Worte und Taten des Heiligen Franziskus
So findet sich in einer älteren Fassung der franziskanischen Ordensregel (nicht-bullierte Regel) eine Weisung, die heute, im Zeitalter von Hate-Speech und Shitstorms, höchst aktuell klingt: “Und wenn wir sehen oder hören, wie man Böses sagt oder tut oder Gott lästert, dann wollen wir Gutes sagen und Gutes tun und Gott loben, ‚der gepriesen ist in Ewigkeit‘“.
Berühmt geworden ist die Begegnung zwischen Franziskus und dem Sultan Melik al-Kamil im Heiligen Land zur Zeit der Kreuzzüge (1219). In einem religiös aufgeladenen Krieg begibt sich Franziskus unbewaffnet ins Lager des Feindes und spricht mit dem muslimischen Herrscher über den Glauben. Er begegnet ihm nicht als Feind, sondern als Gesprächspartner.
Sicherlich eine Legende, aber genauso berühmt, ist die Erzählung vom „Wolf von Gubbio“, enthalten in der Legendensammlung „Fioretti“ aus dem 14. Jahrhundert. Als ein gefährlicher, hungriger Wolf den kleinen Ort Gubbio terrorisiert, erwirkt Franziskus einen Friedensvertrag zwischen Ort und Wolf: Die Menschen füttern den Wolf, damit er nicht mehr Hunger leiden muss, und der Wolf lebt künftig friedlich unter ihnen. Eine Lösung, die vielleicht nahe gelegen hätte, den gefährlichen Wolf zu töten, ist für Franziskus keine Option. Er sieht nicht nur die Not der Menschen von Gubbio, sondern auch die Not von „Bruder Wolf“, wie er ihn in der Erzählung nennt.
Interessant ist auch, dass für Franziskus das Streben nach Frieden und die von ihm selbst gewählte Armut zusammenhängen. Besitz und Macht, so seine Erkenntnis, können auch dazu führen, Menschen gegeneinander aufzubringen. Als der Bischof von Assisi ihn auf seine karge Lebensweise ansprach, sagte er: „Herr, wenn wir irgendwelche Besitztümer hätten, bräuchten wir Waffen zu unserem Schutz. Daraus entstehen Rechtsfragen und Streitereien, und in der Folge wird die Gottes- und Nächstenliebe gewöhnlich vielfach verhindert. Deshalb wollen wir in dieser Welt lieber nichts besitzen“ (Dreigefährtenlegende).