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Erzbistum Paderborn
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© Besim Mazhiqi / Erzbistum Paderborn

Die Kirche muss den Menschen etwas geben

Erzbistumskalender 2022: St. Meinolf in Hagen ist eine moderne Kirche – nicht nur in Sachen Architektur

Keppeler Dom

Der 22. September des Jahres 1900 ist ein großer Tag für die Diasporagemeinde St. Augustinus Keppel in Dahlbruch, einem heute der Stadt Hilchenbach zugehörigen Ort im nördlichen Siegerland. Der Paderborner Bischof Dr. Wilhelm Schneider, erst seit wenigen Wochen im Amt, kommt eigens zur Weihe der im neugotischen Stil errichteten Kirche angereist. Es ist nicht irgendeine Dorfkirche. Nein, die Augustinus-Kirche ist das neue bauliche Zentrum einer Missionspfarrei, der neugotische Turm ein katholisches Leuchtfeuer in der sonst protestantischen Region. Bald schon wird das Gotteshaus ob seiner imposanten Erscheinung den Beinamen „Keppeler Dom“ tragen. Nun stößt Bischof Schneider, wie es Brauch ist, mit seinem Hirtenstab gegen das verschlossene Kirchenportal. Als früherer Professor für Moraltheologie ist Schneider wahrlich kein Haudrauf. Vielleicht liegt es an seiner Nervosität und Unerfahrenheit. Womöglich hatte der Krummstab schon vorher einen Knacks. Jedenfalls gerät der Schlag etwas zu wuchtig. Der Stab geht entzwei.

Eine pannenüberschattete Weihe

Die Geschichte von der pannenüberschatteten Weihe ist eine der Lieblingsgeschichten von Dr. Erwin Isenberg. Mit ihr weiß der pensionierte Studiendirektor am Gymnasium Stift Keppel, Mitglied des Kirchenvorstands und Archivar des Pastoralverbunds Nördliches Siegerland, die Besucherinnen und Besucher der Kirche zu fesseln. „Die weitere Baugeschichte von St. Augustinus Keppel stand ebenfalls unter keinem guten Stern“, fährt Isenberg mit seiner Erzählung fort. „Weil die Gründung auf der Hangseite so schlecht war, mussten schon 1959 das Kirchenschiff und der Ostchor wieder abgerissen werden. Übrig blieben nur der Turm und die Westapsiden.“

Eine Kirche der Überraschungen

Für die damalige Kirchengemeinde war dies eine Katastrophe. Auf lange Sicht erwies es sich jedoch als Glücksfall, dass die abgerissenen Gebäudeteile im Stil der Nachkriegszeit ersetzt wurden. Auf diese Weise wurde St. Augustinus Keppel zu einer Kirche der Überraschungen. Die Außenansicht und der Eingangsbereich lassen ein traditionelles neugotisches Inneres erwarten. Wer die Kirche aber durch das Hauptportal betritt, sieht sich urplötzlich einer von bunten Glasfenstern erhellten Stahlbetonarchitektur gegenüber. Das Spannungsverhältnis zieht nicht nur Menschen mit einem Faible für Baukunst in seinen Bann. Seit dem Jahr 2007, als der Altar im Zuge einer Renovierung als Volksaltar in die Kirchenmitte rückte, ist Sankt Augustinus Keppel bei Brautpaaren recht beliebt.

Konfessionsübergreifende Aktivitäten

„Für den guten Besuch der Kirche sorgt zuletzt die Ökumene“, erklärt Isenberg. Bei den konfessionsübergreifenden Aktivitäten knüpft die Kirchengemeinde von St. Augustinus Keppel an eine lange Tradition an. Das benachbarte Stift Keppel, das der Kirche einen Namensteil gegeben hat, war vom Jahr 1654 an ein freiweltliches Damenstift im sogenannten Simultaneum beider Konfessionen. Sechs Jahre zuvor hatten Katholiken und Protestanten im Dreißigjährigen Krieg noch aufeinander geschossen. Nun lebten Frauen beider Konfessionen nach den Regeln eines freiweltlichen Damenstifts, gleichwohl in „frommer Zurückgezogenheit“, wie es in der Übersetzung einer lateinischen Inschrift über dem Hauseingang heißt. Die Haushaltungen waren zwar getrennt, es gab sogar einen katholischen und einen evangelischen Kuhstall. Aber die Stiftsdamen lebten miteinander unter einem Dach. So friedlich, dass das Simultaneum bis zur Aufhebung des Klosters im Jahr 1812 andauerte. Das zeigt, wie viel möglich ist – im Erdkreis und im Siegerland.

St. Augustinus Keppel in Hilchenbach-Dahlbruch

Hier finden Sie weitere Informationen über diesen besonderen Ort.

St. Augustinus Keppel in Hilchenbach-Dahlbruch

Das Kalenderbild

© Besim Mazhiqi / Erzbistum Paderborn

Bistumskalender 2023: Auf dem Weg im Erzbistum Paderborn

Der diesjährige Bistumskalender nimmt uns mit auf eine Reise durch das Erzbistum Paderborn und macht jeden Monat Halt an zwei besonderen Orten: an zahlreichen Kapellen oder Kreuzwegen, die jeweils Zeugen einer interessanten Entstehungsgeschichte sind. Darüber hinaus erzählt der Kalender faszinierende Geschichten von Menschen, die mit diesen Orten verbunden sind – manchmal nicht nur über viele Jahre, sondern sogar über weite Entfernungen hinweg. Wir stellen Ihnen hier alle zwei Wochen das neueste Kalenderblatt vor.

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"Ich finde, dass Toleranz bedeutet, dass man einen anderen Menschen so akzeptiert, wie er ist. Er kann eine andere Meinung haben oder anders aussehen. Alle Menschen sind gleich viel wert. Das heißt für mich Toleranz." Mats, 9 Jahre

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