Frankfurt (KNA) Asta Olivia Nordenhof (38), preisgekrönte dänische Schriftstellerin, bezeichnet den Teufel als reizvoll. Man wisse bei dieser Figur nie, woran man sei, sagte sie der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". "Er kann in den unterschiedlichsten Verkleidungen auftreten, immer wieder and ...
Frankfurt (KNA) Asta Olivia Nordenhof (38), preisgekrönte dänische Schriftstellerin, bezeichnet den Teufel als reizvoll. Man wisse bei dieser Figur nie, woran man sei, sagte sie der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". "Er kann in den unterschiedlichsten Verkleidungen auftreten, immer wieder anders aussehen." Die US-Philosophin Silvia Federici habe ihn als Gestalt beschrieben, die in Gesellschaften immer dann auftauche, wenn eine tiefgreifender Wandel bevorstehe. Das finde sie schlüssig, so Nordenhof.
Der Teufel sei "ein Monster, aber ein äußerst ambivalentes. Meistens zwingt er einen nicht zu irgendwelchen Taten, sondern verführt lediglich dazu. Darin sehe ich eine nahezu perfekte Metapher für den Kapitalismus." Im neuesten Band ihrer "Scandinavian Star"-Romanreihe, dem zweiten von sieben, gehe es um die Faszination für den Teufel, erklärte die Schriftstellerin. "Das Teufelsbuch" ist soeben auf Deutsch erschienen.
Den Menschen werde heute ständig vermittelt, dass sie im Wettbewerb miteinander stünden, sagte Nordenhof weiter. "Wir lernen, einander als Feinde zu betrachten, im Glauben, dass es nicht genug für alle gäbe und nicht alle von uns dieselben Ziele erreichen können." Sie glaube jedoch an eine Gesellschaft, in der Liebe und Solidarität einen größeren Stellenwert haben: "Ohne unsere Bereitschaft, füreinander zu sorgen, für Kranke, Junge und Alte da zu sein, würde nichts funktionieren."
In der Romanreihe geht es um den Brand, der 1990 auf der Passagierfähre "Scandinavian Star" ausbrach. 159 Menschen starben. Die Brandursache ist bis heute ungeklärt; spekuliert wird über Brandstiftung und Versicherungsbetrug.
Sie habe vor dem Problem gestanden, dass die Menschen ohnehin "pausenlos mit Katastrophen bombardiert" würden und nicht mehr wüssten, wie sie darauf reagieren sollten, erklärte die Autorin. "So entstand die Idee, ein reales Ereignis zu nehmen und es in einen Mythos zu verwandeln, sodass es nicht mehr realistisch, sondern fremdartig wirkt." Die Literatur könne Menschen dabei helfen, sich als Wesen zu begreifen, "die tatsächlich in der Lage sind, Dinge zu verändern."