Am Samstag und Sonntag stand etwas im Altarraum der St.-Walburga-Kirche in Meschede, das die Menschen dort nicht so häufig zu Gesicht bekommen: ein kleiner Kasten aus Holz, schwarz lackiert und in Form eines Hauses. Auf dem Dach dieses kleinen Häuschens liegt ein modellierter und farbig gefasster Pfau.
Und dieser Pfau kann für viele schon ein eindeutiger Hinweis darauf sein, was hier verwahrt wird. Der Vogel ist nämlich das Symboltier des heiligen Liborius, einst Bischof von Le Mans in Frankreich, seit 836 Patron von Stadt und Bistum Paderborn. Und tatsächlich, bei dem kleinen Kasten in St. Walburga handelt es sich um ein Reliquiar, also ein Behältnis für Teile der sterblichen Überreste des heiligen Liborius.
Ein verordneter Heiliger
Das ist insofern bemerkenswert, da es im Sauerland früher praktisch keine Verehrung des heiligen Liborius gab. Denn das Sauerland gehörte jahrhundertelang zum Erzbistum Köln – noch heute ist man sich der kurkölnischen Vergangenheit hier sehr bewusst. 1821 kam das Sauerland dann aber zum Bistum Paderborn. Durch die päpstliche Bulle „De salute animarum“, einem Vertrag zwischen Papst und preußischem Staat, wurde das bis dato kleine ostwestfälische Bistum zur zweitgrößten Diözese des Landes. Das Sauerland, Teile des Ruhrgebiets, das Eichsfeld im heutigen Thüringen – all diese Gebiete hatten vorher keinerlei Bezug zu Paderborn gehabt. Da sollte der Bistumsheilige helfen.
Paderborn verordnete die Verehrung des Heiligen Liborius im ganzen Bistum. Er sollte als Identifikationsfigur die verschiedenen Regionen der Diözese einen. Das irritierte unter anderem im Sauerland: Hatte man dort doch jahrhundertelang die klassischen Kölner Heiligen Peter und Paul sowie die Heiligen Drei Könige verehrt. Und in Meschede natürlich die heilige Walburga. Da erschien Liborius so manchem als „aufgesetzt“. Pfarrer Michael Schmitt aus Meschede sagt: „So richtig funktioniert hat das also nicht.“ Bis heute spielt Walburga in Meschede eine größere Rolle als Liborius. Pfarrer Schmitt: „Meine eigene Verbindung zu Liborius habe ich, weil ich in Paderborn Priester geworden bin.“