logocontainer-upper
logocontainer-lower
© Jasmin Lobert / Erzbistum Paderborn
© Jasmin Lobert / Erzbistum Paderborn

Ein neuer alter Schatz erreicht das Erzbistumsarchiv

Die BVB-Gründerkirche tritt biografische Dokumente des Kaplans Hubert Dewald ab und erhält im Gegenzug erstklassige Digitalisate für die multimediale Ausstellung

Er ist kein Seliger und kein Heiliger. Zu Lebzeiten war er weder Prälat noch Domkapitular. Nicht einmal Pfarrer war er, nur ein einfacher Kaplan. Doch trotz seines niedrigen Tabellenplatzes in der Kirchenhierarchie ist Hubert Dewald bis heute in Dortmund hochverehrt. Vor allem unter den Fans des BVB, die sich rühmen, die weltbesten Fans zu sein. Der Grund dafür? „Ohne Hubert Dewald ist es eher fraglich, ob Borussia Dortmund so entstanden wäre“, erklärt Schwester Klara Arnolds ofs.

Die Keimzelle des BVB: ein christlicher Gebetskreis!

Als Referentin der BVB-Gründerkirche vermittelte die Franziskanerin die Übergabe der Unterlagen aus dem Leben Hubert Dewalds an das Erzbistumsarchiv in Paderborn. Stellvertretend für Schwester Klara übernahm Stefan Magh, Projektleiter der BVB-Gründerkirche, die Übergabe am 21. Mai 2026. Das Paket setzt sich zusammen aus dem Reifezeugnis von Kaplan Dewald, seiner Weiheurkunde aus dem Jahr 1906, dem Primizbild, seiner Ernennungsurkunde mit Einträgen zu verschiedenen Einsatzstellen sowie aus der Todesanzeige des am 15. Oktober 1918 mit erst 36 Jahren verstorbenen Kaplans, seinem Totenbildchen und dem Nachruf der Jünglingssodalität aus Anröchte, der letzten beruflichen Station Dewalds, und schließlich aus einem umfangreichen Nachruf mit Portraitfoto in einer Druckschrift der Dreifaltigkeitsgemeinde Dortmund.

Jünglingssodalitäten, die sich am besten als kameradschaftlicher Freizeit- und Gebetskreis beschreiben lassen, gab es seinerzeit in vielen Städten Deutschlands. Auch in der Dortmunder Dreifaltigkeitsgemeinde entstand 1901 eine Marianische Jünglingssodalität. Nach ihrer harten Arbeit, die meisten Jungmänner der Gruppe malochten in der Westfalenhütte, fanden sie als Sodalen unter dem Dach der katholischen Kirche Erholung, Gemeinschaft und christliche Herzensbildung. Die Aufsicht über die Jungmännervereinigung führte während seiner Dortmunder Zeit Kaplan Hubert Dewald. Just aus seiner Gruppe ging 1909 der BVB hervor, wobei ausgerechnet Dewalds ablehnende Haltung dem Fußball gegenüber, den Impuls zur Vereinsgründung lieferte.

Kein Kick, erst recht nicht am Sonntag!

Und das kam so: Franz Jacobi, einer der Dortmunder Sodalen, hatte einen echten englischen Lederball geschenkt bekommen. Daraufhin trübte sich das Verhältnis zwischen den jungen Männern und dem Kaplan deutlich ein. Denn nun grassierte unter den Sodalen das Fußballfieber. Dabei war das Spiel in der Wilhelminischen Zeit gesellschaftlich verpönt. Turnen ja, das galt als patriotisch. Aber Fußball? Nie und nimmer! Diesem neumodischen und ausländischen Unfug musste dringend Einhalt geboten werden.

Als Kind seiner Zeit hielt Kaplan Hubert Dewald wenig vom „rohen Sport“ seiner Jugendlichen und wollte ihren Kick verbieten, generell, vor allem aber am Tag des Herrn. Angeblich setzte der Kaplan zu den Spielzeiten verpflichtende Andachten an und ließ sogar die Torpfosten auf dem Sportplatz umsägen. Beirren ließen sich die Fußballverrückten davon nicht. Um jedoch weiteren Reibereien mit dem Priester aus dem Weg zu gehen, beschlossen sie, ihrem Spiel von nun an außerhalb der Kirche nachzugehen. Am Abend des 19. Dezember 1909 versammelten sich 18 junge Männer unter dem Vorsitz von Franz Jacobi und Heinrich Unger in der Gaststätte „Zum Wildschütz“ und gründeten den Ballspielverein Borussia, abgekürzt BVB.

Das ist die Kurzfassung. Die ausführliche Gründungsgeschichte des Vereins hat Karsten Haug in einem Buch niedergeschrieben, das im Jahr 2009 zum 100-jährigen Gründungsjubiläum des Vereins erschien und das 2020 in einer überarbeiteten und ergänzten Fassung neu aufgelegt wurde. Im Zuge seiner Recherchen der Gründergeschichte erkannte Haug, Gemeindereferent an St. Dreifaltigkeit und Beauftragter für die Fan-Pastoral, nicht allein das in der BVB-Gründerkirche liegende Potenzial für eine zeitgemäße Verkündung des Glaubens. Die Arbeit an seinem Buch brachte ihn auch in Kontakt mit der Familie Dewald. Bereitwillig überließen ihm die Angehörigen des Priesters all die Urkunden und die weiteren Schriftstücke, die nun in den Bestand des Erzbistumsarchivs eingehen.

Der junge Vikar, ein Sohn der Mark, verstand unser Volk und unsere Jugend wie kaum einer. Er übernahm den Jünglingsverein. Für die Jünglinge, ihre Ideale, ihre Kämpfe, ihre Nöte und Siege arbeitete und betete er.

Heißt es im Wortlaut

Win-win-Situation durch hochwertige Digitalisate

Durch die Übergabe der Unterlagen profitiert das Team der BVB-Gründerkirche gleich von zwei Kernkompetenzen des Erzbistumsarchivs. „Zum einen sind die Originalstücke in den Archivräumen besser aufgehoben als bei uns in der Kirche“, erklärt Schwester Klara. „Zum zweiten stellt uns das Archiv Digitalisate der Schriftstücke in hoher Qualität zur Verfügung. Anders als beim Fußball gibt es also kein Unentschieden, sondern nur Gewinner!“

Nach dem Umbau der Dreifaltigkeitskirche sollen die digitalisierten Abbildungen als Teil einer multimedialen Ausstellung publikumswirksam präsentiert werden. Selbst wenn die Multimediaschau noch nicht ins Detail geplant ist, hat Schwester Klara konkrete Ideen: „Am Todestag von Kaplan Dewald können wir dann zum Beispiel seine Todesanzeige zeigen.“

Glaube, Liebe, Fußball: die BVB-Gründerkirche

Gotteshaus, Ausstellung, Begegnungsstätte, sozialer Ort im Quartier, Kraftort und Mutmacher: Mit dem Umbau der Dreifaltigkeitskirche verfolgt das Erzbistum Paderborn ehrgeizige Pläne. Die Kirche bleibt ein geweihtes katholisches Gotteshaus, übernimmt aber als Ausstellung, Begegnungsstätte und sozialer Ort im Quartier viele zusätzliche Funktionen.

Beim Umbau greift die Architektur immer wieder Elemente aus dem Fußballerischen auf: Der Eingangsbereich ist beispielsweise einem Stadiontunnel nachempfunden. So können Priester wie Gläubige während der Gottesdienste zu großer Form auflaufen. Für die Gläubigen wird es natürlich Sitzplätze geben. Einen großen Teil des Hauptraums nimmt jedoch eine Stehtribüne ein. Auf diese Weise wird der Raum für die verschiedensten Veranstaltungen im Quartier nutzbar. Und im Gottesdienst wird sich die Tribüne nach dem Vorbild der Südtribüne in die sprichwörtliche „Gelbe Wand“ verwandeln. So geht Glaubensfreude!

Im Ausstellungsteil ist ein Bereich der Geschichte dem Zusammenspiel von Kirche und Verein gewidmet, ein anderer Teil zeigt den Einklang von sportlichen und christlichen Werten, aber auch, wo sich Fußball und Kirche nach wie vor aneinander reiben. Der Umbau wird voraussichtlich im Frühjahr 2027 abgeschlossen sein.

Und was wurde aus dem Streit zwischen Jungmannen und Kaplan?

Die Gründung des BVB erfolgte aus einem Konflikt heraus, der jedoch nicht zur Verbitterung führte. Für Schwester Klara ist dies eine christliche Tugend. Dass der Zwist im Guten beigelegt werden konnte, zeigt unter anderem der Nachruf der Dortmunder Dreifaltigkeitsgemeinde. Im Weiteren spricht der Nachruf von einem guten Vertrauensverhältnis und beständiger Freundschaft.

Auch die Dreifaltigkeitskirche war ein beständiger Glaubensort für den Verein, seine Mitglieder und Fans. Hier traten Aktive des BVB mit ihren Bräuten vor den Traualtar, hier wurden ihre Kinder getauft und so mancher Spieler der nächsten Generation aus der Taufe gehoben. Und selbstverständlich gibt es hier auch Beerdigungen, bei denen sich zur Trauerfarbe Schwarz ein freundliches Gelb mischt. „Diese Verbindung von Kirche und Fußball ist authentisch“, sagt Schwester Klara. „Genau das macht die BVB-Gründerkirche als Glaubensort so wertvoll.“

Fotos Jasmin Lobert / Erzbistum Paderborn
vorläufige Signatur EBAP-AKZ-2026/14
Entstehungsdatum 1902-1918
Literaturangabe Liese, Wilhelm: Necrologium Paderbornense – Totenbuch Paderborner Priester (1822-1930); Paderborn 1934; Seite 157
Ein Beitrag von:
© Jürgen Hinterleithner
freier Autor

Hans Pöllmann

© Besim Mazhiqi / Erzbistum Paderborn
Archivar

Michael Streit

Weitere Einträge

© Interplast-Germany.V. Michael Bergermann

Unser Glaube Vom OP in Hamm in die Krisenregionen der Welt: „Da muss ich hin!“

Seit fast 25 Jahren operiert Michael Bergermann ehrenamtlich Lippen-, Kiefer-, und Gaumenspalten. Auch im Ruhestand will er weitermachen.
© Nicoleta Ionescu / Shutterstock.com

Unser Glaube Jemanden haben, der mit durch die Angst geht

Gott löst die Angst nicht auf - aber er kann uns jemanden an die Seite stellen, um dadurch zu gehen. Und das passiert. Ein Impuls.
© Jasmin Lobert / Erzbistum Paderborn

Unser Glaube Jung. Engagiert. Unverzichtbar. Helfen beim Katholikentag

Rund 100 junge Menschen aus dem Südsauerland sind beim 104. Deutschen Katholikentag als Helferinnen und Helfer im Einsatz. Dort erleben sie Kirche als Ort der Gemeinschaft und der Begegnung.
Kontakt
| |
generalvikariat@erzbistum-paderborn.de
+49 (0)5251 125-0