Von der Kirchenbank aus ist das große Glasfenster mit der Auferstehungsszene nicht zu erkennen. Die tiefen Pfeiler der Rundbögen verstellen die Sicht auf das Glasmosaik. Indirekt aber ist das Bild mit der zentralen Darstellung des auferstandenen Christus immer präsent. Je nach jahres- und tageszeitbedingtem Stand der Sonne und je nach Sonnenintensität fällt das Licht auf unterschiedliche Weise in den Altarraum. Zu manchen Stunden ist der Tabernakel in sattes Grün getaucht, zu anderen Zeiten steht er in flammendem Rot. An anderen Tagen wiederum bildet der Ambo, der Altar oder auch nur ein schnödes Stück Fußboden den Mittelpunkt des Lichtspiels. Und selbst an trüben Tagen, wenn von draußen nur neutrale Helligkeit hereindringt, wirkt das Glasfenster. Im Kircheninneren ist sogar die Abwesenheit von Farbe spürbar.
Pfarrer Karl-Heinz Graute, Leiter des Pastoralverbundes Lübbecker Land, freut sich sehr darüber, dass das Glasfenster von St. Johannes Baptist als Motiv für den Erzbistumskalender ausgewählt wurde. „Auf diese Weise können die Menschen, die aus Scheu vor dem Betreten des Altarraums nur das Farbspiel kennen, endlich das schöne Bild betrachten.“ Dabei, so Pfarrer Graute weiter, sei die Scheu gar nicht nötig. Wer möchte, kann gern vor oder nach den Gottesdiensten nach vorn in den Altarraum treten, um das Fenster in seiner ganzen Pracht zu erleben. Dabei gibt es vieles zu bestaunen: den auferstandenen Christus mit dem Segensgestus in der Bildmitte, Maria zu seiner Seite, weder Schmerzensmutter noch Himmelskönigin, sondern in sich ruhend und still, eine Schar Heiliger und natürlich im Vordergrund die beiden römischen Soldaten, die sich, geblendet vom göttlichen Licht des Auferstandenen, die Augen zuhalten und wegtaumeln, ihre Lanzen keine tödlichen Waffen mehr, sondern nutzlose Requisiten, an denen sie sich festklammern. Eingebettet ist die Szenerie in eine Stadtansicht von Lübbecke. Zu erkennen sind die typischen Fachwerkhäuser, aber auch die alte, mit der Reformation protestantisch gewordene Andreaskirche. Ebenfalls dargestellt ist St. Johannes Baptist, allerdings in einem früheren Bauzustand, vor den vielen Anbauten, die der Kirche ihr heutiges Aussehen geben.