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© Besim Mazhiqi
© Besim Mazhiqi

Dem Bildersturm nach dem Zweiten Vatikanum widerstanden

Erzbistumskalender 2025: Im kommenden Jahr feiert die Dorfkirche St. Johannes der Täufer in Dedinghausen ihr hundertjähriges Kirchenjubiläum

Milde lächelt sie, die Muttergottesfigur im Eingangsbereich der schmucken Dorfkirche St. Johannes der Täufer in Dedinghausen, Filialkirche der Pfarrkirche St. Severin in Lippstadt-Esbeck, die wiederum der Pfarrei St. Nicolai Lippstadt angehört. So freundlich blickt die Himmelskönigin drein, dass sie ganz bestimmt verziehen hat, was ihr angetan wurde. Denn eigentlich war die frühere Altarfigur schon aussortiert, lag im Turm in einem Räumchen unter dem Geläut.

Dass sie jetzt wieder im Eingangsbereich steht und im strahlenden Gegenlicht die Menschen beim Eintreten in die Kirche begrüßt, ist für manche ein kleines Wunder. Andere haben dafür eine rationale Erklärung, sehen darin das Ergebnis der Widerständigkeit der Gläubigen in Dedinghausen.

„Viele Kirchen hier bei uns in der Gegend wurden im Bildersturm nach dem Zweiten Vatikanum auf ruppige Weise ausgeräumt“, erzählt Theo Husemann, zwischen 1985 und 2023 geschäftsführender stellvertretender Kirchenvorstand und seiner Dorfkirche St. Johannes immer noch aufs Engste verbunden. „Das haben die Gläubigen in Dedinghausen aber nicht mit sich machen lassen.“

Und: Ihr Protest zeigte Wirkung. Der Hochaltar und die Kanzel blieben drin. Auch die frühere Kommunionbank wurde nicht weggeräumt, sondern geteilt und vor den Seitenaltären aufgestellt. Und der Fehler mit der Muttergottesfigur? Wurde mit der Wiederaufstellung im Jahr 1972 revidiert. „Man kann so eine Figur nicht einfach weglegen“, sagt Husemann. Eigentlich wäre es ihm lieber gewesen, würde das Kalenderblatt nicht in diesem, sondern im kommenden Jahr erscheinen. Dann feiert die im Jahr 1926 fertiggestellte, unter dem Patrozinium Johannes’ des Täufers stehende Kirche ihr großes, das hundertjährige Jubiläum. „Aber ankündigen müssen wir das Jubiläum und das Patronatsfest am 24. Juni 2026 auf jeden Fall!“, fordert Theo Husemann energisch.

Eine Lotterie für den Kirchenbau?

Errichtet wurde die Johanneskirche in Dedinghausen in einer schlechten Zeit. Der Erste Weltkrieg war erst wenige Jahre her, die Spanische Grippe hatte danach weitere Menschenleben gekostet, die Hyperinflation von 1923 so manches Vermögen aufgezehrt. Aber die Menschen in Dedinghausen waren die lange kirchenlose Zeit leid. Der Vorgängerbau der Kirche, eine 1701 auf dem Kapellenkamp errichtete Fachwerkkapelle, wurde im Jahr 1884 wegen Baufälligkeit abgebrochen. Wollten die Menschen Gottesdienst feiern, mussten sie mehr als 40 Jahre lang St. Severin in Esbeck oder St. Antonius in Rixbeck aufsuchen.

Umso mehr legten sich die Bewohnerinnen und Bewohner des Dorfs beim Bau ihrer Kirche ins Zeug. Dank freiwilliger Hand- und Spanndienste und vieler kleiner Geldspenden kam das Vorhaben gut voran. Erste Pläne wurden Ende 1924 vorgelegt. Grundsteinlegung war am Ostermontag, dem 13. April 1925. Geweiht wurde die Dorfkirche am 29. September 1926. „Während der Bauzeit fiel das Schützenfest aus, stattdessen wurde durch eine Lotterie Geld für den Kirchenbau gesammelt“, weiß Theo Husemann. „Heute? Da wäre das undenkbar!“

Aus Geldmangel übernahm die Gemeinde viel von der Ausstattung der alten Fachwerkkapelle von 1701. Das Geläut, eine kleine, im Jahr 1631 gegossene Glocke, stammt gar von deren Vorläuferbau. Als St. Johannes im Jahr 1964 ein neues Geläut aus vier Glocken erhielt, wurde das alte Glöcklein zur Friedhofsglocke umfunktioniert. Seither begleitet der Schlag der „ältesten Dedinghausenerin“ die Verstorbenen auf ihrem letzten Weg. Heute würde man von Nachhaltigkeit sprechen. In Dedinghausen aber lässt man sakralen Dingen einfach ihren Wert.

St. Johannes der Täufer in Dedinghausen

Hier finden Sie weitere Informationen zu diesem Ort.

Das Kalenderbild

Kalenderbild Erzbistumskalender 2025: St. Johannes in Dedinghausen © Besim Mazhiqi

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