logocontainer-upper
Erzbistum Paderborn
logocontainer-lower
© Besim Mazhiqi / Erzbistum Paderborn

Die Kirche muss den Menschen etwas geben

Erzbistumskalender 2022: St. Meinolf in Hagen ist eine moderne Kirche – nicht nur in Sachen Architektur

Zittriger Lobgesang

Ein junger Mann fährt gen Mitternacht mit dem Fahrrad über die Landstraße von Hövelhof nach Stukenbrock. Erhellt wird die Düsternis nur von der Karbidfunzel an seinem Rad. Auf Höhe der Brinkkapelle am Ortseingang von Stukenbrock hört der Mann ein gar schauderhaftes Ächzen und Krächzen. Angstvoll tritt er in die Pedale. Nur weg von hier! Kein Wunder, in seiner Kindheit hatte er viele Spukgeschichten gehört. Zu Hause angekommen, mischt sich in den Schauer eine andere Angst: Hat da ein verunglückter Mensch gelegen, den er in seiner Angst im Stich gelassen hat? Anderentags löst sich das Rätsel in Wohlgefallen auf. Das Ächzen kam weder von Nachtmahren noch von Unglücksopfern. Ein paar ältere Damen hatten sich zur Mitternachtsandacht in der Brinkkapelle verabredet. Was sich der junge Mann in seinem Kopf als den Jammer von Spukgestalten zusammengereimt hatte, war zittriger Lobgesang.

Aberglaube und Volksfrömmigkeit

Wann genau sich das Ereignis zugetragen hat, ist nicht mehr rekonstruierbar. Es war um 1910 herum, jedenfalls noch vor dem Ersten Weltkrieg. „Der junge Mann aber ist eindeutig identifizierbar“, sagt Heinz Renerig. „Das war mein Großvater.“ Die Geschichte erzählt der ehemalige Kirchenvorstand und Stadtführer in Schloß Holte-Stukenbrock mit Vorliebe. Zum einen fesselt er damit sein Publikum, zum anderen bietet die Erzählung die ideale Überleitung zur Sozial- und Glaubensgeschichte. Die Erzählung belegt, wie weit verbreitet noch Anfang des 20. Jahrhunderts der Aberglaube war und wie tief die Volksfrömmigkeit reichte. Immerhin trafen ältere Frauen mitten in der Nacht selbst organisiert zu Andacht und Gebet zusammen.

Eine Hofkapelle?

Auch die Erbauung der Brinkkapelle ist auf besondere Weise von der örtlichen Sozialgeschichte beeinflusst. Errichtet wurde die Kapelle um das Jahr 1730 am Mittweg, einer seit dem Mittelalter beschrittenen Route durch die Senne. Ihren Namen hat die Kapelle wohl vom Brinkhof, einem Gehöft in unmittelbarer Nachbarschaft. Den heutigen Besitzern Marlies und Meinolf Benteler liegt, wie deren Vorfahren und den Erbauern, die Kapelle sehr am Herzen. „Es ist historisch nicht belegbar, aber recht plausibel, dass die Kapelle eine Hofkapelle war“, erklärt Stadtführer Renerig. Solche Hofkapellen gibt es in der Senne öfter. Ihr Hintergrund: In früheren Zeiten gingen die Mägde und Knechte täglich zur Kirche, um dort ihr Gebet zu verrichten. Lag das Gehöft abseits, ging auf dem Weg viel Zeit verloren. Daher entschlossen sich manche Großbauern, selbst eine Kapelle zu bauen. Im Gegenzug zur einmaligen Investition kamen sie dauerhaft zu mehr Arbeitszeit des Gesindes. „Das heißt aber nicht, dass die Bauern früher schlimme Geizkragen gewesen wären“, erklärt Heinz Renerig. „Vielmehr war die Senne mit ihrer Trockenheit und ihren mageren Böden eine Arme-Leute-Gegend. Hier mussten alle strampeln, um am Leben zu bleiben.“ Besser wurden die Lebensumstände erst mit der Industrialisierung, die in der Senne um 1850 einsetzte.

Ein Kleinod und ein Glaubensort

Während ringsum der Wohlstand wuchs, ging es mit der Brinkkapelle bergab. Anfang der 1980er-Jahre war das Gebäude beinahe verfallen. Die von 1983 bis 1985 währende Renovierung kam gerade noch rechtzeitig. „Seither ist die Kapelle wieder ein Kleinod und ein Glaubensort“, freut sich Heinz Renerig. Bis 2017 wurde dort wöchentlich eine Messe gelesen. Heutzutage wird die Kapelle für Festtagsgottesdienste herausgeputzt, wenn es zum Beispiel in der Nachbarschaft einen runden Geburtstag oder eine Goldene Hochzeit zu feiern gibt. Um Mitternacht sollte Ruhe herrschen. Wer verdächtige Töne vernimmt, ruft besser die Polizei.

Brinkkapelle in Stukenbrock

Hier finden Sie weitere Informationen über diesen besonderen Ort.

Brinkkapelle in Stukenbrock

Das Kalenderbild

© Besim Mazhiqi / Erzbistum Paderborn

Bistumskalender 2023: Auf dem Weg im Erzbistum Paderborn

Der diesjährige Bistumskalender nimmt uns mit auf eine Reise durch das Erzbistum Paderborn und macht jeden Monat Halt an zwei besonderen Orten: an zahlreichen Kapellen oder Kreuzwegen, die jeweils Zeugen einer interessanten Entstehungsgeschichte sind. Darüber hinaus erzählt der Kalender faszinierende Geschichten von Menschen, die mit diesen Orten verbunden sind – manchmal nicht nur über viele Jahre, sondern sogar über weite Entfernungen hinweg. Wir stellen Ihnen hier alle zwei Wochen das neueste Kalenderblatt vor.

Die weiteren Kalender-Einträge

© Besim Mazhiqi / Erzbistum Paderborn
Unser Glaube | 16. Dezember 2023

Kommet, das liebliche Kindlein zu schaun!

Erzbistumskalender 2023: Die heimelige Krippe in St. Elisabeth in Castrop-Rauxel ist gut fürs Gemüt
© Besim Mazhiqi / Erzbistum Paderborn
Unser Glaube | 01. Dezember 2023

Vom Himmel hoch, da komm ich her

Erzbistumskalender 2023: Zur Weihnachtszeit zeigt sich St. Johannes Baptist in Düdinghausen besinnlich
© Besim Mazhiqi / Erzbistum Paderborn
Unser Glaube | 16. November 2023

Dass es keine Not der Menschen gebe, die nicht in einer Kirche gelindert werden könnte

Erzbistumskalender 2023: Allein des imposanten Glasfensters wegen lohnt die Pfarrkirche St. Josef in Korbach einen Besuch
© Besim Mazhiqi / Erzbistum Paderborn
Unser Glaube | 01. November 2023

Die Riten ändern sich, der Wunsch nach einer würdigen letzten Ruhestätte bleibt

Erzbistumskalender 2023: Die neue Stele auf dem Friedhof Hövelhof weist den Weg zu Baumgräbern
© Besim Mazhiqi / Erzbistum Paderborn
Unser Glaube | 16. Oktober 2023

Kaiserlich-bischöflicher Kunstkrimi

Erzbistumskalender 2023: Bis 1648 war der Mindener Dom Bischofssitz – die glanzvolle Geschichte wirkt bis heute nach
© Besim Mazhiqi / Erzbistum Paderborn
Unser Glaube | 01. Oktober 2023

Die Beschwernisse abladen und loswerden können

Erzbistumskalender 2023: Die Wallfahrt in Verne ist auch im 21. Jahrhundert noch mit tiefer spiritueller Bedeutung angefüllt
© Besim Mazhiqi / Erzbistum Paderborn
Unser Glaube | 16. September 2023

Ende gut, alles gut!

Erzbistumskalender 2023: Der Turm von St. Alexander in Schmallenberg zieht innen wie außen die Blicke auf sich
© Besim Mazhiqi / Erzbistum Paderborn
Unser Glaube | 01. September 2023

Nicht beten müssen – beten können

Erzbistumskalender 2023: Das Geistliche Zentrum auf dem Kohlhagen versteht sich als Einladung ans Leben
© Besim Mazhiqi / Erzbistum Paderborn
Unser Glaube | 16. August 2023

Was bedeuten die gekreuzten Schwerter auf dem Fenster?

Erzbistumskalender 2023: Ein Glasmosaik in der Pfarrkirche Herz Jesu in Witten-Bommern gibt Rätsel auf
© Besim Mazhiqi / Erzbistum Paderborn
Unser Glaube | 01. August 2023

Eine kleine Wallfahrt

Erzbistumskalender 2023: Die Annenkapelle in Brakel zieht nicht nur am Annentag im August Scharen von Pilgernden an

Weitere Einträge

Maren Steiger

Unser Glaube „Ich tanze, wenn ich alles vergessen will“

Maren Steiger über ihre Lebensfreude, das Gefühl nicht schön genug zu sein und die Angst, ihre Freunde zu verlieren
© Ansgar Hoffmann / Erzbistum Paderborn
Kaiser Lothar III. bestätigt 1134 eine Schenkung des Edelherrn Rudolf von Steinfurt aus dem Jahr 1133 an den Prämonstratenserorden.

Unser Glaube Da stand der Kaiser Kopf!

Eine Urkunde aus dem Erzbistumsarchiv belegt: Bei der Gründung des Prämonstratenser-Chorherrenstifts Clarholz war der Ordensstifter, der heilige Norbert von Xanten, direkt beteiligt
© CristiDumi / Shutterstock.com
Die Flaggen vor dem Gebäude der Europäischen Kommission, Brüssel

Unser Glaube Europa im Glauben: Gemeinsame Werte

Am 09.Juni ist es wieder soweit: Zum zehnten Mal wird das Europäische Parlament gewählt. Weihbischof Josef Holtkotte verrät uns, was Europa für ihn bedeutet, welche Werte er mit Europa verbindet und wo sich diese Werte auch im Glauben widerspiegeln
Kontakt
| |
generalvikariat@erzbistum-paderborn.de
+49 (0)5251 125-0
Barrierefreiheit