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Erzbistum Paderborn
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Geborgenheit ist das, was wir alle suchen

„Auf eine Kaffeelänge mit …“ Uta Pohl von der ökumenischen Autobahnkirche Siegerland
Unser Glaube
28. März 2022
Wilnsdorf

Geborgenheit ist das, was wir alle suchen

„Auf eine Kaffeelänge mit …“ Uta Pohl von der ökumenischen Autobahnkirche Siegerland

Innerhalb unserer Reihe „Auf eine Kaffeelänge mit …“ treffen wir uns regelmäßig mit einer Person aus dem Erzbistum Paderborn, um die Vielfalt der engagierten Menschen abzubilden. Einzige Vorgabe der Zusammenkunft: Das Treffen endet, sobald die Kaffeebecher geleert sind. Diesmal haben wir uns mit Uta Pohl getroffen. Sie ist Mitbegründerin des Fördervereins, der die überkonfessionell ausgerichtete Autobahnkirche in Wilnsdorf baute und damit einen weißen Fleck auf der Landkarte der Autobahnkirchen schloss.

Es pfeift ein gehöriger Wind auf dem Elkersberg in über 440 Meter Höhe. Einst hat man einen Teil des Berges zu einem Plateau abgetragen und hier einen Autohof errichtet. Mit Spielhalle, Fastfood-Restaurant, Hotel, Tankstelle, Werkstatt, Sanitäranlagen und über 100 Lkw-Plätzen. Monströse Werbetafeln in knalligen Farben erzählen vom lauten und bunten Treiben. Mittendrin steht eine Autobahnkirche. Die Nummer 40 in Deutschland und die einzige zwischen Wiesbaden und Kassel. Fährt man auf der A45 von Norden nach Süden strahlt sie mit ihrem weißen glänzenden Kunststoffkleid den Reisenden, Pendlern und Truckern entgegen. „Das ist ganz typisch an unserem kleinen Gotteshaus. Dass es sich sozusagen den Menschen von weitem in den Weg stellt und sagt ‚Komm, kehr ein, ich bin deine Kirche‘“, so Uta Pohl.

Auf der Reise berührt

Pohl ist Mitbegründerin des Fördervereins, der für die geweihte überkonfessionelle Kirche verantwortlich zeichnet. „Mein inzwischen verstorbener Kollege Hartmut Hering hatte sich in Süddeutschland inspirieren lassen, sagte, so etwas brauchen wir hier auch. Und ich dachte sofort, was Hartmut da sagt, ist toll. Ich kannte Baden Baden, die größte Autobahnkirche auf dem Weg nach Süden und wurde dort auf einer Reise sehr berührt. In einer Zeit, in der es mir nicht so gut ging.“

Das war 2009. Innerhalb von vier Jahren stand die Kirche. In Privatinitiative, gebildet aus einem bereits bestehenden ökumenischen Arbeitskreis. „Es war eine Herausforderung, an diesem Ort überhaupt eine Kirche zu bauen. Und dann eine, die es schafft, sich in diesem merkwürdigen Ambiente zu behaupten“, so Pohl, für die das Projekt eine Herzensangelegenheit, eine Erfüllung ist. Ein wichtiger Baustein ihrer Lebensgeschichte.

So viele Botschaften, Bitten und Sprachen

Etwa 2500 Menschen besuchen monatlich diesen Rastplatz für die Seele an der A45, der 24 Stunden geöffnet ist, Halt bietet zu jeder Tages- und Nachtzeit –  Pohl kann das an den Opferlichtern ablesen. Reisende kommen für ein stilles Schutzgebet. Geschäftsleute für eine Atempause im stressigen Alltag. Fernfahrer mit den unterschiedlichsten Anliegen ihres harten Lebens auf der Straße. Oder auch Einheimische, die den Kontakt zu ihrer Heimatgemeinde verloren haben.

„Es ist eine bunte Mischung von Menschen, die hierherkommt. Die Anliegenbücher zeigen das“, sagt Pohl. Wie viele tausend Seiten wohl schon beschrieben wurden? Mit persönlichem Dank an Gott. Mit Sorgen, Nöten und mit Hoffnung. Es sind viele Handschriften, viele Botschaften und Bitten. Und viele Sprachen: Deutsch, Tschechisch, Arabisch, Polnisch, Englisch… In diesen Zeiten ganz besonders verbunden mit dem Wunsch nach Frieden: „Peace on Earth – Stop War. Protect all, they need your Help“, lautet ein Eintrag, dem viele andere gleichen in diesem Buch, das die menschliche Seele, Glauben und Leben und auch Weltgeschichte spiegelt.

Ein Platz zum Auftanken der Seele ist immer frei

Mit Ausnahme der Wochenschlussandacht freitagsabends gibt es keine liturgischen Feiern oder Gottesdienste in der Autobahnkirche Siegerland – ein Spiegel der ökumenischen Ausrichtung der Kirche. „Katholiken, Protestanten, Freikirchler, Geistliche oder Privatmenschen gestalten die halbe Stunde. Und so sitzen wir hier zusammen.“ Vor Corona waren es immer 100 Menschen. Zurzeit mit Anmeldung um die 40. „Wir haben aber immer ein paar Plätze frei für die, die frisch von der Autobahn kommen, um ihre Seele aufzutanken“, lächelt Pohl.

Seit die Autobahnkirche Siegerland fertiggestellt wurde, sorgt sie für internationale Aufmerksamkeit. Zieht Künstler, Fotografen, Maler, Architekturbegeisterte an. Viele Auszeichnungen hat sie erhalten. Das Logo von Kirchenschildern war Ausgangspunkt, wurde sozusagen aufgeklappt zu einem markanten dreidimensionalen Bau. „Es war uns natürlich ein Anliegen, eine einmalige Kirche zu bauen. Das Besondere an ihr ist, dass sie eigentlich ganz schlicht ist“, so Pohl. „Es gibt dabei viele Interpretationen. Ein japanischer Hotelgast sagte einmal ganz ergriffen: Oh, das ist ja Origamo. Und Christian Bale hat unsere Türme mit den Fledermausohren seines Batman-Anzugs verbunden.“ Mindestens ebenso spektakulär und doch ganz anders ist das Innenleben der Kirche.

Die Arme ausgebreitet, um die Menschen aufzunehmen

Das honigfarbene Holzgewölbe legt sich wie eine wärmende Decke über den Besucher, vermittelt Geborgenheit. „Das, was wir alle suchen“, lächelt Pohl. „Auch hier ist viel Raum für Assoziation. Kinder sprechen von Märchen, wenn sie diese Kirche von innen sehen.“

Einzig der Altarraum, der von den verglasten Innenseiten der Türme indirekt Licht bekommt, ist in Weiß gehalten. Ein großes Kreuz ist fest im Boden verankert. Ohne Corpus – ökumenisch im Dreieck von evangelisch-reformierter, lutherischer und katholischer Kirche. Es streckt sich weit nach oben und breitet seine Arme aus, um die Menschen aufzunehmen. „Wenn ich in eine Kirche und vor ein Kreuz trete, möchte ich aufgenommen sein, Halt finden und dazu gehört körperliches Empfinden. Das Mystische des Glaubens erreicht doch viel eher, wenn man sich wohlfühlt“, sagt Pohl.

Info

Autobahnkirchen sind eine deutsche Erfindung. Die erste von den heute über 40 ist die ab 1956 in Adelsried an der A8 zwischen München und Stuttgart errichtete Kirche „Maria, Schutz der Reisenden“. Orte der Ruhe und Besinnung an Reiserouten zu schaffen, ist indes keine Idee der Neuzeit. Schon im Mittelalter gab es für Wanderer und Pilger Kapellen und Kreuze am Wegesrand für Einkehr und Andacht.

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Ein Beitrag von:
Freie Journalistin

Birgit Engel

 
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