Den Mut hat Hannah Franzen von ihrer Mutter in die Wiege gelegt bekommen. Als hätte sie geahnt, dass ihre Tochter ihn noch brauchen würde. Heute, da sie als Trauerbegleiterin und Koordinatorin eines ambulanten Hospizdienstes Sterbenskranke und deren Angehörige stützt und auch Ehrenamtliche dazu ermutigt. Und auf ihrem Weg dorthin.
Als Hospizmitarbeiterin zeigte ihre Mutter ihr früh, dass der Tod zum Leben dazugehört. Schon als Sechsjährige nahm Hannah Abschied von der verstorbenen Nachbarin. Auch den ersten gravierenden Verlust, den Tod ihrer Oma, konnte sie gut verarbeiten. Damals studierte Hannah Soziale Arbeit und hatte sich in der Ausbildung zur ehrenamtlichen Sterbebegleitung intensiv mit der Endlichkeit auseinandergesetzt. Das letzte Essen, ein selbst gemachter Pfannkuchen der Enkelin, der letzte Satz, ein Tod mit Ankündigung – traurig, aber in guter Erinnerung bleibt die Großmutter präsent. Auch dank der Sicherheit, die Hannah Franzens Mutter aus ihrem Beruf mitbrachte.
Die tiefe Erschütterung kam vier Jahre später. Es war ein Donnerstagmorgen, Hannah Franzen war gerade auf der Arbeit, als ihre Mutter anrief. Sie sagte nichts Genaues, aber die Tochter ahnte es. Am Nachmittag im Krankenhaus erfuhr sie von der palliativen Diagnose der Mutter. Hannahs erste Gefühle: Ohnmacht, freier Fall und absolute Fassungslosigkeit. „Wir wissen, dass Mama an der Erkrankung sterben wird. Unklar ist: Wie viel Zeit wir noch gemeinsam haben.“
Schritt für Schritt übernahm die damals 24-Jährige in den nächsten Monaten die Aufgaben im ambulanten Hospizdienst St. Elisabeth Lennestadt, den die Mutter gegründet hatte, und des Netzwerkes Hospizarbeit Plettenberg.