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© FootToo / Shutterstock
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Franziskus im Heute: Brauchen wir Friedensgesänge?

Im Gespräch mit einem Franziskus-Interessierten wird deutlich: Die Friedensbotschaft des Heiligen Franz von Assisi lädt dazu ein, Konflikten kreativ zu begegnen. Ein Impuls.

Der Bischof und der Bürgermeister von Assisi liegen heftig im Streit. Wie reagiert Franziskus? Er setzt er auf ein Lied. Und er trifft beide ins Herz. So erzählt es die nach Franziskus‘ Tod entstandenen Legendensammlung Fioretti.

Klaus Braunger ist Theologe und als Lehrer in Paderborn tätig. Franziskus fasziniert ihn seit jeher. Er bezeichnet sich selbst als „Franziskus-Interessierten“. Zu dessen Leben und Taten hat er auch Zeichnungen erstellt. Zur Erzählung rund um den Streit zwischen Bischof und Bürgermeister sagt er: „Franziskus bildet eigens einen Chor und lässt seine Brüder den Sonnengesang singen. Er fügt eine Strophe hinzu, die ausdrücklich auf Versöhnung zwischen dem Bischof und dem Podestà, dem Bürgermeister, zielt.“

In der Friedensstrophe des Sonnengesangs heißt es in der Übersetzung auf der Website der Franziskaner:

„Gelobt seist du, mein Herr,
durch jene, die verzeihen um deiner Liebe willen
und Krankheit ertragen und Drangsal.
Selig jene, die solches ertragen in Frieden,
denn von dir, Höchster, werden sie gekrönt.“

Andere Fassungen sind noch konkreter: „Selig sind, die verzeihen, um deiner Liebe willen; sie werden von dir, Höchster, gekrönt werden.“

Die Aussagen, das fügt Klaus Braunger hinzu, erinnern auch sehr stark an die Bergpredigt in der Bibel. Was nicht verwundert, ist doch auch die so genannte Regula non bullata, die nicht päpstlich bullierte (d.h. bestätigte) Ordensregel des Franziskus, gespickt mit Bibelstellen. Im Evangelium holte sich der Heilige seine Inspirationen.

Warum Klaus Braunger bis heute von der Einstellung des Heiligen Franziskus fasziniert ist

Klaus Braunger hat in Tübingen, Rom und Münster Theologie studiert und sein Lizentiat in Spiritualität an der PTH Münster absolviert. Er arbeitet seit 18 Jahren als Berufsschullehrer für Deutsch/Kommunikation und Religion am Richard von Weizsäcker-Berufskolleg im Erzbistum Paderborn.

Warum er sich so für Franziskus interessiert? „Das ist eigentlich schon früh entstanden bei Franziskusfesten im Kloster Sießen und Reute in Baden Württemberg. Denn ich komme aus Oberschwaben. Mich hat immer fasziniert, bis heute, dass er etwas übrig hatte für jeden Menschen.Es war ihm egal, wen er vor sich hatte. Er wusste: Dieser Mensch ist von Gott geliebt und in jedem Menschen entdeckte er ja immer wieder neu für sich Christus. Das war für mich immer Christentum praktisch. Und die Dankbarkeit gegenüber jeder Kreatur und der gesamten Schöpfung.“

Er selbst habe in einem „langen Prozess gelernt, dass es im Christentum um das Tun des Guten im Alltag gehe und durch das Exemplum. „Dass das Lebensbeispiel überzeugt und weniger viel gesprochene Worte.“

Im Jubiläumsjahr 800 Jahre Franziskus von Assisi (1182-1226) kam sein Buch „Die Bibel und Franziskus im Spiegel der franziskanischen Quellen“ heraus. Es diente als Grundlage für ein Seminar „Franziskus und die Bibel“ an der Kapuzinerhochschule Münster, wo er 2003-2004 einen Lehrauftrag für Theologie der Spiritualität inne hatte.

Geschwisterlicher Umgang als Kernpunkt

Hinter seinem kreativen Umgang mit Konflikten steht Franziskus’ geschwisterlicher Blick auf die Welt. „Entscheidend ist, wie Franziskus sein Verhältnis zu Natur, Gott und Menschen gesehen hat“, erklärt Braunger. Eine eigene Friedensethik habe Franziskus nicht entwickelt. Sein Verhalten ergebe sich vielmehr aus seiner Beziehung zu Gott.

Wer ein gutes Verhältnis zu Gott haben wolle, dem könne nicht egal sein, was um ihn herum geschehe. Braunger bringt diesen Gedanken so auf den Punkt: „Wenn ich aus der Liebe heraus lebe, dann brauche ich die anderen Regeln nicht, dann ist alles andere logische Folge!“

Auch in Franziskus’ eigenem Leben erkennt Braunger diesen Zusammenhang. Er erinnert an dessen ursprünglichen Wunsch, als Ritter in den Krieg zu ziehen. Und an die Frage, die sein Wirken prägte, nachdem laut Legende Christus vom Kreuz in der kleinen Kirche San Damiano zu ihm sprach: „Wem willst du dienen, dem Herrn oder dem Knecht?“ Franziskus wollte nicht dem Knecht, sondern dem Herrn folgen, also Gott.  Das heißt: keine Gewalt.

Diese Haltung zeigt sich in seinem Umgang mit Aussätzigen und klingt auch in den Erzählungen über seine Begegnungen mit  Sultan al-Malik al-Kāmil und dem Wolf von Gubbio an. Auf alle ging er zu, suchte den Dialog, errang friedliche Lösungen. Auch seine Brüder sollten das Evangelium und Brüderlichkeit leben. Auf einfachste Weise.

Für die Beschreibung des Heiligen wird ja gerne das Beispiel von dem bunten Glasfenster genommen, durch das die Liebe Gottes am meisten durchscheint. Es ist zwar eindrücklich, doch trifft es nicht ganz das, was Franziskus meint, da man bei jedem Menschen das Besondere Gottes sehen und erleben kann. Eigentlich nur logisch, wenn  man sich klar macht, dass alle Menschen Gottes Kinder sind.

 

Klaus Braunger

Franziskus: Wer aus der Liebe lebt, braucht keine anderen Regeln

Und wie ist es mit der Kirche? „Franziskus hat versucht, mit der Kirche ein gutes Verhältnis zu bekommen, indem er zum Papst ging, um seine Regel bestätigen zu lassen“, sagt Braunger. „Die bullierte Regel ist nicht nur ein Gesetzeswerk, sondern auch ein geistliches Dokument, ja eine Mahnrede des Heiligen an seine Brüder, damit sie dem Leben nach dem Evangelium, das sie fest versprochen haben, treu bleiben“, schreiben die Franziskaner auf ihrer Homepage. „Die Regel ist bis heute die spirituelle Grundlage für uns Franziskaner.“

Klaus Braunger erinnert an die Bibel. „Wie sind denn letztlich die zehn Gebote entstanden? Aus dem Liebesgebot folgte das, was die Israeliten von Mose verlangt haben. Sie wollten Leitplanken.“ Solche, die sie nicht unbedingt gebraucht hätten. Davon ist Klaus Braunger überzeigt. Er argumentiert: „Wenn ich aus der Liebe heraus lebe, dann ist alles andere logische Folge!“

Was Friedensgesänge heute anstoßen können

Was bedeutet das für heute? „Zunächst einen respektvollen und einfühlsamen Umgang miteinander. Von Mensch zu Mensch, mit der Natur, mit den Tieren. Das würde uns schon viel weiterbringen.“ Doch auch Franziskus’ kreativer Umgang mit dem Streit in Assisi bietet für Braunger einen Anknüpfungspunkt: „Was Franziskus gemacht hat, könnte man heute sicher wieder versuchen… Man könnte ähnliche Lieder singen, um so durch sanfte Art ohne Gewalt ein Statement zu setzen.“

Braunger zieht eine Parallele zur Friedensbewegung, zu den Ostermärschen und zu dem Gospel „We shall overcome“ („Wir werden es überwinden.“), der  als Hymne der US-amerikanischen Bürgerrechtsbewegung bekannt wurde. Für Klaus Braunger verbindet sich damit ein ähnlicher Gedanke: mit Liedern ein Zeichen setzen, auf sanfte Art und ohne Gewalt. Die Episode aus den Fioretti ist für ihn quasi eine Vorform für diese Hymne.

Warum nicht Franziskus miteinbeziehen, wenn wir heute nach Wegen zur Versöhnung suchen,  seine Lieder  und die Haltung dahinter? Einen Versuch wäre es wert!

Serie „800 Jahre Franz von Assisi – sein Vermächtnis für heute“

Vor 800 Jahren, am 4. Oktober 1226, starb der Heilige Franz von Assisi. Die katholische Kirche begeht dieses Datum weltweit mit einem Jubiläumsjahr (10. Januar 2026 bis 10. Januar 2027). Für uns ist das Franziskus-Jubiläum ein Anlass, dem Heiligen auf dieser Seite eine Beitragsreihe zu widmen. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, wie Franziskus uns heute inspirieren kann: mit seinem Glauben, seinen Haltungen, seinem Tun.

Serie "800 Jahre Franziskus - sein Vermächtnis für heute"

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Ein Beitrag von:
Sonja Funke
Redakteurin

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