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© Besim Mazhiqi / Erzbistum Paderborn
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Liborius, halt für uns an, auf dass nicht Grieß und Nierenstein die Strafen unsrer Sünden sein!

St. Liborius in der Kurstadt Bad Wildungen ist eine Zeltkirche in der waldeckischen Diaspora – der heilige Liborius tritt hier als Nothelfer bei Steinleiden auf

Liborius, halt für uns an … Das Kirchenlied, in dem der heilige Liborius als Helfer bei Nieren-, Blasen- und Gallensteinen angerufen wird, ist in Paderborn bis heute Bestandteil des Gotteslobs. Weil sich aber das Bild eines Gottes, der Sünden mit Nierensteinen bestraft, nicht mit einer modernen Theologie verträgt, sollte das Lied bei einer Neuauflage des Gotteslobs Mitte der 1970er-Jahre gestrichen werden. So weit die Fakten. Dass der dafür verantwortliche Bischof alsbald mit einem schmerzhaften Steinleiden geschlagen wurde, gehört ins Reich der Legenden. „Trotzdem wird die Geschichte in Bad Wildungen immer noch gern weitergegeben“, erzählt Edgar Zoor, Pfarrer in St. Liborius und Leiter des Pastoralen Raums Bad Wildungen-Waldeck.

Die Attribute des heiligen Liborius sind ein Buch und drei daraufliegende Steine: ein Nieren-, ein Blasen- und ein Gallenstein. Damit passt der Heilige perfekt zum Kurort Bad Wildungen. Noch heute werden dort Steinleiden behandelt, traditionell mit Wasser aus einer der vielen Heilquellen und darüber hinaus mit moderner Medizintechnik. Auch die Geschichte der Kirchengemeinde ist eng mit der Geschichte der Kurstadt verbunden.

Nach der Reformation waren die Grafen von Waldeck und mit ihnen ihr Herrschaftsgebiet evangelisch geworden. Noch im 19. Jahrhundert gab es in Bad Wildungen nur eine kleine Schar von Katholikinnen und Katholiken. Hochgehalten wurde die katholische Sache vom aus Netphen im katholischen Johannland zugewanderten Katasterinspektor Engelbert Molsberger (1823–1885). Die heilige Messe fand in seinem leer geräumten Büro statt – aber nur, wenn sich ein Geistlicher unter den Kurgästen befand. Der nächste Priester saß 40 Kilometer entfernt in Arolsen, im Zeitalter der Pferdekutschen eine Tagesreise.

Eine bunte Diasporagemeinde im Wandel

Erst 1886 konnte in Bad Wildungen eine erste katholische Kirche gebaut und eine Pfarrei errichtet werden. „Damals traf sich die vornehme Gesellschaft aus ganz Europa hier zur Kur“, erzählt Pfarrer Edgar Zoor. „Unter ihnen waren katholische Adlige, die den Bau der Kirche förderten.“

Die weitere Entwicklung verlief typisch für Diasporagemeinden. Nach dem Zweiten Weltkrieg wuchs die Gemeinschaft durch Flüchtlinge und Heimatvertriebene aus den deutschen Ostgebieten, in der Wirtschaftswunderzeit folgten katholische Familien aus Italien, Spanien und Portugal im Zuge der damaligen Arbeitsmigration. In den 1990er-Jahren vergrößerten Katholikinnen und Katholiken aus Osteuropa und Russland die Kirchengemeinde. Atypisch ist der Zuzug von Neumitgliedern aus Indien in jüngster Vergangenheit. „Auch dahinter steckt der Kurbetrieb“, erklärt Pfarrer Zoor. „Die Kliniken werben Pflegekräfte und medizinisches Personal bevorzugt aus Kerala an, einer christlichen Hochburg in Indien.“ Entsprechend farbenfroh sind die Gottesdienste in St. Liborius.

Aufgrund des Zuzugs war die alte Liboriuskirche in den 1970er-Jahren zu klein geworden. Sie wich einem Neubau. Der Grundstein der Kirche wurde 1976 gelegt, geweiht wurde sie 1978. 2028 steht demnach ein 50-jähriges Jubiläum an. Bei dem Bauwerk handelt es sich um eine vom Geist des Zweiten Vatikanischen Konzils geprägte Zeltkirche. Ausgestattet mit Werken des Paderborner Künstlers Josef Rikus, ist die moderne Diasporakirche für Kunstinteressierte eine Reise wert. Sogar eine Liboriusreliquie findet sich dort. Sie stammt nicht etwa aus Paderborn. Ein Kölner Erzbischof, der als Kurgast in Bad Wildungen weilte, schickte sie der Gemeinde – wohl als Dank für erfolgte Hilfe, für sich selbst wie für die vielen anderen Kranken.

St. Liborius in Bad Wildungen

Hier finden Sie weitere Informationen zu diesem Ort.

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