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24
Januar
2020
24.Januar.2020

Tellerwaschen für den Teamgeist

Themenspecial „Große Pläne“: Martin Przondziono, Geschäftsführer Sport des SC Paderborn 07, über Teamgeist und Vertrauen

Martin Przondziono weiß, wie es sich anfühlt, in fast jedem Spiel der Underdog zu sein. Als Geschäftsführer Sport stellt er den Kader der Profimannschaft des SC Paderborn 07 zusammen. Im Interview spricht er darüber, wie der SCP seinen großen Plan, den Klassenerhalt, verwirklichen will, und warum dafür Teamgeist und Vertrauen in die eigene Stärke ausschlaggebend sind.

Redaktion

Herr Przondziono, welche Überschrift würden Sie der Rückrunde des SC Paderborn 07 geben?

Martin Przondziono

Das ist jetzt nicht so einfach. (überlegt) Weiterentwicklung bis zum Ziel.

Redaktion

Und was ist das Ziel?

Przondziono

Der Klassenerhalt.

Redaktion

Was glauben Sie – wovon hängt es am meisten ab, ob das Ziel erreicht wird?

Przondziono

Im Fußball kommt es darauf an, dass man Spiele gewinnt und Punkte holt. Warum es mal klappt und mal nicht, hat viele Gründe. Manchmal ist auch Glück dabei, das darf man nicht von der Hand weisen. Aber ich glaube schon, dass wir auf einem sehr guten Weg in der Entwicklungsphase sind, um in der Rückrunde genug Punkte zu holen. Doch letztendlich hängt alles von einer Sache ab – geht der Ball rein, oder nicht?

Redaktion

Das ist aber nicht nur Glück, oder?

Przondziono

Am Schluss ist es auch eine Frage der Qualität. Manchmal glaubt man, es sei Glück, aber am Ende ist es doch Qualität, die den Unterschied macht. Im Fußball wie auch in vielen anderen beruflichen Feldern setzt sich Qualität am Ende immer durch. Aber daran arbeiten wir stetig.

Martin Przondziono. Foto: Schulte
Martin Przondziono. Foto: Schulte
Redaktion

In Ihrer Vorstellung im SCP07-TV haben Sie das Thema Menschenführung angesprochen und gesagt, dass Sie darüber ähnlich denken wie ihr Vorgänger Markus Krösche. Wie denken Sie?

Przondziono

In erster Linie sind wir ein Fußballverein, bei dem es um Leistung geht. Auf der anderen Seite bin ich davon überzeugt, dass man Leistung nur bringen kann, wenn du das, was du tust, mit Spaß und Freude machst. Das ist der große Schlüssel.

Da setze ich den Hebel an – dass ich den Umgang mit Mitarbeitern und Spielern so handhabe, dass jeder mit einem Lächeln morgens zur Arbeit kommt. Dadurch entwickelt man für sich und die gesamte Sache eine Kraft, durch die man seinen Zielen näherkommt.

Redaktion

Wie versuchen Sie das umzusetzen?

Przondziono

Ich gebe allen Mitarbeitern viele Freiheiten. Wenn private Probleme da sind – und selbst, wenn nur der Hund krank ist – dann ist das ebenfalls von Bedeutung. Für uns ist Fußball enorm wichtig, aber es ist nicht alles im Leben. Das versuche ich auch für mich selbst mitzunehmen, dass ich mir bewusst bin, dass ich in erster Linie ein privater Mensch bin – und arbeiten gehe, um zu leben und nicht andersherum. Deswegen sollte man versuchen, sich die wichtigen Werte im Leben in Erinnerung zu rufen.

Redaktion

Was sind für Sie denn die wichtigen Werte im Leben?

Przondziono

Loyalität ist ein großes Wort für mich. Mir ist wichtig, dass man mit Leidenschaft und Fleiß dabei ist. Ich glaube, dass mit Fleiß viel erreicht werden kann. Dazu kommen Ehrlichkeit und ein guter Umgang – dann hat man schon viel abgedeckt.

Redaktion

Es gibt das Zitat, dass Fußball zu 70 Prozent im Kopf entschieden wird. Sehen Sie das auch so?

Przondziono

Grundsätzlich ja. Natürlich gehören körperliche Fitness sowie spieltechnische und -taktische Qualitäten dazu. Aber am Ende ist der Kopf ein ganz wichtiger Faktor. Das Sprichwort „Angst frisst Seele auf“ kommt ja auch nicht von ungefähr. Wenn man motiviert und im Kopf topfit ist, hat man größere Chancen, als wenn man die mentale Stärke nicht abrufen kann.

Redaktion

Wie kann diese abgerufen werden?

Przondziono

Man muss vor allem in sein Können vertrauen können. Ich halte es für wichtig, dass die Jungs wissen: Wir haben viel trainiert, wir können das. Dann geht es darum, wie man das auf den Platz bekommt. Da muss man immer wieder neu an sich glauben.

Im Fußball hat man das Glück, dass die Mitspieler oder die Zuschauer einen auffangen können. Aber am Ende muss jeder versuchen, auf dem Platz mit Selbstbewusstsein zu denken: „Ich bin besser als mein Gegenspieler.“ Dann läuft man von allein und weiß manchmal gar nicht, wie man den letzten Spielzug eigentlich gemacht hat. Da gibt es nicht den einen Hebel, sondern es geht eher darum, sich aus Situationen befreien zu können. Das ist im normalen Privatleben auch so. Das ganze Leben spielt sich im Kopf ab.

Martin Przondziono blickt auf das Trainingsgelände des SC Paderborn 07. Foto: Schulte

Martin Przondziono blickt auf das Trainingsgelände des SC Paderborn 07. Foto: Schulte

Redaktion

Wie groß ist der Einfluss der Fans auf die Spieler?

Przondziono

Wenn man keinen guten Tag hat, fokussierst man sich manchmal zu sehr auf die Fans. Dann hat man Angst, den Ball anzunehmen und nimmt die Stimmung als nicht prickelnd wahr. Das ist nicht immer leicht. In meiner aktiven Karriere ist das an mir mehr oder weniger abgeprallt, aber es gibt Spieler, die zerbrechen daran.

Da müssen wir die Hilfestellung geben. Wir sagen den Spielern gerne: Du bist hier, weil du gut bist – und nicht, weil du hübsch bist oder ein dickes Auto fährst. Andersherum ist es so, dass die Jungs es aufsaugen, wenn die Fans nach Spielen wie gegen Bayern oder Leipzig noch 20 Minuten im Stadion bleiben und applaudieren.

Redaktion

Sie haben gesagt, dass das Team einzelne Spieler auffangen kann. Wo spüren Sie den Teamgeist beim SC Paderborn 07 wehen?

Przondziono

Immer. Wir sind eine kleine Gemeinschaft, die großen Wert darauf legt, dass der Teamgeist gelebt wird, sobald man die Tür aufmacht. Das spiegelt sich darin wider, dass wir zusammen frühstücken, Mittag essen und viel gemeinsam unternehmen. Nach dem Essen müssen die Jungs ihre Teller spülen und die Küche aufräumen.

Wir haben eine Liste, auf der steht, wer diese Woche mit Küchen- und Ordnungsdienst dran ist. Da kann sich keiner rausstehlen. Das sorgt dafür, dass die Jungs auch auf dem Platz füreinander da sind. Nur so funktioniert das hier – sonst hätten wir keine Chance.

Redaktion

Finanziell können Sie mit allen anderen Klub nicht mithalten – sportlich in jedem einzelnen Spiel aber schon…

Przondziono

Wir sind in jedem Spiel der Underdog, aber in 90 Minuten ist immer etwas möglich. In wenigen Spielen haben wir bisher verdient verloren. Die meisten Spiele waren offen, auch gegen Leipzig und München. In Dortmund haben wir auch ein überragendes Spiel gemacht. Wir haben gezeigt, dass wir mithalten können – und das ist das, was wir eingangs besprochen haben: Es ist nicht nur immer Glück, manchmal ist es das Quäntchen Qualität, was fehlt, wenn ein Spieler einen Fehler macht. Aber die Jungs lernen, versuchen, das auszumerzen und werden abgebrühter.

Im Dezember hat sich die Mannschaft in eine Richtung entwickelt, die uns Freude macht – und mit zwei Siegen wertvolle Punkte geholt. Wir hoffen, dass es so weitergeht, weil ich sehe, wie die Jungs mit Leidenschaft und Hingabe jeden Tag arbeiten.

Redaktion

Wie können Sie die positive Entwicklung erklären?

Przondziono

Bei jungen Spielern muss man akzeptieren, dass die Entwicklung nie steil nach oben geht. In der Entwicklung gibt es zum Teil erhebliche Schwankungen. Wir fangen die Jungs auf und geben ihnen die nötige Zeit. Wenn wir einen Spieler verpflichten, sagen wir ihm nicht, dass er in drei Monaten funktionieren muss.

Wenn man sieht, aus welchen Ligen und mit welcher Vorausbildung die meisten Jungs herkommen – Streli Mamba beispielsweis ist mit Cottbus in die Regionalliga abgestiegen –, dann muss man den Jungs auch weniger gute Spiele zugestehen. Das sollte man bei jungen Menschen generell so machen. Wir alle haben schon genug Druck, jeder einzelne in seinem normalen Leben – und Fußball ist ein riesengroßer Druck.

Redaktion

Wollen Sie mit ihrer Arbeit also zeigen, dass die jungen Spieler besser sind, als man auf den ersten Blick denkt?

Przondziono

Ja, das ist so. Ich glaube, dass es in unterklassigen Vereinen viele gute Spieler gibt, die einfach Zeit brauchen. Wenn ich einen Spieler verpflichte, muss ich von seinem Potenzial überzeugt sein – nicht unbedingt von der aktuellen Leistung. Ich muss das Potenzial sehen, dass sie es besser machen können.

Redaktion

Herr Przondziono, vielen Dank für das Gespräch.
Das Interview führte Tobias Schulte.

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