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© Laura Binotto Fotografie / shutterstock.com
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Von Herzen: Pax et bonum!

Auch 800 Jahre nach seinem Tod ist das Friedensvermächtnis des heiligen Franziskus von Assisi hochaktuell. Ein Beitrag in der Reihe "800 Jahre Franz von Assisi - sein Vermächtnis für heute"

Vor 800 Jahren, am 3. Oktober 1226, starb der Heilige Franz von Assisi. Die katholische Kirche begeht dieses Datum weltweit mit einem Jubiläumsjahr (10. Januar 2026 bis 10. Januar 2027). Auch das Erzbistum Paderborn beteiligt sich daran: mit einem großen Franziskus-Fest am 12. September 2026 in Dortmund.  Für uns ist das Franziskus-Jubiläum ein Anlass, dem Heiligen auf dieser Seite eine Beitragsreihe zu widmen. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, wie Franziskus uns heute inspirieren kann: mit seinem Glauben, seinen Haltungen, seinem Tun.

Der nachfolgende Text erschien zuerst in der wirzeit (02/2026) , der Zeitung für Engagierte im Erzbistum Paderborn.

„Pax et bonum“ – das bedeutet „Frieden und Gutes“, oder auch „Frieden und Heil“.
Dieser Gruß ist eng mit dem heiligen Franziskus von Assisi verbunden. In diesem Jahr, 800 Jahre nach seinem Tod, wird vielerorts an ihn erinnert – auch im Erzbistum Paderborn mit einem großen Franziskusfest in Dortmund.

Doch warum berührt Franziskus Menschen bis heute? Vielleicht, weil seine klare Haltung und sein radikales Leben faszinieren – und inspirieren. Franziskus steht für Frieden, Gewaltlosigkeit und Nächstenliebe, ebenso für Einfachheit, Armut und Liebe zur Schöpfung. Der Gruß „Pax et Bonum“ bündelt all diese Haltungen.

Zur Wahrheit gehört dabei, dass Franziskus selbst zu Lebzeiten wohl den Gruß „Salus et Pax“, also „Heil und Frieden“ verwendet hat. Auch der Gruß „Friede diesem Haus“ spielt eine Rolle: In den Regeln des Franziskanerordens ist zu lesen, dass Franziskus seine Brüder angewiesen hat, diesen Gruß zu sprechen, sobald sie ein Haus betreten, in Anlehnung an die Weisung Jesu aus dem Lukasevangelium (Lk 10,5). „Pax et Bonum“ ist später entstanden, greift aber trotzdem das Vermächtnis des Heiligen auf.

Friedvoll, einfach und menschenfreundlich

Wer einander „Pax et bonum“ wünscht, drückt damit mehr aus als eine freundliche Begrüßung. Der Gruß signalisiert die Haltung, Menschen friedvoll, einfach und menschenfreundlich zu begegnen. Für Franziskus war dieser Frieden allerdings keine bloße Lebensphilosophie. Er verstand ihn als Frucht seiner Christusbeziehung. Sein ganzes Leben sollte sich am Evangelium orientieren und an Jesus, dessen Armut, Friedfertigkeit und Menschenliebe er nachahmen wollte.

Voraussetzung dafür ist für Franziskus allerdings, dass man mit sich selbst in Frieden lebt: „Wenn ihr mit dem Mund den Frieden verkündet, so versichert euch, ob ihr ihn auch, ja noch mehr, in eurem Herzen habt“, sagte er gemäß der Dreigefährtenlegende, einer legendenhaften Lebensbeschreibung des Heiligen aus dem 13. Jahrhundert. Das heißt: Der Wunsch nach Frieden wird nur glaubwürdig, wenn der Mensch ihn selbst im Herzen trägt.

Im franziskanischen Geist von „Pax et Bonum“ unterwegs zu sein, bedeutet allerdings nicht, Konflikten aus dem Weg zu gehen. So gibt es in der Regel des Franziskaner-Ordens zwar den Aufruf, nicht zu streiten oder über andere zu richten. Aber Franziskus verband dies mit dem Anspruch, aus dem Frieden im eigenen Herzen heraus dort versöhnend zu wirken, wo Menschen streiten oder gar Krieg führen. Sein Leben macht deutlich, dass es ihm nicht darum ging, Partei zu ergreifen oder dafür zu sorgen, dass eine Seite gewinnt. Sein Ziel war Verständigung und Versöhnung – ein Frieden, der mehr ist als eine kurze Waffenruhe.

Worte und Taten des Heiligen Franziskus

So findet sich in einer älteren Fassung der franziskanischen Ordensregel (nicht-bullierte Regel) eine Weisung, die heute, im Zeitalter von Hate-Speech und Shitstorms, höchst aktuell klingt: “Und wenn wir sehen oder hören, wie man Böses sagt oder tut oder Gott lästert, dann wollen wir Gutes sagen und Gutes tun und Gott loben, ‚der gepriesen ist in Ewigkeit‘“.

Berühmt geworden ist die Begegnung zwischen Franziskus und dem Sultan Melik al-Kamil im Heiligen Land zur Zeit der Kreuzzüge (1219). In einem religiös aufgeladenen Krieg begibt sich Franziskus unbewaffnet ins Lager des Feindes und spricht mit dem muslimischen Herrscher über den Glauben. Er begegnet ihm nicht als Feind, sondern als Gesprächspartner.

Sicherlich eine Legende, aber genauso berühmt, ist die Erzählung vom „Wolf von Gubbio“, enthalten in der Legendensammlung „Fioretti“ aus dem 14. Jahrhundert. Als ein gefährlicher, hungriger Wolf den kleinen Ort Gubbio terrorisiert, erwirkt Franziskus einen Friedensvertrag zwischen Ort und Wolf: Die Menschen füttern den Wolf, damit er nicht mehr Hunger leiden muss, und der Wolf lebt künftig friedlich unter ihnen. Eine Lösung, die vielleicht nahe gelegen hätte, den gefährlichen Wolf zu töten, ist für Franziskus keine Option. Er sieht nicht nur die Not der Menschen von Gubbio, sondern auch die Not von „Bruder Wolf“, wie er ihn in der Erzählung nennt.

Interessant ist auch, dass für Franziskus das Streben nach Frieden und die von ihm selbst gewählte Armut zusammenhängen. Besitz und Macht, so seine Erkenntnis, können auch dazu führen, Menschen gegeneinander aufzubringen.  Als der Bischof von Assisi ihn auf seine karge Lebensweise ansprach, sagte er: „Herr, wenn wir irgendwelche Besitztümer hätten, bräuchten wir Waffen zu unserem Schutz. Daraus entstehen Rechtsfragen und Streitereien, und in der Folge wird die Gottes- und Nächstenliebe gewöhnlich vielfach verhindert. Deshalb wollen wir in dieser Welt lieber nichts besitzen“ (Dreigefährtenlegende).

Franziskus nacheifern im Jubiläumsjahr

Franziskus nachzueifern in seinem Streben nach Frieden und Versöhnung, aus einem versöhnten, friedvollen Herzen heraus – vielleicht ist das ein lohnendes Ziel in einem Jahr, in dem man dem heiligen Franziskus in besonderer Weise gedenkt.

Das wäre sicher auch im Sinne von Papst Leo XIV., der immer wieder zum Frieden mahnt. Ende Mai, bei einem Rosenkranzgebet für den Frieden in den Vatikanischen Gärten, appellierte er, dass jeder seinen Teil zum Frieden beitragen kann und muss, „indem er mit kleinen, aber wichtigen Dingen beginnt und jegliche verbale oder körperliche Gewalt vermeidet, im Alltag und auch in den sozialen Medien“.  Und er fuhr fort: „Liebe Brüder und Schwestern, wahrer Friede beginnt in einem Herzen, das liebt; er wird bezeugt von Lippen, die Worte der Versöhnung sprechen; er spiegelt sich in Augen, die die Welt mit Güte und Weisheit betrachten. Das ist die wahre Kraft, die Kraft der Wahrheit und der Liebe.“

Der Gruß „Pax et bonum“ muss sich also gar nicht zuerst an die große Weltpolitik richten, auch wenn Menschen mit dem einzigartigen Charisma eines Franziskus von Assisi dort dringend gebraucht würden. „Pax et bonum“ beginnt im je eigenen Umfeld, dort, wo man lebt, arbeitet, sich engagiert. Es beginnt mit der Art, wie Menschen miteinander sprechen, wie sie über andere denken, wie sie streiten oder auch die Not des Gegenübers wahrnehmen.

Franz von Assisi weigerte sich, andere Menschen zuerst als Gegner wahrzunehmen, sein Frieden musste niemanden besiegen. In einer Zeit voller Lautstärke, Empörung und harter Fronten klingt das erstaunlich aktuell.

In diesem Sinne:
Pax et bonum.

Gelobt seist du, mein Herr, für jene, die verzeihen um deiner Liebe willen und Krankheit ertragen und Not. Selig, die ausharren in Frieden, denn du, Höchster, wirst sie einst krönen.

Aus dem Sonnengesang des Franziskus von Assisi
Ein Beitrag von:
© Besim Mazhiqi / Erzbistum Paderborn
Redaktion

Dr. Claudia Nieser

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