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© enterlinedesign / Shutterstock.com
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Auch am Ende dem Licht folgen

Die zwei Koordinatorinnen des Ambulaten Hospizdienstes Tobit in Paderborn bringen im Gespräch ihre Arbeit abseits der großen Öffentlichkeit näher und verdeutlichen, wieso auch im Advent Angebote in der Sterbebegleitung wichtig sind.

Trotz langer Erfahrung im Krankenhausdienst ist es für Ulrike Heinzen anfangs „ein kleiner Kampf“, sich als dreifache Mutter auf eine Stelle im hospizlichen Bereich zu bewerben. Größer könnte der Unterschied nicht sein: Nach Feierabend kümmert sie sich um ihre Familie, erlebt die Freuden und Herausforderungen als Elternteil. Ihr jüngstes Kind ist damals erst drei Jahre alt, das Zeitmanagement erfordert viel Kraft. Tagsüber arbeitet Heinzen beständig daran, Menschen ein gutes Lebensende zu schenken – als Koordinatorin beim Ambulanten Hospizdienst Tobit. Gemeinsam mit ihrer Kollegin Helga Renneke, die seit einem Jahr den gleichen Dienst ausübt, spricht sie über die Besonderheiten des wenig bekannten Berufs.

Das Büro der beiden liegt im zweiten Stock eines modernen Gebäudes in der Paderborner Grünebaumstraße. Ein buntes Werbesegel weist Interessierten den Weg in einem ansonsten funktional wirkenden Flur. Das Büro ist recht klein, aber gemütlich eingerichtet. Wenig deutet auf das Tätigkeitsfeld der beiden Frauen hin: Sie sind Ansprechpartnerinnen bei allen Fragen rund um die hospizliche Betreuung von Menschen in der letzten Lebensphase.

Interessierte am ehrenamtlichen Hospizdienst können bald selbst mithelfen!

Am 16. Januar 2024 startet der neue Qualifizierungskurs: Er dauert ein halbes Jahr, findet an den Dienstagabenden und drei thematischen Wochenenden statt. Die Ausbildung umfasst die Inhalte der persönlichen Auseinandersetzung mit den Themen Tod und Sterben, dazu die verschiedensten Thematiken, die erforderlich sind, um anschließend in der Sterbebegleitung tätig zu sein. Sterbephasen spielen eine Rolle, medizinische und psychosoziale Aspekte sowie Formen der Kommunikation. Der kostenfreie Kurs beinhaltet zudem drei kurze Praktika im Krankenhaus, im Altenheim und der Ambulanten Palliativpflege. Interessierte melden sich bei den Koordinatorinnen von Tobit und können nach einem persönlichen Gespräch mit der Qualifizierung beginnen. (Tel.: 05251/16195-7370, eMail: Info@Hospizdienst-Tobit.de)

© Hananeko_Studio / Shutterstock.com
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In Würde sterben

Tobit wird 2011 initiiert und hat zwei paritätisch agierende Träger: Ulrike Heinzen vertritt das nahegelegene Brüderkrankenhaus St. Josef und fühlt sich ihrer Ausbildungsstätte verpflichtet, während Helga Renneke beim Caritasverband Paderborn angestellt ist. Beide verbindet, dass sie sich erst nach anderen Stationen in sozialen und pflegerischen Berufen für den Hospizdienst bewerben – und die große Dankbarkeit nunmehr in diesem Feld tätig sein zu dürfen. Die engagierte Frau schaut der Aufgabe sofort optimistisch entgegen, als sie für die Stelle ausgewählt wird. Ihre ehrenamtliche Tätigkeit im Begräbnisdienst hat sie darauf vorbereitet: „Da ich gewissermaßen in meinem gesamten Berufsleben mit Menschen zu tun hatte, die schwerstbetroffen waren, habe ich mich immer mit Tod und Sterben auseinandergesetzt.“

Als Koordinatorinnen regeln die beiden die organisatorischen Belange, die im Rahmen des Ambulanten Hospizdienstes aufkommen. Sie führen Erstgespräche mit Betroffenen und Zugehörigen, bilden neue Ehrenamtliche aus und kümmern sich um deren Einsatz. Grundlage hierfür ist der hospizliche Gedanke, den Renneke so beschreibt, „dass es aus der Gesellschaft heraus Menschen gibt, die sich für andere Menschen einsetzen und in der letzten Lebensphase begleiten – immer auf das Individuum bezogen. Es schafft die Möglichkeit, dass Menschen in Würde sterben können.“ Ihre Kollegin fügt hinzu: „Lebensqualität bis zum Lebensende. Es hilft, die letzte Phase des Lebens – das Sterben – als wertvoll zu sehen. In dieser existenziellen Auseinandersetzung sollten Menschen nicht allein gelassen werden.“

Den Tod mit Licht erfüllen

Obwohl oder gerade weil das Lebensende jeden Menschen eines Tages betrifft, kommen Fragen nach Tod und Sterben gesamtgesellschaftlich bestenfalls am Rande vor. Der Hospizdienst werde folglich nur dann wahrgenommen, „wenn es gerade akut ist. Und selbst dann passiert es meist relativ spät“, weiß Ulrike Heinzen. Was für Haupt- und Ehrenamtliche in diesem Dienst fast alltäglich sei, werde im Alltag meist ausgeblendet und verdrängt. Wenn doch über das Sterben gesprochen wird, geht es meist um die politische Diskussion der Sterbehilfe. Dabei werden Angebote zur Sterbebegleitung und die Möglichkeiten palliativer Pflege kaum mit einbezogen. Die beiden Koordinatorinnen von Tobit beschäftigt dies zwar, aber sie sind überraschend positiv gestimmt. Heinzen sieht in der Diskussion ein Potential: „Weil das Thema jetzt in der Gesellschaft ist, setzen sich vielleicht mehr damit auseinander, was am Lebensende sein könnte.“ Dies bedeute somit keineswegs, dass Sterbebegleitungen zukünftig als kategorischer Gegensatz zur Sterbehilfe auftreten müssen. Dennoch findet Renneke, es gehöre auch dazu, „eine klare Haltung zu entwickeln.“

Nun befinden wir uns im Advent – einer Zeit der hoffnungsvollen Erwartung auf ein freudiges Weihnachtsfest. Doch deshalb müssen Gedanken zu Tod und Sterben nicht beiseitegeschoben werden, findet Heinzen: „Nicht nur das Warten auf die Geburt Jesu bestimmt die Adventszeit, auch der Tod und die Auferstehung schwingen mit. Es ist nicht so, als erlebten wir diese Feste ganz neu. Das Sterben gehört genauso zum Advent wie die Erwartung des neuen Lebens.“ Und laut ihrer Kollegin könne durch den lichterfüllten Advent „auch Tod und Sterben mit Licht erfüllt oder zumindest begleitet werden.“ Diese Worte erinnern an die Heilige Lucia, die der Legende nach Nahrung an Christen verteilte, die sich in Katakomben verstecken mussten – eben jenen unterirdischen Gewölbekomplexen, die der Bestattung von Toten dienten. Um die Hände frei und tatkräftig zu halten, trug sie Kerzen auf dem Haupt und brachte Licht ins Dunkel.

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Jeden Menschen gleich behandeln

„Man sagt immer, im November sterben die meisten, aber das stimmt gar nicht unbedingt,“ meint Heinzen aus jahrelanger Praxis und verweist auf Sterbende an Weihnachten. „Es ist schon auffällig, wie viele Menschen um die Zeit herum gehen – und ein bisschen so, als wenn sie dem Licht folgen. Meine damalige Kollegin hat es immer so gesagt: ‚Sie folgen dem Weihnachtslicht.‘“

Der Glaube kann im Hospizdienst ein wichtiger Anker sein. Renneke ist sich dessen bewusst: „Wir sind immer bei Menschen, die sich mit dem Sterben auseinandersetzen. Da ist es schon so, dass der Glaube mich trägt, alles besser aushalten zu können.“ Auch ihre Kollegin sieht es ähnlich, schöpft aus der Hinwendung zu Gott eine starke Überzeugung. Sie verweist dabei zusätzlich auf das jüngst begangene Hochfest: „Erst kürzlich am Christkönigssonntag wurde aufgenommen, dass jeder Mensch Königssohn oder Königstochter ist und folglich die Königswürde hat, die uns geschenkt wurde. Damit ist klar, dass ich jeden Menschen gleichbehandle und Würde zuspreche, mit ihm oder ihr umgehe als ganz besondere, einmalige Person.“

Dies bedeutet auch, dass die beiden Ansprechpartnerinnen bei Tobit nicht selektiv sind, was die religiöse Herkunft betrifft. Im Gegenteil, christliche Nächstenliebe sei nur eine der Triebfedern, die im Ambulanten Hospizdienst vorkommen. Wer aus anderen Motiven heraus Mitmenschen den Leidensweg durch Begleitungen erleichtern möchte, sei ebenso herzlich willkommen. Deswegen wünschen sich die beiden, weitere Ehrenamtliche ausbilden zu können. Derzeit tun 46 Menschen den Dienst bei Tobit. Doch um den großen Bedarf weiterhin decken zu können, werden stets neue Interessierte gesucht. Wer in der feierlichen Zeit des Advents auch Gedanken an das Leiden anderer Menschen zulassen und in diesem Feld aktiv Gutes tun will, kann Anfang Januar am neuen Qualifizierungskurs teilnehmen.

Ein Beitrag von:
Social Media Redakteur

Daniel S. Ribeiro

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