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Entdecken, was Glaube Gutes mit sich bringt

„Auf eine Kaffeelänge mit …“ Max Halbe vom Pfadfinderstamm Vinzenz Pallotti Olpe
Das ehemalige Kloster der Pallottiner in Olpe© Birgit Engel / Erzbistum Paderborn
Unser Glaube
31. Oktober 2022
Olpe

Entdecken, was Glaube Gutes mit sich bringt

„Auf eine Kaffeelänge mit …“ Max Halbe vom Pfadfinderstamm Vinzenz Pallotti Olpe

Innerhalb unserer Reihe „Auf eine Kaffeelänge mit …“ treffen wir uns regelmäßig mit einer Person aus dem Erzbistum Paderborn, um die Vielfalt der engagierten Menschen abzubilden. Denn die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie ehrenamtlich tätigen Menschen zählen zu den 1000 guten Gründen für den Glauben und die katholische Kirche. Indem  wir  von ihnen erzählen, bringen wir das Gute zur Sprache und machen sichtbar, wie lebenswert und vielfältig das katholische Glaubensleben ist. „1000 gute Gründe“ – lernen Sie auf eine Kaffeelänge die hauptberuflich und ehrenamtlich Engagierten im Erzbistum Paderborn näher kennen. Diesmal haben wir uns mit Max Halbe getroffen. Der 24-jährige erzählt, was Pfadfinder sein ausmacht und warum es ihm wichtig ist, das Pallottinische hochzuhalten.

Max Halbe studiert „Reli und Bio“ auf Lehramt. „Wenn ich das erzähle, schaue ich nicht selten in erstaunte Gesichter. Aber Glauben und Wissen schließen sich nicht aus. Die Biologie ist das Wie, sie erklärt beispielsweise die Evolution. Religion ist eher das Warum. Warum gibt es uns Menschen? Welche Beziehung haben wir zu Gott? Gott lässt sich nicht beweisen, aber auch nicht widerlegen.“

Das fünfte Evangelium

In den letzten Semesterferien war er viel unterwegs. Die Eindrücke sind ihm noch mit aller Kraft präsent: Er war in Rom, Zentrum der katholischen Kirche. Aber auch Geburts- und Heimatstadt von Vinzenz Pallotti, hier liegen die Wurzeln seiner weltweiten Gemeinschaft. Und er war auf Pilgerreise in Israel, an den biblischen Orten des Christentums. In Magdala und Kapernaum am See Genezareth, in Jerusalem auf dem Ölberg und dem Golgatha … „Ich finde es spannend, was Kirchenvater Hieronymus sagte: Dass die Landschaft das fünfte Evangelium ist. Wenn wir die lesen, dann begreifen wir die anderen vier.“

Da reingewachsen

Das Komplementäre, die Verbindung von Mensch und einem Gott und Schöpfer findet der 24-Jährige auch bei den Pfadfindern. In der sichtbaren Natur. „Sie ist etwas Wunderbares. Wenn ich einen frischen Sommerregen rieche, jetzt im Herbst den Wandel in unseren Wäldern erlebe, unterm Sternenhimmel oder am Lagerfeuer sitze, dann weiß ich, dass da noch etwas ist.“
Rund 100 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene gehören dem Stamm Vinzenz Pallotti Olpe an. Keine Rede von Mitgliederschwund. „Wir haben Wartelisten. Manche Kinder werden schon mit der Geburt angemeldet. Was uns fehlt, sind Leiter“, sagt Halbe, der selbst so lange dabei ist, wie er denken kann. „Ich bin da reingewachsen. Meine Familie ist eine Pfadfinderfamilie.“

Nicht die großen Dinge zählen

Die Natur, das Zeltlager ist der Aufenthaltsraum der Pfadfinder. Neben den wöchentlichen Gruppenstunden gibt es Stammeslager, Wanderlager und mindestens einmal im Jahr ein Sommerlager für jede Stufe. Unterwegs sein, gemeinsam und am liebsten analog, in Rückbesinnung auf das Zwischenmenschliche und die Schöpfung. „Eine große Rolle spielt auch soziales Engagement, die Frage und Antwort darauf, wie man miteinander umgeht“, erklärt Max Halbe. So wie die 72-Stunden-Aktion, Teamarbeit mit den Werthmannwerkstätten, das Überbringen des Friedenslichtes aus Bethlehem. Oder auch Aktionen wie ganz einfach Müll sammeln. „Es müssen nicht die ganz großen Dinge sein. Es sind die anscheinenden Kleinigkeiten, die christliche Haltung zeigen. Was Jesus gesagt hat, kann man im Alltag leben und danach handeln.“

Den eigenen Weg finden

Seit knapp einem halben Jahr ist Max Halbe Kurat seines Stammes, hat Vorstandsfunktion, ist Ansprechpartner und auch Bindeglied zur Pfarrgemeinde. Und er begleitet die Kinder und Jugendlichen seelsorglich, entwickelt Angebote, die sie in ihrer spirituellen Suche und Entwicklung unterstützen, setzt geistliche Impulse. „Unsere Grundlage sind die christlichen Werte. Das bedeutet auch, dass bei uns jeder willkommen ist. Wir bieten einen offenen Raum“, betont Halbe und meint damit eine „wertschätzende Begleitung und nicht von oben herab“. Es gehe darum, die eigenen Fähigkeiten, Stärken und Schwächen zu erforschen. Zu erkennen, was einen selbst als Mensch ausmache und dass jeder Mensch wichtig ist. Zu lernen, selbstständig und eigenverantwortlich zu entscheiden, Verantwortung für sich und den nächsten und die Gemeinschaft zu übernehmen. „Unsere Kinder und Jugendlichen sollen ihren eigenen Weg finden. Auch ihren eigenen Weg zu Gott, mit kritischem und wachem Blick. Und dabei entdecken, was Glaube Gutes mit sich bringt.“

Das Pallottinische hochhalten

Zwei Hütten, ein großer Lagerfeuerplatz und viel Wald drumherum – das ist das Domizil der Olper Pfadfinder. Auf einem der drei Berge der Kreisstadt, dem Osterseifen. Hier steht das ehemalige Kloster der Pallottiner. Nach einer über einhundertjährigen Geschichte wurde es geschlossen und ist heute Wohnanlage für Senioren. 2017 haben die Pallottiner die Kreisstadt verlassen. „Olpe und die Pallottiner, das war immer eine ganz besondere Beziehung. Wir Pfadfinder haben hier unsere Heimat gefunden. Wir sind mit den Patres groß geworden. Meine Familie hatte eine freundschaftliche Beziehung zu ihnen. Mich haben sie besonders geprägt“, erzählt Max Halbe. Ihm ist es ganz besonders wichtig, das Pallottinische im Stamm hochzuhalten. „Die direkten Berührungspunkte sind ja nicht mehr da. Dadurch, dass die Pallottiner mit dem Kohlhagen wieder im Kreis Olpe sind, ergeben sich neue Anknüpfungsmöglichkeiten.“

Wer war Pallotti überhaupt? Was verbirgt sich hinter seiner Idee des Allgemeinen Apostolats, in der alle Gläubigen, unabhängig von Herkunft, Stand und Lebensgeschichte gleichberechtigt zusammenarbeiten und ihren Beitrag in der Welt leisten?! „Pallotti passt gut zu uns. Die Pfadfinder waren schon immer offen. Queere zu sein, war und ist bei uns kein Thema. Diejenigen, die damit Probleme in der Familie oder ihrem Umfeld haben, finden bei uns einen geschützten Raum. Kirche und Glaube ist nicht nur zum Beten da, sondern bedeutet Gemeinschaft mit allem Drum und Dran. Wir alle sollen mitgestalten. Das hat Pallotti schon damals gedacht. Das passt in unsere Zeit.“

© Erzbistum Paderborn
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Ein Beitrag von:
Freie Journalistin

Birgit Engel

 
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