Hannover (KNA) Erschöpft aufgrund von Dauerstress: Immer mehr Berufstätige fallen laut der Krankenkasse KKH wegen Burnouts aus. Auf 1.000 ihrer Versicherten kamen im vergangenen Jahr 107,3 Fehltag wegen eines diagnostizierten Burnout-Syndroms, wie die Krankenkasse am Samstag in Hannover mittei ...
Hannover (KNA) Erschöpft aufgrund von Dauerstress: Immer mehr Berufstätige fallen laut der Krankenkasse KKH wegen Burnouts aus. Auf 1.000 ihrer Versicherten kamen im vergangenen Jahr 107,3 Fehltag wegen eines diagnostizierten Burnout-Syndroms, wie die Krankenkasse am Samstag in Hannover mitteilte. Das sind 33 Prozent mehr als fünf Jahre zuvor (80,7 Tage). Die KKH geht aber von einer höheren Dunkelziffer aus, da Burnout nach wie vor nicht als eigenständige Erkrankung gelte und diese oft unter anderen Diagnosecodes erfasst werde.
Auch die Zahl der Krankheitsfälle ist den Angaben zufolge seit 2019 gestiegen: um 46 Prozent von 2,9 auf 4,2 Krankschreibungen pro 1.000 Berufstätige. Im vergangenen Jahr war ein Arbeitnehmer oder eine Arbeitnehmerin im Schnitt 25,7 Tage wegen eines Burnout-Syndroms krankgeschrieben.
Laut KKH belegt auch eine von ihr in Auftrag gegebene Forsa-Umfrage unter rund 1.360 Erwerbstätigen die zunehmende stressbedingte Belastung im Job. Demnach gab gut die Hälfte (55 Prozent) an, sich erschöpft oder ausgebrannt zu fühlen. 27 Prozent berichten, unter Druck schon einmal niedergedrückt oder sogar depressiv gewesen zu sein. 97 Prozent der Berufstätigen fühlen sich zumindest gelegentlich in ihrem Alltag oder Job hohen Anspannungen und Belastungen ausgesetzt. Jede/r zweite Erwerbstätige gab an, der Stress habe in den vergangenen ein bis zwei Jahren zugenommen (52 Prozent). Eine der Hauptursachen sind hohe Ansprüche an sich selbst (49 Prozent).
Die Kasse rief dazu auf, Warnsignale für einen Burnout wie Schlafstörungen, Erschöpfung, ständige Gereiztheit, Konzentrationsprobleme und häufige Fehler ernst zu nehmen. Besonders tückisch sei der "stille Burnout", der sich unauffällig und schleichend entwickle: Betroffene versuchten, die Fassade eines leistungsstarken und erfüllten Menschen aufrechtzuerhalten. So glitten sie langsam und unbemerkt in einen schweren Burnout, bis das sprichwörtliche Fass überlaufe und sie dann scheinbar plötzlich körperlich und mental zusammenbrechen.
"Ein klassischer Burnout betrifft häufig Workaholics mit einem Hang zum Perfektionismus, die ihre Grenzen überschreiten und sämtliche Warnsignale ignorieren", erklärte KKH-Arbeitspsychologin Antje Judick. "Von einem stillen Burnout sind hingegen eher besonders hilfsbereite Menschen betroffen, die ihre eigenen Bedürfnisse vernachlässigen und sich schließlich überfordert und auch ausgenutzt fühlen."