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Erzbistum Paderborn
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© Sergey Nivens/Shotshop.com

Aufarbeitung

Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs im Erzbistum Paderborn

Die Aufarbeitung von Fällen sexuellen Missbrauchs im Erzbistum Paderborn erfolgt in einem mehrstufigen Verfahren.

Seit August 2019 arbeitet ein unabhängiges Forschungsteam der Universität Paderborn zum Thema: „Missbrauch im Erzbistum Paderborn – Eine kirchenhistorische Einordnung. Die Amtszeiten von Lorenz Jaeger und Johannes Joachim Degenhardt (1941-2002)“. Diese Studie wird geleitet von Professorin Dr. Nicole Priesching und ihrer Mitarbeiterin Dr. des. Christine Hartig und soll unabhängig Erkenntnisse zum Umfang des Missbrauchs, über die Gewalterfahrungen der Betroffenen sowie zu den Umgangsweisen der Verantwortlichen darstellen.

Hinweis zur Beteiligung Betroffener am unabhängigen Forschungsprojekt

Damit die Perspektive der Betroffenen in dieser Studie stärker Einfluss nehmen kann, sucht das Forschungsteam Betroffene, die ihre Erfahrungen in die historische Aufarbeitung einbringen möchten. Das Erzbistum Paderborn weist ausdrücklich auf diese Möglichkeit der Beteiligung hin. Betroffene erreichen Dr. des. Christine Hartig von Montag bis Mittwoch telefonisch unter 0 52 51 – 60 44 32 oder per Mail an christine.hartig@uni-paderborn.de. Auf dem Postweg Dr. des. Christine Hartig unter folgender Adresse zu erreichen: Universität Paderborn, Institut für Kirchen- und Religionsgeschichte, Warburger Straße 100 in 33098 Paderborn. Die für das Forschungsprojekt zuständigen Wissenschaftlerinnen agieren und kommunizieren unabhängig und frei. Fragen zu dem Projekt sind an das verantwortliche Forschungsteam der Universität Paderborn zu richten.

Uneingeschränkter Aktenzugang

Das zunächst auf drei Jahre angelegte Forschungsprojekt wird von Professorin Dr. Nicole Priesching, Inhaberin des Lehrstuhls für Religions- und Kirchengeschichte an der Universität Paderborn, geleitet. Unterstützt wird sie von der Wissenschaftlichen Mitarbeiterin Dr. [des.] Christine Hartig. Für eine umfassende Aufarbeitung hat Generalvikar Alfons Hardt uneingeschränkten Aktenzugang zugesichert. Die beiden Wissenschaftlerinnen unterliegen keiner Weisungsbefugnis des Erzbistums und sind in der Gestaltung ihrer Arbeit unabhängig. „Es gilt herauszufinden, welche Personenkreise innerhalb der Kirche von Missbrauchsfällen wussten, wie Entscheidungen über das Ergreifen oder Unterlassen weiterer Maßnahmen getroffen wurden und ob strukturelle Bedingungen existierten, die Missbrauchshandlungen fördern konnten“, erklärt Prof. Dr. Nicole Priesching.

Forschungszeitraum

Der Zeitraum dieser Forschungsarbeit umfasst die gesamte Nachkriegszeit bis zum Erlass der für die ganze Weltkirche einheitlichen und verbindlichen Regelungen im Motuproprio „Sacramentorum sanctitatis tutela“ Papst Johannes Pauls II. zum Umgang mit sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche im Jahr 2001. Seitdem wurden die Normen regelmäßig weiterentwickelt und die Präventions- und Interventionsarbeit im Erzbistum Paderborn eingerichtet und sukzessive ausgebaut. Für das Erzbistum Paderborn ist die Betrachtung des genannten Forschungszeitraums der historischen Untersuchung besonders wichtig, da der weit überwiegende Teil der dem Erzbistum Paderborn bisher bekannten Beschuldigungen von sexuellem Missbrauch aus dieser Zeit stammen.

Unabhängige Aufarbeitungskommission und Betroffenenvertretung

Für den Gesamtzeitraum von 1946 bis zur Gegenwart ist die unabhängige Aufarbeitungskommission für das Erzbistum Paderborn zuständig, die in Kürze ihre Arbeit aufnehmen wird. Diese wird auch eine Gesamtbewertung der Aufarbeitung im Erzbistum Paderborn vornehmen und dabei insbesondere die Aufarbeitung der Zeit seit dem Jahr 2001 verantworten. Erzbischof Hans-Josef Becker nimmt sich selbst, wenn es um Verantwortung geht, nicht aus. Die Bewertung soll daher gemäß der „Gemeinsamen Erklärung über verbindliche Kriterien und Standards für eine unabhängige Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche in Deutschland“ der Deutschen Bischöfe und dem Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs (UBSKM) bewusst eine unabhängige Kommission vornehmen, nicht Erzbischof Becker selbst. Dieses Vorgehen schließt ein, dass auch die Art und Weise der Aufarbeitung seit 2002 ausdrücklich in der freien Entscheidung der unabhängigen diözesanen Aufarbeitungskommission liegen soll.

Seit Februar 2022 gibt es im Erzbistum Paderborn eine Betroffenenvertretung, die ebenso frei und eigenständig agiert, wie es für die unabhängige diözesane Aufarbeitungskommission gilt. Die unabhängige diözesane Aufarbeitungskommission und die Betroffenenvertretung werden in ihrer Arbeit wie alle Verantwortlichen für die Aufarbeitungsprozesse seitens des Erzbistums Paderborn umfänglich unterstützt.

Der Aufbau und die Einrichtung sowohl der unabhängigen Aufarbeitungskommission als auch der Betroffenenvertretung hatten einen aufwendigen und verantwortungsvollen Prozess vorausgesetzt, der im Hinblick auf den Schutz Betroffener von sexuellem Missbrauch sorgfältig zu führen war.

Konsequentes und einheitliches Vorgehen

Bei den Maßnahmen der Aufarbeitung, Intervention und Prävention von sexuellem Missbrauch ist es entscheidend, dass grundsätzlich alle Perspektiven berücksichtigt werden, insbesondere die der Betroffenen. Darum ermutigt das Erzbistum Paderborn weiter, dass sich Betroffene von sexuellem Missbrauch mit den unabhängigen Ansprechpersonen oder dem Interventionsbeauftragten für das Erzbistum Paderborn in Verbindung setzen.

Wie das Erzbistum Paderborn auf jeden konkreten Fall und jeden Verdachtsfall von Missbrauch und sexualisierter Gewalt durch Kleriker und Laien im kirchlichen Dienst reagiert und welche Maßnahmen es ergreift, folgt durchgehend der bekannten, einheitlichen und zum 1. Januar 2020 erneut überarbeiteten „Ordnung für den Umgang mit sexuellem Missbrauch Minderjähriger und erwachsener Schutzbefohlener durch Kleriker, Ordensangehörige und andere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz“.

Wenn dem Erzbistum Paderborn Vorwürfe zugetragen werden, steht es den betroffenen Personen zu Gesprächen und für Hilfen zur Verfügung. Das Erzbistum Paderborn bevorzugt im eigenen Verantwortungsbereich den persönlichen Kontakt zu den Betroffenen, sofern sie dies wünschen bzw. erlauben. Aufgrund von Rückmeldungen der Betroffenen sieht sich das Erzbistum Paderborn bestätigt, die Möglichkeit des individuellen Kontakts über seine unabhängigen Ansprechpersonen und dem Interventionsbeauftragten beizubehalten und weiterhin anzubieten. Das Erzbistum Paderborn verfolgt den eingeschlagenen Weg sowohl der Aufarbeitung als auch der Intervention konsequent und befürwortet eine unabhängige Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs ausdrücklich.

Erzbischof Hans-Josef Becker zu den Zwischenergebnissen der Studie

Anfang Dezember 2021 wurden erste Zwischenergebnisse aus der vom Erzbistum Paderborn in Auftrag gegebenen historischen Missbrauchsstudie veröffentlicht. Aus diesem Anlass betonte Erzbischof Hans-Josef Becker erneut die Notwendigkeit einer unabhängigen Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs. Gleichzeitig erklärte er, dass er Zwischenstände der Untersuchung bewusst unkommentiert lässt, um keinen Einfluss auf die unabhängige Aufarbeitung zu nehmen.

MHG-Studie

In einem Pressegespräch am 25. September 2018 wurden Informationen vorgestellt, die aus dem Erzbistum Paderborn in die MHG-Studie “Sexueller Missbrauch an Minderjährigen durch katholische Priester, Diakone und männliche Ordensangehörige im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz” eingeflossen sind.

Erzbischof Hans-Josef Becker hat sich im Hinblick auf die MHG-Studie in einem Brief an alle Priester, Diakone und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Pastoralen Dienst des Erzbistums Paderborn gewandt. Die Meldung und den Brief des Erzbischofs können Sie hier nachlesen:

In einem eigenen Brief hat sich der Paderborner Erzbischof an alle Gläubigen im Erzbistum Paderborn gewandt.

Die Deutsche Bischofkonferenz hat zudem die am häufigsten gestellten Fragen zur MHG-Studie zusammengestellt.

 
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