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© Jasmin Lobert / Erzbistum Paderborn
© Jasmin Lobert / Erzbistum Paderborn

Wo Hoffnung Wurzeln schlägt

Das Bonifatiuswerk setzte mit der Veranstaltung „Mut zur Hoffnung“ einen besonderen Impuls auf dem Libori-Fest. Prominente Gäste wie Steffi Neu und Stefan Gödde berichteten von Ihren Hoffnungsmomenten.

Als sie sich von ihrem Arbeitskollegen und engen Freund Olaf im Hospiz verabschieden musste, fehlten ihr die Worte, erzählt Journalistin und WDR-Radio-Moderatorin Steffi Neu bei der Libori-Veranstaltung „Mut zur Hoffnung!“ des Bonifatiuswerkes der deutschen Katholiken in der Marktkirche in Paderborn. Mit Olaf hatte sie das Konzept für „Steffis Kneipenquiz“ entwickelt und die ersten Touren organisiert. Doch mit der Diagnose Neuroblastom, einer bösartigen Krebserkrankung, war klar, dass Olaf nicht mehr viel Zeit bleiben würde. „Sein größter Wunsch war es, so lange wie möglich Bühnenpräsenz zu zeigen“, erzählte Neu. „Denn was ihm Hoffnung gab, war das Leben zu lieben.“

Olaf starb 2019. Der Abschied von ihm löste in Neu etwas aus: „Ich wollte lernen Worte zu finden, die nicht banal und voller Betroffenheit sind, sondern, die echt sind und in irgendeiner Form Mut machen.“

Abschied, Glaube und die Suche nach echten Worten

So entstand das Podcast-Projekt „Steffis Mutmacher“, in dem die Journalistin mit Menschen über außergewöhnliche Lebensgeschichten sprach: über Neuanfänge nach Schicksalsschlägen ebenso wie über mutige berufliche oder private Wendepunkte.

In ihrem Buch „Meine Mutmacher“ hielt sie die zehn bewegendsten Gespräche aus der Podcast-Reihe fest. Darin geht es unter anderem um Alkoholismus, Depressionen und Demenz – und immer wieder um die Frage, wie Hoffnung auch in schwierigen Lebenssituationen tragen kann: Wie lassen sich Schicksalsschläge oder Krisen überwinden? Was hilft dabei? Und was können andere Menschen aus diesen Geschichten für ihr eigenes Leben mitnehmen?

„Humor hilft, Szenarien des Schreckens zu begegnen“

Durch die Begleitung Olafs habe sie die Angst vor dem Tod verloren, sagte Neu, „weil der Tod nun mal zum Leben dazu gehört.“ Eine große Unterstützung sei dabei ihr Glaube gewesen. „Der Glaube hilft, Wege zu gehen, die unvermeidlich sind.“

Oft helfe ihr auch Humor. Ein tröstlicher Gedanke sei für sie die Frage: „Auf wen kann ich mich freuen, wenn ich sterbe?“ So stelle sie sich ihren verstorbenen Vater und ihren Schwiegervater im Himmel beim Frühschoppen vor – so lange sie wollten, ohne ausgeschimpft zu werden. „Humor hilft, Szenarien des Schreckens zu begegnen.“

Neu dankt Gott jeden Tag dafür, dass sie einen Beruf ausüben kann, den sie liebt. Ihr Talent versteht sie als Gabe. Solche wichtigen Themen in die Öffentlichkeit tragen zu können, sei für sie ein Geschenk. Denn Schicksalsschläge und Krankheiten könnten alle treffen, „aber das Wichtige ist doch, dass es auch Hilfe gibt“.

Auf wen kann ich mich freuen, wenn ich sterbe?

WDR-Radio-Moderatorin Steffi Neu

Hoffnung nach beruflichen Brüchen

Auch den drei weiteren Gästen des Abends entlockte der Generalsekretär des Bonifatiuswerkes, Monsignore Georg Austen, persönliche Geschichten und Impulse. So berichtete Michael Herberger, Musiker, Produzent, Mitbegründer der „Söhne Mannheims“ und Leiter der Popakademie Baden-Württemberg, von Brüchen in seiner Biografie.

„Als ich 2018 die Söhne Mannheims verließ, musste ich erstmal herausfinden, wie es für mich weitergeht“, erzählte er. Mit knapp 50 Jahren sei das eine Herausforderung gewesen. „Ich bin jeden Tag früh aufgestanden und habe viel gebetet und in der Bibel gelesen.“ Auf diese Weise habe er die Krise überwunden und neue berufliche Wege eingeschlagen.

Beten sei für den evangelischen Christen auch heute noch ein „No-Brainer“ – eine Entscheidung, die er nicht bewusst treffen müsse, weil sie für ihn selbstverständlich sei. „Ich esse nicht ohne Gebet, ich gehe nicht in eine solche Veranstaltung ohne Gebet“, sagte er. Jesus Christus sei für sein Leben zentral. Herberger ist überzeugt: „Wenn wir das Evangelium unter die Leute bringen, dann kommt die Hoffnung von allein.“

Menschen begegnen, statt sie nur zu erreichen

Samuel Rösch, Gewinner von „The Voice of Germany“ 2018, begleitete den Abend musikalisch und berichtete von seinen Erfahrungen als bekennender Christ in der Musikbranche.

„Manchmal ist es schwer, seinen Glauben als Popmusiker zu leben, weil Vorurteile auf mich projiziert werden.“ Trotzdem versuche er, auch hinter der Bühne seine Beziehung zu Jesus Christus zu leben. „Ich will Menschen nicht erreichen, sondern ich will ihnen begegnen.“ In der persönlichen Begegnung und mit seiner Musik möchte Rösch den Menschen Mut und Hoffnung schenken.

Ich will Menschen nicht erreichen, sondern ich will ihnen begegnen.

Musiker Samuel Rösch
Aufnahme einer vollen Kirche. Im Altarraum ist eine Bühne ausgebaut. © Jasmin Lobert / Erzbistum Paderborn
Alle 600 Plätze waren ausgebucht. Über einen Livestream von Domradio.de schauten weitere Interessierte zu.

„Niemand hat so viel gebetet wie meine Oma“

Für Fernsehmoderator Stefan Gödde war der Besuch in Paderborn ein Heimspiel. Während seine Mutter, seine Tante und seine Cousine im Publikum saßen, sprach der gebürtige Paderborner über seine Familie, seinen Glauben und die Erfahrungen, die er bei seinen Fernsehdrehs für die Wissenssendung „Galileo“ sammelt.

„Niemand hat so viel gebetet wie meine Oma“, sagte er und lachte. Als sie in seiner Kindheit den Engel des Herrn mit ihm und seinem Bruder beten wollte, sei sie erschüttert gewesen, dass die beiden das Gebet nicht kannten. „Keine Sorge, liebe Oma – jetzt kann ich den Engel des Herrn beten – sogar auf Latein“, verriet er dem Publikum.

In der Heimat und im Glauben verwurzelt

Die Wurzeln in seiner Heimat und in seinem Glauben seien für ihn von unschätzbarem Wert. „Wenn man mit 30 Jahren mit der Endlichkeit konfrontiert wird, macht das etwas mit einem“, sagte Gödde. Er bezog sich damit auf einen Riss in der Halsschlagader, der bei ihm zu plötzlichem Sehverlust, Sprachstörungen und einer Lähmung der rechten Körperhälfte geführt hatte.

In einer solchen Situation stelle man sich unweigerlich die Sinnfrage, erklärte der Moderator. Seitdem hätten das Gebet und die heilige Messe für ihn noch stärker an Bedeutung gewonnen. „Ein Wochenende ist für mich kein Wochenende, ohne den Besuch der heiligen Messe.“

Ein Wochenende ist für mich kein Wochenende, ohne den Besuch der heiligen Messe.

Fernsehmoderator Stefan Gödde

Kleine Momente der Freiheit

Prägend seien für ihn auch die vielen Reisen, die er für „Galileo“ unternehmen dürfe. Eine davon führte ihn nach Nordkorea. „An einem Abend ohne Aufpasser trafen wir auf eine Gruppe Einheimischer, die in ihrem Hinterhof zu Musik und Kerzenschein tanzten.“ Eigentlich sei eine solche Situation undenkbar und für die Beteiligten äußerst gefährlich gewesen. Doch ihm sei in diesem Augenblick bewusst geworden, dass sich Menschen selbst in repressiven Systemen kleine Momente der Freiheit bewahrten.

Auch darin lag eine der Hoffnungsbotschaften des Abends: Selbst dort, wo Freiheit kaum möglich scheint, finden Menschen Wege, um Menschlichkeit, Gemeinschaft und Lebensfreude zu bewahren.

Glaube geht unter die Haut

Zum Abschluss des Gesprächs berichtete Gödde von seinen privaten Reisen nach Jerusalem und Rom. Über beide Städte hat er jeweils einen Reiseführer geschrieben. Besonders eindrucksvoll schilderte er die Erfahrung, sich über Nacht in der Grabeskirche einschließen zu lassen, um dort zu beten. „Ich habe das jetzt siebenmal gemacht und bin jedes Mal wieder neu beeindruckt und berührt.“

Als Pilgerandenken ließ er sich das Jerusalem-Kreuz auf den Oberarm tätowieren. Mittlerweile zieren auch der italienische Satz „Confido in te“ – „Ich vertraue auf dich“ – und die Silhouette Roms seinen Arm. An einer anderen Stelle trägt er einen Emmaus-Spruch auf Englisch. In Planung seien außerdem das Dreihasenfenster und die Silhouette von Rüthen.

Damit trägt Gödde einige seiner persönlichen Hoffnungszeichen auf der Haut: Erinnerungen an Orte, Gebete und die Zusage, auch auf schwierigen Wegen vertrauen zu können.

Zwei ältere Männer in Anzug und Kollarhemd stehen Schulter und Schulter und lachen ins Publikum © Hartmut Salzmann
Ob Erzbischof Bentz und Monsignore Austen bald ein Tattoo haben werden?

Hoffnung wächst dort, wo Menschen einander zuhören

Bevor Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz die Veranstaltung mit einem Segen beendete, griff er das Thema mit einem Augenzwinkern auf und witzelte mit Monsignore Austen: „Wenn du dir ein Tattoo des Bonifatiuswerkes auf den Arm stechen lässt, dann mache ich mit.“

Ob das Bonifatiuswerk-Logo tatsächlich bald unter die Haut geht, bleibt abzuwarten. Die Botschaft des Abends hingegen war unmissverständlich: Hoffnung wächst dort, wo Menschen einander zuhören, ihre Erfahrungen teilen und sich gegenseitig Mut machen.

Ein Beitrag von:
Team Redaktion

Jasmin Lobert

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