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© Besim Mazhiqi / Erzbistum Paderborn
© Besim Mazhiqi / Erzbistum Paderborn

Endlich wieder Libori!

Der Liborischrein ist eines der wertvollsten Schatzstücke des Paderborner Domes – wer ist abgebildet und wer fehlt?

Gleißend und glänzend steht er da. So hell strahlt das Blattgold in der Julisonne, dass es dem Auge schwerfällt, Details zu erkennen. Man müsste schon sehr nahe hingehen, viel näher, als es die Pietät erlaubt, um alle Einzelheiten des Liborischreins in sich aufnehmen zu können. Und trotzdem ist es ganz einfach, den Schrein kennenzulernen. Dazu muss man sich nur auf die Erzählungen eines Kundigen verlassen.

Solch ein Kundiger ist Domvikar und Offizial Hans Jürgen Rade. Seit 20 Jahren hat er einen Sitz im Chorgestühl des Paderborner Domes, kennt den Schrein aus nächster Nähe. Und als Kenner von Zeit-, Kirchen- und Kunstgeschichte weiß er das Gesehene zu deuten und einzuordnen.

Der heutige Schrein ist fast 400 Jahre alt, wurde in der frühen Barockzeit gefertigt. Dass von 1625 bis 1627 ein neuer Schrein angefertigt werden musste, hat mit dem Dreißigjährigen Krieg zu tun. 1622 besetzten die protestantischen Truppen des Herzogs Christian von Braunschweig (1599–1626) das Hochstift und die Stadt Paderborn. Der „tolle Christian“ („toll“ im Sinne von irrsinnig, wild oder giftig, wie heute noch in tollkühn, Tollwut oder Tollkirsche) ließ die Reliquien des heiligen Liborius entführen. Damit nicht genug: Den mittelalterlichen Liborius-Schrein wie das geraubte Kirchensilber ließ der Herzog einschmelzen, um daraus sogenannte Pfaffenfeindtaler zu prägen.

1627 kehrten die Reliquien des heiligen Liborius zurück nach Paderborn. „Das Ereignis jährt sich 2027 zum 400. Mal und wird entsprechend groß gefeiert“, kündigt Offizial Rade an. Im Jahr der Rückkehr war auch schon der neue Liborischrein des Dringenberger Goldschmieds Hans Krako fertiggestellt. In die Feierlichkeiten zu Libori einbezogen wurde der neue Reliquienschrein aber erstmals 1628, also im Jahr darauf.

Vom verlorenen Original zum barocken Schrein

Wie der im Dreißigjährigen Krieg zerstörte mittelalterliche Reliquienschrein ausgesehen hat, liegt im Dunkel der Geschichte. Es gibt weder eine Abbildung noch eine Beschreibung. Gesichert ist nur, dass er zu Zeiten des Bischofs Imad Mitte des 11. Jahrhunderts entstanden war und unerhörte 24 Mark Silber gekostet hatte. Unbekannt ist weiterhin, ob der Reliquienschrein aus der Imad-Zeit ebenfalls einen Vorläufer hatte. Eventuell wurden die Gebeine des heiligen Liborius im Jahr 836 in einem Schrein aus Le Mans nach Paderborn überführt, womöglich waren die Reliquien nur in eine Lade gebettet.

Vom barocken Schrein lassen sich nur bedingt Rückschlüsse auf den mittelalterlichen Vorläufer ziehen. „Der Goldschmied Hans Krako hat den 1622 untergegangenen Schrein sicherlich gekannt und von diesem die Grundform als Haus mit Satteldach übernommen“, erklärt Offizial Hans Jürgen Rade. „Auch Apostelstatuetten gab es wohl bereits am mittelalterlichen Schrein.“ Andere Darstellungen sind Zutaten aus der Barockzeit und gehen auf das Stifterehepaar zurück, den in Dringenberg residierenden Landdrost Wilhelm von Westphalen und seine Ehefrau Elisabeth von Loe. Sie ließen am Schrein nicht nur 32 Ahnenwappen anbringen, sondern auch Figurinen des heiligen Maternus und des heiligen Laurentius. „Das hat mit der Lebensgeschichte des Stifters Wilhelm von Westphalen zu tun“, klärt Offizial Rade die Hintergründe auf. „Maternus ist der Stadtpatron von Köln, wo Wilhelm von Westphalen im Laurentianum zur Schule gegangen war.“

Interessant ist aber nicht nur, wer auf dem Schrein abgebildet ist, sondern auch, wer dort durch Abwesenheit glänzt. Dies weiß Offizial Rade ebenfalls: „Es fehlt der heilige Martin, mit dem der heilige Liborius eng befreundet war. Auch der heilige Meinolf, der die Reliquien aus Le Mans nach Paderborn überführte, ist nicht verewigt worden. Und es fehlen die beiden Stifter des Bistums Paderborn, Karl der Große und Papst Leo III.“

Liborischrein im Paderborner Dom

Hier finden Sie weitere Informationen zu diesem Ort.

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