Liborius, halt für uns an … Das Kirchenlied, in dem der heilige Liborius als Helfer bei Nieren-, Blasen- und Gallensteinen angerufen wird, ist in Paderborn bis heute Bestandteil des Gotteslobs. Weil sich aber das Bild eines Gottes, der Sünden mit Nierensteinen bestraft, nicht mit einer modernen Theologie verträgt, sollte das Lied bei einer Neuauflage des Gotteslobs Mitte der 1970er-Jahre gestrichen werden. So weit die Fakten. Dass der dafür verantwortliche Bischof alsbald mit einem schmerzhaften Steinleiden geschlagen wurde, gehört ins Reich der Legenden. „Trotzdem wird die Geschichte in Bad Wildungen immer noch gern weitergegeben“, erzählt Edgar Zoor, Pfarrer in St. Liborius und Leiter des Pastoralen Raums Bad Wildungen-Waldeck.
Die Attribute des heiligen Liborius sind ein Buch und drei daraufliegende Steine: ein Nieren-, ein Blasen- und ein Gallenstein. Damit passt der Heilige perfekt zum Kurort Bad Wildungen. Noch heute werden dort Steinleiden behandelt, traditionell mit Wasser aus einer der vielen Heilquellen und darüber hinaus mit moderner Medizintechnik. Auch die Geschichte der Kirchengemeinde ist eng mit der Geschichte der Kurstadt verbunden.
Nach der Reformation waren die Grafen von Waldeck und mit ihnen ihr Herrschaftsgebiet evangelisch geworden. Noch im 19. Jahrhundert gab es in Bad Wildungen nur eine kleine Schar von Katholikinnen und Katholiken. Hochgehalten wurde die katholische Sache vom aus Netphen im katholischen Johannland zugewanderten Katasterinspektor Engelbert Molsberger (1823–1885). Die heilige Messe fand in seinem leer geräumten Büro statt – aber nur, wenn sich ein Geistlicher unter den Kurgästen befand. Der nächste Priester saß 40 Kilometer entfernt in Arolsen, im Zeitalter der Pferdekutschen eine Tagesreise.