Milde lächelt sie, die Muttergottesfigur im Eingangsbereich der schmucken Dorfkirche St. Johannes der Täufer in Dedinghausen, Filialkirche der Pfarrkirche St. Severin in Lippstadt-Esbeck, die wiederum der Pfarrei St. Nicolai Lippstadt angehört. So freundlich blickt die Himmelskönigin drein, dass sie ganz bestimmt verziehen hat, was ihr angetan wurde. Denn eigentlich war die frühere Altarfigur schon aussortiert, lag im Turm in einem Räumchen unter dem Geläut.
Dass sie jetzt wieder im Eingangsbereich steht und im strahlenden Gegenlicht die Menschen beim Eintreten in die Kirche begrüßt, ist für manche ein kleines Wunder. Andere haben dafür eine rationale Erklärung, sehen darin das Ergebnis der Widerständigkeit der Gläubigen in Dedinghausen.
„Viele Kirchen hier bei uns in der Gegend wurden im Bildersturm nach dem Zweiten Vatikanum auf ruppige Weise ausgeräumt“, erzählt Theo Husemann, zwischen 1985 und 2023 geschäftsführender stellvertretender Kirchenvorstand und seiner Dorfkirche St. Johannes immer noch aufs Engste verbunden. „Das haben die Gläubigen in Dedinghausen aber nicht mit sich machen lassen.“
Und: Ihr Protest zeigte Wirkung. Der Hochaltar und die Kanzel blieben drin. Auch die frühere Kommunionbank wurde nicht weggeräumt, sondern geteilt und vor den Seitenaltären aufgestellt. Und der Fehler mit der Muttergottesfigur? Wurde mit der Wiederaufstellung im Jahr 1972 revidiert. „Man kann so eine Figur nicht einfach weglegen“, sagt Husemann. Eigentlich wäre es ihm lieber gewesen, würde das Kalenderblatt nicht in diesem, sondern im kommenden Jahr erscheinen. Dann feiert die im Jahr 1926 fertiggestellte, unter dem Patrozinium Johannes’ des Täufers stehende Kirche ihr großes, das hundertjährige Jubiläum. „Aber ankündigen müssen wir das Jubiläum und das Patronatsfest am 24. Juni 2026 auf jeden Fall!“, fordert Theo Husemann energisch.