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Erzbistum Paderborn
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© Till Kupitz / Erzbistum Paderborn

Vertrauen und verehren

Themenspecial Maria: Die Marienverehrung in St. Marien Fürstenberg - eine ganz besondere Verbindung zur Gottesmutter

Der Blick von Xaver Fingerhut geht in Richtung Marienstatue. Und während der Fürstenberger, mittlerweile 89 Jahre alt, so da sitzt, huschen ihm Tränen über die Wange. Worum sich seine Gedanken wohl drehen? Mit Krone auf dem Kopf und Jesuskind auf dem Arm, steht Maria einige Meter vor ihm. Sie wacht, nimmt Menschen in Empfang, die die Kirche in Fürstenberg besuchen – man kann vieles in ihr sehen. Unter der Muttergottes stehen Blumen und kleine Kerzen, im Altarraum dahinter hängen große, blau-weiße Fahnenbanner von der Decke herab. Ein prachtvoller Anblick.

Marienverehrer von kleinauf

Zu der großen Marienkerze, die direkt vor der Statue aufgestellt wurde, hat Xaver Fingerhut eine besondere Verbindung. Seine Familie hat sie gespendet, wie jedes Jahr. Ein Andenken an seine verstorbene Tochter, erklärt er den Grund seiner Tränen. „Seitdem brennt da vorne immer eine Marienkerze. Wenn eine ausgebrannt ist, wird die nächste aufgestellt.“

Der wunderbar angerichtete Mai-Altar –eine Tradition zu Ehren der Gottesmutter, die in Fürstenberg noch gelebt wird. Nicht nur hier in der Kirche, sondern auch bei einigen Familien daheim. Ein Marienverehrer sei auch Xaver Fingerhut schon immer, genau wie seine Mutter eine gewesen sei, sagt er und fängt an zu lachen: „Das haben wir bei uns in Fürstenberg mit der Muttermilch schon aufgesogen.“

Gottesmutter Maria ist immer da

Lachen und Weinen, im Angesicht der Marienstatue kann Xaver Fingerhut alles loswerden. Für viele Menschen aus Fürstenberg ist Maria immer da und ansprechbar, wenn Nöte oder Sorgen anklopfen. Nichts gibt es hier, das man Maria nicht im Stillen mitteilen kann. „In meinen dunkelsten Stunden war sie immer da, nie hat sie mich im Stich gelassen“, sagt auch Nicole Radtke, Vorsitzende des Pfarrgemeinderates.

In der Mariengemeinde Fürstenberg findet man die Muttergottes vielleicht deshalb an vielen Orten: mehrere Bildnisse oder Statuen in der Kirche, Bildstöcke im Ort, auch eine Marienstraße gibt es. Und auch bei Pastor Raphael Schliebs stehen daheim einige Marienstatuen. Oft bete er genau da für die Menschen der Gemeinde und jene, die ihm nah stehen, sagt er. „Wenn wir in Fürstenberg nicht St. Mariä Himmelfahrt als Patronat hätten, würde mir schon etwas fehlen.“ Pastor Schliebs erzählt von seinen Ausflügen an freien Tagen, in andere Kirchen. Selbst in einigen evangelischen Kirchen, dort, wo Maria gar nicht verehrt würde, habe Maria ihren Platz. Das zeige ihren Stellenwert.

 

 

„Marienpfarrei zu sein, wird hier gelebt. Und das soll auch so bleiben“

Pastor Raphael Schliebs

 

 

Der Monat Mai ist in St. Marien Fürstenberg schon immer etwas Besonderes. „Aber da muss noch mehr gehen“, dachte sich Nicole Radtke, als sie vor einigen Jahren zurück in ihre Heimat Fürstenberg zog. Mittlerweile gibt es zu Maianfang eine große Eröffnungsandacht, die viele Menschen aus anderen Orten anzieht. Mit Musik, Meditation, anschließendem Maiumtrunk – und gemeinsam mit den Kommunionkindern. „Jeder kann eine Blume mitbringen, die die Kommunionkinder dann mit ihren eigenen Blumen zum Mai-Altar bringen“, sagt Nicole Radtke. Die Bedeutung von Maria soll an nachfolgende Generationen weitergegeben werden. „Marienpfarrei zu sein, wird hier gelebt. Und das soll auch so bleiben“, beschreibt Pastor Schliebs.

Lachen oder Beten

Immer dienstags gibt es im Mai zusätzlich eine Andacht unter der Woche, die von Ehrenamtlichen organisiert wird. Xaver Fingerhut weiß noch genau, wie ein Marien-Bildstock im Ort nach dem Zweiten Weltkrieg errichtet worden ist. Ein Fürstenberger, der als Soldat im Krieg war, hatte es der Muttergottes  versprochen, sollte er seine Heimat wiedersehen. Heute hält Fingerhut dort die Andacht – immer noch, müsste man sagen. „Wie lange schon, das weiß ich nicht mehr“, sagt er. Dreimal sei er in Međugorje gewesen, ein Dorf in Bosnien und Herzegowina, an dem seit 1981 Marienerscheinungen stattfinden sollen. Die Augen des 89-Jährigen strahlen, als er von seinen Reisen erzählt. Viele Rosenkränze, viele Gebete und noch mehr Begegnungen mit anderen, die dasselbe fühlen. „Entweder wir haben gelacht oder gebetet“, sagt er rückblickend.

Zusammen beten Xaver Fingerhut, Nicole Radtke und Pastor Raphael Schliebs schließlich den „Engel des Herrn“. Drei Ave Maria werden während des Angelus-Gebets gebetet. Es kann schon passieren, dass man beim Beten einmal abschweife, sagt Nicole Radtke. Doch ein Satz geht allen besonders nahe. Bitte für uns Sünder, jetzt und in der Stunde unseres Todes. „Diese Stelle betone ich immer, da bin ich Maria besonders nah“, erzählt Xaver Fingerhut. Nicole Radtke nickt: „In diesem Moment vertraue ich der Gottesmutter voll und ganz.“

 

 

„In diesem Moment vertraue ich der Gottesmutter voll und ganz.“

Nicole Radtke über das „Ave Maria“

 

 

Fürstenberg: ein Ort, viele Mariengeschichten

Und so hat hier in Fürstenberg jeder Mensch, der Maria verehrt, seine Geschichte und Begegnung. Die Tränen aus Dank oder Bitte. Die Erinnerung daran, schon früher daheim einen eigenen Mai-Altar errichtet zu haben. Die kraftbringenden Gebete im Kerzenschein.

Ganz gleich, welchem der Marienverehrenden in Fürstenberg man zuhört: Zwangsläufig zeigt sich, was Maria für eine Ausstrahlung hat. Beschützerin, Ansprechpartnerin, Fürsprecherin, Vertraute sind Worte, die fallen. Eine nahbare Heilige, der man seine Anliegen mitteilen darf. Es ist das gleiche Grundvertrauen, wie es Maria selbst hatte: Mir geschehe, wie du es gesagt hast, der Gottesglaube als Kraftquelle.

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Till Kupitz

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