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© Besim Mazhiqi / Erzbistum Paderborn
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Von der Grabesruhe bis zum Friedenslicht

Erzbistumskalender 2025: Die Erasmuskapelle auf dem Burgberg in Warburg steht für eine sich öffnende und mitsorgende Kirche.

Seit über 30 Jahren bietet Rudi Ryll jedes Jahr an Karsamstag eine meditative Wanderung durch Warburg an. Lässt es seine Gesundheit zu, wird der Vorsitzende des Pfarrgemeinderates von St. Marien, Warburg-Altstadt, und St. Johannes Baptist, Warburg-Neustadt, auch in diesem Jahr wieder in aller Herrgottsfrühe aufbrechen. Wie die Witterung ausfällt? Wie groß die Schar der Menschen sein wird, die ihn begleiten? Darauf kommt es Ryll nicht an. Einige werden bestimmt mitwandern. Wie jedes Jahr. Und wie jedes Jahr wird die letzte Etappe über die 14 Stationen des Kreuzweges hinauf auf den Warburger Burgberg führen. Die Erasmuskapelle ist dann die Endstation der Wanderung. Genauer gesagt: Bevor es zu einem gemeinsamen Frühstück hinunter in die Stadt geht, versammeln sich die Teilnehmenden in der romanischen Krypta zum stillen Gebet.

„Unten in der Krypta ist nicht viel. Ein schlichter Altar, rohes Gemäuer. Kein Bild, kein Schmuck. Dafür Grabesruhe“, erzählt Rudi Ryll. „Einen besseren Ort für ein Karsamstagsgebet kann ich mir nicht vorstellen.“ Tatsächlich besteht die Erasmuskapelle aus zwei Teilen: die obere Kapelle aus dem Barock und darunter die Krypta der zusammen mit der Burg Wartberch im Lauf der Zeit abgegangenen Burgkirche St. Andreas. Die Unterkirche aus dem 12. Jahrhundert ist der einzige erhaltene Teil der Burg und zugleich das älteste kirchliche Gebäude Warburgs.

Der Pastoralverbund Warburg umfasst 15 Kirchen im Stadtgebiet und Umland. „Was ‚priesterlos‘ möglich ist, wird bei uns priesterlos gemacht“, berichtet Rudi Ryll. „Wir haben uns frühzeitig mit viel ehrenamtlichem Engagement von der versorgenden Kirche in eine mitsorgende Kirche verwandelt.“ Auf diese Weise gelingt es in Warburg, nicht nur das kirchliche Leben in den 15 Kirchengebäuden zu erhalten, sondern auch sakrale Räume wie die Burgkapelle in die Angebote und Aktivitäten einzubinden.

Zeichen der Trauer und der Freude

Den Auftakt im Jahreskreis der Kapelle bildet die meditative Wanderung am Karsamstag. Bald darauf trifft sich ein ehrenamtlicher Liturgiekreis jeden Dienstag an der Kapelle zum Gebet. Große Bedeutung hat der Dreifaltigkeitssonntag. Am ersten Sonntag nach Pfingsten wird oben auf dem Bergsporn die einzige gemeinsame Messe für die Altstadt- und die Neustadt-Gemeinde gefeiert. Der Gedanke, auch die Fronleichnamsprozession aller Warburger Kirchengemeinden über die Burgkapelle zu führen, wurde aus praktischen Gründen fallen gelassen. Als Teil einer Höhenburg liegt die Erasmuskapelle hoch über der Stadt, der Anstieg ist für viele Betagte unter den Teilnehmerinnen und Teilnehmern zu steil.

Dafür ist Allerheiligen ein weiterer Fixpunkt im Jahr der Erasmuskapelle. Weil der Friedhof um die Neustädter Kirche zu klein geworden war, ließ die Stadt im Jahr 1836 um die Kapelle einen weitläufigen Friedhof anlegen und dabei die letzten Reste der Burg abtragen. Seit vielen Jahren geben Ehrenamtliche an der Kapelle den Angehörigen Segenszweige für die Gräber aus. Später im Jahr wird die Erasmuskapelle abermals zu einem Treffpunkt, an dem etwas ausgegeben wird. Diesmal ist es aber kein Zeichen der Trauer und des Gedenkens, sondern eines der Freude. Gemeint ist natürlich das Friedenslicht aus Betlehem. „In der Coronazeit haben wir das Friedenslicht der Abstandsregeln wegen dort oben verteilt“, berichtet Rudi Ryll. „Das wurde so gut angenommen und war ein so schönes Erlebnis, dass wir beschlossen haben, daran festzuhalten.“

Erasmuskapelle in Warburg

Hier finden Sie weitere Informationen zu diesem Ort.

Das Kalenderbild

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