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© Isabella Maria Struck / Erzbistum Paderborn
© Isabella Maria Struck / Erzbistum Paderborn

Mittendrin in Einheit

Libori-Abschlussgottesdienst im Paderborner Dom: Mehr als 500 Mitglieder aus 14 Gemeinden anderer Muttersprachen und katholischen Ostkirchen feiern Vielfalt der Weltkirche

Libori 2026 ist vorüber. Neun Tage der Begegnung und der gemeinsamen Feier des Glaubens liegen hinter uns. Libori hat uns über Kulturen hinweg geeint: Das Leitwort “mittendrin” trug uns durch die diesjährige Festwoche. Zahlreiche Gottesdienste brachten Menschen unterschiedlicher Lebenswelten zusammen – darunter Frauen, Familien, Ordensleute, das Landvolk, Schausteller, junge Menschen, ehrenamtlich Engagierte und hauptamtliche Einsatzkräfte, Menschen mit und ohne Behinderung – sie alle waren “mittendrin” und haben gemeinsam Libori gelebt. Den feierlichen Abschluss bildete der Internationale Gottesdienst der Gemeinden anderer Muttersprachen und katholischer Ostkirchen am zweiten Liborisonntag.
Gesänge, Gebete und Lesungen in verschiedenen Muttersprachen, sowie kulturübergreifende liturgische Traditionen verdeutlichten: Der katholische Glaube ist vielfältig und zugleich geprägt von der Einheit im gemeinsamen Glauben an Jesus Christus.

© Isabella Maria Struck / Erzbistum Paderborn
Die Verkündigung des Evangeliums folgte auf eine feierliche Evangeliumsprozession mit Weihrauchspende der Syro-Malabarisch katholischen Gemeinde.

Mehr als 18 Prozent der katholischen Menschen im Erzbistum Paderborn sprechen eine andere Muttersprache als Deutsch. In den “Gemeinden anderer Muttersprachen und katholischen Ostkirchen” feiern sie den Gottesdienst in ihrer Muttersprache, begehen gemeinsam Gemeindeaktivitäten, zelebrieren althergebrachte Traditionen und leben ihre Glaubensidentität als Teil des Erzbistums Paderborn. Am abschließenden Liborisonntag haben sie im Paderborner Dom gemeinsam Gottesdienst gefeiert und ihre Vielfalt zusammengetragen. So erklungen Lieder unter anderem in polnischer, italienischer und englischer Sprache. Die Lesungen erfolgten ebenfalls auf Polnisch sowie auf Ukrainisch. Die Verkündigung des Evangeliums folgte auf eine feierliche Evangeliumsprozession mit Weihrauchspende der Syro-Malabarisch katholischen Gemeinde. Der Gabenbereitung ging eine Prozession der afrikanischen Gemeinschaften mit Tanz und Gesang voraus. Nach der Kommunion drückte die tamilische Gemeinde Freude, Dank und Lobpreis durch einen traditionellen Tanz aus. Ein besonderer Moment der Vielfalt offenbarte sich im Vater-Unser-Gebet, das die Bischofskirche zeitgleich in verschiedenen Muttersprachen erfüllte.

Das ist ‘Mittendrin’

Die vielfältigen Elemente, die im internationalen Gottesdienst zusammengetragen wurden, bedeuteten nicht, dass verschiedene Arten des Glaubens gefeiert würden, sondern vielmehr “der eine Glaube an Jesus Christus”, bekräftigte Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz zu Beginn seiner Predigt: “Das ist Libori. Das ist Welt-Kirche. Das ist ‘Mittendrin’. Mittendrin bedeutet: Keiner, keine, ist hier nur Gast am Rand. Ihr alle gehört in die Mitte unserer Kirche. Eure Sprachen, eure Lieder, eure Gebete, eure Riten, eure Lebensgeschichten und eure Erfahrungen gehören in die Mitte unseres Erzbistums Paderborn”, unterstrich der Erzbischof und ergänzte: “Ihr seid ein lebendiger Teil dessen, was unsere Kirche ist. Und unser Erzbistum wird dadurch reicher, schöner, bunter, tiefer, weiter, interessanter.” Jede Gemeinschaft, so Erzbischof Dr. Bentz, bringe ihr Eigenes ein. Gerade dadurch entstehe ein gemeinsames Ganzes, betonte er die Bedeutung der Einheit der katholischen Weltkirche.

Vertrauen in der Fremde

Erzbischof Dr. Bentz knüpfte an die Lesung aus dem Buch Jesaja an, die auf Polnisch gehalten wurde, und schlug eine Brücke zur Lebensgeschichte vieler Gläubiger mit internationalen Wurzeln. Wie die biblische Botschaft vom Freudenboten, der Frieden und Hoffnung verkündet, erzählten auch ihre Lebenswege von Aufbruch, Ankommen und dem Vertrauen darauf, dass Gott Menschen auf ihren Wegen begleitet. Diese Botschaft werde nicht allein mit Worten verkündet: „Sie wird sichtbar, wenn Menschen einander aufnehmen, einander zuhören und füreinander da sind. Sie wird sichtbar, wenn jemand in einer fremden Stadt wie Paderborn, Dortmund oder Bielefeld eine Gemeinde findet, in der die vertraute Sprache gesprochen und der Glaube in vertrauter Weise gefeiert wird. Sie wird sichtbar, wenn aus Fremden Schwestern und Brüder werden“, erklärte Dr. Bentz und dankte allen, die sich in den Gemeinden anderer Muttersprachen engagierten.

Die Mitte, die uns verbindet

Ebenso bedeutungsvoll sei die zweite Lesung des Gottesdienstes über Christus als „König der Könige und Herr der Herren“, vorgetragen auf Ukrainisch. „Sie sagt etwas Entscheidendes: Jesus Christus ist der Herr aller Herren“, erinnerte der Erzbischof und erklärte weiter: „Nicht unsere Herkunft, nicht unsere Nation, nicht unsere Sprache und auch nicht unsere kirchliche Tradition stehen im Mittelpunkt. In der Mitte steht Christus. Er allein. Das ist entscheidend.“ Vielfalt allein schaffe noch keine Einheit, mahnte Erzbischof Dr. Bentz. Einheit entstehe, wo wir uns gemeinsam auf Christus ausrichteten: „Er ist die Mitte, die uns verbindet, ohne uns gleichzumachen. Niemand muss das Eigene ablegen, um dazuzugehören.“

Vielfalt könne jedoch auch anstrengend sein, stelle der Erzbischof fest: „Sie kostet Mühe, wenn man nicht unvermittelt nebeneinanderher leben will. Vielfalt in Einheit bedeutet nicht: Lässt du mich in Ruhe, lasse ich dich in Ruhe. Ein wirkliches Miteinander entsteht nicht von selbst. Es braucht Begegnung. Es braucht Neugier aufeinander.“ Es brauche die Bereitschaft, nicht nur nebeneinander Gottesdienst zu feiern, sondern miteinander Kirche zu sein, betonte Erzbischof Dr. Bentz. Dazu gehöre es, voneinander zu lernen und Verantwortung zu teilen, ergänzte der Erzbischof mit Blick auf die Veränderungen, die das Erzbistum Paderborn aktuell durchläuft.

Gemeinsamer Auftrag

Das Lukasevangelium vom Streit der Jünger über ihren Rang hat uns durch die Liboriwoche hindurch begleitet. Es erinnert uns daran, dass wahre Größe im Dienst am Nächsten liegt, nicht im eigenen Ansehen. „Auch das gehört zum ‚Mittendrin‘. In der Mitte der Kirche steht nicht der Anspruch, wichtiger zu sein als andere“, mahnte Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz in Anknüpfung an das Evangelium an und betonte die Grundvollzüge von Kirche, darunter den Dienst am Nächsten, die Verkündigung und die Tradition der Liturgie, die unser aller Auftrag seien. „In der Mitte steht der Dienst. Die Frage lautet nicht: Wer setzt sich durch? Sondern: Wer hilft dir, deinen Platz zu finden? Nicht: Welche Sprache ist wichtiger? Sondern: Wie können wir uns besser verstehen? Nicht: Welche Tradition ist die richtige? Sondern: Wie können unsere verschiedenen Traditionen gemeinsam Christus bezeugen und dadurch weiter und tiefer werden?“, führte der Erzbischof aus. Jesus selbst sei als Dienender mittendrin unter den Menschen. Er gehe zu ihnen, teile ihr Leben und höre ihre Fragen.

Der Glaube überschreitet Grenzen

Auch der heilige Liborius verbinde seit Jahrhunderten Menschen, Orte und Kulturen: „Seine Freundschaft mit dem heiligen Martin von Tours und die Partnerschaft zwischen Paderborn und Le Mans erinnern uns: Der Glaube überschreitet Grenzen“, bekräftigte der Erzbischof und ermutigte: „So kann Libori für uns heute ein Auftrag sein: Gehen wir aufeinander zu. Lernen wir die Namen, die Geschichten und die Hoffnungen der anderen kennen. Teilen wir unsere Gaben. Lassen wir uns von den Liedern, Gebeten und Glaubenserfahrungen der anderen berühren.“

Am Ende des feierlichen Pontifikalamtes zeigte sich Konrad Haase, verantwortlich für die Muttersprachlichen Gemeinden und Geistlichen Gemeinschaften im Erzbischöflichen Generalvikariat, sichtlich bewegt und dankte den Mitwirkenden für die gelungene Feier. Neben den Lektorinnen und Lektoren, den Messdienerinnen und Messdienern und den Gemeinden, die verschiedene Riten darboten, würdigte er ebenso die vielfältigen musikalischen Beiträge.
Dem Gottesdienst folgte ein gemeinsamer Austausch auf dem Schulhof der Grundschule St. Michael. Hier trafen die Mitglieder der verschiedenen Gemeinden aufeinander und verbrachten einen Nachmittag der Begegnung und des Austauschs bei Snacks, Getränken und ukrainischer Musik.

– Bildergalerie folgt –

 

Ein Beitrag von:
Referentin Team Presse

Isabella Maria Struck

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