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© Besim Mazhiqi
© Besim Mazhiqi

Christus hat keine Hände, nur unsere Hände, um seine Arbeit zu tun

Den Blicken entzogen und doch immer da: Eine kleine Christusfigur ist Teil der Altares der Liebfrauenkirche in Bielefeld-Jöllenbeck

Vom Ursprung betrachtet, ist Liebfrauen in Bielefeld-Jöllenbeck eine typische Diasporakirche aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Auch nach ihrer grundlegenden Renovierung und Erweiterung im Jahre 1984 dominiert der rote Klinker, und nur der Dachreiter macht klar, dass es sich um einen Sakralbau handelt. Kennzeichnend ist auch die Baugeschichte. Nach der Reformation war die Gegend in und um Bielefeld jahrhundertelang evangelisch, erst Arbeitsmigrantinnen und -migranten, Flüchtlinge sowie Heimatvertriebene aus Schlesien und dem Ermland brachten den Katholizismus zurück. In der direkten Nachkriegszeit waren in Jöllenbeck die Katholikinnen und Katholiken in der evangelischen Kirche untergekommen, bis 1953 ein Kirchenbauverein die Initiative ergriff. Als es 1957 endlich mit dem Bau losging, packte die Gemeinde tatkräftig an. Das Ausschachten übernahmen die Männer in Eigenleistung und von Hand, weil für großes Gerät das Geld fehlte. „Dieses aus heutiger Sicht überbordende Engagement war für die damalige Zeit nichts Ungewöhnliches“, sagt Christian Matuschek, der seit Sommer 2012 als Vikar in der Liebfrauenkirche tätig ist. „Die Menschen hatten nach Flucht und Vertreibung große Sehnsucht nach Beheimatung, nicht zuletzt auch für ihren Glauben.“

In vielen Belangen ist die Liebfrauenkirche eher unscheinbar. Und doch hat sie eine Besonderheit. Sofort beim Betreten wird für viele Menschen spürbar: Der Innenraum ist schön. Einfach schön, intuitiv schön, ohne dass sich dieser Eindruck auf den ersten Blick an irgendetwas festmachen ließe. Die Kirche wirkt schlicht, aber nicht schmucklos, klar, aber nicht kalt. Woher aber kommt diese Raumwirkung?

„Seine Kirche, das sind wir!“

Christian Matuschek löst auf: „Hier und da ein bisschen schimmernde Bronze und darüber hinaus der grünliche Anröchter Sandstein, das genügt bereits, um Akzente gegen die massive Backsteinoptik zu setzen.“ Auch hat die Kirche mangels finanzieller Mittel keine Buntglasfenster, was Matuschek nicht als Mangel, sondern als Bereicherung empfindet: „Nebenan leben Menschen, auf der anderen Seite beginnen Ackerland und Gottes freie Natur. Unsere Kirche schließt diese Perspektiven mit ein – und vor allen Dingen: das ungebrochene Licht!“

Ein Teil der Raumwirkung geht auch auf das Wirken des Vikars zurück, wobei er den Fokus auf Einheit und Klarheit legt: Weniger ist mehr. Zu groß geratene „Spenden“ von Zimmerpflanzen oder unmotivierte Dopplungen von Figuren in den Sichtachsen haben keinen Platz mehr in Liebfrauen. Der genaue Blick nach vorn offenbart allerdings zwei Kreuzesdarstellungen. Neben dem großen Kruzifix an der Rückwand gibt es den auf dem Kalenderbild dargestellten zweiten Christus. Die kaum zigarettenschachtelgroße Figur ruht auf der fein gravierten Altarplatte und entgeht daher leicht den Blicken der Gemeinde. „Dafür blicke ich dem Christus bei den liturgischen Handlungen am Altar ins Gesicht“, erklärt Christian Matuschek. Ob die kleine Figur aus einem Haushalt oder einer aufgelösten Kirche stammt, lässt sich nicht mehr genau sagen. Jedenfalls ist sie, so wie das große Wandkreuz, „Recyclingware“, wie sich Matuschek ausdrückt. Dass dem kleinen Altarkreuz bewusst Arme und Beine fehlen, vergrößert für den Priester nur noch den ideellen Wert: „Der kleine Torso ist ein figurgewordenes Credo: Christus hat keine Hände, nur unsere Hände, um seine Arbeit zu tun. Er hat keine Füße, nur unsere Füße, um Menschen auf seinen Weg zu führen. – Seine Kirche, das sind wir!“

Liebfrauenkirche in Bielefeld-Jöllenbeck

Hier finden Sie weitere Informationen zu diesem Ort.

Das Kalenderbild

Das Kalenderbild: Pfarrvikarie Liebfrauen Jöllenbeck © Besim Mazhiqi

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