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© Besim Mazhiqi / Erzbistum Paderborn
© Besim Mazhiqi / Erzbistum Paderborn

Das wahre Antlitz des Herrn!

Ursprünglich Teil einer Krankenhauskapelle, ist der neugotische Altar heute in der Propsteikirche St. Petrus und Andreas in Brilon aufgestellt

Mit ihrem weithin sichtbaren Westturm ist die Propsteikirche St. Petrus und Andreas das Wahrzeichen der Stadt Brilon. Die Kirche wirkt ganz so, als stünde sie schon immer hier an Ort und Stelle. Und das ist wahr und falsch zugleich.

Tatsächlich entstand die im Kern spätromanische Kirche zeitgleich mit der Stadtgründung im Jahr 1220. „Wir sind historisch in der Stauferzeit oder in der Zeit der heiligen Elisabeth von Thüringen“, erläutert Dr. Reinhard Richter, Propst in Brilon und zugleich Leiter des dortigen Pastoralen Raumes mit 18 Gemeinden. „Aber man muss schon genau hinsehen, um in der Propsteikirche noch mittelalterliche Bausubstanz zu erkennen, so oft wurde die Kirche umgebaut.“

Eine Ursache dafür ist, dass die Menschen in früheren Zeiten nicht eben pfleglich mit dem Gotteshaus umgingen. So war es im Mittelalter üblich, dass die auf dem Jakobsweg Pilgernden ihr Haupt nicht in einer Herberge, sondern in der Kirche zur Nacht betteten und dort auch ihre Pferde unterstellten. Wo heute Gläubige, im Gebet versunken, auf der Kirchenbank knien, lag damals abends frisches Stroh – und morgens dampfender Mist. In der Reformationszeit kurzzeitig evangelisch, wurde St. Petrus und Andreas gar als Scheune und Stall „genutzt“.

Auch beim Wechsel von Mode und Zeitstil wurde die Kirche oft recht ruppig umgestaltet. Die romanische Ausstattung verschwand spätestens mit der Barockisierung der Kirche. Der noch im Jahr 1750 erwähnte Lettner, der wie eine hohe Schranke das Kirchenvolk vom Klerus trennte, ging im Lauf der Geschichte ebenfalls rest- und spurlos verloren.

Neugotik, Leiden und liturgischer Mittelpunkt

Am gravierendsten waren jedoch die Eingriffe im 19. Jahrhundert. „Im Historismus wollte man wieder mittelalterliche Kirchen oder das, was man seinerzeit für mittelalterlich hielt“, erklärt Propst Dr. Richter. „Also wurden die Barockaltäre aus der Propsteikirche geschafft und in Kapellen im Umland gebracht.“ Danach ging es bei dem von 1875 bis 1880 währenden Umbau sogar der im Kern mittelalterlichen Architektur an den Kragen. Die spätromanische Kirche wurde gotisiert, aus den kleinen Rundbogenfenstern wurden nun große Fenster mit Spitzbögen.

Aus der Zeit des Historismus stammt auch der neugotische Altar, den das umseitige Kalenderbild zeigt. Um die zentrale Kreuzigungsszene gruppieren sich Schlüsselszenen aus dem Leben Jesu, der Tabernakel zeigt das „Wahre Antlitz Christi“ nach dem Schweißtuch der Veronika.

Ursprünglich stand der Altar jedoch nicht in der Propsteikirche, sondern in der Kapelle des alten Krankenhauses in Brilon. „Seine Vorgeschichte ist dem Altar noch heute anzusehen“, betont Propst Dr. Richter: „Der kranke und schmerzgeplagte Mensch hat einen unmittelbaren Zugang zu den Begriffen Heil und Heilung. Das sieht man beispielsweise beim Isenheimer Altar in Colmar, auch dieser stand ursprünglich in einem Spital.“ Als Ausdruck von Leiden und Heilung ist es nur logisch, dass der frühere Krankenhausaltar in Brilon in der Karwoche im Zentrum der Liturgie steht. Besonders eng sind die Bezüge zwischen der Vergegenwärtigung des „Wahren Antlitzes Christi“ und der Einsetzung der Eucharistie an Gründonnerstag.

Ausdrucksstark, wie er ist, soll der Altar auch in Zukunft eine wichtige Rolle in St. Petrus und Andreas spielen. Denn die nächste Renovierung des Gotteshauses, das vor 100 Jahren durch Ernennung von Papst Pius XI. zur Propsteikirche päpstlichen Rechts erhoben worden ist, steht an. „Dabei werden wir umsichtiger vorgehen als unsere Vorgänger bei früheren Umbaumaßnahmen“, verspricht Propst Dr. Richter, der seit 2009 im Amt und seither in seinem Verantwortungsbereich „ständig am Renovieren“ ist. Auf diese Weise hat er umfassende Erfahrungen gesammelt, um sein Ziel zu erreichen: „die Kirche auf das vorzubereiten, was zukünftig notwendig ist“.

St. Petrus und Andreas in Brilon

Hier finden Sie weitere Informationen zu diesem Ort.

Das Kalenderbild

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