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© Besim Mazhiqi
© Besim Mazhiqi

Ein Gottesvolk, so bunt wie das Glasfenster

Erzbistumskalender 2025: St. Johannes Baptist in Lübbecke ist ein Glaubensort in der Diaspora des Mindener Landes

Von der Kirchenbank aus ist das große Glasfenster mit der Auferstehungsszene nicht zu erkennen. Die tiefen Pfeiler der Rundbögen verstellen die Sicht auf das Glasmosaik. Indirekt aber ist das Bild mit der zentralen Darstellung des auferstandenen Christus immer präsent. Je nach jahres- und tageszeitbedingtem Stand der Sonne und je nach Sonnenintensität fällt das Licht auf unterschiedliche Weise in den Altarraum. Zu manchen Stunden ist der Tabernakel in sattes Grün getaucht, zu anderen Zeiten steht er in flammendem Rot. An anderen Tagen wiederum bildet der Ambo, der Altar oder auch nur ein schnödes Stück Fußboden den Mittelpunkt des Lichtspiels. Und selbst an trüben Tagen, wenn von draußen nur neutrale Helligkeit hereindringt, wirkt das Glasfenster. Im Kircheninneren ist sogar die Abwesenheit von Farbe spürbar.

Pfarrer Karl-Heinz Graute, Leiter des Pastoralverbundes Lübbecker Land, freut sich sehr darüber, dass das Glasfenster von St. Johannes Baptist als Motiv für den Erzbistumskalender ausgewählt wurde. „Auf diese Weise können die Menschen, die aus Scheu vor dem Betreten des Altarraums nur das Farbspiel kennen, endlich das schöne Bild betrachten.“ Dabei, so Pfarrer Graute weiter, sei die Scheu gar nicht nötig. Wer möchte, kann gern vor oder nach den Gottesdiensten nach vorn in den Altarraum treten, um das Fenster in seiner ganzen Pracht zu erleben. Dabei gibt es vieles zu bestaunen: den auferstandenen Christus mit dem Segensgestus in der Bildmitte, Maria zu seiner Seite, weder Schmerzensmutter noch Himmelskönigin, sondern in sich ruhend und still, eine Schar Heiliger und natürlich im Vordergrund die beiden römischen Soldaten, die sich, geblendet vom göttlichen Licht des Auferstandenen, die Augen zuhalten und wegtaumeln, ihre Lanzen keine tödlichen Waffen mehr, sondern nutzlose Requisiten, an denen sie sich festklammern. Eingebettet ist die Szenerie in eine Stadtansicht von Lübbecke. Zu erkennen sind die typischen Fachwerkhäuser, aber auch die alte, mit der Reformation protestantisch gewordene Andreaskirche. Ebenfalls dargestellt ist St. Johannes Baptist, allerdings in einem früheren Bauzustand, vor den vielen Anbauten, die der Kirche ihr heutiges Aussehen geben.

Das Gottesvolk ist bunt

Diese Baugeschichte hat mit der Lage in der Diaspora zu tun. Sind hier in Lübbecke sieben oder acht Prozent der Menschen katholischen Glaubens? Einerlei. Es sind anteilig wenige. Von der Reformation bis 1844 gab es gar keine katholische Kirche in der Stadt, und die erste Kirche besaß eher das Format einer Kapelle. Weil mit der industriellen Wollweberei und mit der Tabakwarenproduktion viele katholische Arbeiterfamilien in die Stadt kamen und nach dem Zweiten Weltkrieg die Gemeinde durch Heimatvertriebene und Flüchtlinge wuchs, wurde auch die Kirche immer wieder vergrößert, wobei sich die Anbauten glücklicherweise zu einem homogenen Bild fügen.

Heute zählt die Gemeinde 2.200 Mitglieder – wie in früheren Zeiten sind viele von ihnen Menschen, die von weit her nach Lübbecke zum Arbeiten gekommen sind. „Nach einem halben Jahr der Vorbereitung auf die Erstkommunion erhalten die Kommunionkinder bei uns den Text des Vaterunsers auf einem feinen Urkundenpapier“, erzählt Pfarrer Karl-Heinz Graute. „Bei der Gelegenheit fragen wir die Gottesdienstbesucherinnen und -besucher, in welcher Sprache außer Deutsch sie das Vaterunser kennen. Die Antworten: Englisch, Polnisch, Russisch, Ukrainisch, Arabisch, sogar Aramäisch, also die Sprache, in der Jesus gesprochen und gepredigt hat, und noch viele weitere Sprachen.“ Das Gottesvolk in Lübbecke ist so bunt wie das Glasfenster – und das Fenster so bunt wie die Welt.

St. Johannes Baptist in Lübbecke

Hier finden Sie weitere Informationen zu diesem Ort.

Das Kalenderbild

Das Kalenderbild: St. Johannes Baptist in Lübbecke © Besim Mazhiqi

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