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Erzbistum Paderborn
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Wir sind alle Gottsucher

Auf eine Kaffeelänge mit Pater Norbert Cuypers, der in einer Einsiedelei im Sauerland lebt
© Ronald Pfaff/Erzbistum Paderborn
Unser Glaube
08. November 2021
Altenhof

Wir sind alle Gottsucher

Auf eine Kaffeelänge mit Pater Norbert Cuypers, der in einer Einsiedelei im Sauerland lebt

Innerhalb unserer Reihe „Auf eine Kaffeelänge mit …“ treffen wir uns regelmäßig mit einer Person aus dem Erzbistum Paderborn. Einzige Vorgabe der Zusammenkunft: Das Treffen endet, sobald die Kaffeetasse geleert ist. Diesmal haben wir uns mit Pater Norbert Cuypers SVD, der in einer Einsiedelei im Sauerland lebt, getroffen.

Ihr Grundriss umfasst etwa 30 Quadratmeter. Über eine schmale Diele gelangt man in einen Raum mit Küche und Esstisch. Eine Stiege führt hinauf unter das Spitzdach mit Schlaf- und Meditationsraum. Sie ist ein richtiges kleines Tinyhaus, die Klause auf der Dörnschlade, dem mehr als sechshundert Jahre alten Wallfahrtsort in der Gemeinde Wenden am südlichen Zipfel des Sauerlandes. Gelegen auf einem waldreichen Bergrücken in 500 Metern Höhe, eine knappe halbe Stunde Fußweg vom nächsten Dorf entfernt. „Früher habe ich unter Millionen von Menschen gelebt, jetzt unter Millionen von Bäumen“, sagt Pater Norbert Cuypers, der vor nunmehr einem Jahr eingezogen ist, um ein Dasein als Eremit zu führen. Direkt aus dem pulsierenden bunten Berlin kam der Steyler Missionar an diesen Ort. Er hat weder Fernsehen noch Radio. Und auch kein Auto. Aber WLAN hat der Pater, weil er morgens zum Frühstück Podcasts hört. Solche, die von Glauben und Spiritualität handeln. Im größeren weiten Kontext, wie er erklärt. Um den Horizont zu erweitern.

Das Menschsein nicht aus dem Blick verlieren

Horizont ist ein gutes Stichwort. Denn der Grund, warum es Norbert Cuypers in die Stille zieht, ist die Suche nach einem tieferen Verständnis in seiner Beziehung zu Gott, nach seinem inneren Horizont, um im Hören nach innen wesentlicher zu leben. „Ich staune manchmal selbst, wie ich ringen muss, das Eigentliche nicht aus dem Blick zu verlieren und zu hüten, das Menschsein. Im Grunde spürt doch jeder von uns, dass es noch mehr gibt, als das was wir unmittelbar vor der Nase haben. Wir alle sind Sucher. Gottsucher, Wahrheitssucher“, sagt Cuypers und erzählt von den Wüstenvätern, den ersten Aussteigern der Geschichte. Von Antonius, Benedikt, Franziskus. Denen das dekadente Leben zu laut war, die lieber in Höhlen wohnten, um ihre Gedanken auf Gott zu richten.

Die Stille hüten

So ist die Dörnschlade nun irgendwie Cuypers` Höhle. Hier hat er Raum gefunden für sich und die Stille. Deren Hüter er sein möchte und die ihm Kraft gibt, ihn nährt. Bei allen Zweifeln, die er hat, ob er sich den Luxus überhaupt leisten kann. Als Angehöriger eines aktiven Ordens. Wird er an anderer Stelle nicht dringender gebraucht? „Ich drehe mich nicht um mich, sondern kreise um Gott. Das trägt Früchte für die Leute, die hier anklopfen.“

Den Morgen verbringt Cuypers mit Schweigemeditation, mit Tagebuch schreiben, mit Hören und Lesen von spirituellen Beiträgen, Artikeln, Büchern. Bis zum Mittag. Dann erledigt er den Haushalt. Kocht, putzt, wäscht, bügelt, kauft ein. Und schaut nach der Kapelle. Sorgt für die Kerzen und dafür, dass alles in Ordnung ist. Hält Andacht und Gottesdienst. Und hat immer seine Tür geöffnet. „Da ist ein Riesenhunger nach einem Ansprechpartner. Wenn die Menschen mich suchen, bin ich da“, sagt Cuypers. „Das ist die Urzelle von Seelsorge und die Zukunft von Kirche. Präsent sein, vor Ort sein.“

Lust machen, Sucher zu sein

Im Nachhinein, in der Reflexion, so Cuypers, sei die Sehnsucht nach der Stille schon immer in ihm gewesen. Wenn anfangs auch nur als kleines Korn, das in den letzten Jahren richtig gesprossen sei. Eremit, das werde man nicht einfach so. Das könne man nur in der zweiten Lebenshälfte. Dann, wenn man die erste schon gelebt habe. Egal, ob Orden oder nicht – in der man lerne, baue und forme, voller Energie und Tatendrang sei und  glaube, die Welt retten zu können. Das sei gut und das sei richtig. „Die Dinge, die wir am Lebensende am meisten bereuen, sind doch die, die wir nicht getan haben.“

Genau so hat Cuypers sein Leben geformt und gebaut. Vor 37 Jahren trat er den Steyler Missionaren bei. Da war er 20. Seine erste Mission führte ihn in den Südpazifik. Nach Papua-Neuguinea. Es folgten Stationen in Österreich, in den Niederlanden und schließlich in Deutschland. Er war Gemeindebetreuer, Studentenseelsorger, Exerzitien- und Novizenmeister, Spiritual im Priesterseminar und in leitender Funktion in seinem Orden. Er produzierte und schrieb  – und ist immer noch dabei – für den Hörfunk und für Zeitschriften. Kurzum, Cuypers machte Karriere. Ließ sich vom Leben gerben, wie er sagt.

Jetzt ist in der zweiten Lebenshälfte angekommen. Nach einem langen Weg. „Wenn die Sonne untergeht, kommen die ersten Schatten. Die Ressourcen sind begrenzt. Die Frage ist, was bleibt. Mein Ehrgeiz ist es, die Menschen zu berühren. Wer berührt ist, fängt an zu suchen. Kirche musss Lust machen, Sucher zu sein und einander zu helfen. Dafür brenne ich. Dafür bringe ich mich ein. Auch als Eremit“.

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Ein Beitrag von:
freie Journalistin

Birgit Engel

 
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