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Erzbistum Paderborn
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Er lernt loszulassen

Auf eine Kaffeelänge mit Weihbischof em. Hubert Berenbrinker
Unser Glaube
25. Oktober 2021

Er lernt loszulassen

Auf eine Kaffeelänge mit Weihbischof em. Hubert Berenbrinker

Innerhalb unserer Reihe „Auf eine Kaffeelänge mit …“ treffen wir uns regelmäßig mit einer Person aus dem Erzbistum Paderborn. Einzige Vorgabe der Zusammenkunft: Das Treffen endet, sobald die Kaffeetasse geleert ist. Diesmal haben wir uns mit Hubert Berenbrinker, emeritierter Weihbischof, getroffen.

Weihbischof Hubert Berenbrinker lässt sich in einen schwarzen Ledersessel fallen. Er schlägt die Beine übereinander und greift zur Kaffeetasse. Er strahlt Ruhe und Gastfreundschaft aus. Vor gut einem Jahr hat Papst Franziskus ihn von seinen bischöflichen Aufgaben entbunden. Auf Berenbrinkers Wunsch. Seitdem ist er sozusagen ein Weihbischof im Ruhestand – der lernt loszulassen.

Loslassen von bischöflichen Aufgaben. Als Weihbischof war Hubert Berenbrinker auf Firmreisen und Visitationen im Erzbistum Paderborn unterwegs. Ständig auf Achse. Er kann sich noch gut daran erinnern, wie er vor der Corona-Pandemie in einem Jahr 3.500 jungen Menschen die Firmung gespendet hat. An manchen Wochenenden feierte er fünf bis sechs Gottesdienste mit jeweils 500 Gläubigen und tauschte sich mit Ehrenamtlichen vor Ort aus.

Berenbrinker erzählt, dass die Firmreisen und Visitationen Kraftquelle und Motivation für seinen Dienst waren. Doch sie haben ihn auch geschlaucht. Wer als Weihbischof unterwegs ist, auf den sind die Blicke gerichtet. „Das ist anstrengend, weil man ganz präsent sein muss“, sagt er. Und: „Die Zeit der Erholung wurde immer länger“.

© Tobias Schulte / Erzbistum Paderborn
Weihbischof em. Hubert Berenbrinker in seiner Wohnung.

Jedes Alter hat seine eigene Verantwortung

Loslassen von Verantwortung. Als emeritierter Weihbischof entscheidet Berenbrinker nicht mehr im Priesterrat, Bischofsrat und in der Bischofskonferenz mit. Er ist von diesen Aufgaben entlastet. Und fühlt sich auch so.

Im Leben gebe es eine gewisse Gesetzmäßigkeit, sagt Berenbrinker. „Es gibt die Zeit des aktiven Dienstes, in der man viel Kraft hat. Und dann die Zeit, in der man loslassen muss. Dann müssen andere das Ruder übernehmen. Und auch rudern“. Er lacht herzlich auf.

Älter werden – Hubert Berenbrinker erlebt, dass damit auch verbunden ist, dass sich der Freundeskreis verkleinert. Auch durch Todesfälle. Und er sagt auch: „Menschen, mit denen ich früher in den Urlaub gefahren bin, können das heute nicht mehr. Das hat auch was mit loslassen zu tun“.

Die Freundschaft zu Christus

Doch genug vom Thema Loslassen. Weniger Verantwortung bedeutet auch: mehr Freiheit. Berenbrinker erzählt, dass er jetzt mehr Zeit und Ruhe habe, das Brevier zu beten, spazieren zu gehen und nachzudenken. Er spüre, dass seine persönliche „Freundschaft zu Christus“ noch wichtiger werde. Zu einem durchtragenden Element.

Diese Freundschaft lebt er zum Beispiel, indem er täglich die Messe feiert und sich „in die Liturgie hineingibt“, wie er sagt. Nachfrage: Wie geht das, sich in die Liturgie hineingeben? Seine kurze Antwort lautet: „Mit Herz und Seele dabei sein“. Und die lange: „Wenn ich die Heilige Messe feiere, dann frage ich mich: Was will mir Gott heute mit den Lesungen sagen? In den Fürbitten bete ich für die Menschen, für die es vorgesehen ist. Und von der Gabenbereitung an gebe ich mich mit Herz und Verstand in dieses Opfergeschehen hinein. Ich verbinde mein Leben mit dem Leben Jesu Christi, so dass es verwandelt wird“.

Ein Stück weit „Herr Pastor“ geblieben

Nachmittags ist bei Hubert Berenbrinker Zeit für einen großen Spaziergang. Eine bis anderthalb Stunden. Da lasse er sich auch nicht von schlechtem Wetter abhalten. Wenn er von seiner Wohnung am Paderborner Domplatz aus aufbricht, kommen ihm viele Menschen in den Kopf, die er als Vikar, Pfarrer, Dechant und Weihbischof begleitet hat.

Er sagt: „Ich habe mir angewöhnt, diese Menschen beim Spaziergang mit ins Gebet zu nehmen. Und einen Moment bei ihnen zu verweilen“. Mal bete er ein Vater Unser für einen verstorbenen Mitarbeiter. Mal ein Gesetz des Rosenkranzes für alle, die er gefirmt, getauft oder beerdigt hat.

Auch, wenn Weihbischof Berenbrinker lernt loszulassen: Die Menschen, denen er auf seinem Lebensweg begegnet ist, lassen ihn nicht los. Darum als letzte Frage: Wie möchten Sie in Erinnerung bleiben?

Berenbrinker antwortet: „Bei mir im Kommunionunterricht war Andreas Mockenhaupt, der heute Vikar ist. Er sagt heute noch „Herr Pastor“ zu mir. Das drückt eine Vertrautheit, ein Wohlwollen aus. Dass man sich gegenseitig als Bereicherung und Hilfe erfahren hat.“

Ein Beitrag von:
Redakteur

Tobias Schulte

 
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