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© Besim Mazhiqi
© Besim Mazhiqi

Ein Seitenaltar erzählt eine spannende Geschichte

In St. Laurentius, Propsteikirche des Klosters Wedinghausen und Stadtkirche von Arnsberg, werden 850 Jahre Bau- und Glaubensgeschichte erlebbar

Jahrhundertelang war das Kloster Wedinghausen eines der religiösen und kulturellen Zentren in Westfalen. Als französische Revolutionstruppen 1794 die linksrheinischen Gebiete besetzten, wurde das Prämonstratenser-Chorherrenstift in Arnsberg gar zur Zufluchtsstätte des Kölner Domkapitels und zum zeitweiligen Aufstellungsort des Dreikönig-Schreins. Die glorreiche Vergangenheit wirkt bis heute nach. Über die Baugeschichte von Kloster und Kirche, über die reiche Ausstattung aus vielen Jahrhunderten, über den mittelalterlichen Freskenschmuck, den Benedicta-Schrein oder die Grablegen von Äbten und Grafen wurden viele dicke und kenntnisreiche Bücher geschrieben. Man kann sich der Kirche lesend nähern. Man kann St. Laurentius aber auch einfach betreten und auf sich wirken lassen: Der Gesamteindruck ist überwältigend.

„Und dann wird für den Erzbistumskalender ausgerechnet ein Bild unseres Marienaltars ausgesucht?“, fragt Winfried Ortmann skeptisch. „Wir haben viel bedeutendere Schätze!“ Ortmann kennt sich aus. Gelernt hat er Chemielaborant, doch als sein Vater starb, übernahm er von ihm das Amt des Küsters in St. Laurentius. Das ist bald 30 Jahre her. In dieser Zeit entwickelte sich Ortmann zum Kirchenkenner, begleitete unter anderem die archäologischen Ausgrabungen auf dem Klostergelände. Im Zweitjob beschäftigt er sich ebenfalls intensiv mit dem Kloster und seiner Geschichte: An zwei Tagen in der Woche ist Ortmann als Angestellter des Arnsberger Stadtarchivs mit historischer Bildungsarbeit befasst. Viel lieber würde er von archäologischen Sensationen berichten, die bei Ausgrabungen im Kloster Wedinghausen zutage traten, als vom Marienaltar. Als er aber anfängt zu erzählen, wird der Seitenaltar urplötzlich größer, strahlender, schöner.

Der Patchwork-Altar im Kloster Wedinghausen

„Eigentlich“, beginnt Winfried Ortmann seine Erzählung, „eigentlich stammt der Altar aus dem Jahr 1939, einem fürchterlichen Jahr der Weltgeschichte. Er entstand während einer Renovierung, die der damalige Propst Joseph Böhmer noch vor dem Zweiten Weltkrieg initiiert hatte.“ Ausführender Künstler des Altars war Walter Klocke, geboren 1887 in Bielefeld, gestorben 1965 in Gelsenkirchen. Klocke verstand sich auf historisierende Darstellungen, was ihm nach 1945 bei der Wiederherstellung im Krieg zerstörter Kirchenschätze viele Aufträge einbrachte. Richtig alt ist nur die Sichelmadonna im Zentrum des Altarbilds aus der Zeit um 1520. Der Rest des Retabels tut nur so. Das Vorbild für seinen Arnsberger Marienaltar fand Walter Klocke in einem gotischen Flügelaltar im thüringischen Friedrichsroda, das in früheren Zeiten zum Bistum Paderborn gehört hatte.

Ursprünglich befand sich in dem 1939 von Walter Klocke gefertigten Altar in der Predella ein Tabernakel, der jedoch bei einer weiteren Kirchenrenovierung in den 1980er-Jahren entfernt und gegen eine Darstellung der Anbetung des Christuskindes durch die Heiligen Drei Könige ausgetauscht wurde. Diese Tafel, das zweite historische Stück des heutigen Altars, hatte das Kölner Domkapitel im Jahr 1803 der Propstei St. Laurentius zum Geschenk gemacht als Dank für den gewährten Unterschlupf während der napoleonischen Wirren. „Was wir heute sehen, ist kunsthistorisch gesehen ein Patchwork“, schließt Winfried Ortmann seinen Vortrag. „Und dennoch: Begreift man den Altar nicht als Kunstwerk, sondern als Glaubenszeugnis, ist alles echt und wahr.“

St. Laurentius, Propsteikirche des Klosters Wedinghausen in Arnsberg

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Das Kalenderbild

Das Kalenderbild: Kloster Wedinghausen © Besim Mazhiqi

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