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© Besim Mazhiqi / Erzbistum Paderborn
© Besim Mazhiqi / Erzbistum Paderborn

Potzblitz und Donnerwetter

Die imposanten Chor- und Kiliansfenster im Kiliansdom in Iserlohn-Letmathe stammen aus der Erbauungszeit

Es ist der 19. Juni 2022. Der Pfarrer der Gemeinde hat in den Abendstunden noch Gäste im Pfarrgarten, als kurz vor 22 Uhr eine Gewitterwolke aufzieht. Die Gäste sind dabei, sich ins Trockene zu bringen, da zerreißt ein Blitz den Himmel. Zeitgleich setzt der Donner ein, so stark, dass die Druckwelle am ganzen Körper spürbar wird. „Instinktiv ist einer der Gäste zum Kiliansdom gerannt“, erinnert sich Diakon Peter Trotier, damals ebenfalls im Pfarrgarten anwesend. „Leider bewahrheitete sich die Befürchtung: Die Kirche hatte den Blitzschlag direkt abbekommen.“

Dach und Gebäudehülle waren intakt, doch die Elektrik des Kirchengebäudes war zerstört inklusive der Sendeanlage, die in Corona-Zeiten zur Übertragung der Gottesdienste installiert worden war. Der Blitz war so stark, dass in umliegenden Straßen elektronische Geräte kaputtgingen und im Pfarrheim bei den dort wohnenden Flüchtlingsfamilien der Strom ausfiel. Und der nagelneue Blitzschutz der Kirche war verglüht und musste ersetzt werden. Wäre der nicht auf dem neuesten Stand gewesen, hätte es in der Kirche womöglich gebrannt. Doch auch so ging der Schaden in die Millionen.

Wie viele Menschen in Letmathe ist Diakon Peter Trotier glücklich darüber, dass die Sanierung der Kilianskirche mittlerweile geglückt ist und dass es keine irreparablen Schäden an Gebäudesubstanz und Ausstattung gab. Besonders angetan haben es dem Diakon die Fenster der 1914 begonnenen und 1917 vollendeten Kirche, die unter der Leitung des Kirchenbaumeisters Joseph Buchkremer im neugotischen Stil errichtet wurde.

Fenster zwischen Zeitgeist und Theologie

Von den Originalfenstern des Mainzer Glasmalers Bernhard Kraus haben sich nur diejenigen im Chor und im Querschiff erhalten, nicht aber die im Langhaus. Ursache dafür war nicht etwa der Zweite Weltkrieg oder Naturgewalten, sondern wechselnde Moden. In den 1950er-Jahren galten die ursprünglichen Fenster als „Nazarenerkitsch“. Auch um das Langhaus zu erhellen, wurden die Fenster dort gegen weniger farbige ausgetauscht – aus heutiger Sicht ein Sakrileg.

Was vom Originalbestand noch übrig ist? In der Taufkapelle gibt es ein Fenster mit einem Gottvater, der Krone, Reichsapfel und sogar ein Eisernes Kreuz trägt und damit stark an deutsche Monarchen erinnert. „Das Bild ist Zeugnis seiner Entstehungszeit“, übernimmt Peter Trotier die historische Einordnung. „1917 steht Deutschland im Ersten Weltkrieg, es gibt viele Gefallene, der Hungerwinter von 1916 auf 1917 fordert zivile Opfer. Es ist überhaupt ein Wunder, wie im Krieg eine Kirche gebaut werden konnte. Die Zeitumstände erklären auch, dass das Gottesbild damals eine monarchistisch-patriotische Färbung erhalten hat.“

Weniger politisch sind die Original-Kiliansfenster im angedeuteten Querschiff. Die Darstellungen des Heiligen wurden sogar von einer frommen Stickerin auf ein Messgewand übertragen, das in Letmathe noch immer an den Kiliansfesten getragen wird. Und zuletzt gibt es die Fenster in der Apsis, wie sie im umseitigen Kalenderbild dargestellt sind. Das mittlere zeigt eine traditionelle Darstellung des dreieinigen Gottes. Unten links ist zudem eine Verkündigungsszene eingebaut, die nicht richtig zum Rest passen will. Ebenfalls eine Ungereimtheit: Auf dem rechten Fenster mit dem letzten Abendmahl ist die Zahl der Jünger des Hochformates wegen von zwölf auf sechs reduziert. „Dafür gibt es oben im Rundfenster einen ‚Jesus in der Kelter‘, wobei der Wein aus der Rosette in Kelche des Abendmahlsfensters fließt. Und im linken Fenster haben wir eine seltene Darstellung von Jesus in der Synagoge von Kafarnaum“, erklärt Diakon Trotier. „Diese Einzelheiten und die ganze Bildwirkung wiegen alles wieder auf.“

St. Kilian in Iserlohn-Letmathe

Hier finden Sie weitere Informationen zu diesem Ort.

Das Kalenderbild

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