete oder der Landrat zum Kochen und Helfen vorbeigekommen. Andere bringen Lebensmittel. Oder eben Schlafsäcke.

„Man kann auf vielfältige Art und Weise bei uns helfen“, sagen Yvonne Johann und Leimbach. Gutes tun kann so einfach sein – das ist auch das Leitmotiv von Tat.Ort.Nikolaus.

Ein Beitrag von:
Sonja Funke
Redakteurin

Sonja Funke

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