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© Besim Mazhiqi / Erzbistum Paderborn
© Besim Mazhiqi / Erzbistum Paderborn

Eine katholische Art, Medizin zu leben?

Erzbischof Bentz besucht beim Amtssitzwechsel Kinderklinik, pflegende Ordensschwestern und Klinikseelsorge im Marien Hospital Witten

229 Gramm. So viel wog das bisher leichteste Frühchen, um das sich Dr. Bahman Gharavi, Chefarzt der Kinder- und Jugendklinik im katholischen Marien Hospital in Witten und sein Team gesorgt haben.

16 Wochen zu früh kam das Kind. Es folgten Monate intensivmedizinischer Betreuung. Jahre der Nachsorge. In diesem Sommer wurde das Kind eingeschult und besuchte das Team des Marien Hospitals, um Danke zu sagen.

Diese Geschichte bleibt Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz besonders im Gedächtnis, nachdem er am Freitagmittag bei seinem Amtssitzwechsel in den Westen des Erzbistums das Marien Hospital besucht hat.

„Katholische Kliniken sind ein starker Faktor, gerade im Ruhrgebiet“, sagt der Erzbischof. „Da will ich lernen, was es heißt, heute als Kirche an diesen herausgeforderten Orten Präsenz zu zeigen und Chancen wahrzunehmen – wo es vielleicht gar nicht mehr so selbstverständlich ist, dass wir da sind.“

„Wenn das Herz nicht dabei wäre…“

Drei Bereiche des Marienhospitals schaut sich der Erzbischof genauer an. Den Anfang macht die Kinderklinik. Gut 3000 Kinder kommen hier jedes Jahr zur Welt. Damit gehört die Klinik zu den geburtenstärksten in Nordrhein-Westfalen.

Wenn es gut läuft, fahren Mutter und Kind wenige Tage nach der Geburt nach Hause. Wenn es komplizierter ist, kommen Dr. Gharavi und sein Team ins Spiel.

Er sagt: „Wir verbringen sehr viele Stunden zum Teil an einem einzigen Kind, dementsprechend geht es uns sehr nah, wenn es etwas gut oder schlecht läuft. Wir freuen uns unglaublich, wenn uns Kinder nach zwei oder drei Jahren besuchen und es ihnen gut geht. Genauso leiden wir andersherum mit. Wenn das Herz nicht dabei wäre, wäre es sinnlos.“ 

Erzbischof Bentz erkennt darin eine katholische Art, Medizin zu leisten und zu leben: „In jedem Moment die ganze Würde des Menschen zu sehen und ganzheitlich alles daran zu setzen, dass das Leben der Menschen gut wird.“

 

Pflegen und Anliegen mit ins Gebet nehmen

Was ist noch katholisch an einem katholischen Klinikum? In Witten ist ein Teil der Antwort offensichtlich: Ordensschwestern, die in der Pflege arbeiten. Acht indische Schwestern aus zwei Konventen arbeiten hier. Auf sieben Stationen sind sie für die Menschen da und in ihrer Ordenskleidung präsent.

Erzbischof Bentz trifft die Schwestern zum Mittagessen und dankt ihnen für den Dienst. Er sagt: „Vielen Dank für Ihre Art, Zeugnis zu geben. Sie zeigen, was für ein Haus das sein kann und sein soll. Sie bringen im Pflegealltag ganz sichtbar und alltäglich Gott, die Kirche und den Glauben ins Spiel.“

Und das auf zwei Weisen. Einerseits als gelebte Nächstenliebe, wenn die Schwestern helfen. In der Pflege arbeiten. Genauso, wie die Kolleginnen und Kollegen das tun.

Andererseits auch, indem sie den Patientinnen und Patienten und Familien versichern: Wir beten für euch. „Das ist nochmal eine ganz besondere Art und Weise der Zuwendung in einem katholischen Krankenhaus“, sagt Bentz.

Klinikseelsorge als das gewisse Etwas

Einen weiteren Schwerpunkt lernt der Erzbischof dann nach dem Mittagessen kennen: die Seelsorge in den Kliniken der St. Elisabeth Gruppe, wozu das Marien Hospital in Witten gehört. Hartwig Trinn leitet das Team von vier Seelsorgenden für die über 15 Häuser der Gruppe.

Nach Erfahrung der Seelsorgenden sind die wenigsten der Patientinnen und Patienten religiös. Doch viele könnten jemanden gebrauchen, mit dem sie sprechen können. Der unvoreingenommen auf einen zukommt. Zuhört.

© Besim Mazhiqi / Erzbistum Paderborn

„Oft haben die Mitarbeitenden ein Auge dafür, wem Seelsorge guttun könnte“, sagt Trinn. Auch die Gesprächsthemen wirken auf den ersten Blick oft nicht religiös. „Oft geht es um Trauer, Verlust oder Trennung“, sagt Trinn.

Und doch mache es einen Unterschied, wenn die Seelsorgenden als Christen, als religiöse Menschen, für die Menschen in Zeiten der Unsicherheit da sind. Trinn sagt: „Seelsorge ist in unseren Häusern das gewisse Etwas.“

Ein Beitrag von:
Portraitbild
Redakteur

Tobias Schulte

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