Es ist der 27. Oktober 1957. Mit gestochen scharfer Handschrift setzt Erzbischof Lorenz Jaeger (kein Fehler, Kardinal wird Jaeger erst 1965!) seine Unterschrift Laurentius unter die Konsekrationsurkunde. Damit ist es kirchenamtlich: Mit Heilig Kreuz in Weidenau gibt es eine neue Kirche im Erzbistum Paderborn. Ebenfalls beurkundet sind damit die im Altar eingeschlossenen Reliquien des heiligen Märtyrers Clarus.
Heilig Kreuz ist eine weitere dieser typischen Nachkriegskirchen, die in dieser Zeit vielerorts errichtet werden, weil katholische Flüchtlinge und Heimatvertriebene aus den früheren deutschen Ostgebieten an ihrem neuen Lebensort eine feste Glaubensheimat brauchen. Von barocker Prachtentfaltung ist die Kirche weit entfernt. Die Gläubigen sind dennoch überglücklich. Denn endlich gibt es ein aus Beton und Stein gebildetes Gotteshaus und nicht länger eine Kirche aus Holz und Dachpappe. Mit den Wirtschaftswunderjahren ist die Zeit der Notkirchen endgültig vorbei.
Der weitere Weg war vorgezeichnet und ist ebenfalls ordentlich dokumentiert. Am 1. März 1959 wurde Heilig Kreuz zur Pfarrvikarie ohne eigene Vermögensverwaltung und am 1. April 1960 zur Pfarrei erhoben. Was Erzbischof Lorenz Jaeger aber beim Unterzeichnen der Konsekrationsurkunde gedacht und gefühlt hat? Darüber gibt es keine Urkunden im Erzbistumsarchiv, darüber können wir Heutigen nur raten. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird es ein Gefühl der Freude gewesen sein. Bestimmt mischte sich in die Freude des Erzbischofs auch die Hoffnung darauf, dass diese Kirche eine gute Zukunft haben und ihrerseits den Menschen durch die Kraft des Evangeliums Hoffnung spenden wird. Hoffnung auch in schweren Stunden, Hoffnung auch im Angesicht des Todes.