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Erzbistum Paderborn
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Missale (Messbuch) 16. Jahrhundert, Liturgie Ostersonntag© Cornelius Stiegemann / Erzbistum Paderborn

Ostern ein Fest mit einheitlichem Datum?

Jedes Jahr im Frühling feiern wir mit dem Osterfest die Auferstehung Jesu. Der Tag variiert, die weltlichen Traditionen und die kirchlichen Feiern wiederholen sich jedoch.

Im Unterschied zu kirchlichen Festtagen wie den Gedenktagen der Heiligen oder Weihnachten handelt es sich bei Ostern um einen beweglichen Festtag, von dem wiederum die meisten beweglichen Festtage wie Christi Himmelfahrt, Pfingsten oder Fronleichnam abhängen.

Eines ist sicher: Ostern und Weihnachten fallen nie auf einen Tag. Doch wann genau feiern wir eigentlich Ostern? So eindeutig war dies lange Zeit nicht. Eine ganze Wissenschaftsdisziplin, die Komputistik, beschäftigte sich im Mittelalter mit der Berechnung des Osterfesttermins. Ihren Namen hat die Komputistik vom lateinischen Verb computare, was berechnen bedeutet und von dem sich auch der Begriff Computer herleitet.

Den Ausgangspunkt für die Datierung des Osterfests bildete die Überlieferung der Evangelien, nach denen die Kreuzigung Jesu direkt vor oder am Tag des Pessachfestes stattfand. Die frühesten christlichen Gemeinden feierten Ostern daher noch mit dem jüdischen Pessachfest, dessen Termin mit dem jüdischen Lunisolarkalender bestimmt wird. Aber schon im Frühchristentum entwickelte sich nach und nach eine Verschiebung des christlichen Festes auf den Sonntag nach dem Frühjahrsvollmond.

Kaiser Konstantin bestimmte auf dem Konzil von Nicäa im Jahr 325 schließlich, dass alle Christen überall an einem Tag Ostern feiern sollten. Vereinfacht gesagt wird Ostern am ersten Sonntag nach dem Vollmond, der nach dem auf den 21. März festgelegten Frühlingsbeginn liegt, gefeiert. Für die Festsetzung des Datums muss man also wissen, auf welchen Wochentag der 21. März in dem jeweiligen Jahr fällt, außerdem muss man den Mondkalender kennen. Der früheste Termin für den Ostersonntag ist demnach der 22. März, der späteste der 25. April.

Missale (Messbuch) 16. Jahrhundert, Liturgie Ostersonntag© Cornelius Stiegemann / Erzbistum Paderborn

Unstimmigkeiten beim Termin, Einigkeit bei der Liturgie

Auch wenn es über den Tag des Osterfestes anfangs Unstimmigkeiten gab, so traf dies nicht auf den Ablauf der Osterliturgie zu. Im Missale (Messbuch) wird mit liturgischen Texten die Feier der Eucharistie an Sonn-, Feier- und Werktagen eindeutig für die gesamte römische Kirche beschrieben. Der Ausschnitt aus der Archivalie des Monats April 2024 zeigt den Introitus, also den Eingangsvers, zum Ostersonntag, zum Hochfest der Auferstehung des Herrn, auf Lateinisch Dominica resurrectionis. Beim vorliegenden Messbuch handelt es sich um einen Druck des frühen 16. Jahrhunderts. Da an einigen Stellen umfänglich handschriftliche Eintragungen vorgenommen worden sind, wird das Stück im Erzbistumsarchiv unter den Handschriften geführt.

Abgebildet ist im Viereck der Anfangsbuchstabe R (Initiale) des Wortes resurrexi, es folgen die Worte et adhuc tecum sum, – alleluia (Ich bin auferstanden und bin immer bei dir. Halleluja). Die Initiale ist in Form eines Lebensbaumes gestaltet und mit Blüten und Früchten sowie weiterer Ornamentik versehen. Darin abgebildet ist der Auferstandene mit Segensgestus, Kreuznimbus sowie Siegesfahne. Der Tag des Osterfestes mag variabel sein, die Osterbotschaft jedoch ist überzeitlich.

Foto Erzbistumsarchiv Paderborn
Signatur EBAP, Metropolitankapitel, Handschrift B I 2, Bl. 111
Datierung 1502, mit jüngeren handschriftlichen Nachträgen
Provenienz Metropolitankapitel
Kulturhistorische Bedeutung Ein Stück Liturgiegeschichte mit der Ordnung der liturgischen Texte für den Vollzug der Feier der Heiligen Messe durch den Klerus
Literaturangaben Hermann Grotefend, Taschenbuch der Zeitrechnung, 14. Auflage, Hannover 2007.
Joachim Wiesenbach, Sigebert von Gembloux. Liber decennalis (MGH Quellen zur Geistesgeschichte des Mittelalters, Bd. 12), Weimar 1986, S. 31ff, online verfügbar unter: https://www.dmgh.de/mgh_qq_zur_geistesgesch_12/index.htm#page/31/mode/1up
Linneborn, Johannes: Inventare der nichtstaatlichen Archive des Kreises Paderborn; Münster 1923, Seite 44-45.

Die Archivalie des Monats

Das Erzbistumsarchiv ist das Gedächtnis unserer Erzdiözese. Es sichert und erschließt die schriftliche Überlieferung und macht Geschichte allgemein zugänglich. Und das sogar kostenlos. Selbst die wertvollsten Archivstücke können Sie sich werktäglich zu den Öffnungszeiten des Erzbistumsarchivs ansehen. Darunter sind selbstverständlich auch die Stücke, die wir Ihnen in unserer Reihe „Die Archivalie des Monats“ vorstellen.

 

Besuchendenadresse:

Erzbistumsarchiv Paderborn
Domplatz 15 (Konrad-Martin-Haus)
33098 Paderborn
Tel.: (0 52 51) 1 25-12 52
E-Mail: archiv@erzbistum-paderborn.de
Geöffnet Montag-Donnerstag, 9.00 Uhr bis 16.00 Uhr

 

Ein Hinweis für alle genealogisch Interessierten: Die digitalisierten Kirchenbücher des Erzbistums Paderborn finden Sie auf

Matricula

Ein Beitrag von:
© Besim Mazhiqi / Erzbistum Paderborn
Archivarin

Julia Hennig

© Cornelius Stiegemann / Erzbistum Paderborn
Archivar

Thomas Welter

© Jürgen Hinterleithner
freier Autor

Hans Pöllmann

Weitere Einträge

© Besim Mazhiqi

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