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© Besim Mazhiqi / Erzbistum Paderborn
© Besim Mazhiqi / Erzbistum Paderborn

Als Christen sind wir Christusträger, lebendige Monstranzen

Das Allerheiligste so nah und so sichtbar: Die Monstranz in St. Johannes in Sundern zieht die Menschen zu Anbetung und Andacht in die Kirche

Seit dem Jahr 1723, also seit mehr als 300 Jahren, ist Sundern ein wichtiger Wallfahrtsort – nur eben andersherum. Die Menschen kommen nicht nach Sundern zur Wallfahrt. Sie wallfahren von dort los, betend, schweigend und singend, immer am ersten Maiwochenende und immer vom Startpunkt St. Johannes in Sundern über dieselbe Route mit denselben Stationen ins über 30 Kilometer entfernte Werl.

„Wer gesund und einigermaßen gut zu Fuß ist, schafft die Strecke“, sagt Stefan Siebert, der seit einem knappen Jahrzehnt Pfarrer in Sundern ist und in dieser Zeit den Weg nach Werl schon vielfach zurückgelegt hat. „Wer aber den Rückweg aus der Ebene hinauf über den Haarstrang ins Hochsauerland ebenfalls zu Fuß antritt, spürt am Ziel jeden Knochen.“

Organisiert wird die Wallfahrt nach Werl von einer Gruppe ehrenamtlich Engagierter, die sich um das wechselnde Jahresmotto, aber auch um praktische Dinge kümmern. Der Wallfahrt kann Pfarrer Siebert vieles abgewinnen – und die Anstrengung gehört dazu: „Christ-Sein ist nicht Schaukelstuhl und Hängematte. Unser Christ-Sein bedeutet, gemeinsam mit dem Herrn unterwegs zu sein. Das ist mühsam und anstrengend.“ Umso größer ist die Freude des Priesters, dass es viele Menschen gibt, die diesen Weg mitgehen – im übertragenen Sinne als Lebensweg wie auch bei der jährlichen Marienwallfahrt. Unter den Teilnehmerinnen und Teilnehmern sind auch Menschen, die während des Jahres eher selten in der Kirche zu sehen sind. Genauer gesagt: in einer der 16 Kirchen der 13 Pfarrgemeinden, die zusammen den Pastoralen Raum Sundern bilden.

Ein offener Kraftort mitten im Alltag

„Die Kernstadt Sundern ist umgeben von Dörfern, die zu Recht stolz sein können auf das große ehrenamtliche Engagement der Menschen für ihren Glauben“, fasst Stefan Siebert zusammen. Die Sonderstellung von St. Johannes beschränkt sich mehr oder minder darauf, dass hier der Sitz des Pastoralteams ist, außerdem ist St. Johannes die Kirche mit dem größten Platzangebot.

Eine weitere Besonderheit weist die im neugotischen Stil errichtete und 1899 fertiggestellte Kirche St. Johannes dann doch noch auf: Es ist ihre Lage in der Fußgängerzone. Menschen kommen einfach so während ihres Einkaufs in die Kirche, die Brötchentüte unter den Arm geklemmt oder die Einkaufstasche mit dem Gemüse vom Markt in der Hand. Erstaunlich viele lenken ihre Schritte nicht vor den Hochaltar, sondern hin zum seitlichen Kreuzaltar. Hier sind wir auch beim Motiv des Kalenderbilds angekommen. Denn dort, am Kreuzaltar, steht die Monstranz mit ihrer großen Schauhostie. Das Allerheiligste präsentiert sich den Gläubigen sichtbar und nahbar. „In Zeiten großer Veränderungen, politisch, gesellschaftlich und innerhalb der Kirche, sehnen sich Menschen nach einem Ort, an dem sie neue Hoffnung und neue Kraft schöpfen können“, erklärt Pfarrer Siebert. „Ich bin sehr froh darüber, dass wir in unserer Kirche mit der Monstranz diesen Kraftort haben.“

Pfarrer Stefan Siebert freut sich über jeden Besuch. Aber genauso wichtig wie das Kommen ist für ihn das Gehen. „Wenn wir bei Gott waren, gehen wir wieder hinaus zu den Menschen und hinein in das anstrengende Leben“, führt Stefan Siebert seinen Gedanken aus. „Wir tun das aber verändert. Unser Auftrag als Christinnen und Christen ist es, dass wir Christusträgerinnen und Christusträger werden. Wir tragen Christus in uns hinein in die Welt und zu den Menschen. Wir sind lebendige Monstranzen.“

St. Johannes in Sundern

Hier finden Sie weitere Informationen zu diesem Ort.

Das Kalenderbild

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